Extreme Sailing Series

Begeisterndes Finish an der Kiellinie

30.08.2010 Jochen Rieker, Fotos: OC Events/P. Wyeth - Überlegener Gesamtsieg von Yann Guichard auf Groupe Rothschild – Mike Golding Zweiter – Deutsche Teams tauschen Plätze

Fotograf: © OC Events/P. Wyeth
Superserie: Die Franzosen um Yann Guichard waren nicht zu schlagen

Trotz des launischen Wetters: Das Konzept der Kat-Serie geht auf. Auch im zweiten Jahr erwiesen sich die Rennen auf den schnellen Extreme 40 als Publikumsmagnet.

Yann Guichard, Hervé Cunningham, Pierre Pennec und America`s Cup-Gewinner Thierry Fouchiet heißen die Sieger der dritten Station der Extreme Sailing Series in Kiel. Das Team der Groupe Edmond de Rothschild bestätigte damit auch am Finaltag seine überragende Form und konnte den Vorsprung vor dem zweitplatzierten Mike Golding auf Ecover noch einmal deutlich ausbauen.

„Ich bin wirklich glücklich und danke meinem Team — die haben einen Super-Job gemacht", sagte der 36 Jahre alte Skipper Guichard, der sich beeindruckt zeigte von dieser einzigen deutschen Etappe der Serie: „Phantastisch — das Publikum hier — man hört die Leute schreien und klatschen!“

Von Donnerstag bis Sonntag pilgerten rund 65.000 Zuschauer an die Kiellinie und trotzten gelegentlichen Regenschauern. Auch für die Segler waren die Bedingungen alles andere als einfach: teils extreme Winddreher und Böen wirbelten immer wieder das Feld durcheinander.

Die Dominanz der Groupe Rothschild
Niemand kam damit so gut klar wie die Franzosen von der Groupe Rothschild. Allein drei Tagessiege fuhr das Team heraus. Yann Guichard, hierzulande kaum bekannt, ist ein erfahrener Multihull-Segler. Bei den olympischen Spielen 2000 in Sydney wurde er Vierter im Tornado. Er hat mehrfach Rekordfahrten auf Hochsee-Maxi-Kats und -Tris begleitet und zählt bei der Extreme Sailing Series zu den Top-Favoriten. Im Vorjahr war er mit seinem Team Zweiter der Gesamtserie; durch den Sieg in Kiel liegt er nach drei von fünf Stationen derzeit an der Spitze.

Gesamtplatz zwei ging nach 23 Wettfahrten und einer spannenden Aufholjagd am letzten Tag  an Mike Golding (Großbritannien) mit dem Ecover Sailing Team. Noch vor dem omanischen Team The Wave, Muscat von Skipper Paul Campbell James (Großbritannien), der sich am letzten Tag von Platz fünf auf drei verbessern konnte und dabei zwei Altmeister wegbügelte: Loick Peyron (Oman Masirah, 4.) und Mitch Booth (The Ocean Racing Club, 5.).

Enttäuschend verlief das Rennen für Roman Hagara und das Red Bull Team aus Österreich. Statt des avisierten Podiumsplatzes reichte es nur zu Rang 6 für das Boot mit der Meerjungfrau auf den Steckschwertern. Sonntag kam dann auch noch Pech dazu. Mit Wegerecht kollidierte die Alpen-Crew mit Paul Campbell James The Wave, der tags zuvor bereits Mitch Booth eine tiefe Schramme in den achteren Beam gefahren hatte. Beide konnten jedoch weitersegeln, der Schaden an den Rümpfen war gering.

Fotograf: © OC Events/P. Wyeth
Guter Schluss: Wirsol holte einen Wettfahrtsieg und Platz 8 vor Audi

Der Coup von Tino Mittelmeier
Super-frech und pfiffig fuhr das Wirsol Team Germany im zweiten Rennen den ersten Sieg heraus. Vom Fleck weg kam die junge Crew von Trainer Roland Gäbler gut ins Rennen, gab keinen Meter her und verteidigte kurz vor dem Ziel auch noch hart gegen die britische Ecover.

Das gab zwar einen Protest von Skipper Mike Golding, der sich benachteiligt sah, aber selbst Golding musste lachen — so lautstark war die Begeisterung der Zuschauer über den Coup des jungen deutschen Teams, das sich bei den jubelnden Fans bedankte. Golding augenzwinkernd: „Da bin ich ja froh, noch Zweiter geworden zu sein….“

Trainer und Skipper Roland Gäbler freute sich für „seine“ Jungs: „Das war mal gut für die Psyche.“ Steuermann Tino Mittelmeier, der freitags noch mit sich selbst gehadert hatte, war am Sonntag wieder mit sich im Reinen: „Das war unser erklärtes Ziel, hier auch einmal zu gewinnen.“

Johannes Polgar, Skipper des Audi Sailing Team Germany, und seine Crew mussten am letzten Wettfahrttag die deutschen Kollegen vom Wirsol Team Germany noch vorbeiziehen lassen, gleichwohl hat das Team um den einzigen Katamaran-Segler eine bemerkenswerte Leistung abgeliefert. „Ich möchte mich beim Kieler Publikum bedanken, das war wirklich toll, diese Unterstützung.“

Die Faszination des Wettfahrt-Formats
Schon am Sonnabend sagte Polgar im kleinen Kreis, immer noch sichtlich begeistert vom Boot und dem Regattaformat: "Im Starboot bleiern wird das ganze Jahr über rum, fernab von jedem Publikum — und auf den Extreme 40 fliegen wir hier nur so über die Bahn, direkt vor den Leuten. Da fragt man sich schon: Was machen wir eigentlich?

Teamchef Oliver Schwall dankte Veranstalter OC Events und Kiel Sailing City und war seinerseits hin und weg: “Ich denke, das war ein Riesenereignis für jeden, der dabei war." Nach Ende der Wettfahrten hatte der ehemalige Tornado-Segler Sonnabend selbst einen kurzen Schlag am Steuer des Extreme 40 gemacht. Gut möglich, dass dies der Beginn einer großen Leidenschaft war. "Ein oder zwei deutsche Teams in der gesamten Serie wären toll", so Schwall, der Chef des Sailing Team Germany.

Auch die YACHT-Leser, die bei unserem Gewinnspiel ein Race-Paket gewonnen hatten, zeigten sich ausnahmslos begeistert. Sie wurden von Hochsee-Profisegler Tim Kröger in einem Rib auf der Bahn begleitet und kamen so hautnah ans Geschehen.

Thorsten Mewes aus Hamburg, einer der zehn Glücklichen, durfte sogar an Bord des Wirsol Team Germany. "Es hat riesigen Spaß gemacht", meinte er, "und natürlich war das mitsegeln als 5. Mann ein wahnsinniges Erlebnis !!! Grandios !!! Danke Danke Danke !!!"

Endstand der Extreme Sailing Series Kiel
1. Groupe Edmond de Rothschild, Yann Guichard (Frankreich), 167
2. Ecover Sailing Team, Mike Golding (Großbritannien), 142 Punkte
3. The Wave, Muscat, Paul Campbell James (Großbritannien/ Oman), 128
4. Oman Sail Masirah, Loick Peyron (Frankreich/ Oman), 125
5. The Ocean Racing Club, Mitch Booth (Die Niederlande/ Slowenien), 125
6. Red Bull Extreme Sailing, Roman Hagara (Österreich), 99
7. Groupama 40, Tanguy Cariou (Frankreich), 92
8. Wirsol Team Germany, Tino Mittelmeier (Stuttgart) 67
9. Audi Sailing Team Germany, Johannes Polgar (Hamburg), 61

Heute Nachmittag exklusiv auf YACHT tv
Die Wettfahrten, die Skipper, die Stunts, die Atmosphäre — Großes Film-Feature über das Segeln am Limit auf den Extreme 40 in Kiel

Die nächsten Rennen der Extreme Sailing Series
23. bis 26. September, Trapani, Italien
9. bis 12. Oktober, Almeria, Spanien

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