Palmtop als Kartenplotter
In YACHT 25/2000 berichtet Sascha Burkhardt über die Möglichkeiten, Taschencomputer als sehr einfache Kartenplotter an Bord einzusetzen.

Für Segler, die einen Psion oder Palm ihr Eigen nennen, ist es angesichts des geringen Preises der entsprechenden Software ein interessanter Versuch, eine Karte ihres Lieblingsrevieres zu scannen, auf den Taschencomputer zu überspielen und mit diesem als "Kartenleser" versuchsweise zu segeln. Fehlende Zoommöglichkeiten auf diesen selbst gefertigten Rasterkarten, die Anzahl möglicher Fehlerquellen und das langwierige Scannen in A4-Portionen machen diese Lösung für den ernsthaften Bordbetrieb allerdings weniger geeignet. Letzter Punkt kann allerdings zunehmend umgangen werden: Im Internet werden immer mehr fertig gescannte Karten angeboten, die nach mehr oder weniger umständlichen Konversionen auch mit den genannten Programmen benutzt werden können.

Bezugsquellen im Internet:

  • PsiNMEA: www.baumbach-web.de
  • RealMaps: www.realmaps.co.uk
  • Atlas und Cartographer: www.gpspilot.com
    Anleitung Schritt für Schritt
    • Palm - Installation von Atlas und den Karten:

      1. Laden Sie Atlas auf www.gpspilot.com und installieren Sie das Programm Atlas.prc mittels der üblichen Installation über Doppelklick. Bei der nächsten HotSync-Operation wird das Programm installiert.

      2. Laden Sie "Cartographer.zip" auf derselben Website, extrahieren Sie die "GPSPilot Cartographer.exe".

      3. Scannen Sie die Karte, die Sie in Ihren Palm laden möchten. Achten Sie darauf, die Karte im Scanner gerade auszurichten. Speichern Sie die Datei im bmp-Format ab.

      4. Führen Sie die "GPSPilot Cartographer.exe" aus. Klicken Sie auf "Add" und wählen Sie die gescannte BMP-Datei aus.

      5. Wählen Sie aus, welche Farbtiefe die Karte auf dem Palm haben soll. Die Möglichkeiten hängen von Ihrem Palm und seiner Betriebssystem-Version ab.

      6. Wenn das Programm nach den "map-coordinates" fragt, geben Sie für "Top left Latitude" den Wert 10, "Bottom Latitude" den Wert 0, "Top Longitude" den Wert 0 und "Bottom Longitude" den Wert 10 ein. So können Sie die Karte später auf dem Palm "auf Sicht" kalibrieren.

      7. Speichern Sie die Datei im vorgegebenen pdb-Format ab. Verlassen Sie Cartographer.

      8. Durch einen Doppelklick auf die entsprechende pdb-Datei wird diese vom Install-Tool des Palms zur Installation bei der nächsten HotSync-Operation geladen. Führen Sie ein "HotSync" durch.

      9. Rufen Sie "Atlas" auf dem Palm auf und wählen Sie den Menüpunkt "Map, List". Falls Ihre Karte nicht schon in der Auswahl erscheint, wählen Sie sie im Auswahlfenster oben rechts aus. Wundern Sie sich nicht, dass Ihre Karte in viele kleine Unterkarten zerschnitten wurde, die jetzt hier einzeln aufgeführt sind. (Dies geschieht zwecks Speicherersparnis; während der Benutzung wird der Palm beim Verlassen eines Kartenstücks automatisch das nächste auf den Bildschirm laden.) Wählen Sie ein beliebiges Kartenstück aus.

      10. Sie können jetzt mit dem Stift die Karte auf dem Bildschirm verschieben, bis Sie einen markanten Punkt wieder finden, dessen Koordinaten Sie kennen. Tippen Sie auf den Menüpunkt" Calibrate", positionieren Sie den Punkt genau unterm Fadenkreuz und doppeltippen Sie darauf. Nun können Sie unter "New Point" die Koordinaten dieses Punktes eingeben.

      11. Verschieben Sie die Karte jetzt möglichst weit an einen anderen markanten Punkt, der weder auf demselben Längen- noch demselben Breitengrad liegt. Geben Sie die Koordinaten des Punktes wie unter 10) ein.

      12. Ihre Karte ist kalibriert; zum Ausprobieren schließen Sie Ihr GPS an. Dazu müssen Sie den Palm-Sockel vom PC abtrennen und über einen Nullmodem-Adapter mit dem seriellen Anschlusskabel des GPS verbinden. Stellen Sie am GPS den Ausgang auf "NMEA, 4800 Baud".

      13. Zum Testen setzen Sie den GPS-Empfänger in den Simulator-Modus und initialisieren Sie Ihre Position auf einem bekannten Punkt der Karte. Allerdings nicht auf einem der Punkte, der zur Kalibrierung gedient hat - die ordentliche Kalibrierung kann sonst nicht überprüft werden. Der Palm zeigt jetzt, wenn Sie alles richtig gemacht haben, diese Position auf der Karte punktgenau an. Wenn Sie jetzt noch dem GPS-Simulator eine Geschwindigkeit vorgeben, verschiebt sich die Karte auf dem Palm-Bildschirm unter Ihrem Positions-Symbol. Außerdem werden die Geschwindigkeit und der Kurs (magnetisch, wenn Missweisung bei Kalibrierung angegeben!) angezeigt. Wenn Sie das Programm registrieren lassen, verschwindet das lästige Schlüsselloch, das Ihnen die Sicht auf die Karte einengt.



    • Psion 5mx und PsiNMEA:


      1. Laden Sie die freeware PsiNMEA von www.baumbach-web.de herunter.

      2. Installieren Sie PsiNMEA über PsiWin auf Ihrem Psion Serie 5.

      3. Scannen Sie die Karte, die Sie in Ihren Psion laden möchten. Achten Sie darauf, die Karte im Scanner gerade auszurichten. Speichern Sie die Datei im bmp-Format ab.

      4. Übertragen Sie die Datei per PsiWin auf den Psion und lassen Sie die Datei dabei von PsiWin ins "Psion Skizze"-Format umwandeln.

      5. Öffnen Sie die übertragene Skizze auf dem Psion, und speichern Sie diese unter dem Menüpunkt "Exportieren" mit dem Namen "Meinekarte.mbm" als Epoc-Grafik-Datei ab. (Schritt 4 und 5 können von versierten Benutzern auch durch Konvertierungssoftware zusammengefasst werden.)

      6. Öffnen Sie PsiNMEA, aktivieren Sie den Menüpunkt "Databases, Map Registry, Add Map ...", wählen Sie Ihre "Meinekarte.mbm" aus, geben Sie eine treffende Kartenbeschreibung ein und tippen Sie auf "Calibrate".

      7. Verschieben Sie die Karte, bis das Fadenkreuz auf einem bekannten Punkt zu liegen kommt. Drücken Sie Enter, und geben Sie die Koordinaten des Punktes ein. Achtung, die Eingabe muss genau im vordefinierten Format erfolgen, zum Beispiel "40°54.75000’N" und "02°49.31500’W".

      8. Wiederholen Sie Schritt 7 für einen zweiten Referenzpunkt der Karte, diagonal möglichst weit weg vom ersten. Bestätigen Sie mit Enter: Die kalibrierte Karte wird abgespeichert und verlassen.

      9. Zum Ausprobieren schließen Sie Ihr GPS an. Dazu müssen Sie das Psion-Verbindungskabel vom PC abtrennen und über einen Nullmodem-Adapter mit dem seriellen Anschlusskabel des GPS verbinden. Stellen Sie am GPS den Ausgang auf "NMEA, 4800 Baud". Achten Sie darauf, dass am Psion die Einstellung im System-Menü: "Extras, Kommunikation, Link" auf Aus" steht, sonst ist der COM-Port blockiert.

      10. Zum Testen setzen Sie den GPS-Empfänger in den Simulator-Modus und initialisieren Sie Ihre Position auf einem bekannten Punkt der Karte. Allerdings nicht auf einem der Punkte, der zur Kalibrierung gedient hat - die ordentliche Kalibrierung kann sonst nicht überprüft werden.

      11. In PsiNMEA aktivieren Sie den Programmpunkt "Program, Protocol" und setzen diesen auf "NMEA". Das Programm erkennt daraufhin, dass es an ein GPS angeschlossen ist. Aktivieren Sie den Menüpunkt "GPS, Location on Map, Current ..." und wählen Sie unter "Map" Ihre kalibrierte Karte aus.

      12. Ihre derzeitige Position wird nun auf der Karte als Fadenkreuz dargestellt. Prüfen Sie, ob diese Punktdarstellung genau der Position des GPS entspricht. Wenn Sie jetzt noch dem GPS-Simulator eine Geschwindigkeit vorgeben, verschiebt sich die Karte auf dem Psion-Bildschirm unter dem Fadenkreuz.

      13. Wenn Sie möchten, kann Ihre Bewegung sogar mitgezeichnet werden: Menüpunkt "Tracking ..."

    NMEA-Schnittstelle
    Bei der NMEA-Schnittstelle eines GPS handelt es sich um eine serielle Schnittstelle, über die der GPS-Empfänger kontinuierlich Auskünfte zum Beispiel über die derzeitige Position, Geschwindigkeit und den aktuellen Kurs ausgibt. Ursprünglich war dieser Standard vor allem geschaffen worden, um die (einseitige) Kommunikation vom GPS zum Autopiloten zu standardisieren. Das Interessante dabei: In der aktuellen Version des NMEA-Protokolls NMEA 0183 handelt es sich nicht um einen binären "Geheimcode", sondern um Klartext-Meldungen im ASCII-Format, die über die serielle Schnittstelle ausgegeben werden. Wer zum Beispiel den Ausgang seines GPS-Empfängers mit dem PC verbindet und das Ausgangsprotokoll auf "NMEA" einstellt, kann mit einem beliebigen Terminalprogramm unter Windows oder selbst DOS die Zustände des GPS ablesen. Es reicht, die Übertragungsparameter auf 4800 Baud, 8 Bits, kein Paritätsbit und ein Stopp-Bit einzustellen: Daraufhin scrollen ununterbrochen Wertepaare wie

    $GPGGA,114614.360,4410.5350,N,00704.4451,E,1,05,2.8,723.2,M,,,,0000*03
    oder
    $GPVTG,150.54,T,,M,11.48,N,21.3,K*69


    über den Bildschirm und geben unter anderem Auskunft über die aktuelle Zeit, Position, Geschwindigkeit und den Kurs. Diese Informationen können von anderen Geräten oder Programmen weiter verarbeitet werden.


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