DIE HOMEPAGE VON
BOBBY SCHENK
exclusiv bei

Thalassas Shakedown-Cruise(3)



Im September haben wir, Carla und ich unsere neue THALASSA in der Werft in Les Sabels in Frankreich abgeholt und durch die Biskaya nach Gibraltar gesegelt. Pünktlich zum Start ins neue Jahr setzten wir an Sylvester Segel, um nach Tunesien zu "düsen", was wörtlich zu verstehen ist. Satte 40 Knoten bliesen die THALASSA in weniger als 6 Tagen die rund 1000 Seemeilen nach Monastir. Ein Superplatz, um die Winterstürme abzuwettern, andere Langfahrtsegler kennen zu lernen und notwendige Verbesserungen am Schiff durchzuführen. Wobei man sich der afrikanischen Lebensart fügen muss. Nach einiger Zeit fühlt man sich dabei richtig wohl.

6.6.01 - Die Silberschatz-Bucht

Ein kurzer Abstecher nach Marmaris wurde für einige Änderungen im Energie-Management bei der THALASSA genutzt. Die Arbeiten sind, soweit nach ein paar Tagen das beurteilt werden kann, erfolgreich gewesen zu sein. Ich werde demnächst das endgültige technische Layout unserer Yacht ausführlich beschreiben.

Mit Alois, Kameramann beim ORF, hatten wir uns zu Filmaufnahmen verabredet. Er ist Segelfan mit feiner eigener Yacht (derzeit in Italien) und hat viel für die Popularität des Fahrtensegelns getan, indem er achtmal einen Film über die jeweiligen Ecker-1000-Meilen-Regatten produzierte, die dann meist am Neujahrstag mit hohen Einschaltquoten auf dem ORF und Drei-Sat gelaufen sind. Jetzt arbeitet er an einem Fernseh-Film über die Katmaran-"Welle".

Als Treffpunkt hatten wir die Gemiller-Reede verabredet. Diese Bucht ist für mich eine der schönsten. Von außen ist sie kaum zu erkennen, aber wohl jeder Segler im Golf von Fethye findet sie. Wir kannten sie gut, hatte der YACHT CLUB AUSTRIA vor ein paar Jahren doch eine Käpt'n-Silver-Silberschatzsuche veranstaltet - mit Ziel in der Gemilller-Reede. Dort hatten wir damals auch den Schatz versteckt. Eine Flotte von rund einem Dutzend Yachten fuhr, manche irrten, eine Woche lang durch die türkische Inselwelt. Jeden Morgen gab es die neuesten Quiz-Fragen (oder auch Punkte für den besten Leinen-Weit-Werfer oder Beiboot-Racer), deren Ergebnisse schließlich das Ziel für den Abend ergaben. Am Ende winkte ein echter Schatz, bestehend aus mehreren hundert Silbermünzen. Und genau diesen Schatz hatten wir unter einer Yacht in der Gemiller-Reede auf sechs Metern Wassertiefe versteckt. Die fast hundert Teilnehmer feierten dann den Schatz bis zum frühen Morgen in der Taverne am Ufer der Traumbucht.

Verschwunden war die Taverne, als wir einliefen. Aber das ist in der Türkei nicht unüblich, ja fast die Regel. Wo immer Tavernen (mit Generator, kaltem Bier, Hühnchen, Fisch oder Fleisch) in den abgelegenen Buchten ihren "Betrieb" aufnehmen, handelte es sich um ungenehmigte Bauten. Üblicherweise sehen die Behörden ein paar Jahre tatenlos zu, reagieren aber erbarmungslos, wenn einige Jahre ins Land gegangen sind, weil die Gefahr besteht, dass diese Schwarzbauten gewohnheitsrechtlich "legal" werden könnten. Dann werden durch das Militär die Bretterbuden samt Inventar kurz- und kleingeschlagen - und das Spiel geht von vorne an. Nachdem jeder die Spielregeln kennt, lässt sich ja wohl wenig dagegen sagen - so mein privates Rechtsempfinden. Nunmehr hatte eine neue Taverne eröffnet, oben am Berg mit zauberhaftem Blick zu den paar Yachten und zum aufgehenden Mond. Dreißig Yachtsleute freuten sich an den türkischen Speisen und vor allem am Wein. Die Preise waren zivil geblieben, was deshalb bemerkenswert ist, weil ja alles mit dem Esel über die Berge dorthin transportiert werden muss.

Der Morgen begann, wie immer in den Buchten der Türkei, mit einem Sprung ins Wasser. Wer ganz abgehärtet war, konnte zu den kalten Quellen schwimmen, die mit weniger als 10 Grad ins Meer münden. Zum kleinen Felsen aber, der direkt vor der Mündung war, schaffte es - wegen der Kälte - kaum jemand. Bis Alois unter den Damen seiner Crew die Mär von der alten Sage verbreitete, für jeden Besuch dieses Felsens (mit Berühren) wird man ein Jahr jünger. Danach war der Stein von den Amazonen ziemlich umlagert.

30.4.01 - Port Göcek, die Perle unter den Marinas

Von einem Törn kann man ja bei 12 Seemeilen gar nicht richtig sprechen. Bei Flaute motorten wie die rüber in die Marina "Port Göcek" (36°44.8'N, 28°56,5 E). Schon viel hatten wir von dieser angeblich so schönen Marina gehört, aber die Realität übertraf dann doch unsere Erwartungen. Der Marina-Direktor mit dem  schönen deutschen Namen Bruno Meier, (und trotzdem Türke, dann aber Burhan Mayar), begrüßte uns und verabschiedete sich sogleich wieder, weil er gleich wieder wegfliegen musste. Er hatte eine 38er Bavaria zu überführen, was deshalb erwähnenswert ist, weil es nicht viele Marina-Chefs gibt, die aktive Segler sind und damit auch die Nöte von budgetbewußten Seglern verstehen und nicht nur die von Motorbootfahrern mit dicken Brieftaschen. 

Das Anlegen unserer großen THALASSA war dann auch so, wie man es sich - wenn schon Marina - wünscht: Zwei Schlauchboote mit starken Außenbordern bugsierten die THALASSA in wenigen Minuten auf ihren Liegeplatz mit zwei Achterleinen und zwei Mooring-Trossen (Ankern verboten!). Die Marina-Crew erledigte dies mit viel Sachverstand und man pfuschte ihr deshalb nicht ins Handwerk. Obgleich kein Tidengewässer (maximal 30 Zentimeter) werden in dieser Super-Marina nur Schwimmstege verwendet, was das Liegen nur angenehm macht. Und appetitlich! Denn die Schwimmstege haben den Vorteil, dass das Wasser in der Marina mit der leichten Strömung in der Bucht zirkulieren kann, man also nicht in stehendem Wasser liegt. Wem die Gaben der Natur nicht ausreichen, der findet am Steg, und zwar an jedem Liegeplatz Anschlüsse für Strom, bestes Trinkwasser, Fernseh-Antenne (Kabel mit zahlreichen deutschen Sendern) und - auf Wunsch - Telefon. Und zwar mit genormten Anschlüssen, was der zu schätzen weiß, der die schikanösen Fittings in vielen sonstigen Mittelmeer-Marinas schon erlebt hat ("Pfand", "Pfand", "Pfand"...).

Kurzum, alles passt. Auch die Liegeplatzkosten sind der Leistung angemessen, was man allein schon daran erkennt, dass auch eine Reihe von Langfahrtseglern mit nicht allzu üppiger Bordkasse hier herinnen liegen. Und es ist wunderschön hier. Die Berge rundum geben einem ein zusätzliches Gefühl von Geborgenheit, die Farbe des glasklaren Wassers signalisiert, dass man sich hier im mit Abstand schönsten Segelrevier Europas (meine Meinung) befindet. Das scheint sich noch nicht herumgesprochen zu haben, denn in der Marina ist wenig Betrieb. Dabei ist es doch gleichgültig, ob man in Deutschland in den Flieger steigt und nach rund zwei Stunden in Dalaman, in Malaga, in Zadar oder als Ballermann auf den Balearen aussteigt. Zeitaufwand und Flugpreis sind, ungefähr, jedenfalls gleich. Gerade habe ich die neue YACHT mit den Testberichten über die Calas in Mallorca gelesen. Ja und? Hier, allein im Golf von Fethye gibt es mehr "Calas" als in Spanien und sie würden fast ausnahmslos die Höchstnote verdienen. Hinreißende Landschaft, guter Ankergrund, historischer Hintergrund, viel Platz zum Anker mit gutem Haltegrund, Schönwettergarantie, wenig Betrieb und gastfreundliche Türken ohne Nepp-Gelüste sind hier der Standard, nicht die Ausnahme. So, wie es in Spanien vor dreißig Jahren gewesen ist, als die Strände dort noch sauber, die Segler noch vereinzelt und die Menschen noch nett waren.

Die Türken pflegen ihren Schatz. In der Marina ist die Benutzung der Bordtoilette verboten, es sei denn, sie mündet in einen Fäkalientank. Das freut einen, wenn man die Nachbar-Charteryacht betrachtet, auf die gerade sechs bleichgesichtige Urlaubssegler ihre Bierkartons wuchten. Und das beschämt viele andere sogenannte modernen Marinas: Schmutzwassertanks können in dieser Marina auch abgepumpt werden. Kraftaufwendiges Verlegen des Schiffes ist hierzu nicht nötig. Ein Spezialwagen fährt am Steg vor. Wenn, ja wenn die Yacht eine Vorrichtung zum Abpumpen hat.

Aber die Bordtoilette zu benutzen, ist hier ohnehin kein Thema. Dagegen sind die WCs und Duschen hier in der Marina erwähnenswert. Es gibt zwei Anlagen, damit die Wege von den Yachten kurzgehalten werden. Man erkennt sie zunächst kaum, denn der Zugang ist vom Architekten wie das Ambiente eines Feinschmeckerlokals gestaltet worden (siehe Foto).

Die Duschen und Toiletten lassen sich am besten so beschreiben: "Hilton-Style".

Im Hintergrund rieselt klassische Musik, das Auge blickt auf Marmor. Über jedem Becken in den separaten Waschräumen hängt ein Föhn, auch bei den Herren. Sauber und rund um die Uhr gepflegt sind sie, was sich bei diesem Standard fast von selbst versteht...

Und es sind ausreichend viele Duschen, kalt und warm. Wenn man mal in anderen Häfen vor so einer sogenannten "Sanitär-Anlage" Schlange gestanden hat, weiß man, dass dies im Mittelmeer und erst recht nicht an "unseren" Küsten selbstverständlich ist. In vielen "Marinas" bekommt man ja, als sei es eine besondere Geste der Gastfreundschaft, geheimnisvoll einen Schlüssel anvertraut (wiederum gegen Pfand, versteht sich), der einem Zugang zu verschimmelt riechenden Duschräumen verschafft. Und wohin der Weg meist rund um die Marina führt.

In die Ortschaft Göcek, und damit in eines der preiswerten Restaurants, sind es zu Fuß nur 15 Minuten. Dort kann man sich auch für den Urlaubstörn verproviantieren - für mäßiges Geld. Die Türkei ist wegen der vielzitierten Inflation nicht mehr überwältigend billig, doch immer noch preiswerter als unser Zuhause. Eine Dose Bier (halber Liter!), als internationaler Preismaßstab gesehen, kostet gerade mal eine Mark. Nebenbei: An das süffige Efis-Bier kann man sich gut gewöhnen.

Aber Einkaufstipps holt man sich am besten bei den türkeierfahrenen Mitarbeitern von Ecker-Yachting bei Sigrid, dem Stützpunktleiter Ibis, oder bei Günter und Esra, hier geboren. Für mich ist die Marina Port Göcek die schönste, in der ich je gewesen bin. Es wäre deshalb seltsam gewesen, wenn der rührige Kurt Ecker, Chef dieser Charterfirma, sich nicht mit einem seiner Stützpunkte hier niedergelassen hätte. Fast 20 schmucke Yachten, bestens gepflegt warten hier auf sonnenhungrige Segler, von der 11-Meter-Yacht bis zur nagelneuen 50-Fuß-Einrumpfyacht. Ecker-Yachting ist auch Alleinvertreter für Privilege-Katamarane im deutschsprachigen Europa und so ist es eine Selbstverständlichkeit, dass auch nageleneue Privilege-Kats zum Verchartern stationiert sind. Der 465er Lady C ist ein Schwesterschiff der THALASSA und der 435er hat gerade eine erfolgreiche Biskaya-Überquerung mit über 60 Knoten Wind hinter sich (siehe Biskayaüberquerung im Winter mit dem Fahrtenkatamaran).

Mit solchen Windverhältnissen braucht man hier nicht zu rechnen. Dies ist ein paradiesisches Segelrevier, in dem alles stimmt, vor allem die Marina hier. Das übrige Mittelmeer, die überfüllten französischen Küsten, die lärmenden und schmuddeligen Häfen Spaniens und  Griechenland mit seinem großangelegten Einreisenepp werden sich was einfallen lassen müssen, um im Vergleich mit der Türkei noch bestehen zu können. Denn, wie gesagt: Von München aus sind es hierher nur zweieinhalb Stunden Flug und 20 Minuten mit dem Taxi.

26.4.01 - Paradies für Schildkröten

Mich hat an der Türkei immer schon fasziniert, dass dieses Land schon frühzeitig seinen wahren Reichtum erkannt hat, nämlich seine Natur. Dementsprechend schreibt die Türkei als eines der ersten Länder Fäkalientanks zwingend vor. Entsprechend appetitlich sind die zahlreichen Ankerplätze, wobei der Reiz von Fethye für den Langfahrtsegler auch darin liegt, dass nicht nur genügend Platz für Yachten da ist, sondern auch alle möglichen Versorgungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Duschen an Land gibt es auch für Ankerlieger und selbstverständlich zahlt man vor Anker auch keine Liegegebühren. 

Carla meint jedenfalls, dass dies einer der schönsten Plätze ist, auf denen sie war. Das mag auch an der Jahreszeit liegen, denn die Luft ist mit 25 Grad gerade frisch, das Wasser hat schon über 20 Grad, und die schneebedeckten Berge im Hintergrund erinnern etwas an die nicht so entfernte Alpenheimat.

Eine Idylle, auch für Tiere. Mitten zwischen den wenigen Yachten taucht wieder "unsere" Schildkröte von gestern auf. Sind wir ja schon gewohnt. Eine halbe Stunde später rufen mich laute Rufe "Thalassa, Thalassa..." an Deck. Türkische Fischer stehen in ihrem kleinen Holzboot und deuten aufgeregt zu meinem Anker - und zu ein paar patschenden Flossen. "O, je", denke ich, die Schildkröte hat sich in der Ankertrosse verfangen. Da hab ich nämlich schon schlimme Erfahrungen gemacht. Vor vielen Jahren hatte ich mal einen drei Meter breiten Manta-Rochen mit der Ankerleine stranguliert. Und die war bei weitem nicht so stark wie mein jetziges Ankergeschirr. Ein deutscher Wasi-Bügelanker mit über 30 Kilogramm Gewicht soll die THALASSA  als Hauptanker bei "jedem" Wetter halten. Aber meine Sorgen, ich hätte die Turtle gefangen, war umsonst. Die Fischer wollten mich nur auf ein seltenes Naturschauspiel aufmerksam machen und riefen mir zu, ich solle die Kamera holen. Hier ist das Ergebnis: Es waren zwei Schildkröten und die Fischer schmunzelnten: "Next year, many turtles..."

24.4.01 - Ruhe am Ankerplatz

Fethye, Flaute, Riesenankerplatz mit Platz für 100 Yachten, der besetzt ist mit vier und einem Kreuzfahtschiff. Die Vegetation erinnert mehr an die Südsee wie irgendein anderer Platz im Mittelmeer. Sogar eine große Palme steht vor so einem häßlichen Neubau neben der Straße. Aber man darf hier die Baukultur nicht so kritisch sehen. Schließlich ist in neueerer Zeit die geamte Ortschaft Fethyye einem Erdbeben zum OOpfer gefallen. So sind dieNeubauten eben "erdbebenfest" und das wirkt sich auf die "Architektur" eben aus, was man sehr gerne in Kauf nimmt.

Neben der THALASSA taucht eine riesige Schilkröte, lämger als einen Meter, auf und beäugt minutenlang aus kurzer Entfernung den Kat. Dann klatscht sie in die Flossen und verschwindet. Ein Kreuzfahrtschiff läuft ein. Die weiße DELPHIN ist eine Zierde für die Bucht, vor allem auch deshalb, weil sie sicher wieder in ein paar Stunden weiterläuft. Dann schläft Fethyie wieder ein, so wie gestern, als Carla aufs Schiff zurückgeschickt wurde mit der Begründung, der Hafenmeister sei nicht da, schließlich sei Feiertag.

Der Ankerplatz ist absolut sicher, deshalb interessiert das Wetter nicht mehr. Nur so, zur Gaudi, hole ich mir nochmals über Kurzwelle den Wetterbericht: Es wimmelt von "8 bis 9" in unserer Gegend. "Acht" ist für mich ein absolutes NO GO! Hier herinnen schmeckt der Kaffee jetzt dreimal so gut.

 

 

Ich kann es immer noch nicht glauben: Alles am Schiff ist mehr oder weniger heilgeblieben. Selbstverständlich? Es kommt drauf an, ob man davon ausgeht, dass ein Kat auch dafür gebaut ist, stundenlang U-Boot-Multihull (hat es so was schon mal gegeben?) zu spielen? Das Wetter, das wir gehabt haben, war ganz außergewöhnlich. Es wäre sicher erträglicher gewesen, wenn wir vor dem Wind ablaufen hätten können. Dann hätte ich es beschrieben im Kapitel "übliches Schlechtwetter".

Wie ich zwischenzeitlich gehört habe, ist auch die Tracecare-Anzeige ausgefallen. Die Ursache war leicht zu ermitteln. Ziemlich achtlos hatte ich das autarke Gerät ins Netz zwischen den Rümpfen vorne gelegt und angebunden. Da ging es mir am wenigsten im Weg um, und die Solarzellen konnten immer zur Sonne blicken. Doch dem Sturm gefiel das nicht und die überkommenden Wassermassen drehten das Ding auf den Rücken, das dann hilflos wie ein strampelnder Käfer war.

Bei der "Durchsicht" meiner Instrumente fand ich auch eine bemerkenswerte Anzeige der Maximal-Geschwindigkeit. Üblicherweise speichert das Instrument den jeweils höchsten Wert während eines Törns und überschreibt ihn nur, wenn ein noch höherer Wert auftritt. Der bisherige Maximalwert war "14,3", das heißt irgendwann müssen wir so schnell gewesen sein, wenn auch nur für vielleicht ein paar Sekunden. Und das liegt ja noch im Geschwindigkeitspotential eines Fahrtenkats. Und jetzt steht da: "28.2"!!! Ehrlich: Ich hab da nix am Messinstrument manipuliert. Das muss entweder eine Fehlmessung sein oder irgendwelche Turbulenzen (Schaum? Wind???) haben das Rädchen am Geber (der ganz unten am Schiffsrumpf vor dem Kiel sitzt) hochgetrieben. Denn eine solche Geschwindigkeit halte ich bei einem Fahrtenkat für ausgeschlossen. Aber bezeichnend für die Zustände im Sturm ist das schon. Jedenfalls kurios!

Die meisten Sorgen hatte ich wegen der Dichtigkeit und damit wegen der Luken. Bei der Bestellung dieses Schiffes habe ich wegen der Temperaturverhältnisse in den Tropen in Auftrag gegeben: "Soviel Luken wie möglich, alle nach vorne zu öffnen!"

Obwohl Luken sauteuer sind, hat die Werft hier geklotzt und ich bin dann doch etwas erschrocken als ich die Luken und zu öffnenden Fenster mal durchgezählt habe: 28, in Worten achtundzwanzig! Dazu kommen die beiden Klappen zu den Motorräumen. Und die beiden gesetzlich vorgeschriebenen Fluchtluken im Boden des Katamarans, unsere Fluchtluken. Macht also 32 neuralgische Punkte.

Bestandsaufnahme nach dem Sturm: Vorderer abgeschotteter Stauraum etwas "unter Wasser", rund 50 Liter. Ursache: Luke nur mit einem Hebel - statt mit beiden - geschlossen, also mein Fehler.

Alle anderen Luken trocken, staubtrocken! Das heißt, die Werft hat fantastische Arbeit geleistet, das findet man bei einem Neubau, wenn überhaupt, ganz selten! Es ist schon ein tolles Gefühl, nach so einem Wetter eine Bodenluke aufzumachen und nach dem Staubsauger verlangen.

23.4.01 - nach dem Sturm

Gegen morgen hat der Sturm nachgelassen. Es war zum Fürchten. Im offenen Wasser wäre ich mit dem Wind abgelaufen, aber hier bestand die - entfernte - Gefahr ins Inselgewirr getrieben zu werden und plötzlich aus dieser Falle rauskommen zu müssen(!). Nachträglich fragt man sich immer, ob man richtig gehandelt hat, mit den Maschinen langsam gegenan zu gehen. Das Problem hier war die außerordentlich steile See (nicht der Wind mit 45 Knoten) - gegen die unser Kat raufklettern mußte. Das hat oft zu fürchterlichen Einschlägen geführt und oft hatten wir das Gefühl, wir sind mehr unter als über Wasser. Unten dagegen erfasste einen gelegentlich so eine Art Fluggefühl, wie im Jumbo in einem "Luftloch".

Aber gute Erkenntnisse: Erstens ist der Kat viel stärker als man denkt und zweitens reicht die Maschinenleistung von zweimal 40 PS offensichtlich aus, auch gegen eine so konfuse See so schnell (ca ein Knoten) gegenan zu gehen, dass noch Ruder im Schiff ist. Schneller hätte die THALASSA auch gar nicht sein dürfen, denn manchmal hatte man das Gefühl, man rummst gegen eine Mauer - so deftige Schläge mussten wir einstecken.

Übrigens: Am Computer zu navigieren, war aussichtslos, denn der sprang manchmal fünf Zentimeter in die Höhe und die Finger trafen die Tasten nicht mehr.

Aber ohne Computer geht es auf einer Fahrtenyacht nicht mehr. In Monastir hatte praktisch jede Langfahrtyacht so ein Ding drauf, selbst, wenn die Yacht keine 10 Meter lang war. Und elektronische Seekarten sind überall in Gebrauch - von den einzigartigen Kommunikationsmöglichkeiten einmal abgesehen - siehe diesen Bericht. Mit Infos wird man von außen versorgt, früher denkbar höchstens auf Luxusyachten. So erhielt ich - vor dem Sturm - folgendes E-Mail:

Lieber Bobby!
Laut Wetter-online ist südlich von Kreta Windstärke 6 vorausgesagt,
Der Wind kommt aus SüdOst.
Ich schaue aber nochmal nach!
Liebe Grüße
Jörg.

Herzlichen Dank. Das war unmittelbar vor dem Sturm. Oft wird nicht bedacht, dass man auf einer Yacht ja nicht den ganzen Tag Online ist, sondern, schon aus Kostengründen, meist nur einmal am Tag ins Netz schaut. Auch wenn ein E-Mail rund um die Welt nur ein paar Sekunden braucht.

Nach diesem Schrecken werden wir mal zunächst Fethye anlaufen.

22.4.01 - THALASSA im Sturm

Seit gestern abend kämpft unser Kat inm Sturm. Das übliche: Wettervorhrsage war 2-4 aus NW. Wir haben 8 aus SE, mindestens. Pausenlos fliegt Wasser über uns weg. Alles ist naß, Carla oder ich sitzen angeleint am Ruder und versuchen in stockfinstrer Nacht mit beiden Maschinen des Kat gegen den Wind zu halten. Wegen Legerwall! Trotz Marsch-Drehzahl nur 1 bis 2 Knoten.

Wenn unser Kat hier einigermaßen ungeschoren rauskommt, ist er ein exzellentes Schiff. Wir werden die Wunden zählen, morgen oder übermorgen...


21.4.01 - Sirtaki beim Gegeanbolzen

Unentwegt dudelt der UKW-Sender Sirtaki-Melodien. Wenn wir im Cockpit von beiden Seiten Ausschau nach anderen Schiffen halten, mag unser Gang dem berühmten griechischen Tanz gleichen. Immerhin haben wir auf unserer kibbeligen "Tanzfläche" freihändig sieben Meter zurückzulegen, während unter uns kantige Seen durchrauschen und gegen den Boden zwischen den Rümpfen donnern. 35 Knoten zeigt der Windmesser und das gegenan. Die Genua ist längst das einzige Segel oben - weit eingerollt. Aber wir kriegen mit jeder Meile mehr Vertrauen zur unglaublichen Stärke dieses Schiffes - trotz des gelegentlichen Wummerns an den Boden zwischen den Rümpfen.

20.4.01 - ruppige Odysseus-Spuren

Nachts wird es rauh. zwischen 25 und 30 Knoten von der Seite zeigt der Windmesser. Unter Vollzeug drischt der Kat mit 8 bis 10 Knoten dahin. Er setzt nicht viel anders ein, wie ein Einrümpfler, nur legt er sich nicht weg. Trotzdem ist es ungemütlich, auch, wenn das Bierglas immer noch auf dem Cockpittisch rumsteht. Dort ist es jetzt viel zu nass zum gemütlichen Biertrinken.

Für "Kreta Süd" gibt der Wetterbericht "SE 8-9". Wir glauben es und ziehen die Konsequenzen.

Morgens hole ich das Groß runter. Fantastisch, diese modernen Rutscher. Ohne die Großschot weit zu fieren und ohne Kursänderung fällt das Segel runter, als ob keine 30 Konten Wind da reindrücken. Aber das "Aufräumen" kostet Kraft. Mein Ölzeug ist außen voll Seewasser, innen vom eigenen Schweiß tropfnass. Aber jetzt ist etwas mehr Ruhe im Schiff.

Über Kurzwelle bekomme ich ein Email von Rafael, unserem Freund aus Malta, den wir nie gesehen haben::

Hallo Bobby und Carla,

Schade dass ihr hier auf solche Schwierigkeiten gestossen seid. Hoffentlich erleben das nicht noch mehr Segler, waere sonst Schade, wegen der historisch wertvollen Insel. Ich wuensche euch noch viel Erfolg auf eurer Reise und hoffentlich noch weitere schoene Bilder im Internett. Das animiert unheimlich, da weiss man doch gleich wofuer man arbeitet...grins.

mit Gruessen aus Malta

Rafael

19.4.01 - Flaute oder Sturm?

Ich bin es leid, das Wetter per HF-Fax als Karte oder über Fernschreiben als Vorhersage , aus dem Kurzwellentransceiver abzuholen. Es lässt alle Möglichkeiten zu, von Flaute bis 10 Windstärken.

Tatsächlich haben wir frühmorgens bis fast 30 Knoten Wind von vorne, gerade so, dass wir unseren Kurs gut halten können. Gegen mittag flaut der Wind auf 20 Knoten ab, aber die Dünung ist unruhig. Außerdem sind wir "hart am Wind", also so bei 60 Grad. Manchmal kommen Spritzer über, aber dank unseres Biminis finden sie nur selten den Weg ins Cockpit. Also kein Grund, auf ein gemütliches Mittagessen zu verzichten. Wir wissen es, aber immer wieder sind wir verblüfft, dass auch bei diesen nicht sehr gemütlichen Verhältnissen, hart am Wind, Flaschen und Gläser eisern auf dem Tisch im Cockpit stehen bleiben. Festhalten, nasse Tücher, Kardanik - all dies ist auf einem Kat eben unnötig. So schmeckt's, während die (elektrische) Selbststeueranlage bestens ihren Kurs hält, gespeist aus Solarstrom. Toll!

 

18.4.01 - Hafenmanöver für die Katz

Auf unserer Weltumseglung ist es uns schon einmal passiert: Nach 1000 Meilen rauhem Segeln liefen wir in Dilly (Ost-Timor) ein. Aber der Schell im Hafen war so ekelhaft, dass wir auf dem Achterschiff kehrt machten und wieder in die Nacht hinaussegelten, 1000 Meilen weiter. Dann blieben wir mehrer Jahrzehnte von solchen Negativerlebnissen verschont. Anders mit unserer neuen THALASSA! In Vigo blieben wir nur zum Tanken, im Haupthafen von Gozo warf uns ein unfreundlicher Uniformierter wieder raus, und ein paar Stunden später dann das gleiche Malheur in Malta. Es häuft sich ein wenig.

Carla übernahm den Hauptteil der Wache, während unser Kat unter Maschinen in die Nacht hineintuckerte. Wir waren nicht unglücklich, dass kein Wind ging. Ist genug Sprit an Bord, kann ich nichts mehr dabei finden, die Maschinen zu benutzen. Vorbei die Zeiten (die Jugend?), wo Carla und ich im Mittelmeer einmal vier Tage und mitten im Atlantik eine ganze Woche in einer Flaute rumlagen. Die Maschine zu benutzen gehörte sich einfach nicht für einen "richtigen Segler".

Morgens dann die Rechnerei: Wenn überhaupt kein Wind mehr kommt, wie weit reicht der Sprit? Einfach: Rechnet man für ein Segelschiff eine Meile pro Liter, dann liegt man immer (fast) richtig. Wir hatten 700 Liter an Bord. Aber, wenn man nur eine Maschine benutzt, dann lässt sich der Vorrat strecken. Denn 2 Maschinen machen mäßige 6 Knoten bei ökonomischer Marschfahrt und eine immer noch 4,5 - bei halbiertem Spritverbrauch. Sehr praktisch: Läuft die STB-Maschine, dann hört man an BB im Achterschiff beim Schlummern kaum noch was von ihr.

Solche Rechnereien wurden überflüssig. Nachmittags kam der Wind, Groß und Genua gesetzt, und gemächlich ging es unter Segel weiter.

 

17.4.01, abends - Hafenmanöver für die Katz

Der Wind steht günstig, wenn es so weitergeht, schaffen wir es nach Malta bei Tageslicht. Ich laufe ungern bei Nacht in einen Hafen ein. Carla hat dann die Idee, nach Gozo zu gehen, das löst alle Tageslichtprobleme. Unser neuer Freund Rafael, siehe unten, bestätigt uns. Gozo ist gut, dort könnten wir einklarieren und der Platz ist auch gut. Er wird morgen vorbeikommen und nach uns schauen.

Als wir am frühen Nachmittag in Gozo einlaufen, sieht die Sache dann anders aus. Ein schwarzgekleideter Beamter steht an der Pier und schreit, wir sollten nach Valetta (Malta) und dort gefälligst einklarieren. Ja, aber in unseren Büchern steht... Das interessiere ihn nicht.

Also, vielleicht schaffen wir es doch noch bei Tageslicht nach Malta (La Valetta). Der Rückenwind bringt 8 Konten und tatsächlich, steht die Sonne noch hoch, als wir auf VHF Port Control rufen. Nein, wir können nicht in die Marina, wir sollten mal in den Grand Harbour, dem Handelshafen gehen. Sch...

Wie ich es befürchtet habe, kommt es. Die Nacht kommt, und wir liegen nach einem umständlichen Anlegemanöver an einem Handelskai, einer schwelligen Pier an einem staubigen Ladeplatz. Nach dem Einklarieren ("welche Lebensmittel?") könnten wir jetzt 5 Meilen in die Marina. Bei Nacht! Aber wir haben die Lust auf Malta verloren. Der Eismann und Kati springen von Bord, wie schmeissen die Leinen los und verlassen enttäuscht den Hafen. Segeln in die Nacht hinein, Kurs Türkei liegt an.

Nicolai und Kati rufen uns gute Wünsche nach in die Dunkelheit. Nach jedem Besuch von Nicolai wird die THALASSA besser....

17.4.01 - Geschenk des Himmels

Die "Wettervorhersage" hab ich mir als Fernschreiben geholt, alles über den Controller PTCII und meinem Amateurfunksender Icom 706: "6 bis 7 aus Ost."

Tatsächlich: 1 bis 2 aus Nord. Was soll man dazu noch sagen?

Also maschinen wir. Noch 60 Meilen bis Malta. Gestern, vor dem Ablegen habe ich noch schnell die Telefonleitung von Roland, Skipper der SYLPHE, angezapft und ein paar Mails runtergeladen. Lesen wollte ich dann die Mails genüsslich draußen, wo "man sowieso nichts zu tun hat".

Obwohl ich den Geber der Logge noch einen Tag vor dem Auslaufen peinlich gereinigt hatte, zeigte das Speedo stetig Nullkommanull an. Also Geber raus und nochmals putzen? Der Eismann (Nichtsegler) fand das zu umständlich, sprang ins tiefblaue Wasser (zwanzig Grad) und ein paar Augenblicke später, stand das Disdplay auf "sechs" Knoten. 

Dann die neue Post: Unter anderem fand ich dieses E-Mail von unserem Liegeplatznachbarn in Monastir, einem echten Münchner:

"Ich hoffe ich erreiche Euch noch in Monastir an Eurem Liegeplatz und Ihr könnt mir einen Wunsch erfüllen ! (smile). Bitte nehmt den Reserve-Boots-Schlüssel (liegt hinten ....) und geht ins Boot, unter der vorderen Koje im Stauraum sind viele "Helle" und "Weissbiere". Bitte nehmt Euch so viel Ihr wollt mit auf die Reise. Bedenkt, das ich nur kurz in Tunesien bin, vorher in muc bei gutem Bier und nachher in muc bei gutem bier. Also keine falsche Scham und nehmt alles bis auf 3. OK, versprochen !"

So ein Pech - danke Fred, fand Dein Mail trotzdem rührend!

Auch rührend, toll: 20 Meilen vor Gozo trifft um 13:00 folgendes Mail auf der THALASSA übers Handy ein:

Hallo Bobby,
habe heute gelesen dass Du nach Malta, dem Karibikfelsen im Mittelmeer, kommen willst. Eine wie ich meine gute Entscheidung. Ich fasse mich kurz. Ich habe wie viele natuerlich deine Buecher gelesen und bin jetzt auf deinen Seiten im I-Nett um zu lesen bla bla bla...
Jedenfalls, ich lebe auf Malta und meine Freundin ist Malteserin, wenn Du also Probleme haben solltest oder einfach einen netten segelbegeisterten Deutschen der auf Malta lebt und arbeitet kennenlernen moechtest ruf mich einfach kurz auf meinen Handy an. Wir werden gerne helfen, wo wir koennen, um Malta wieder ins rechte Licht bei der Blauwassergemeinde zu ruecken.
Meine Rufnummer: XXXX direkt ohne Vorwahl aus Malta anwaehlbar.

smooth sailing and welcome
Rafael

Fantastisch! Das ist Blauwassersegeln heute.

16.4.01 - Geschenk des Himmels

Heute also soll es wieder losgehen - Richtung Türkei, zunächst nach Malte. Zwei Dinge haben mich in den letzten Tagen geärgert. die T-Onlines und die Wetterfrösche: Ganz plötzlich funktionierte das Handy zur Datenübertragung nicht mehr. Eine andere Yacht hatte ein anderes Handy, T-Online und das gleiche Problem. Ein verzweifeltes E-Mail an T-Online brachte eine "aufschlussreicha" Antwort, wie fast alle Auskünfte der T-Online mir gegenüber: "Setzen Sie sich mit dem Hersteller des Handys in Verbindung!"

Mein Gott, die Metereologen, für was die wohl gut sind? Da geben sie 5-Tage-Vorhersagen, die ideales Wetter ankündigen, ohne störende Fronten, Tiefs oder Hochs. Plötzlich, aus heiterem Himmel, es hat hier längst mit 40 Knoten angefangen zu blasen, sieht die Vorhersagekarte für die nächsten 24 Stunden ganz anders aus. Da wimmelt es von dunklen Flecken nur so und  an ein Auslaufen ist plötzlich nicht mehr zu denken. Man sollte sich vielleicht besser gleich auf sein Gefühl verlassen!

Heute schaut der Himmel gut aus, so entschließen wir uns auszulaufen. Wir, das sind zusätzlich Nicolai, der "Eismann" und Kati seine hübsche Freundin, mit der es manchmal Verständigungsprobleme, nur sprachlicher Art, gibt. Der Geeescher ist nämlich der Käscher - sie ist unverkennbar und unkaschierte Sächsin.

Das Schiff ist in gutem Zustand. Gestern sind Nicolai und ich nochmals mit Schnorchel und Maske runter, um nach dem Unterwasserschiff zu schauen. Bisschen kühl, ohne Anzug. Antifouling ist jetzt, nach 7 Monaten noch ganz gut im Schuss. Die Propeller werden von den unvermeidlichen Kalkmuscheln befreit, Die Zinkanoden an den Z-Drives sind zu 30 Prozent weg, also arbeiten sie - o.k.

Nochmals ein Resumee zu Monastir: Ein Superplatz, an dem es mehr oder weniger alles (jedenfalls fast alles) gibt, ein Liegeplatz am Steg mit fünf netten Lokalen im Umkreis von 100 Metern, eine Hundertschaft von (netten) Uniformträgern, und niedrige Liegegebühren mit eingeschlossenem unlimitierten Wasser und Strom. Vor allem sind die meisten Yachten, und das ist der wesentliche Unterschied zu den zahlreichen Marinas im sonstigen Mittelmeer, bewohnt, und zwar mit zahlreichen Langfahrt- und Weltumseglern aus allen Herren Länder. Allein der tägliche Erfahrungsaustausch, der hier mit anderen Yachties stattfindet, ist unbezahlbar. Denn die Rund-um-das-Jahr-Segler sind ja im Vergleich zu Urlaubssegler Superprofis im Fahrtensegeln.

Carla geht jetzt zum Ausklarieren - zum Zoll, zum Hafenkapitän, zur Polizei und zur Einwanderungsbehörde - alle hier im Hafen. Viel Formalismus, aber man hat sich dran gewöhnt, die Beamten sind freundlich und daran interessiert, dass die Yachtsleute wiederkommen. In ihr schönes Land. Eines ist gewöhnungsbedürftig. Auch die Deutschen dürfen hier nur vier Monate bleiben, dann muss das Visum verlängert werden. Versäumt man dies, darf man nicht mehr ausreisen. Verkehrte Welt!

12.4.01 - Geschenk des Himmels

Der "Eismann" hat mich überredet. Bisher dachte ich, Solarzellen sind teuer und wenig wirkungsvoll, jedenfalls können Sie die Maschine kaum ersetzen. Aber das sind Gedanken eines Mono-Seglers, denn tatsächlich bringen die Mini-Paneele, die auf einer Einrumpfyacht Platz haben, ja wirklich keinen nennenswerten Strom. Und so eine eigene Solarzellen-Plattform achtern entstellt die Yachten, nehmen den Wind für die Selbststeueranlage und belasten das Heck der Yacht wegen der langen Hebelarme doch deutlich.

Aber auf meinem Kat hab ich doch Fläche unendlich? Was kostet denn sowas, was brauche ich? Für ein 56-Watt-Paneel sind so an die 1000.- DM zu berappen. Das ist ne Menge, wenn man bedenkt, dass man dafür nur (bei 12 Volt), und zwar maxilam, drei bis vier Ampere zu erwarten hat. Den Spruch, dass man nur warten muß, bis Solarzellen billiger und leistungsfähiger werden, hab ich schon vor einem Jahrzehnt gehört. Es hat sich nichts geändert, denn erstens wirken hier elektrophysikalische Naturgesetze und zweitens, was den Preis anbetrifft, muß man wissen, dass inzwischen die Mineralölindustrie (Shell) den Solarzellen-Weltmarkt beherrscht. Und damit ist der Wunsch nach einem Preisverfall Illusion.

Um es kurz zu machen: Ich entschied mich für sechs Solar-Paneele, zu je 56 Watt. Und sie sollten dahin, wo immer die Sonne scheint und sie nicht im Weg umgehen. Hierfür bot sich das Bimini-Dach an. Ein Problem: Wie kommt man in Afrika, auf dem Land, zu Nirosta-Rahmen?

Ein paar Kilometer von Monastir entfernt fanden wir die Werkstätte von Ahmed, die nun wirklich nicht so aussah, als ob dort edle Niro-Arbeiten gemacht werden können. Aber, Überraschung, die netten Leute konnten Nirorohre nicht nur schweißen konnte, sondern hatten diese auch vorrätig. Für wenig Geld (für europäische Verhältnisse) fertigten Abdel und seine Mitarbeiter die  Rahmen an, wobei sie mehr die künstlerische Tour einschlugen. Das heißt, sie benutzten den Meterstab nur in Ausnahmefällen, und ein paar Mal kamen sie auf die THALASSA mit seitenverkehrten Schweißungen. Aber am Ende passte es, und ich konnte die Solarzellen oben auf dem Biminidach, auf beiden Seiten des Großbaums montieren. Ein tolles Erlebnis, wenn auf dem Batterie-Controller plötzlich das "+"-Zeichen auftaucht, ohne dass ein Generator wummert, die Hauptmaschinen brummeln und ohne Kabel zum Land. Und das Ganze ohne Lärm, Gestank, Abgase oder sonstigen Umweltdreck.

Wenn ich von einem 56-Watt-Paneel spreche, dann darf man allerdings nicht den Fehler machen, 56 durch 12 Ampere zu erwarten, denn die Ausbeute ist in der Praxis weitaus geringer. Theoretisch bekommt man Spitzenwerte bei minus 20 Grad und hochstehender gleißender Sonne. Nicht für viel Geld würde ich aber wegen der Effizienz meiner Solarzellen in derartige Gegenden segeln. Ich hasse Eis, außer in meinen Drinks.

Also, Idealbedingungen für Solarenergie herrschen an Bord schon deshalb nicht, weil der Einfallswinkel dews Sonnenlichts selten optimal ist. Trotzdem bin ich schon jetzt überzeugt, dass die Solarzellen für die THALASSA ein großer Gewinn sind, zumal, der Vorteil eines Katamarans, hierfür Platz im Überfluß vorhanden ist. Über die Stromausbeute in der Praxis, am Ankerplatz und auf See, werde ich noch berichten. Ich bin schon gespannt, ob sie auf hoher See, unter Segel, wo eine Abdeckung der Zellen gar nicht zu vermeiden ist, was bringen. Aber nicht nur deshalb freuen wir uns, wenn es in den nächsten Tagen weitergeht - Richtung Malta und Türkei.

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