Segeln olympisch

Erik Heil nach Testregatta erkrankt

27.08.2015 Tatjana Pokorny, Fotos: SailingEnergy/Pedro Martinez, Heil, SailingEnergy/Jesús Renedo - Inmitten der Diskussionen um das belastete Olympiarevier kommt die Nachricht vom ersten erkrankten deutschen Segler nach dem Einsatz in Rio

Olympische Testregatta in Rio de Janeiro 2015
Fotograf: © SailingEnergy/Pedro Martinez

Philipp Buhl bei der olympischen Testregatta in der vergangenen Woche: Bei solchem Einsatz können sich die Segler nicht vor der unsichtbaren Gefahr schützen, die ihnen im verdreckten Olympiarevier droht

49er-Europameister Erik Heil hat in den vergangenen Tagen nach der erfolgreich bestrittenen Testregatta in Rio de Janeiros Olympiarevier nicht die mit Vorschoter Thomas Plößel gewonnene Bronzemedaille gefeiert, sondern gelitten. Der Berliner kehrte mit Entzündungen an Beinen und Hüfte aus Brasilien zurück. Der größte, etwa acht Zentimeter lange Entzündungsherd wurde ihm am Dienstag in einem Berliner Krankenhaus unter großen Schmerzen herausgeschnitten. Eine Betäubung von solchen Entzündungsherden ist nicht möglich. Die alternative Morphinspritze zur Schmerzlinderung lehnte Heil ab. Die Ärzte verordneten dem Athleten ein Breitbandantibiotikum. Nun schluckt er täglich vier Tabletten und hofft auf Besserung. Der Steuermann vom Norddeutschen Regatta Verein darf vorerst nicht trainieren und wartet auf die Ergebnisse der Laboranalyse seiner Blutwerte.

Erik Heil nach Testregatta in Rio 2015 erkrankt
Fotograf: © Heil

Erik Heil im Krankenhaus in Berlin

Erik Heil nach Testregatta in Rio 2015 erkrankt
Fotograf: © Heil

Die Auswirkungen der Infektion

Testregatta Rio 2015
Fotograf: © SailingEnergy/Jesús Renedo

In der vergangenen Woche strahlender Bronzemedaillen-Gewinner der Testregatta, in dieser Woche Dauer-Patient in Berliner Kliniken: 49er-Europameister Erik Heil (2. v. r.) aus Berlin

Zum ersten Mal leidet mit Heil ein Segler der deutschen Nationalmannschaft nach einem Einsatz im umstrittenen Olympiarevier an einer bakteriellen Infektion mit beängstigenden Auswirkungen. Sailing-Team-Germany-Elitesegler Heil sagte YACHT online: "Ich hatte noch nie in meinem Leben Entzündungen an den Beinen. Noch nie! Ich gehe davon aus, dass ich mir das bei der Testregatta geholt habe. Der Verursacher dürfte wohl die Marina da Gloria sein, in die unter anderem ungebremst die Abwässer des städtischen Krankenhauses fließen." Diesen Verdacht hegen auch Heils behandelnde Ärzte. Die in unabhängigen Tests längst nachgewiesenen Bakterien und Keime, die Rios Gewässer aufgrund gesundheitsgefährdender Konzentration zum Risiko-Revier machen, können nach Einschätzung der Ärzte schon über kleinste Haarrisse in der Haut in den Körper eindringen. "Alles weist auf die Marina da Gloria als Verursacher hin. Da fließen unter anderem die Abwässer des städtischen Krankenhauses hinein. Ich kann nur hoffen", so Heil, "dass ich mir nicht eines dieser multiresistenten Dinger eingefangen habe. Die können einen ganz schön zerlegen."

Erik Heil nach Testregatta in Rio 2015 erkrankt
Fotograf: © Heil

Eine Entzündung an der Hüfte quält Heil ebenfalls

Olympische Testregatta in Rio de Janeiro 2015
Fotograf: © SailingEnergy/Pedro Martinez

Erik Heil und Thomas Plößel segelten bei der olympischen Generalprobe vor Rio de Janeiro aufs Podium

Das Olympiarevier steht seit Monaten im Kreuzfeuer der Kritik. Zuletzt hatte auch der neue Isaf-Manager Peter Sowrey in einem Interview mit der amerikanischen Nachrichtenagentur AP gesagt: "Wenn wir das Gewässer nicht auf ein akzeptables Niveau bringen können, dann werden wir (die Regatta) nach draußen (auf den Atlantik) verlegen – das ist sicher." Sowrey sagte weiter: "Wir sind als Verband nicht glücklich über die Berichte über das Revier. Wir bekommen nicht die Berichte, die wir erwartet haben."

Die verdreckten Gewässer sind nach einer unabhängigen Untersuchung durch AP und Umweltexperten im Juli erneut ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Die Ergebnisse der Untersuchungen waren alarmierend, wiesen eine gefährlich hohe Konzentration von Viren und Keimen aus menschlichen Abwässern nach und beschrieben die küstennahen Gewässer eher als Kloake denn als schönes Segelrevier, das optisch und sportlich seinesgleichen sucht. "Wenn wir das nicht sauber kriegen", so Sowrey, "dann müssen wir etwas unternehmen."

Nachtrag der Redaktion vom 27. August, 13 Uhr: Die Ärzte der Berliner Charité haben inzwischen bestätigt, dass Heils Infektion von einem multiresistenten Keim veursacht wurde. Die genauen Ergebnisse der Laboranalyse werden erst in der kommenden Woche vorliegen.

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