Interview

„50 Millionen sind nicht finanzierbar“

06.10.2010 Lars Bolle, Fotos: UITG - Michael Scheeren, Chef des United Internet Team Germany, über die Absage einer America’s-Cup-Teilnahme

Fotograf: © UITG
Michael Scheeren, bisheriger Chef des United Internet Team Germany

Trotz ansehnlichem Startbudget musste die geplante Herausforderung aus zwei wesentlichen Gründen abgesagt werden: Ein uneinholbarer Vorsprung der Amerikaner sowie viel zu hohe Kosten. Die Details erläutert Scheeren gegenüber YACHT online.

YACHT: Was genau waren die Entscheidungskriterien?

Glauben Sie, der Vorsprung von BMW Oracle Racing ist uneinholbar, hat das Team schon gewonnen?
Die beschäftigen sich seit Jahren mit dem Thema Katamaran und Flügel. Sie haben sich die besten Leute aus diesen Bereichen unter Vertrag genommen. Ich glaube, es werden sich alle anderen Teams schwer tun, die zu schlagen. Deswegen hatten ja viele gesagt, sie würden lieber noch einmal auf Einrumpfbooten segeln.

Wäre das nicht auch Ihnen entgegengekommen, schließlich haben Sie das Boot und die Ausrüstung des 32. Cups noch immer in Valencia?
Genau. Aber es werden ja nicht einmal die Vorregatten mit den alten Schiffen gesegelt, damit ist unser ganzes Equipment wertlos. Sonst wäre das ein schönes Startkapital gewesen.

Deutschland ist ein Hightech-Standort, gerade im Bereich Luft- und Raumfahrttechnik doch gut aufgestellt. Da ist nicht genug Knowhow zu bekommen, um einen konkurrenzfähigen Flügelmast zu bauen?
Genau das haben mir unsere Techniker auch gesagt, dass das doch ein tolles Thema für Deutschland wäre. Aber es ist die eine Sache, das alles toll zu finden. Wenn Sie dagegen dann jemanden fragen, ob er fünf Millionen Euro pro Jahr dazugeben würde, dann heißt es ganz schnell‚ so haben wir das auch nicht gemeint.

Mit welchem Budget haben Sie kalkuliert?
Keiner weiß zum jetzigen Zeitpunkt genau, was es kosten wird, aber mit 50 bis 60 Millionen Euro muss man wohl rechnen. Das war unsere Schätzung. Man kann es sicher billiger machen, dann ist aber die Frage, wie erfolgreich man damit sein kann. Und das sind Beträge, wo man sich fragen muss, wo man die heutzutage herbekommen will.

Zumal der amerikanische Werbemarkt für den deutschen Internetanbieter 1&1, den bisherigen Hauptsponsor, auch nicht interessant ist.
Das war gar nicht so wichtig, und wenn überhaupt, sprechen wir ja wohl auch nur über ein Finale dort. Aber das ist auch schon der nächste Punkt, dass das eines der vielen Dinge ist, die noch unbekannt sind. Man weiß ja außer dem Katamaran noch nicht, was passieren wird. Nur das Finale in den USA wäre gar nicht so schlimm gewesen.

Wie viel vom genannten Budget hätten Sie gehabt, wie viel einsammeln müssen?
Die ersten 20 Millionen hätten wir von den bisherigen Partnern wohl einwerben können. Das Problem ist aber die verbliebene Zeit. Da kann man kaum noch von Sponsoren Gelder bekommen. Deswegen hatten wir gemeint, wenn wir schon einmal 20 Millionen haben und wir brauchen insgesamt vielleicht 30, kriegen wir den Rest schon irgendwie. Das hätte ich für realistisch gehalten. Aber wenn wir jetzt über 50 Millionen reden, ist es einfach schwierig.

Wird überhaupt jemand so viel zusammenbekommen, schließlich haben am Montag auch die Briten aus demselben Grund abgesagt?
Es läuft sicher darauf hinaus, dass die Teams mitmachen, die die Milliardäre im Hintergrund haben, die das privat bezahlen. Da wird es nicht viel Sponsoring geben.

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