Olympia 2012

Mit besten Wünschen von Paul Elvström

03.08.2012 Tatjana Pokorny, Fotos: onEdition, Marina Könitzer - Der Thriller ist perfekt: Am Sonntag um 14 Uhr deutscher Zeit kommt es zum Showdown zwischen den Finn-Giganten Ainslie und Hogh-Christensen

Paul Elvströms Rekord schien für die Ewigkeit gemacht. Die Bestmarke des legendären Dänen ist 52 Jahre alt. Vier Goldmedaillen hat Elvström zwischen 1948 und 1960 zunächst im Firely (1948) und dann dreimal im Finn Dinghi gewonnen. Niemand konnte ihn seitdem vom Thron des besten Olympiaseglers aller Zeiten stoßen. Ist die Zeit nun gekommen?

Ben Ainslie
Fotograf: © onEdition

Ben Ainslie vor dem Medaillenfinale: Mit welcher Taktik wird der Jäger Jonas Hogh-Christensen fordern?

Am Sonntag kommt es ab 15 Uhr deutscher Zeit auf dem Publikumskurs "The Nothe" zu Füßen der gleichnamigen Festung zum Showdown zwischen dem führenden Finnsegler Jonas Hogh-Christensen und dem Mann, der Elvströms Rekord knacken will: Ben Ainslie hat 1996 seine erste Silbermedaille im Laser gewonnen. 2000 segelte er in Sydney in einem legendären Finalkrimi gegen Robert Scheidt zu seinem ersten Olympiasieg – ebenfalls im Laser. Zwei weitereGoldmedaillen folgten. Nun steht der Brite im Finn Dinghi vor seinem Karrierehöhepunkt, hat sich nach wackligem Regatta-Auftakt eindrucksvoll zurückgemeldet und mit seinem Sieg in der zehnten Wettfahrt den Punktabstand zum Dänen auf zwei Zähler minimiert. Schützenhilfe bekam er dabei von dem am Tag zuvor noch gescholtenen Niederländer Pieter-Jan Postma, der sich auf dem letzten Vorwind-Abschnitt noch zwischen Ainslie und Hogh-Christensen schob und damit Ainslies Ausgangslage erheblich verbesserte.

Jonas Hogh-Christensen
Fotograf: © onEdition

Jonas Hogh-Christensen aus Dänemark: Kann er Ben Ainslie in Schach halten?

Zwei Punkte Rückstand auf den Dänen bedeuten für Ainslie, dass er im Finale "nur" einen Platz besser sein muss als sein dänischer Herausforderer. Damit hat sich Ainslie die Tür zu einem Zweikampf geöffnet, den er in der Vergangenheit mehr als einmal für sich entscheiden konnte. Zu beachten ist allerdings, dass der drittplatzierte Pieter-Jan Postma durchaus noch in den Medaillenkampf eingreifen kann. Dann nämlich, wenn Ainslie und Hogh-Christensen – verstrickt in ihren erwarteten Zweikampf – im Feld der zehn Finalisten zu weit zurückfallen. Werden die beiden beispielsweise Vorletzter und Letzter, könnte Postma mit einem Finalsieg oder einem zweiten Platz sogar noch Gold gewinnen. Deswegen hat Jonas Hogh-Christensen nicht ganz Unrecht, wenn er sagt: "Ben und ich müssen schon gut segeln, denn wir sind nicht alleine und ungefährdet da draußen."

Ainslie ließ sich vor dem wichtigsten Tag seiner Segelkarriere nicht in die Karten schauen, versprach nur vielsagend: "Es wird faszinierend". Und freute sich auf den Kampf in der Heimat-Arena: "Es ist sehr aufregend, vor den eigenen Fans um Gold zu segeln."

Niemand zweifelt daran, dass Ainslie versuchen wird, seinem Widersacher Jonas Hogh-Christensen mit allen auf dem Wasser erlaubten Mitteln in die Zange zu nehmen, zu einem Fehler zu provozieren und bereits vor dem Start in Manndeckung zu nehmen. "Er  wird seine Trickkiste schon vor dem Start auspacken", ahnt auch Hogh-Christensen, der laut eigener Aussage zuletzt als Teenager Erfahrungen im Matchrace gesammelt hat. Dennoch blieb der sympathische rotbärtige Skandinavier optimistisch: "Ich habe mit meinem Trainer vor den Olympischen Spielen über dieses mögliche Szenario gesprochen. Ich gehe als Führender in das Finale. Eine bessere Ausgangsposition kann man nicht haben. Mir ist die Bronzemedaille sicher. Das fühlt sich gut an. Aber ich segle hier um Gold."

Auf dem Weg zu seinem möglichen Olympiasieg erhielt der 31-jährige Sohn des auch in Deutschland gut bekannten North Sails CEO Jens Christensen vor zwei Tagen einen unerwarteten Anruf. Am Telefon war der 84-jährige Paul Elvström, der Jonas Hogh-Christensen Glück wünschte. "Er tat das nicht so sehr wegen seines Rekordes", so Hogh-Christensen, "er sagte nur, dass er hofft, dass ich gut segle und gewinne und wünschte mir Glück dafür." Kann der "Great Dane", wie ihn die britische Presse längst nennt, "Big Ben" stoppen und Elvströms Bestmarke verteidigen?

Für die Abgeklärtheit eines Ben Ainslie fehlt den deutschen Olympiastartern vor Weymouth noch die notwendige Erfahrung. Die junge Mannschaft ringt mit wechselndem Erfolg um Anschluss an die Weltspitze, kam am Freitag zunächst wieder nur langsam in Fahrt, sorgte dann aber mit herausragenden Einzelplatzierungen für Aufmerksamkeit.

Das beste Ergebnis gelang den 49er-Segler Tobias Schadewaldt und Hannes Baumann, die den ersten deutschen Tagessieg vor Weymouth holten. Mit den Rängen drei, eins und zehn rückten die Kieler vier Wettfahrten vor dem Medaillenfinale auf Platz 14 vor. Nach dem verpatzten Auftakt mit einem Frühstart und zwei Kenterungen haben Schadewaldt und Baumann nun wieder Hoffnung geschöpft, doch noch das Medaillenrennen der besten zehn Mannschaften zu erreichen. Fünf Punkte trennen sie nur vom zehnten Platz. "Heute hat das Segeln Spaß gemacht", berichtete ein strahlender Tobias Schadewaldt, "ich bin nach meiner Erkrankung wieder fit. Dann klappt auch mehr. Wir waren in den Zweikämpfen stärker und haben unsere guten Starts bis zum Ende durchgebracht." Auch der Kurswechsel kam dem deutschen Duo entgegen: "`The Nothe' liegt uns mehr, weil es dort mehr dreht und sich mehr wie Kiel anfühlt."

Die Berliner Starbootsegler Robert Stanjek und Frithjof Kleen verbesserten sich mit den Rängen neun und vier auf Platz sieben und sicherten sich damit ihre Teilnahme im Medaillenrennen der Starboote am Sonntag ab 14 Uhr deutscher Zeit, haben aber keine Chance mehr auf Edelmetall. Die Männer vom Norddeutschen Regatta Verein und vom Verein Seglerhaus am Wannsee starten mit insgesamt 64 Punkten und elf Zählern Rückstand auf die viertplatzierten Norweger in das Finale, haben aber auch starke Verfolger wie die neuseeländischen Weltmeister Hamish Pepper und Jim Turner mit 66 Punkten im Nacken.

Vorschoter Kleen zog bereits vor dem Finale positiv Zwischenbilanz: «Uns fehlte hier die letzte Abgebrühtheit, aber wir sind nicht unzufrieden. Zwischen den Plätzen vier und neun ist am Sonntag alles offen. Das Treppchen wird wohl exakt so aussehen wie in China.» Top-Favorit für das Medaillenrennen sind die Briten Iain Percy und Andrew Simpson, die schon vor vier Jahren Robert Scheidt/Bruno Parda aus Brasilien und Freddy Loof/Max Salminen auf die Silber- und Bronze-Plätze verwiesen hatten und auch dieses Mal mit acht Punkten Vorsprung vor den selben Brasilianern und mit atemberaubender Vorwind-Geschwindigkeit in die Goldjagd gehen.

Kathrin Kadelbach/Friederike Belcher
Fotograf: © Marina Könitzer

470er-Crew Kathrin Kadelbach und Friederike Belcher

Als letzte deutsche Mannschaft stiegen am Freitag Kathrin Kadelbach aus Berlin und Friederike Belcher aus Hamburg in die olympische Regatta ein. Dabei sahen sie die 470er-Flotte bei ihrem Olympia-Debut nach einer Kenterung zunächst nur von hinten und eröffneten die Serie mit einem unangenehmen vorletzten Rang unter 20 Jollen. "Wir waren wohl etwas übereifrig im ersten Rennen", berichete Friederike Belcher. Ärgern mussten sich die Damen vom Verein Seglerhaus am Wannsee und dem Norddeutschen Regatta Verein über ihr Missgeschick aus Nervosität nicht lange. Mit Rang zwei, einer überzeugenden taktischen Leistung und eindrucksvoller Geschwindigkeit vor dem Wind meldeten sie sich selbstbewusst zurück und rückten auf Platz zehn vor.

Simon Grotelüschen
Fotograf: © Marina Könitzer

Simon Grotelüschen kämpfte sich heute immer wieder ins Rennen zurück

Der Lübecker Lasersegler Simon Grotelüschen kreuzte die Ziellinie in seinem siebten Rennen erst als 20., konnte sich aber anschließend mit Rang vier auf Patz sechs katapultieren. Der Mediziner hat zwei Wettfahrten vor dem doppelt gewerteten Medaillenrennen der Laser am 6. August 27 Punkte Rückstand auf den Bronzeplatz. «Der Abstand nach vorne ist sehr weit. Da schaue ich nicht so genau auf die Ergebnisliste. Ich muss morgen einfach zwei saubere Rennen fahren», sagte Grotelüschen. Laser-Radial-Steuerfrau Franziska Goltz segelt im Olympiarevier weiter auf der Suche nach der schnellen Welle und rutschte auf Platz 26 zurück. Ferdinand Gerz und Patrick Follmann aus München sind nach vier Wettfahrten als 15. nicht unzufrieden, wollen aber mehr. "Speed ist nicht unser Problem", sagte Vorschoter Patrick Follmann, "aber in Sachen Strategie und Taktik haben wir noch nicht das richtige Konzept gefunden." Sein Steuermann Ferdinand Gerz vom Deutschen Touring Yacht Club erklärte: "Es würde schon mehr gehen, wenn unsere Starts besser wären."

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