AC World Series

Abwarten statt Runterreden

08.09.2011 Jochen Rieker, Fotos: ACEA/GILLES MARTIN RAGET, AUDI MEDCUP - Die Vorserie zum 34. America's Cup lässt sich prima zerreißen. Auch Segelstar Jochen Schümann macht mit. Warum eigentlich? Ein Zwischenruf

ACWS Cascais
Fotograf: © ACEA/GILLES MARTIN RAGET

America's Cup World Series: Nur "eine Show um nichts"?

Am Sonnabend beginnt in Plymouth die zweite Regatta der America's Cup World Series. Und noch bevor die erste Wettfahrt gestartet ist, hebt der Chor der Kritiker wieder an. Ob am Steg oder in den Medien – wer den auf Einheitsklasse-Katamaranen ausgetragenen Wettkampf doof findet, kann sich breiter Zustimmung sicher sein, wenigstens aber ungeteilter Aufmerksamkeit.

Selbst in den USA, wo die silberne Kanne 2010 nach dem Sieg von BMW Oracle gegen Alinghi ihre neue Heimat gefunden hat, ist Cup-Bashing ein inzwischen geflügeltes Wort. Dagegen sein ist in Mode. Schon deshalb, weil der Beleg für die vermeintlich unzähligen Konstruktionsfehler des neuen Regelwerks erst in der Zukunft erbracht werden kann. Wer heute schon meckert, hat also erst mal Recht.

Nein, man muss bestimmt nicht alles gut finden, was Russell Coutts im Auftrag von Oracle-Gründer Larry Ellison da entwickelt hat. Aber die Vehemenz, mit der aus weiter Ferne alles für Mumpitz erklärt wird, überrascht dann doch.

Jochen Schümann: Findet MedCup besser als America's Cup
Fotograf: © AUDI MEDCUP

Jochen Schümann: Findet MedCup besser als America's Cup

So befindet Jochen Schümann jüngst in einem Interview mit dem Berliner Tagesspiegel, das Ganze sei "eine Show um nichts". "Der Wettkampf wird am Ende dünn sein", prognostiziert der dreimalige Goldmedaillengewinner und zweifache Cup-Sieger. Den Stecker von Coutts mit anschließendem Schleudersturz in der San Francisco Bay wertet er als "ein Zeichen für das Unvermögen, mit diesen Katamaranen umzugehen". Und die 2013 im Cup eingesetzten 72-Fuß-Kats seien noch weitaus gefährlicher: "Die Segler könnten in 40 Metern Höhe durch die Luft geschleudert werden. Es ist völlig unklar, worauf man sich da einlässt."

Mit anderen Worten: Alles schlimm! Ganz schlimm!!!

Vor einer Woche im Gespräch mit der YACHT klang das noch differenzierter (s. Report in Heft 20/11, ab Mittwoch, dem 14. September am Kiosk). Da fand Jochen Schümann auch positive Worte. Dass das Segeln auf den nur mit fünf Mann besetzten AC-45-Kats sportlicher, athletischer sei und Crewmitglieder begünstige, die mehr als nur einen Job beherrschen, begrüßte der 57-Jährige explizit. Auch die aufwändige Live-Übertragung der Rennen lobte Deutschlands Ausnahmesegler: "Da leistet der Cup Pionierarbeit, die den ganzen Sport voranbringt." Was er auch einräumte: den Auftakt der AC-Weltserie in Cascais habe er "nur ganz am Rande verfolgt". 

Schade, dass viele Kommentatoren und Multiplikatoren aus der Distanz urteilen. Schade, dass Zwischentöne es selten an die Öffentlichkeit schaffen. Schade, dass der Cup und seine Macher nicht die Chance bekommen, die jeder Neuanfang verdient hat. 

Es scheint, als habe der jahrelange Rechtskrieg zwischen Oracle und Alinghi Fans und Pros so sehr vom Cup entfremdet, dass sie selbst jetzt, unter ganz anderen Vorzeichen, ihren Verdruss noch nicht überwinden können. Dabei wäre es an der Zeit. Der Segelsport braucht nicht noch mehr Nörgelei und Missgunst. 

Für alle, die sich unvoreingenommen einen eigenen Eindruck verschaffen wollen: Hier geht’s zur AC-Seite und hier zum AC-Channel auf YouTube, über den alle Rennen von Plymouth ab Sonnabend live und in Zusammenfassungen zu sehen sind. 

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