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THALASSA in der Südsee
Essen und Trinken in der Südsee
von Carla Schenk
BON APPETIT!
Was bietet Polynesien aus kulinarischer Sicht dem weitgereisten Gast?
In den Hotels und Restaurants wird hauptsächlich französische Küche angeboten, außerdem gibt es einige chinesische Lokale und Pizzerias.
Aber ein typisch polynesisches Essen bekommt man nur privat, entweder auf Einladung einer einheimischen Familie oder auf Bestellung.
An so
einem „Festmahl“ nimmt außer den Gästen meist nur der Chef der Familie,
und allenfalls die "Chefin", also die Ehefrau, wenn sie schon älter
ist, teil, sonstige Frauen und Kinder warten in der Küche auf das, was von der reichhaltigen
Mahlzeit übrig bleibt.
Die Gäste werden mit
Kränzen aus Frangipani- oder Tiare-Blüten geschmückt und das
Familienoberhaupt spricht ein kurzes Gebet.
Die mit Blumen verzierte Tafel ist üppig beladen. Angeboten wird, was die Natur auf diesen Inseln bietet, alles fangfrisch und naturbelassen: Poisson cru (roher Fisch), das Nationalgericht der Tahitianer, gebackener und gegrillter Fisch mit selbstgemachter Mayonnaise, zarte, kleine Langusten, Oktopus oder Mördermuscheln, und ein Fleischgericht, meistens Huhn oder in seltenen Fällen gebratene Tölpel.
Besonders geschätzten Gästen werden auch Kokoskrabben serviert (Krabben, die
sich von Kokosnüssen ernähren), eine der großen Delikatessen. Diese in schönsten
Farben schillernden Tiere sind äußerst schwierig zu fangen und das gelingt nur,
wenn sich die Gastgeber eine Nacht lang auf einem der einsamen Motus
(Riffinseln) auf die Lauer legen. Als Beilagen wird selbstgebackenes Brot, Reis,
Schnalzgebäck, teilweise auch Brotfrucht,
Taro und Süßkartoffeln gereicht. Zum Nachtisch gibt es Fruchtsalat oder
Crepe Polynesie, zarte Pfannkuchen mit Zucker bestreut und Limonensaft beträufelt,
sowie Cafe mit Vanillearoma und statt
Sahne Kokoscreme.
Gegessen wird mit den Fingern, nur uns „popaas“ (Ausländern) gibt man ein Besteck.
Nach dem Essen holen die Einheimischen ihre Gitarre und Okulele um die Gäste mit ihrer hübschen Musik und romantischen Gesängen zu erfreuen.
Rezept: Le
Poisson cru a la Tahitienne 1 kg fangfrischer Thunfisch 4 kleine Tomaten 1 kleine Zwiebel 2 Mohrrüben 6 Limonen Salz ½ l Kokosmilch Thunfisch in viereckige Stücke schneiden (ca. 1 ½ cm dick) und in 1 l Salzwasser 10 Min. marinieren. Die Marinade abpressen und den Fisch mit dem Saft der Limonen gut durchmischen. Salzen nach Bedarf und das kleingeschnittene Gemüse mit dem Fisch mischen. Vor dem Servieren die Kokosmilch dazugeben und nochmals gut durchmischen. Dazu wird Baguette und trockener Weißwein oder Bier gereicht.
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Wie kommt man zu der Kokosmilch?
Wenn die Südsee-Insulaner von Kokosmilch sprechen, meinen sie nicht etwa das Kokoswasser, dass aus der noch unreifen Nuss mittels Strohhalm als erfrischendes Getränk angeboten wird, nein, so einfach ist das nicht! Die Nuss muss reifen, das Kokoswasser zieht weitgehend in das Fleisch, das dadurch härter, dicker und aromatischer wird. Dieses fein gerieben, mischt man mit dem Kokoswasser und 400 ml Wasser oder Milch, lässt das Ganze 15 Minuten ziehen, erhitzt es kurz und presst es durch ein Tuch. Was da rauskommt, ist die Kokosmilch. So wird sie auch heute noch, wie vor hundert Jahren, auf den Südsee-Inseln hergestellt.
Einfacher geht die Arbeit mit dem Mixer. Man gibt das kleingeschnittene Fleisch einer Kokosnuss zusammen mit dem Kokoswasser und 400 ml Wasser nach und nach in den Mixer und wenige Minuten später haben wir eine dickliche Flüssigkeit. Die Kokosmilch braucht dann nur noch abgepresst werden.
Wird das geriebene Fleisch der Kokosnuss ohne Zugabe von Flüssigkeit ausgepresst, erhält man eine kleine Menge Kokoscreme, die statt Sahne den Cafe verfeinert oder zu Süßspeisen gereicht wird. Geriebenes Kokosfleisch zusammen mit Kokoswasser eignet sich für die Herstellung von Reis-, Fleisch- und Fischgerichten. Besonders gut passt das feine Aroma der Kokosnuss zu Huhn, Langusten und Shrimps.
Unter
vorgehaltener Hand wird erzählt, dass die Polynesier Hunde essen, was durchaus
glaubhaft ist, denn selbst auf Motus, auf denen nur wenige Menschen leben, gibt
es eine Vielzahl von Hunden. Aber machen Sie sich keine Sorgen, dass man Ihnen einen gekochten Hund auf den Tisch
stellt! Die Polynesier kennen unsere Abscheu vor Hundefleisch und respektieren
das. Übrigens ist das Schlachten von Hunden in Polynesien gesetzlich verboten.
TAMAARA’A
Einige
Male hatten wir das Glück zu einem Tamaara’a, einem polynesischen Festessen,
das im privaten Kreis nur zu besonderen Anlässen zelebriert wird, eingeladen zu
werden. Es besteht aus einem
Schwein (gefüttert mit Kokosnüssen), das in Bananenblätter gewickelt,
zusammen mit Brotfrucht, Taro und Süßkartoffeln für einige Stunden auf heißen
Steinen im Erdofen gegart wird. Als Vorspeise wird Poisson cru gereicht und als
Dessert Poe, ein sehr süßer, dicker Brei aus Bananen, Papaya, Mango und
Kokosmilch.
Heutzutage
wird ein Tamaara’a auch in großen Hotels angerichtet. Außer dem berühmten Schwein aus dem Erdofen wird dem Gast ein üppiges
Buffet mit landesüblichen Fleisch- und Fischgerichten, sowie Meeresfrüchten
angeboten. Das bekannteste und beste Tamaara’a gibt es im Sofitel, Maewa
Beach, Tahiti, was außer von Touristen auch von der einheimischen Bevölkerung
besucht wird. Ein heißer Tipp fürs Wochenende!
