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Eigentlich Pflicht: Platz in der Plicht

Wohin mit Kurbel, Sonnencreme und Fernglas? Platz wäre da, aber das Schwalbennest fehlt. So rüstet es der Profi nach.

Sind viele Werften ignorant, fehlt es an seglerischer Praxis, oder sind die kleinen Details, die der Kunde ohnehin meist erst nach dem ersten Törns vermißt, in der Produktion zu teuer? Stichwort Schwalbennest: Fehlt oft, wird aber benötigt. Für Winschkurbeln, Fernglas und Peilkompaß, Sonnencreme und dergleichen mehr. Und Platz zum Einbau ist im Cockpit meist vorhanden: im Süll, an der Stirnseite der Plichtwanne oder an deren Ende. Je nachdem, wo das Schwalbennest im Innenraum oder in Backskisten nicht stört und die nötige Einbautiefe zur Verfügung steht.

Wir wählten in unserem Beispiel die Cockpitfront, denn ein seitlicher Einbau war durch hochgezogene Backskisten nicht möglich. Vorgabe: Das neue Schwalbennest sollte sich optisch in die glatte und schnörkellose Oberfläche der modernen GFK-Yacht einfügen und dementsprechend komplett in glasfaserverstärktem Kunststoff gebaut werden. Dies bedingt die Herstellung von Negativformen. Zugegebenermaßen ein recht großer Aufwand. Die einfachere Alternative wäre, einen Holzkasten als Schwalbennest zu bauen. Es gibt auch vorgefertigte Teakholzkästen zum Einkleben für knapp 160 Mark (Aqua Realty Europe, Telefon 0031/320/ 260602).

Noch günstiger: Sie nehmen einen Kunststoff-Blumenkasten oder eine Plastikschüssel und kleben diese ein. Sogar eingesetzte Waschbecken aus rostfreiem Stahl oder Kunststoff wurden schon zweckentfremdet. Nun ja ...

Noch drei Tips zum Thema: Verschließbare Löcher an der Oberseite des Kastens bringen Luft ins Schiff, Bohrungen an der Unterseite der Blende lassen Wasser abfließen, und eine herausnehmbare Leiste oder ein Gummiband hält das Staugut auch bei Lage am Platz.

Und so wird's gemacht:


Als wärs von der Werft
fügt sich das Schwalbennest mit Blendrahmen in die Front des Cockpits.

Form-Grundlage:
Aus einer Holzplatte ein Modell zusammen kleben und schleifen. Die gerundeten Kanten und schrägen Seiten erleichtern später das Abnehmen des laminierten Kastens .

Form verfeinern:
Damit der fertige GFK-Kasten später besser gegen das Cockpit laminiert werden kann, in diesem Bereich der Form eine Hohlkehle mit großem Radius anspachteln.

Form für Blendkranz herstellen:
Ovales Innenteil und entsprechenden Außenrahmen aussägen, auf eine Platte schrauben und mit Spachtel Hohlkehlen herstellen.

Formen-Bau:
Nachdem die Formen mit Epoxidgrund behandelt sind, wird Feinschicht aufgetragen. Noch besser ist schwarz eingefärbtes Formharz, das Unebenheiten deutlich macht.

Formen-Schliff:
Die Feinschichtoberflächen werden geschliffen und poliert, damit die Gelcoatschichten des späteren Werkstücks möglichst ebenmäßig und glänzend ausfallen.

Formen-Behandlung:
Auf beide Formen werden Trennwachs und Trennlack aufgebracht. Die Mittel verhindern, daß sich das Laminat des Werkstücks mit der Form verbindet.

Oberfläche herstellen:
Nachdem die Gelcoatschicht aufgebracht wurde, muß sie zirka sechs Stunden aushärten. Warten Sie länger als zwölf Stunden, müssen Sie die Schicht anschleifen.

Glasaufbau:
Nach einer feinstrukturierten Oberflächenmatte folgen vier Lagen 300-Gramm-Matte. Jede Lage per Flauschrolle mit Harz tränken und dann mit Kunststoffrolle verdichten.

Aushärten und Entformen:
Mindestens 15 Grad Celsius mehr als eine Nacht sind nötig. Dann entformen und mit der Flex besäumen. Dabei sollten Sie unbedingt eine Staubmaske tragen.

Blendrahmen montieren:
Den angezeichneten Ausschnitt mit der Stichsäge aus der Cockpitwand heraustrennen und den Blendrahmen mit einem Polyurethankleber einkleben.

Kasten fixieren:
Das Schwalbennest von innen mit Dichtungsmasse aufsetzen und durch Stützen fixieren. Dazu die Innenraumverkleidung sauber auftrennen und Reste seitlich wegkleben.

Kasten befestigen:
Mit schmalen Glasmattenstreifen den Kasten festlaminieren. Dann Reste der Verkleidung über den Flansch kleben und den Kasten streichen oder mit Verkleidungsmaterial überziehen.

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