America's Cup

Zwei ACWS-Regatten abgesagt

09.01.2013 Dieter Loibner, Fotos: Chris Cameron/ETNZ, ACEA/Gilles Martin-Raget, Luna Rossa/Nigel Marpel, Jen Edney/YACHT - Während die Veranstalter bisher stets den Erfolg der ACWS betonten, strichen sie jetzt die beiden geplanten US-Regatten aus dem Programm

America's Cup
Fotograf: © Chris Cameron/ETNZ

Action und Absagen: Quo vadis, ACWS?

Man wolle mehr Augenmerk auf den Segelsommer in San Francisco legen. Das ist im Telegrammstil der offizielle Grund, weshalb die America’s Cup Event Authority die beiden für Ende Mai und Anfang Juni geplanten Regatten der America’s Cup World Series an der Ostküste absagte. Da ist der Louis Vuitton Cup (4. 7. bis 30. 8.), dann der Youth America’s Cup (1. bis 4. 9.) und der eigentliche Cup (7. bis 21. 9.). Stimmt also: Sommer in San Francisco. Bekanntlich eine kühle und windige Angelegenheit. Aber beim Millionengeschäft  America’s Cup klingt das fast zu idyllisch, um der vollen Wahrheit zu entsprechen. Trotz dieser Turbulenzen soll die einzige ACWS-Regatta in Europa, in Neapel vom 16. bis 21. April, wie geplant über die Bühne gehen. Dennoch stellen sich Fragen über die Zukunft des Wettbewerbs. 

America's Cup
Fotograf: © ACEA/Gilles Martin-Raget

Sommer in San Francisco

„Wir haben mit den Louis-Vuitton-Cup-Teilnehmern gesprochen, und sie haben ein gutes Argument”, erklärte ACEA-Boss Stephen Barclay gegenüber YACHT online. „Es wäre (nach diesen Regatten) nur ein Monat bis zum Beginn des LVC, und wir von der ACEA haben unsere Planung genauer angesehen. Das Letzte, was wir wollen, ist, den Segelsommer in San Francisco zu kompromittieren. Darüber hinaus wollten einige Teams wegen der Terminnähe zum LVC gar nicht ihre A-Mannschaft nach New York entsenden, weshalb wir glauben, es wäre klüger, uns New York für später aufzuheben." 

Gemeint sind mit dieser Aussage speziell Team New Zealand und die Italiener von Luna Rossa, die gemeinsam in Auckland trainieren und damit einen Punktesieg errungen haben, nachdem sie auf die Veranstalter wegen der Ansetzung der beiden ACWS-Regatten an die Ostküste Druck ausgeübt hatten. Die Neuseeländer drohten gar, ein Junioren-Team zu entsenden, um die Vorbereitung des A-Teams mit dem AC72 nicht unterbrechen zu müssen. 

Gerade weil die ACEA Besucherzahlen und Einschaltquoten bei den ACWS-Events bisher immer ins beste Licht gerückt hat, liegt die Latte hoch. Besteht implizit gar die Befürchtung, dass die Regatten mit den AC45-Kats beim Massenpublikum besser ankommen könnten als der America’s Cup? Drei Herausforderer für mehr als zwei Monate gegeneinander segeln zu lassen wird ein gutes Drehbuch benötigen, will man die Tribünen entlang der Uferpromenade und die TV-Couch mit  Zuschauern füllen. Dazu kommt noch die Ungewissheit, wie ebenbürtig die gigantischen AC72-Kats einander sein werden. 

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Fotograf: © Luna Rossa/Nigel Marpel

Protestierer: Luna Rossa wehrte sich gegen die Ostküsten-Regatten, die nun gestrichen wurden

Aber es geht auch um’s Geld: Dass New York nach den verheerenden Schäden durch Wirbelsturm Sandy mit finanziellen Probleme zu kämpfen hat und der ACEA keine 5 Millionen Dollar für die Austragungsrechte bezahlen würde, leuchtet ein. Aber auch in Venedig soll es Zank ums Geld gegeben haben. Sail World berichtet, Barclay habe erklärt, dass die Italiener 2012 eine geringere Veranstaltergebühr entrichteten und im Gegenzug die Hälfte des Gewinns, der laut Barclay mehr als 10 Millionen Euro betragen soll, an die ACEA hätten abführen müssen. Da dies aber ausgeblieben sei, wurde die für April geplante ACWS-Regatta in Venedig abgesagt beziehungsweise nach Neapel verlegt. Dies wiederum führte zum (inzwischen abgewiesenen) Protest des italienischen Luna-Rossa-Teams, das sich und Sponsor Prada wohl gern bei dieser Heimregatta vor großem Publikum hätte präsentieren wollen. 

Und irgendwie kommte es auch zupass, dass mit dieser Entscheidung Oracle Team USA geholfen ist, dem wegen Spionageverdachts von der Jury fünf Segeltage entzogen wurden und das seinen ersten AC72 bei einer Kenterung im Herbst schwer beschädigt hatte. Der Cup-Verteidiger wird durch die Streichung der beiden Regatten nunmehr Gelegenheit haben, seinen neuen AC72 zu segeln, der im April gewassert werden soll. 

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Fotograf: © Jen Edney/YACHT

Viel Mensch, viel Geld, viel Zank: ACWS Venedig 2012

Doch die eigentliche Frage in dem Kontext lautet: Kann die extravagant produzierte ACWS bestehen bleiben? Barclay betont, es gebe konkrete Überlegungen, den Wettbewerb fortzuführen. Einige Segler hätten die AC Event Authority dazu angehalten, ACWS-Termine gleich nach dem AC zu bestätigen, sagte er. Dieser Wunsch werde von Sponsoren und den meisten Teams geteilt. 

Doch am Ende kann das Spektakel nur überleben, wenn die Finanzierung gesichert ist. Und dies mag davon abhängen, ob Oracle-Boss Larry Ellison den Auld Mug erfolgreich verteidigen kann.

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