America's Cup

America’s Cup trifft Eisarsch

28.11.2006 - Shosholozas Boat Kapitän Tim Kröger kommt zum Optisegeln nach Lübeck

Er hat den Admirals Cup gewonnen, mit dem Mega-Katamaran „Playstation“ Rekorde gebrochen und war beim Whitbread Round the World Race dabei. Derzeit bereitet sich Tim Kröger mit dem südafrikanischen „Shosholoza“-Team auf seine zweite America’s-Cup-Teilnahme vor. Doch am 2. Dezember ist der 42-jährige Hamburger im Opti bei der 38. Eisarsch-Regatta des Lübecker Yacht-Clubs (LYC) auf der Wakenitz am Start (14 Uhr).

Für Kröger ist es ein Umstieg von der Strechlimousine in einen Mini, vom 25 Meter langen 24-Tonner „RSA 83“ in den nur 2,20 Meter mal 1,40 Meter kleinen 35-Kilo-Opti. „Und den muss ich mir noch von meinem Neffen aus Bremen borgen“, erzählt der Segelprofi.

Der Eisarsch-Gaudi, bei dem sich tollkühne Männer seit 1969 immer am ersten Sonnabend im Dezember auf der Lübecker Wakenitz in viel zu kleinen „Kisten“ versuchen und dabei sogar ab und an den Allerwertesten verkühlen, kennt Kröger schon.

„Ich war vor drei Jahren dabei, bin irgendwo um Rang 60
gelandet, aber nicht abgesoffen. Ich mit meinen 96 Kilo in so einem kleinen Kahn, der nicht größer ist als eine Schuhsohle – ein genialer Jux. Dafür bin ich immer zu haben.“

Als ihm jetzt die Einladung ins Haus flatterte, „habe
ich sofort zugesagt. Das wird mein Saison-Höhepunkt“, erzählt er schmunzelnd.

Möglich ist dies auch, da „Shosholoza“ im spanischen Valencia derzeit seine Base-Tore geschlossen hat. „ Das Boot wird in der Werfthalle modifiziert. Wir haben bis Mitte Januar Heimaturlaub.“ Bis dahin hält sich Kröger mit Radfahren, Hantel-Training, Laufen und Skifahren fit.

Aufs Wasser wagt er sich aber nur beim Eisarsch-Intermezzo. „Das wird sehr lustig “, freut er sich schon auf Lübeck. Das Spektakel beginnt am 2. Dezember schon beim Wiegen (ab 11 Uhr). Denn das Startgeld wird traditionell auf der Waage ermittelt – 20 Cent pro Kilo Lebendgewicht. „Um ein paar Euro zu sparen“, erzählt Wettfahrtleiter Claus-Dieter Stolze, „ziehen sich dabei viele bis auf die Unterhose aus, steigen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt auf die Waage, die natürlich im Freien steht.“

Gut 100 Meldungen hat Stolze bereits vorliegen, darunter auch
die von Vorjahressieger Sven-Erik Horsch. Der 28-Jährige vom Match-Race-Team des Norddeutschen Regatta-Vereins Hamburg strebt dabei das Triple an, den dritten Sieg in Folge.

Um sich für immer den rosaroten Kinderpopo auf Mahagoni-Platte ins Wohnzimmer zu hängen, müsste er allerdings auf sieben Siege in Serie kommen. „Ausgeschlossen“, meint Stolze, der dafür noch auf diverseste Wanderpreise verweist – die für den leichtesten und schwersten Teilnehmer, den Team-Arsch, eine Rote Laterne für den Letzten, einen Grufti-Preis für den schnellsten Über-50-Jährigen oder den Shanghai-Preis, einen Buddha für den besten Holzopti.

Doch zuvor muss ein eisig-strenges Reglement beachtet werden. Die oberste Prämisse: Für Frauen verboten! Die Eisarsch-Regatta ist ein Asyl für echte Männlichkeit, ein Refugium, das seit der Premiere am 15. November 1969 nur Männern vorbehalten ist.

„Seitdem uns der Jagdinstinkt ausgetrieben wurde, die Zivilisation den Jäger gezähmt und die Frau uns Hammer und Schraubenzieher aus der Hand genommen hat, ist das unser Rückzugsgebiet“, erklärt Stolze mit einem Grinsen.

Weiter im Reglement: Verboten sind neben teilnehmenden Frauen auch das Mitführen von Wolldecken, Steppdecken oder gar Wärmflaschen. Erlaubt sind jedoch Skibrillen bei Schneetreiben. Das Mitführen einer Schöpfkelle ist gar ratsam, das Tragen von Schwimmwesten sogar Pflicht, wie auch das Lenzen von zwei vorab überreichten Mini-Buddels Rum.

„Das wird auch in diesem Jahr ein Spaß“, ist sich Stolze sicher. Denn neben Glühwein, Punsch und Gulaschsuppe sorgt LYC-Mitglied Andreas Stülcken mit seinen „Jazz-Tigers“ an Land für Unterhaltung.

Auch Petrus soll mitspielen. „Die Aussichten sind sehr gut, ein Kälteeinbruch ist nicht zu erwarten“, sagt Stolze. Im Vorjahr musste die LYC-Crew bis kurz vor dem Start zittern.
„Einen Tag vor dem Start war die Wakenitz noch zugefroren. Der Wind hat uns gerettet.“ Rasmus hatte letztlich die sechste Eis-Absage in der 36-jährigen Eisarsch-Geschichte verweht.

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