Portimão Global Ocean Race
Anspannung auf der "Beluga Racer"
Bisher scheint der gebrochene Salingsbeschlag keine Folgeschäden verursacht zu haben, jedenfalls keine sichtbaren. Umso mehr beschäftigt die Deutschen die Frage, ob ihr sicher geglaubter Gesamtsieg noch gefährdet ist.
Verwirrung hatte eine Meldung auf "Spiegel online" ausgelöst, in der die Deutschen versicherten, der Sieg sei ihnen nicht mehr zu nehmen. Ein Irrtum, wie YACHT online bereits am Montag berichtete.
Der Fehler beruht darauf, dass eine Formulierung in den englischen Segelanweisungen falsch interpretiert wurde. Darin heißt es unter
Teil A, Paragraph 10:
A boat which does not finish a leg (DNF) or retires after finishing (RAF) will receive any bonus points gained at a scoring gate plus finish points for the place one more than that of the last-placed boat had all starters finished. A boat disqualified from a leg (DSQ) shall receive 0 points for that leg.
Der entscheidende Passus besagt, dass "Beluga" — würde sie zum Beispiel wegen Mastbruchs nach der Wertungsfrist in Portimão einlaufen — als "Did not finish" (DNF) nur 4 Punkte für den virtuell vierten Platz erhielte. Boris Herrmann und sein Team waren davon ausgegangen, dass sie in jedem Fall als Dritte gewertet würden und 6 Punkte bekämen.
Auch Regattaleiter Josh Hall hatte sie in Charleston offenbar in dem Glauben bestätigt, dass sie schon den Gesamtsieg sicher hätten, würden sie nur über die Startlinie segeln und dann abbrechen. Dem ist jedoch nicht so.
Klar scheint auch, aber hier steht eine Bestätigung durch das Race Committee noch aus, dass bei Punktgleichheit und einem DNF-Resultat für "Beluga" die gesegelte Gesamtzeit den Ausschlag über Sieg oder Platz 2 gibt. In den Segelanweisungen heißt es dazu:
"When there is a tie it shall be broken in favour of the boat with the shortest elapsed time for the leg or legs in question."
Das alles aber ist derzeit eigentlich irrelevant für Boris und Felix. Denn für sie kann es jetzt nur darum gehen, so gut und schnell es geht zum Wertungstor und ins Ziel zu kommen.
Bisher sieht es gut aus für die Deutschen: Zwar loggt Erzrivale "Desafio Cabo de Hornos" durchweg höhere Etmale und vergrößert den Abstand auf jetzt rund 100 Seemeilen. Die Chilenen sind, bleibt an ihrem Boot alles heil, definitiv nicht zu schlagen. Aber wichtiger sind jetzt ohnehin die Briten von "Team Mowgli". Sie liegen ca. 300 Meilen achteraus und haben kaum noch reelle Chancen, die "Beluga" vor dem Wertungstor zu überholen. Ein zweiter Platz am Scoring Gate könnte rennentscheidend für die Deutschen sein.
Und dann natürlich die Frage: Bleibt das Rigg oben? Boris Herrmann hat heute Nacht erstmals Detail-Fotos der Bruchstelle und der Lasching gesendet, die die oberen Salinge in Position halten sollen — und den folgenden Kommentar, den wir hier im Original-Wortlaut wiedergeben.
Was ist los mit der Beluga Racer?
"Barre de Liaison des barres de fleches" heißt das Ding auf Französisch. Einen deutschen Begriff kenne ich nicht. Man kann es sich vorstellen, wie ein Schlüsselbein bei einem Skelett. Das Ding ist gebrochen. Und wenn man jetzt an den Armen, den Salingen sozusagen, zieht, dann kann der Rücken zusammenbrechen.
Für die Nichtsegler unter den Lesern: Die Wanten halten den Mast seitlich, weil der Zugwinkel bei einem hohen Mast und den großen Kräften unserer riesigen Segel ungünstig wäre und der Mast auch in der Mitte gehalten werden muss, gibt es Salinge, Querstreben und Diagonalwanten, bei uns sogar jeweils zwei Paare. Alles zusammen bildet eine ausgeklügelte Statik aus Zug- und Druckkräften, die sich auf der jeweiligen Lee- und Luvseite unterscheiden.
Man sieht auf dem ersten Foto den silbernen Draht, die Diagonalwante, "D2" genannt. Sie zieht in Luv an dem Salingsbeschlag. Da die innere Verbindung der Salinge im Mast gebrochen ist, haben wir eine ziemlich feste Tauwerkverbindung zwischen beiden D2s hergestellt.
Auf dem nächsten Foto sieht man von oben, wie der Salingsbeschlag etwas aus dem Mast gerutscht ist. Selbst bei geborgenen Segeln und entspannten Backstagen war es uns nicht möglich, ihn wieder in den Mast zu treiben. Natürlich sind alle Wanten ziemlich unter Zug.
In der Fotomontage sieht man grau schraffiert in etwa das Aluteil, das durch den Mast gesteckt ist und auf dessen Enden die Salinge befestigt werden. Dies ist in der Mitte des Mastes gebrochen.
Man muss sich keine Sorgen um uns machen. Wir kommen gut voran, was man ja auf dem Foto mit Felix im Cockpit hoffentlich gut sehen kann. Und wir behalten die Sache im Auge."










