Les Sables – Azoren – les Sables
Abgeknickt und vorn dabei
Die gestrige Prognose ist eingetroffen. Der Nord-Umweg hat sich ausgezahlt, der Hamburger hat seine Position ausgebaut. Dumm nur, dass sein direkter Konkurrent nicht nur im Klassement, sondern auch taktisch vor ihm platziert ist.
Jörg Riechers hatte die erste Etappe der Class-Mini-Regatta von Frankreich zu den Azoren und zurück gewonnen, knapp vor dem Franzosen Bertrand Delesne. Dieser führt jetzt das Gesamtklassement an, Riechers lag beim Positionsreport um 8.00 Uhr knapp sechs Seemeilen zurück.
Vorausgegangen war ein taktischer Klassiker. Rund um die Azoren lag ein Leichtwindgebiet, je weiter man nach Norden blickte, desto mehr Wind fand man. Der direkte Kurs nach Les Sables war jedoch Nordost. Je weiter man also nach Norden segelte, desto schneller wurde es zwar, umso weiter wurde aber auch der Weg. Ein typisches Geduldsspiel, etwas Poker, vor allem aber gute Berechnung waren gefragt — und natürlich Bootsspeed.
So begab sich schon vor 24 Stunden der Franzose Lucas Montagne auf annähernd den direkten Kurs, während Riechers und Delesne nach Norden segelten. Im Tagesverlauf und der Nacht korrigierten sie aber immer weiter nach Nordost und übernahmen die Führung (siehe Grafik unten). Aber auch Montagne mogelte sich quasi innen durch und wird nun auf Platz drei geführt, 11,6 Seemeilen hinter Delesne.
Die Prognose spricht derzeit für den Franzosen. Er liegt zwar am weitesten im Norden und damit auch am weitesten vom direkten Kurs entfernt, hatte jedoch zuletzt am meisten Wind und war mit zwölf Knoten am schnellsten unterwegs. Riechers fehlte dazu mehr als ein Knoten. Zudem soll der Wind in den nächsten Stunden etwas rechts drehen, was auch Delesne zugute kommen könnte. Denn für alle, die südlicher als er liegen, kommt der Wind dann in Bezug zum direkten Kurs immer achterlicher.










