Service

So legen Sie Einbrecher rein

Yachteigner müssen sich nicht wie wehrloses Federvieh von Dieben rupfen lassen. Experten nennen einfache, aber wirksame Mittel und Wege zur Abwehr.

"Wer sagt mir denn, daß Sie überhaupt von der YACHT sind und mich nicht nur aushorchen wollen?" - Leicht hatten wir es während der vergangenen Wochen nicht bei unseren Recherchen in den Yachthäfen entlang der Ostseeküste. Wo immer wir vorsprachen, schlug uns so manche gesunde Portion Mißtrauen entgegen. Eigentlich ein gutes Zeichen, wie wir im nachhinein folgern können. Wie ein Lauffeuer hatten die Einbruchserien von der Schlei im Küstenklatsch ihre Runde gemacht (siehe auch YACHT 11/97, Seite 24, "21 Yachtaufbrüche in 14 Tagen") und waren nun in aller Kopf und Munde.

Wie berechtigt solches Mißtrauen andererseits ist, zeigte sich im Hafen der Seglervereinigung Fahrensodde: Just in der Nacht nach unserem Besuch schlichen jugendliche Langfinger auf Einbruchstour über die Stege am Ostufer der Flensburger Förde. Allerdings wurden sie bei ihrem fünften Aufbruch vom Eigner der Yacht überrascht und ergriffen mit Erfolg die Flucht.

So etwas ruft regelmäßig die Versicherungsmakler und die Sachverständigen auf den Plan, zieht aber auch die mühsamen Aufräumarbeiten für die frustrierten Eigner nach sich, verbunden mit der umständlichen Schadensaufstellung. Nur wenig hilft dabei die an sich tröstliche Erfahrung, daß die Reparaturkosten in der Regel vergleichsweise bescheiden ausfallen. Die Probleme liegen ganz woanders.

"Da bringen die Werften hochtechnische Yachten für mehrere hunderttausend Mark auf den Markt, und im Steckschott finden wir dann Billigschlösser für 40 Mark vor", wundert sich Polizeiobermeister Hans-Werner Krüger von der Wasserschutzpolizei Kappeln. Für die Aufklärung von Yachteinbrüchen in Häfen und Marinas sind nämlich die Beamten in Dunkelblau zuständig. "Im Hinblick auf die tatsächliche Sicherung ihres Eigentums bleiben die Yachtbesitzer sich selbst überlassen. Die von den Werften vorgenommenen konstruktiven Maßnahmen zur Sicherung des Eingangsbereiches sind zu oft ungenügend und eher ein schlechter Witz als ein wirksames Hindernis gegen unbefugtes Betreten." Der Schwachpunkt sehr vieler Yachten: Der Niedergang und das Schiebeluk sind lediglich durch ein relativ einfaches Kasten- oder Zylinderschloß gesichert. Hier genügt in der Tat ein kräftiger Hebeldruck mit einem robusten Schraubenzieher, und das Luk läßt sich einfach aufschieben. Oder die Führungsschienen oder -leisten von Steckschotten und Schiebeluken lassen sich von außen losschrauben. Die Langfinger brauchen also nur wenige Schrauben zu lösen, um im Handumdrehen ins Schiff zu gelangen, sogar ohne jede Gewaltanwendung. Andere Sünden zeigen sich in der Dimensionierung und Anbringung von Hebelverschlüssen und Überfallriegeln. Sind diese nur aus Blech oder ist ihre Verschraubung nicht durchgebolzt und sogar nach dem Verschließen noch zugänglich, genügen zum Öffnen Seitenschneider oder Schraubenzieher statt Schlüssel.

Solche Fehler halten zwar den Schaden am Schiff relativ klein, der große Ärger aber bleibt. Denn selbst wenn die Kaskoversicherung die Regulierung des Schadens übernimmt - zumindest der finanzielle Verlust in Höhe der Selbstbeteiligung schlägt in die Kasse, von dem Verlust ideeller Werte einmal abgesehen. Und was viele Eigner erst so richtig ermessen können, nachdem sie selbst einmal Opfer unerwünschter Besucher geworden sind: Diese Verletzung der Privatsphäre wirkt sich meist nachhaltiger auf die eigene Psyche aus, als es so mancher vor sich selber zugeben mag.

Diese Erfahrungen machte zumindest Olav Sabel von Marine Claim Service, (MCS) bei seinen Recherchen. Das Hamburger Unternehmen wurde vom Versicherungsmakler Pantaenius zur Aufklärung von Yachtdiebstählen und -einbrüchen gegründet und arbeitet sehr erfolgreich auf internationaler Ebene. Die unter Seglern weit verbreitete Theorie, am besten solle man den Einbrechern ihr finsteres Werk doch so leicht wie möglich machen, ordnet er als verantwortungslose Biertisch-Parole ein: "Statt dessen sollten sich die Eigner lieber darum bemühen, über ihr Hab und Gut genauer Bescheid zu wissen. Regelmäßig bekommen wir Verlustanzeigen mit Auflistungen gestohlener Geräte ohne die dazugehörenden Seriennummern. Wird dann irgendwo Diebesgut sichergestellt, können wir es allzu häufig den einzelnen Schadensfällen nicht zuordnen."

Davon weiß auch Polizeikommissar Ingo Ohrt ein Klagelied zu singen. Der stellvertretende Revierleiter der WSP Flensburg war von 1994 bis 1996 als Leiter des Ermittlungsdienstes bei der Wasserschutzpolizei in Lübeck-Travemünde mit der koordinierenden Aufklärung von insgesamt 536 Yachteinbrüchen in Schleswig-Holstein betraut. Größter Erfolg seiner Dienststelle: 340 dieser Delikte konnten vergangenes Jahr mit einem Schlag aufgeklärt werden, als ein Hamburger Einbrecher dingfest gemacht wurde. Mit fast 20 "Dienstjahren" auf dem Buckel hatte er sein Tätigkeitsgebiet von Wohnungen auf die soviel einfacher zu knackenden Schiffe verlagert. Bis zu 20 Boote in einer Nacht hat der fleißige Mann nach eigenen Aussagen geschafft.

"Große Probleme hatten wir dann aber bei der Auflösung seines Warenlagers", berichtet Ingo Ohrt, "denn selbst wenn die Seriennummern noch nicht entfernt waren, konnten wir sie keiner der Verlustlisten im Computer zuordnen, obwohl wir ganz genau wußten, daß es die richtigen Einbruchserien waren und sie darin hätten auftauchen müssen."

Der Schutz des Eigentums fängt also schon gleich nach dem Kauf von Ausrüstung an: Notieren Sie Serien- und Typennummern und markieren Sie das Gerät unauffällig, optimal wäre es im Inneren des Gehäuses. Das kann durch eine Gravur geschehen oder durch einen unscheinbaren Farbtupfer. Art und Stelle der Markierung gehören dann ebenso in die Registrierliste, die Sie zu Hause zusammen mit den Kaufbelegen sicher aufbewahren sollten.

Mit der Nachlässigkeit der Werften bei der Sicherung des Eingangsbereiches müssen Sie sich nicht abfinden. Oft lassen sich die Niedergänge bereits mit einfachen Ideen und geringem Aufwand in Eigenarbeit wirksam verbessern. So zum Beispiel mit einer zusätzlichen Leiste, die von innen zur Versteifung unter das Schiebeluk montiert wird. Zwei Schraubbolzen, die auf der nach achtern gerichteten Seite aus dieser Leiste herausragen, greifen beim Zuschieben des Luks automatisch wie Verschlußzapfen in zwei Löcher im Steckschott. Das läßt sich nur noch mit schwerem Gerät aufhebeln.
Von außen verschraubte Führungsleisten oder -bleche für Steckschotten und Schiebeluken sollten Sie durch robuste Winkelbleche aus Niro ersetzen. Die werden dann so montiert, daß die Schrauben automatisch beim Zuschieben oder Einstecken von Luk beziehungsweise Schott verdeckt werden.

Backskisten lassen sich durch robuste Augplatten und Tauwerkstropps, die von innen durchgesetzt und belegt werden, zusätzlich gegen unerwünschten Zugriff sichern. Das empfiehlt sich vor allem auf Yachten, in denen man über eine geräumige Backskiste dank zusätzlicher innerer Stauklappen bis in den Salon klettern kann.

Zusätzliche Verriegelungen mit Bügelschlössern sind relativ einfach an beliebiger Stelle anzubringen. Sie sollten aber möglichst massiv gebaut sein und außerdem im verschlossenen Zustand alle Schrauben verdecken. Durchgehende Gewindebolzen mit selbstsichernden Muttern eignen sich zur Befestigung besser als selbstschneidende Schrauben.

Einige Beschlägehersteller haben massive Verschlußvorrichtungen speziell für den Bordgebrauch auf den Markt gebracht, die zwar teuer, aber durchaus sinnvoll sind. Sie lassen sich allerdings nicht bei allen Arten von Niedergängen anbringen; dafür sind die Baukonzepte der Werften zu verschieden.

Also, je mehr Schlösser, desto besser der Schutz? Wir meinen, ja, aber nur wenn gleichzeitig die übrigen Schwachstellen beseitigt werden. Zwar dauert es beim Auf- und Zuschließen ein paar Sekunden länger und mag in den Augen eines manchen Skippers vielleicht albern aussehen.

"Aber", so Polizeikommissar Ingo Ohrt, "so unterschiedlich die Täterprofile vom gut ausgerüsteten und vorbereiteten Profi bis zum spontan handelnden Gelegenheitsdieb auch sein mögen, sie haben alle eins gemeinsam: Der Bruch muß schnell gehen, und sie wollen dabei nicht gestört werden. Je deutlicher und massiver ihnen der Weg zur Beute verwehrt scheint, desto eher sind sie bereit, sich einem leichteren Ziel zuzuwenden." Spricht dann noch eine einfach konzipierte, aber direkt wirkende Alarmanlage an, machen nur noch ganz hart gesottene Langfinger weiter. Die hochtechnisierten und komplexen Alarmanlagen haben sich nach den Erfahrungen von Hans-Werner Krüger nicht so gut bewährt. "Vor allem die vielen Fehlarlarme führen zu Verärgerung der Umlieger und zum Nachlassen des Aufmerksamkeitsgrades. Ist das System zudem über Funk an einen Wachdienst angeschlossen, wird es für die Eigner teuer, denn die Fehleinsätze müssen ja bezahlt werden."

Ein zusätzliches Übel, das sich aber ganz leicht und ohne Geld beseitigen läßt, hat Olav Sabel ausgemacht: "Die Anonymität in den immer größer werdenden Marinas und die wachsende Gleichgültigkeit der Segler - das sind die heimlichen Komplizen der Einbrecher. Die Segler sollten mehr darauf achten, was in der Umgebung ihrer Liegeplätze vor sich geht und Informationen untereinander austauschen, zum Beispiel über längere Abwesenheiten, über Besucher und Serviceleute, die während der Abwesenheit an Bord kommen.
Gegebenenfalls auch mal jemanden ansprechen, Wachsamkeit signalisieren. Vor allem zu Saisonbeginn, wenn noch nicht und im Herbst, wenn nicht mehr soviel gesegelt wird, sind die Gefahren am größten. Schreiben Sie sich ruhig einmal für alle Fälle eine verdächtige Autonummer auf. Und noch etwas: Nicht in jedem Blaumann steckt ein Servicemann mit einem Arbeitsauftrag in der Tasche!"

[nach oben] [zur Hauptseite]