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BOBBY SCHENK
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Schutz vor der Seekrankheit



Seekrankheit - Leiden ohne Gegenmittel?

von Apothekerin Carla Schenk
mit einem Kommentar von Bobby Schenk

Die Crux beim Hochseesegeln ist die Seekrankheit. Das Leiden kann jeden, auch den vielbefahrenen Salzbuckel befallen, wenn das Gleichgewichtsorgan im Innenohr rebelliert, ausgelöst durch die ungewohnten Schiffsbewegungen. Häufig beginnt die Seekrankheit auch im mentalen Bereich. Die Angst spielt dabei eine wichtige Rolle. Und mancher fürchtet die Blamage, als Schwächling abgestempelt zu werden sogar mehr, als die Seekrankheit selbst. 

Viele Segler haben ihr Geheimmittel. Manche schwören auf Äpfel, Bananen oder Salzbrezeln mit lauwarmem Cola. Auch ganz kuriose Tips sind im Umlauf, wie Stereomusik aus dem Walkman hören oder Ohropax ins Ohr stecken, Rechtshänder ins linke Ohr, Linkshänder ins rechte Ohr. 

Wer zur Seekrankheit neigt, kann auch mit Entspannungsübungen versuchen, sein Problem in den Griff zu kriegen, beispielsweise mit Atemübungen. Eine, ebenso ohne professionelle Hilfe leicht zu erlernende Methode, ist die progressive Muskelentspannung nach Jacobsen. Wenn Sie die Übungen ausreichend erlernt haben, können Sie diese im täglichen Leben auch anderweitig wirkungsvoll einsetzen, wie bei Aufregungen, Ärger, Angst und Streß. Allerdings ist regelmäßiges Training unerläßlich. 

Selbstverständlich hat auch die Pharmazeutische Industrie gegen die Nausea marina oder navigantium, so heißt die Seekrankheit im Fachjargon, einige Medikamente anzubieten: Contravert, Diligan, Bonamine und Peremesin, die den Wirkstoff Meclozin enthalten, Antihistaminika Vomex, Rodavan und Astronautal, sowie Kaugummi, Travelgum, Fortravel und Superpep. Einige der sogenannten Reisetabletten sind rezeptpflichtig, alle haben Nebenwirkungen, wie Müdigkeit, vor allem im Zusammenwirken mit Alkohol. Seit vielen Jahren hat sich Stutgeron bewährt, da es relativ gut verträglich ist. Dieses Medikament steigert die Durchblutung. Heute ist es als Cinnarizin AL 25 oder auch in stärkerer Dosierung im Handel. Cinnarizin AL 25 hat den absolut gleichen Inhaltsstoff wie das früher erhältliche Stutgeron.

Liegt aber die Ursache für die Seekrankheit im psychischen Bereich, wird man auf Meclozinpräparate oder Antihistaminika zurückgreifen. Auf jeden Fall sollte das Medikament noch an Land bereits einige Stunden vor dem Törn eingenommen werden. Am besten beginnt man damit am Abend vor dem Auslaufen. 

Wer alternative Mittel bevorzugt, kann das Ingwerpräparat Zintona probieren, oder ein homöopathisches Mittel Cocculus D6, das auf das Zentralnervensystem wirkt, Übelkeit und Brechreiz verhindert sowie Schwindel und Schweißausbrüche lindert. Man kann es auch mit Akupression versuchen. Ein Akupressurband (Sea-Band) gibt es im Fachhandel oder in der Apotheke. 

Erste Anzeichen für Seekrankheit sind Gähnen, Blässe, Müdigkeit, Kopfschmerzen und Antriebsschwäche. Dann folgen Übelkeit und Erbrechen. Das kann soweit gehen, daß der Betroffene an Selbtsmord denkt oder sich wünscht, daß das Schiff sinkt. 

Ist jemandem bereits richtig übel, kann man mit oraler Einnahme nichts mehr erreichen, da können höchstens noch Zäpfchen (Paspertin) oder Injektionen helfen. Vielleicht! Eine Hoffnung bleibt dem Seekranken, falls er noch nicht aus Verzweiflung über Bord gesprungen ist. Nach ein paar Tagen auf See hat man sich an die Schaukelei gewöhnt und ist die Seekrankheit los. Aber wehe, wenn sich die Windrichtung und damit der Kurs ändert und man, statt hart am wind zu segeln, auf Vorwindkurs hin-und-her taumelt: Dann beginnt der Tragödie zweiter Teil. 

Wer empfänglich für Seekrankheit ist, kann aber durchaus einiges zur Vorbeugung tun: Den Törn möglichst ausgeschlafen in Ruhe und ohne Hektik beginnen, am Abend vorher auf schwere Speisen und weitgehend auf Alkohol verzichten, sich auf See an der frischen Luft aufhalten, einen festen Punkt am Horizont suchen, Aufgaben und Verantwortung übernehmen, Rudergehen, den Magen beschäftigen, also kleine Mengen Zwieback, getrocknetes Weißbrot oder leichte Kekse zu sich nehmen. Keinesfalls sollte man Arbeiten unter Deck verrichten, wie Kochen, Navigieren oder Saubermachen. Vorsicht vor allen Tätigkeiten, bei denen man gebückt mit dem Kopf nach unten steht oder sitzt. Penetrante Gerüche z.B. nach Essen, Diesel oder Toilette sind zu meiden.

Meine Strategie nach hundertausend gesegelten Meilen:

Wenn rauhe See zu erwarten ist, nehme ich am Abend vor dem Auslaufen sowie am nächsten Morgen je eine Tablette Bonamine. Das genügt, um mich an die Schiffsbewegungen zu gewöhnen. Ob ich auch ohne Tabletten auskommen würde, möchte ich nicht probieren.

Kommentar von Bobby Schenk

Ich glaube nicht, daß es jemand gibt, der völlig unempfindlich gegen die Seekrankheit ist. Und natürlich habe ich auch mit diesem Problem zu kämpfen, obwohl es mir bis jetzt noch immer gelungen ist, nicht kotzen zu müssen.

Das erzähle ich vor allem als Trost für jene, die glauben wegen der Seekrankheit die Segelei an den Nagel hängen zu müssen:

Also zunächst ist immer das beste Mittel das, an welches man glaubt. In der Aufführung oben sind Mittel genannt, von denen ich gar nichts halte, also würden sie bei mir nicht helfen.

Ich glaube an folgende Erfahrungen: Mir helfen nur spezielle Seekrankheitstabletten , wie zum Beispiel Bonamine. Nebenbei: In Deutschland ist Bonamine nicht mehr im Handel. Der gleiche Wirkstoff - Meclozin-2 HCL ist aber in 3 weiteren Präparaten als Monosubstanz erhalten, nämlich in Postafen (Fa. UCB), Postadoxin (Fa Rodleben) und Diligan (Fa.UCB). Alle drei sind in Deutschland zugelassen und über die Apotheken erhältlich.

Ich nehme Bonamine, wenn ich nur die geringste Befürchtung habe, seekrank zu werden. Und zwar frühzeitig, also bevor es mir schlecht ist. Ich vertraue keinem anderen Mittel (autogenes Training, Stutgeron, Seaband). Obwohl sich hinter dem früher so gerühmten Pflaster hinter dem Ohr oder dem Kaugummi (Super-Pep) ebenfalls ein gezieltes Medikament gegen die Bewegungskrankheit verbirgt, habe ich bei Mitseglern Verheerendes beobachtet. Wahrscheinlich ist die Wirksamkeit zu gering.

All diese milden Mittel mögen wirken, wenn die äußeren Umstände so sind, daß man wahrscheinlich auch ohne Gegenmittel auskommen würde. Wenn es ernst wird, helfen halt nur massive Medikamente, auch wenn die speziellen Seekrankheitstabletten nicht zu unterschätzende Nebenwirkungen haben - siehe oben. Aber alles ist besser, als seekrank zu werden.

Als Mittel, um die Seekrankheit für eine "rettende" Zeitspanne (also, bis die noch schnell genommene Tablette wirkt, hinauszuschieben, haben sich bewährt:

Seekrankheit wird beschleunigt, beziehungsweise ausgelöst:

Jeder Mensch ist mehr oder weniger gegen Seekrankheit empfindlich. Dies gilt nicht für Säuglinge oder für sehr alte Menschen, bei denen das Gleichgewichtsorgan (z.B.durch Verkalkung) unempfindlich geworden ist.

Einen Trost habe ich für jene, die glauben, nie mit der Seekrankheit fertig werden zu können: Nach einiger Zeit auf See nimmt die Neigung zur Seekrankheit erheblich ab. Bei mir auch: Nach einem oder zwei Tagen auf See brauche ich keine Tabletten mehr. War ich längere Zeit an Land oder auf einem ruhigen Ankerplatz, dann muß sich der Körper erst wieder an die Schiffsbewegungen gewöhnen und die Prozedur mit den Tabletten muß - leider - wiederholt werden.

Jetzt noch die Frage:

"Gute" oder "schlechte" Schiffe für die Seekrankheit?

Nachdem die Seekrankheit eine Bewegungskrankheit ist, sind Yachten mit heftigen Bewegungen ungünstig. Je größer eine Yacht, umso mehr ist man grundsätzlich gegen die Seekrankheit gefeit. Vom Yachttyp mögen Mehrrumpfboote am besten für Segler mit besonders empfindlichen Mägen sein.

Aber auch bei Einrumpfbooten gibt es Unterschiede: Steife Yachten dürften in ihren Schiffsbewgungen magenfreundlicher sein. Hinzu kommt sicher eine psychologische Komponente: Starke Schräglage sieht subjektiv nach Kenterrisiko und Wassernähe aus.

In letzter Zeit wird häufig die Frage angesprochen, ob ein Mittelcockpit günstig gegen die Seekrankheit ist. Das kommt drauf an: Am günstigten ist der Platz, der direkt im Drehpunkt der Yacht ist, weil dort die Schiffsbewegungen am ruhigsten sind. Das scheint beim Mittelcockpit der Fall zu sein. Aber. Ein Mittelcockpit bei kürzeren Yachten (unter 45 Fuß) bedingt ein sehr hohes Cockpit, sodaß wegen der Sitzhöhe der gefährdete Segler ziemlich weit weg vom Drehpunkt der Yacht - der dürfte irgendwo mittschiffs in der Nähe der Wasserlinie sein - sitzt, also nicht gerade am ruhigsten Platz. Bei längeren Kiel-Yachten hingegen ist das Mittelcockpit der ruhigste Platz und damit günstig gegen die Seekrankheit.

Mein ganz persönliches Rezept gegen die Seekrankheit:

Bin ich schon länger nicht auf See gewesen und erwarte mehr als drei Windstärken bei gutem Wetter oder mehr als zwei Windstäken bei schlechtem Wetter, dann nehme ich noch im Hafen und ganz heimlich (jedes Gespräch mit den Mitseglern verstärkt die Gefahr der Seekrankheit) eine Seekrankheitstablette (Bonamin) mit Depot-Wirkung für 24 Stunden. Eine zweite Tablette trage ich griffbereit stets in der Tasche mit mir rum. Die zweite Tablette habe ich noch nie nehmen müssen.

Vorsicht:

Für alle Medikamente gilt: Der Waschzettel muß aufmerksam studiert werden. Seekrankheitstmedikamente sind keine harmlosen Hausmittelchen, sondern Medikamente die tief ins Nervensystem eingeifen. Mir ist ein Fall bekannt, wo eine Frau nach einer Überfahrt mit einer Autofähre(!) viel später an Land im Auto schwerste Halluzinationen bekommen hat. Der Verdacht fiel auf ein ("mildes") Medikament gegen die Seekrankheit, das auf der Fähre Tage zuvor eingenommen wurde.

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