Segeln olympisch

Die Unbesiegbaren: Burling & Tuke

13.02.2016 Tatjana Pokorny, Fotos: Edeny/EdneyAP - Peter Burling und Blair Tuke sind die neuen Supermänner des Segelsports und Neuseelands ultimative Antwort auf Olympia und den America's Cup

WM 2016
Fotograf: © Edeny/EdneyAP

Dream Team aus dem Land der langen weißen Wolke: Peter Burling und Blair Tuke sind die WM-Dominatoren im 49er und Top-Favoriten auf Olympia-Gold im August vor Rio de Janeiro

Bei der Weltmeisterschaft für die olympischen Disziplinen 49er, 49erFX und Nacra 17 stehen im amerikanischen Austragungsort Clearwater wieder einmal zwei Kiwis im Mittelpunkt: Peter Burling und Blair Tuke sind Neuseelands ultimative Antworten auf olympische und America's-Cup-Herausforderungen. Wie erwartet, dominiert das Duo auch die Welttitelkämpfe im 49er im Revier von Florida. Burling und Tuke haben nach ihrer in England gewonnenen Silbermedaille – Gold ging damals an die Australier Nathan Outteridge und Iain Jensen – keine große Regatta mehr verloren. Die Überflieger aus dem Land der langen weißen Wolke rasen von Sieg zu Sieg und niemand weiß so ganz genau, wie sie im August vor Rio aufzuhalten sein sollen.

Die Neuseeländer haben die WM-Vorrunde bislang mit sechs Tagessiegen, einem dritten und einem elften Rang dominiert. Mit nur elf Zählern auf dem WM-Konto haben Burling und Tuke, die in ihrer Heimat eine neue Nachwuchs-Euphorie für olympisches Segeln und den America's Cup ausgelöst haben, vor den beiden letzten WM-Tagen sagenhafte 28 Punkte Vorsprung vor ihren australischen Dauerrivalen und ehemaligen Lehrmeister Nathan Outteridge und dessen Vorschoter Iain Jensen. Kaum jemand glaubt, dass den neuseeländischen Weltseglern des Jahres 2015 das erneute WM-Gold noch streitig gemacht werden kann. Schlagen könnten sich diese beiden Ausnahmeathleten, so die allgemeine Überzeugung, aktuell nur selbst.

WM 2016
Fotograf: © Edeny/EdneyAP

Perfekt synchronisiert, im Handling und in Manövern herausragend, auf den Kursen fast immer ideal positioniert und sehr, sehr schnell: Peter Burling und Blair Tuke sind das Maß der Dinge im 49er

Die Güte der ideal komponierten athletischen Crew, die mit Burling nicht nur über einen herausragenden Steuermann verfügt, sondern mit Vorschoter Tuke auch einen klugen Mann, der 2009 selbst schon Weltmeister im 29er war, erinnert an die Überlegenheit eines Sir Ben Ainslie. Der mit vier Goldmedaillen und einmal Silber zum erfolgreichsten Olympiasegler der Sportgeschichte aufgestiegene Brite kämpft jetzt für sein Heimatland um den America's Cup. Genau wie Burling und Tuke für Neuseeland. Sie holte Teamchef Grant Dalton für den geschassten Ex-Skipper Dean Barker (jetzt Chef der America's-Cup-Kampagne SoftBank Team Japan) ins America's-Cup-Team der Neuseeländer. Mit den eben erst ins Team gekommenen Burling und Tuke gewannen die Kiwis die America's Cup Weltserie 2015 als wäre es auch "nur" eine 49er-Regatta. Für 2016 verfolgt das Emirates Team New Zealand dasselbe Ziel. Nicht einmal die Doppel-Belastung von America's Cup und Olympia scheint Burling und Tuke zuzusetzen. Im Gegenteil: Das multiple Engagement – Burling ist zudem noch Motten-Weltmeister – macht die Unbesiegbaren offenbar immer nur noch besser.

"Sie segeln überragend", attestierte auch der Berliner 49er-Steuermann Erik Heil der Kiwi-Konkurrenz zu Jahresbeginn, "es wird sehr schwer sie zu schlagen, aber wir sind ihnen in den letzten zwei Jahren näher gekommen. Der Plan ist, sie bei den Olympischen Spielen zu besiegen." Seine Motivation für das ehrgeizige Ziel schöpft Heil auch aus Charakter des Olympiareviers von Rio de Janeiro. Es ist launisch, fast divenhaft und gilt mit seinen Strömungen, wechselnden Winden und unterschiedlichen Kursen als schwer berechenbar. Darin liegt die Chance für Burlings und Tukes Gegner. "Uns liegt das Revier", sagt Heil, "wir haben viel Spaß, in diesen komplizierten Bedingungen zu segeln."

WM 2016
Fotograf: © Edeny/EdneyAP

Nathan Outteridge und Iain Jensen: Die Olympiasieger von 2012 ringen um Anschluss an Peter Burling und Blair Tuke – bislang noch nicht zwingend genug

Um dort hinzukommen, müssten Heil und Plößel sich allerdings erst in der nationalen Olympia-Ausscheidung gegen ihre Freunde und Trainingspartner Justus Schmidt und Max Boehme aus Kiel durchsetzen. Die Berliner, die für den Norddeutschen Regatta Verein starten, führen die Ausscheidung nach zwei von drei Regatten mit vier Punkten Vorsprung vor der jüngeren Crew vom Kieler Yacht-Club an. Die laufende WM vor Clearwater ist für die 49er-Männer im Gegensatz zu den 49erFX-Seglerinnen keine Ausscheidungsregatta. Die Entscheidung im Kampf um die Rio-Fahrkarte im 49er fällt im Rahmen des spanischen Klassikers Trofeo Princesa Sofía vor Palma de Mallorca vom 25. März bis zum 2. April. Wer sich im deutsch-deutschen Duell durchsetzen kann, wird spätestens vor Rio auf Burling und Tuke treffen, für die alles andere als Olympia-Gold eine riesige Enttäuschung bedeuten würde.

WM 2016
Fotograf: © Edeny/EdneyAP

Mit vollem Einsatz: Erik Heil und Thomas Plößel kämpfen bei der WM vor Clearwater zwei Tage vor dem Finale als Elfte um den Einzug ins Medaillenrennen

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