America's Cup

Baggerfahren und „Three-for-One”

01.02.2012 Dieter Loibner, Fotos: ACEA - In San Francisco wird gebaut, doch nicht alle sind darob erfreut. Und die Regeln fürs Segeln werden weiter gebogen. Es ist alles beim Alten

America's Cup
Fotograf: © ACEA
San Francisco aus der Luft. Viele der Landungsbrücken von der Bay Bridge (r.) bis hinaus zur Fisherman's Wharf sind baufällig Einge von ihnen werden nun für den Cup saniert

Die America’s-Cup-PR-Maschine legt einen Gang zu und verkündet, dass in San Francisco endlich die Bagger anrücken durften, um im Beisein des Bürgermeisters ein altes Pier-Gebäude zu demolieren. Damit wird Platz geschaffen für ein neues, umweltfreundliches Kreuzfahrtschiff-Terminal und das America’s-Cup-Regatta-Zentrum. Das Budget dafür soll sich auf 92 Millionen Dollar belaufen und angeblich direkt und indirekt an die 600 Arbeitsplätze schaffen. Bürgermeister Ed Lee verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, dass der Cup „das nachhaltigste, aufregendste und profitabelste Ereignis in der Geschichte San Franciscos” sein werde.

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Fotograf: © ACEA
San Franciscos Bürgermeister Ed Lee (M.) gibt den Startschuss zum Abriss eines Gebäudes auf der Pier 27, die das AC-Regattazentrum beherbergen wird

Doch diese Vollmundigkeit stößt nicht überall auf Wohlwollen. Vor allem nicht bei kleinen Technologiefirmen, die ihre hip-runtergekommenen Büroräumlichkeiten aufgeben mussten. „Der America's Cup ist hier nicht sonderlich beliebt”, sagt beispielsweise Malte Gösche aus Bremen. Er ist Marketing-Direktor von Miselu, einem Technologie-Startup, und wohnte bis vor kurzem in der Gegend. „Es wurde gerade eine Pier geräumt, auf der viele Startups saßen, und es wird allgemein vieles genau das, was danach und davor keiner will. Unsere Miete wurde um sportliche 60 Prozent erhöht, dabei waren wir aber drei Straßen vom Ferry Building entfernt ...” Gösche zog  nach Lower Nob Hill um, denn „auf den Stadtteil hat der Cup noch keinen negativen Einfluss gehabt”, so der Bremer. 

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Fotograf: © ACEA
Die Golden Boys und die Golden Gate: Russell Coutts (r.) lässt sich von Ben Ainslie unter der berühmten Brücke hindurchchauffieren. Ainslie wird kommende Saison zwar AC 45 segeln, aber beim Cup in die Dienste Oracles treten

Auch in Sachen Segel-Regeln gibt’s Neuigkeiten: Regatta-Direktor Ian Muray ließ verlauten, dass man aufgrund der Erfahrungen bei der America’s-Cup-World-Serie überlegt, eine sogenannte Three-for-One-Regel in den späteren Phasen der Ausscheidung und beim Cup selbst einzuführen. Dies würde bedeuten, dass für jeden vergebenen Punkt eine Serie von drei Wettfahrten gesegelt werden müsste. „Dieser Plan, den wir schon eine Weile diskutieren, brächte mehr Starts und mehr Bojenrundungen, also mehr von den aufregenden Teilen einer Wettfahrt, und das jeden Tag”, erklärte Murray. Das sei spannender, aber auch fairer, weil Fehler und Bruch weniger tragische Konsequenzen hätten. Es könnte aber auch eine Präventivmaßnahme gegen Langeweile sein, die den Einschaltquoten schaden würde. Der Grund: Das Feld der Herausforderer ist mit drei Teams nach wie vor minimal besetzt. Nur Team New Zealand, Luna Rossa und Artemis haben bisher die geforderten Melde- und Teilnahmegebühren zahlen können. Diese Teams bauen auch schon mit Hochdruck an ihren ersten AC-72-Kats.

Ob das vom America's-Cup-Race-Management bereitgestellte Designpaket den kleinen Syndikaten helfen kann, einen halbwegs stabilen und annähernd konkurrenzfähigen AC 72 rechtzeitig aufs Wasser zu bekommen, wird sich zeigen müssen. Alle behaupten, sie verhandeln mit potenziellen Sponsoren oder haben bereits diesbezügliche Abkommen bekanntgegeben, wie etwa GreenCom. Doch der Tag der Wahrheit kommt am 1. Juni. Dann ist nämlich offizieller Meldeschluss.

Korrektur einer früheren Version dieser Meldung: Gösches Ortswechsel bezog sich auf seine Privataddresse,  nicht auf den Firmensitz von Miselu.

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