Segeln olympisch

Ein Traum, zwei Crews, vier Freunde

28.03.2016 Tatjana Pokorny, Fotos: Pedro Martinez/Sailing Energy/Sofia, Renedo/Sailing Energy/Sofia - Das finale Duell der deutschen 49er-Segler um das Rio-Ticket hat begonnen: Beide Crews konnten sich zum Auftakt gut in Szene setzen

Trofeo Princesa Sofia 2016
Fotograf: © Pedro Martinez/Sailing Energy/Sofia

Erik Heil und Thomas Plößel sind vielversprechend in das Ausscheidungsfinale gestartet: Platz neun nach den ersten drei Rennen der beiden Vorrundengruppen

Das spannendste deutsch-deutsche Frühjahrs-Segelduell hat begonnen: Gegeneinander, aber zunächst in zwei Vorrundengruppen getrennt voneinander segelnd, sind die beiden besten deutschen 49er-Crews – Erik Heil und Thomas Plößel für den Norddeutschen Regatta Verein und Justus Schmidt mit Max Boehme für den Kieler Yacht-Club – am Ostermontag in ihre dritte und letzte Ausscheidungsregatta im Kampf um die Fahrkarte zu den Olympischen Spielen im August gestartet.

Trofeo Princesa Sofia 2016
Fotograf: © Pedro Martinez/Sailing Energy/Sofia

Auch Justus Schmidt und Max Boehme ist ein guter Start in die entscheidende Regatta gelungen: Platz vier nach drei Wettfahrten

Für beide Mannschaften steht viel auf dem Spiel: die bessere nach insgesamt drei Ausscheidungsregatten darf mit der Nominierung für die Olympischen Spiele im August rechnen. Mit 25 Zählern auf dem Ausscheidungskonto und vier Punkten Vorsprung vor Schmidt/Boehme starteten Heil/Plößel am Montag leicht favorisiert in den spanischen Regattaklassiker. Zuvor hatte es nach der letzten gemeinsamen Teambesprechung vor dem Start mit Trainer Thomas Rein eine schöne Szene gegeben: Die vier Männer umarmten sich gegenseitig, wünschten sich Glück für die Serie. Sie sind miteinander befreundet, bilden gemeinsam mit dem dänischen Olympiasieger Jonas Warrer und Anders Thomsen eine höchst effektive internationale Trainingsgruppe mit dem Ziel, in Rio eine Medaille zu gewinnen. Doch das darf nur eine der beiden deutschen Crews versuchen umsetzen, denn es gibt nur einen Startplatz pro Nation.

Startschuss für die Trofeo Princesa Sofía: Rund 800 Segler aus 60 Nationen feiern den olympischen Segelsport auf dem Wasser und an Land.

Wenn aus Freunden Rivalen werden (müssen)

In dieser Woche sind Heil/Plößel und Schmidt/Boehme Rivalen im Ringen um einen Lebenstraum. Sie haben sich für den finalen Kampf im Rahmen des Regattaklassikers Trofeo Princesa Sofía Fairplay gelobt. "Möge die bessere Crew gewinnen. Unser großes gemeinsames Ziel ist eine Medaille in Rio. Wer verliert, unterstützt die Sieger auf dem Weg dahin", sagte der 49er-Europameister Schmidt. Auch Erik Heil ist sicher: "Wir haben die loyalste Trainingsgruppe der Welt. Sie wird dem Ausscheidungsdruck standhalten."

Schmidt/Boehme müssen mit 25 Punkten, die sie sich mit ihrem Sieg bei der Europameisterschaft 2015 verdient hatten, angreifen. Die Crew, die nach dieser Regatta in der Punktaddition aller drei Ausscheidungsregatten vorn liegt, darf mit der Olympia-Nominierung rechnen. Für einen Sieg in der Bucht von Palma de Mallorca gibt es 25 Punkte, Platz zwei ist 22 Punkte wert, und mit Platz drei sind 20 Punkte zu verdienen. Für Platz vier winken 17 Punkte, für jeden schlechteren Platz jeweils ein Punkt weniger. Es sind also rechnerisch viele Möglichkeiten in diesem deutsch-deutschen Duell um die Rio-Fahrkarte denkbar.

Beide Crews haben am Montag zunächst einen guten Start in die Regatta erwischt: Schmidt/Boehme (2, 13, 2) lagen nach den ersten drei Rennen der Qualifikationsrunde der Trofeo Princesa Sofía auf Platz vier, Heil/Plößel (3, 4, 4) auf Platz neun. Doch abgerechnet wird erst nach dem Medaillenrennen am 2. April. Die bei den olympischen Seglern beliebte spanische Regatta markiert auch für die deutschen 49erFX-Frauen das Finale ihrer nationalen Ausscheidung im Kampf ums Rio-Ticket. Hier sind die Berlinerinnen Victoria Jurczok und Anika Lorenz mit 20 Punkten Vorsprung vor Tina Lutz und Susann Beucke gestartet und lagen nach Tag eins der Serie auch in Spanien als Gesamt-Sechste vorn.

Trofeo Princesa Sofia 2016
Fotograf: © Pedro Martinez/Sailing Energy/Sofia

Tina Lutz und Susann Beucke im Einsatz vor Palma de Mallorca

Die "Wonder Kids" melden sich zurück

Ohne Ausscheidungsdruck, aber mit viel Segellust waren die Kieler "Wonder Kids" Paul Kohlhoff und Carolina Werner vor Palma am Ostermontag die beste deutsche Crew, lagen nach den ersten drei Rennen auf Platz drei und meldeten sich damit nach verpatzter WM im Februar schon wenige Wochen später eindrucksvoll in der Weltspitze zurück. Auf die Plätze acht segelten zum Auftakt jeweils die 470er-Europameister Ferdinand Gerz/Oliver Szymanski (München/Berlin), Annika Bochmann/Marene Steinherr (Berlin) und RS:X-Surfer Toni Wilhelm (Dogern).

Trofeo Princesa Sofía 2016
Fotograf: © Renedo/Sailing Energy/Sofia

Der Olympia-Vierte von Weymouth: Toni Wilhelm will vor Rio zum dritten Mal um eine olympische Medaille kämpfen

Trofeo Princesa Sofía 2016
Fotograf: © Renedo/Sailing Energy/Sofia

Schnell unterwegs an Tag eins der Trofeo Princesa Sofía: Paul Kohlhoff und Carolina Werner

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