America's Cup

BMW Oracle Racing (USA) gewinnt vor Team Germany

07.08.2006 Lars Bolle, Fotos: Heinrich Hecht/Louis Vuitton/German Sailing Grand Prix Kiel - Mehr als 150.000 begeisterte Besucher beim German Sailing Grand Prix in Kiel

Fotograf: © Heinrich Hecht/Louis Vuitton/German Sailing Grand Prix Kiel
Die drei Cuppper direkt vor der Kiellinie

Das US-amerikanische America’s Cup-Team BMW Oracle Racing hat den ersten German Sailing Grand Prix in Kiel gewonnen. Ein Vorstagbruch im alles entscheidenden Matchrace am Sonntag beendete die Träume des United Internet Team Germany, das Heimspiel vor insgesamt mehr als 150.000 Besuchern an vier Tagen für sich zu entscheiden.

Tosender Applaus brauste auf, als Chris Dickson mit seiner Mannschaft zur Siegerehrung auf die Aktionsbühne im Racevillage marschierte. In eindrucksvoller Manier hatte sein Team BMW Oracle Racing die Regatta mit 65 Punkten für sich entschieden. Die Gastgeber retteten den zweiten Rang mit 28 Zählern vor Shosholoza (25). "Wir haben unglaublich spannende Rennen erlebt, die oft viel knapper waren, als der Endstand ausdrückt", so Dickson. "Es war eine perfekte Werbung für den Segelsport. Kiel hat den Titel Sailing City wirklich verdient. Wir kommen gerne wieder."

Auch Bruno Troublé, Repräsentant von Louis Vuitton, dem Hauptsponsor des 32. America’s Cups, dankte dem Kieler Yacht-Club als Ausrichter und der gastgebenden Landeshauptstadt Kiel sowie der gesamten Region auch im Namen des America’s Cup Managements (ACM). "Vier Tage Sonne, vier Tage Wind, viele Besucher und packender Segelsport. Es war ein großartiges Event, das unbedingt wiederholt werden sollte", so der Franzose.

Fotograf: © Heinrich Hecht/Louis Vuitton/German Sailing Grand Prix Kiel
Champagnerdusche von Tony Kolb

Vier Jahre nach seinem sagenhaften Triumph bei der Weltumseglung war es dem einzigen Deutschen an Bord der USA 71 vorbehalten, mit einer Magnumflasche Champagner die eigene Crew genauso zu duschen wie die Gegner und das Publikum. Tony Kolb aus München hatte seine persönliche Bilanz bereits gezogen: "Die Begeisterungsfähigkeit der Menschen hier ist enorm. Wenn das Format bleibt, muss Kiel beim 33. America’s Cup einen Louis Vuitton Act bekommen."

Aufgrund einer idealen Nordwindlage hatte die Regattaleitung mit Tom Ross und Benjamin Storm fast alle Wettfahrten des German Sailing Grand Prix in die Kieler Innenförde direkt vor die Zuschauer gelegt. Das schuf eine einzigartige Atmosphäre, zumal alle anderen Szenen, die sich auf der Außenförde abspielten, in einer viel gelobten Fernsehübertragung auf eine Großbildleinwand übertragen wurden.

"Wir sind froh und glücklich, dass die Profisegler genauso zufrieden sind, wie die vielen Gäste aus nah und fern", so Angelika Volquartz, "das ist die schönste Auszeichnung für KIEL.SAILING CITY als Welthauptstadt des Segelsports." Und auch Landesvater Carstensen war merklich stolz auf diesen Auftritt. Zum ersten Mal überhaupt in der 155Jährigen Geschichte des America’s Cups, der ältesten Sporttrophäe der Welt, waren drei Teams in Deutschland zu einer Regatta gegeneinander angetreten.

Die gute Stimmung wurde am Sonntag jedoch von zwei Unfällen überschattet. Eine Schrecksekunde gab es bei der zweiten Tonnenrundung des Fleetraces. Beim Bergen des Spinnakers des Teams Shosholoza ging Mastmann Charles Nankin (28) über Bord, der im Rennen am Traveller eingesetzt war. Dabei verletzte er sich am Rücken und wurde ins Krankenhaus gebracht, nachdem das Begleitboot der Südafrikaner sofort zur Stelle war, um ihn aus dem Wasser zu bergen. Glück im Unglück: Beim Bruch des dritten Lendenwirbels blieb das Rückenmark unbeschadet. Nankin wird heute in der Uniklinik Kiel operiert und dürfte in zehn bis 14 Tagen die Heimreise nach Südafrika antreten können.

Nach dem Unfall wurde zunächst der Regattaplan geändert und das "große Finale" zwischen United Internet Team Germany und BMW Oracle Racing vorgezogen. Bereits in der Vorstartphase musste Jesper Bank auf der GER 72 eine Bestrafung wegen einer Regelwidrigkeit (360-Grad-Drehung) hinnehmen. Doch auf der rechten Seite der Startkreuz, die er gewonnen hatte, fühlte sich zunächst der Däne wohl: "Es lief alles wie geplant, bis plötzlich das Vorstag brach. Zum Glück konnten wir verhindern, dass auch noch der Mast herunter kam."

Während die GER 72 vorzeitig ihren Heimathafen verließ und die Knierim Werft anlief, demonstrierten BMW Oracle Racing und Team Shosholoza noch mal Segelsport der Extraklasse. Enge Manöver faszinierten das fachkundige wie staunende Publikum. Sportlich hatte die südafrikanische Mannschaft, die von T-Systems unterstützt wird, jedoch einen schweren Stand. Die Geschwindigkeitsnachteile der "alten Dame" RSA 48 waren nicht wettzumachen.

"Wir haben trotzdem eine gute Leistung abgegeben und zumindest für ein paar Überraschungen gesorgt", meinte der Hamburger an Bord, Tim Kröger. "Das war ein Super-Event, das noch seinesgleichen sucht."

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