Portimao Global Ocean Race

Bangen um den Gesamtsieg für "Beluga"

09.06.2009 Jochen Rieker - Vor dem Start schien ihr Sieg sicher. Doch die aktuellen Riggprobleme könnten den Triumph der Deutschen noch vereiteln

Wie YACHT online heute mit der Regattaleitung erörterte, müssen Boris Herrmann und Felix Oehme derzeit noch um den Gesamtsieg zittern. Denn sowohl die Position am Wertungstor als auch die Zeit im Etappenziel von Portimao entscheiden über den Ausgang.

Die Deutschen, die das Rennen um die Welt so lange dominiert, alle Wertungstore bisher als Erste passiert und drei von vier Etappen gewonnen haben, könnten ein Zeitproblem bekommen.

Zwingt sie der Bruch des oberen Salingsbeschlags zu einer drastisch reduzierten Geschwindigkeit oder kommt gar das Rigg von oben, wird es womöglich eng für die "Beluga Racer". Denn in Portimao gilt es ein Zeitlimit einzuhalten.

Kommen sie mehr als zwölf Tage nach den Erstplatzierten ins Ziel, werden sie als DNF (Did not finish) gewertet und erhalten die Punktezahl für den virtuell vierten Platz.

Dann sind sie entweder punktgleich mit den Chilenen und würden vermutlich wegen der Gesamtzeit in der Addition aller Etappen verlieren. Oder sie unterliegen mit einem Rückstand von 0,5 Punkten (1 Prozent der Gesamtpunktzahl!) — dies alles unter der Maßgabe, dass die derzeit in der Etappe führenden Chilenen Erste am Wertungstor und Erste im Ziel wären.

Den Gesamtsieg sichern können Boris und Felix nur, wenn sie am Wertungstor Zweite oder Dritte sind und innerhalb der Wertungsfrist als Dritte in Portimao einlaufen. Eine Reparatur auf den Azoren wäre zwar nach dem Reglement ohne Punktabzug möglich, würde aber Zeit kosten — und genau da gilt es abzuwägen zwischen vorsichtigem Weiterlaufen auf direktem Kurs oder dem Umweg über einen Not-Stopp.

Das heißt für die zahlreichen Fans in Deutschland und rund um die Welt: Mitfiebern bis zur Ziellinie! Und Hoffen, dass die Salinge und damit der Mast hält.

Am besten dafür wären moderate Winde aus Südwest bis Südost bei kleiner Welle — dann würde das Rigg von der noch intakt scheinenden Steuerbordsaling gesichert. Im langjährigen Mittel weht es auf der Nordatlantikroute freilich eher aus dem N/NW-lichen Quadranten. Und mitunter heftig. Genau das, was die Crew der "Beluga Racer" am wenigsten brauchen kann.

Immerhin sind in den nächsten 48 Stunden für die Annäherung ans Wertungstor keine schweren Bedingungen zu erwarten. Und wahrscheinlich sogar eine leichte Brise aus Südost — das könnte reichen, um als Zweite am Scoring Gate zu punkten, vor den aufrückenden Briten. Derweil enteilen die Chilenen auf "Desafio Cabo de Hornos", ihr Vorsprung wuchs zu Letzt wieder auf über 60 Seemeilen an.

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