Segeln olympisch

Auf der Erfolgswelle, aber allein

19.11.2015 Tatjana Pokorny, Fotos: Matias Capizzano/49er und 49erFX Worlds, Kieler Woche/okpress - In Argentinien sind Erik Heil und Thomas Plößel auf Platz 3 vorgerückt. Justus Schmidt und Max Boehme aber haben den Gold-Fleet-Cut verpasst

49er und 49erFX WM 2015
Fotograf: © Matias Capizzano/49er und 49erFX Worlds

Dominieren das WM-Feld wie erwartet: die neuseeländischen Weltsegler des Jahres, Titelverteidiger, Motten-Weltmeister und neuen America's-Cup-Stars Peter Burling und Blair Tuke

Freud und Leid lagen bei der 49er-Weltmeisterschaft am Mittwochabend eng beisammen. Während Erik Heil und Thomas Plößel im WM-Revier vor Buenos Aires weiter auf der Erfolgswelle segeln und sich im Feld der 61 Starter aus 27 Nationen auf einen hervorragenden dritten Platz vorgearbeitet haben, verpassten ihre Teamkameraden Justus Schmidt und Max Boehme überraschend den Gold-Fleet-Cut. Nur die besten 25 Crews sind in der Hauptrunde zur Goldflotte zugelassen und können um Medaillen segeln.

Die schönsten Bilder und Kommentare vom dritten Tag der 49er- und 49erFX-Weltmeisterschaft in Argentinien
Kieler Woche
Fotograf: © Kieler Woche/okpress

Erik Heil und Thomas Plößel haben einen Podiumsplatz ins Visier genommen und die Qualifikation auf Platz drei abgeschlossen

Die Kieler Schmidt und Boehme beendeten die Qualifikationsrunde der Welttitelkämpfe, in die sie als amtierende Europameister so hoffnungsfroh gestartet waren, als 28. und müssen ab heute mit einem Platz in der Silberflotte zurechtkommen. Sie können keinen besseren Platz mehr als den 26. erreichen. Darüber waren die Norddeutschen so enttäuscht, dass sie die Ergebnisse zunächst gar nicht kommentieren wollten. Für die junge Crew vom Kieler Yacht-Club ist es ein bitterer Rückschlag nach dem Triumph bei der Europameisterschaft. Justus Schmidt und Max Boehme werden nicht nur in der nationalen Olympiaqualifikation ihren Vorsprung von zwölf Punkten auf Erik Heil und Thomas Plößel einbüßen, weil sie bei dieser WM nicht mehr für die DSV-interne Wertung punkten können. Sie werden auch ihren Trainingspartnern und Heil und Plößel in der Hauptrunde schmerzlich fehlen. Denn noch immer geht es neben den WM-Medaillen und der individuellen Olympiaqualifikation für die deutschen 49er-Segler vor allem um die noch nicht erfolgte Sicherung des 49er-Nationenstartplatzes für die olympische Regatta 2016.

49er und 49erFX WM 2015
Fotograf: © Matias Capizzano/49er und 49erFX Worlds

Haben sich nach schwachem Auftakt auf Platz 13 vorgekämpft und den Gold-Fleet-Cut überstanden: die Olympiasieger Nathan Outteridge und Iain Jensen aus Australien

Weil bei der WM nur drei Nationenstartplätze vergeben werden, es aber mehr ernsthafte Anwärter dafür gibt, müssen Heil und Plößel nun im Alleingang um diesen Platz für Deutschland kämpfen. Die Konkurrenz hat teilweise zwei Teams in die Goldflotte bringen können – ein Vorteil in diesem spannenden Länderspiel um die olympische Startchance. "Dass Justus und Max sich nicht für die Goldflotte qualifizieren konnten, betrachten wir schon als Nachteil", sagte Thomas Plößel, dessen Team vom Norddeutschen Regatta Verein in Argentinien sehr selbstbewusst agiert.

Mit zwei Teams vertreten und scharfe Konkurrenz im Kampf um den Nationenstartplatz für Rio sind die ebenfalls noch nicht für Olympia qualifizierten Polen; außerdem kämpft um diesen Argentinien bei der WM im Heimatrevier. Mit jeweils einem Team, aber ebenfalls guten Aussichten sind Kroatien und Belgien mit von dieser vorolympischen Zitterpartie. Alle anderen bei der WM nach der Qualifikation aussichtsreich platzierten Länder hatten ihren olympischen Startplatz bereits bei der WM 2014 gesichert, bei der sich Thomas Plößel kurz vor dem Start so unglücklich verletzt hatte, dass die Berliner Europameister von 2014 nicht mitsegeln konnten. Jetzt sind die Europameister von 2014 aber wieder voll da.  "Wir hatten uns einen Podiumsplatz vorgenommen und sind schnell unterwegs", so Plößel, "bislang ist unser leicht konservatives taktisches Konzept hier gut aufgegangen."

Erik Heils Vorschoter beschrieb auch die Herausforderungen des außergewöhnlichen argentinischen Reviers, das aufgrund seiner bräunlichen Färbung auf den Bilder von der WM wenig charmant wirkt und dessen Farbe Olympiasieger Nathan Outteridge mit dem Wort "Milchschokolade" beschrieb: "Durch die Sedimente im Wasser und den geringen Salzgehalt segeln sich unsere Boote hier völlig anders als sonst, liegen viel tiefer im Wasser, springen nicht so an wie üblich. Der Wind ist verrückt. Regelmäßige Drehungen oder Muster gibt es einfach nicht."

Die WM dauert bis zum 21. November an. Neben Deutschland tragen auch viele andere Nationalverbände ihre Olympia-Ausscheidungen im Rahmen der Welttitelkämpfe aus. Es steht viel auf dem Spiel für die besten Gleitjollensegler der Welt. Unbeeindruckt davon segeln die deutschen 49erFX-Frauen in Argentinien ohne olympischen Leistungsdruck, denn ihre zweite von drei Ausscheidungsregatten findet erst bei der WM 2016 im amerikanischen Clearwater statt. Bis auf die bei Großveranstaltungen oft stark auftretenden Berlinerinnen Victoria Jurczok und Anika Lorenz vom Verein Seglerhaus am Wannsee, die 2014 bereits den olympischen Startplatz für die deutschen 49erFX-Seglerinnen gesichert hatten, tun sich die deutschen Damen im WM-Revier schwer mit dem Vorstoß in die Top Ten. Und sogar Juczok/Lorenz fielen am dritten Tag auf Platz zwölf zurück. Die Kieler Zwillinge Jule und Lotta Görge liegen nach acht Wettfahrten und einem ärgerlichen Frühstart auf Platz 15. Leonie Meyer und Elena Stoffers vom Norddeutschen Regatta Verein starten als 20. in die Goldflotte. Tina Lutz und Susann Beucke beendeten die Vorrunde auf Platz 25.

49er und 49erFX WM 2015
Fotograf: © Matias Capizzano/49er und 49erFX Worlds

Liegen nach der dreitägigen Qualifikation als zweitbeste DSV-Frauen-Crew im 49erFX-Feld auf Platz 15: die Kieler Zwillinge Jule und Lotta Görge

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