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BOBBY SCHENK
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Kauftip: Bord-Computer



Notebooks an Bord einer Langfahrtyacht

Monat für Monat dramatischer Leistungszuwachs

Als erstes muß ich mir im Klaren sein: Der Computer, den ich heute kaufe, ist schon in vier Wochen nicht mehr der letzte Schrei. Was nicht heißt, daß er nichts mehr taugt. Der Leistungszuwachs ist dramatischer wie bei einem Auto. Wobei niemand auf die Idee käme, zu behaupten, einen fünf Jahre alten Wagen könne man nicht mehr fahren.

Der Bordcomputer ist ein Langzeitverbraucher

Dieser Beitrag richtet sich vor allem an alle, die noch vor dem Kauf eines neuen(!) Computers stehen, was nicht heißt, daß ein älteres Notebook nicht auch für die Aufgaben an Bord bestens reicht - je nach Anspruch. Man könnte auch auf die Idee kommen, auf eine Yacht mit viel Platz einen ganz normalen Computer, einen PC, zu installieren. Der in jedem Fall günstigerer Preis (ab 1000 Mark) steht aber in keinem Verhältnis zu den Nachteilen an Bord. Neben dem Platzbedarf ist es vor allem der Stromverbrauch, der nie und nimmer von einer "normalen" Bordanlage abgedeckt werden kann. Man lasse sich durch Argumente wie "jetzt gibt es schon ganz preiswerte und leistungsfähige Inverter für sowas" blenden. Ein Computer ist, das ist leider die Praxis, ein Langzeitverbraucher, das heißt, er hängt stundenlang an unseren Batterien. Zieht er nur eine Leistung von vier bis fünfhundert Watt (was dem Haushaltsstrom von 220 Volt nun wirklich keine Schmerzen bereitet), dann würde er bei 12 Volt immerhin 40 Ampere aus den Batterien saugen - indiskutabel!

Heutiger Standard

Nein, ein teureres Notebook ist schon aus diesem Grund nicht zu vermeiden.

Der Stand der Technik jetzt - Ende des Jahrtausends - ist ein Notebook mit:

Leider wird man, auch in den Billigläden, für so ein Notebook mindestens 2000.- DM, meistens 3000.- DM und darüber hinlegen müssen. Mit mir warten die meisten auf den Tag, wo so ein mobiler Computer mal unter die 1000-Mark-Grenze fällt. Vergeblich, und dabei wird es auch bleiben. Die Leistungsfähigkeit steigt rasend, der Preis stagniert - eine Art Naturgesetz bei der Chip-Technik.

Ein Trost: Jeder Notebook wie oben wird leistungsfähig genug sein, mit den an Bord anfallenden Arbeiten fertig zu werden. Leicht!

Verwendungszweck des Bordcomputers

Wie ein Notebook an Bord eingesetzt wird, zur Navigation, für die Meteorologie, Kommunikation, für tägliche Korrespondenz oder auch zum Zeitvertreib (Spiele) hängt selbstverständlich von Skipper und Crew ab. Tatsache ist, daß der Computer an Bord sich gleichermaßen Raum verschafft wie im täglichen Leben an Land. Auf vielen Yachten hat er die ehrwürdige vor sich hinrostende Schreibmaschine längst verdrängt, meist wird er aber auch mit wichtigeren Aufgaben im Dienste der Schiffssicherheit betraut.

Bei der Software-Grundausstattung achte man, daß man mit Microsoft-Programmen ausgestattet ist. Man wird auf die Dauer daran nicht vorbeikommen, denn Bill Gates hat halt weltweit nunmehr diesen Standard gesetzt. Ob man das mag oder nicht! Der Autor hat es "ohne" probiert, was teuer gekommen ist, und manchmal frustrierend war, wenn Text-Disketten zugeschickt wurden, die man auf dem eigenen Computer nicht so richtig weiterverarbeiten, oder erst gar nicht anschauen konnte. Irgendwann landet jeder bei Microsoft.

Spezielle Nautic-Software ist anspruchslos, was die Anforderungen an die Leistungsfähigkeit des Computers angeht. Die elektronischen Seekarten (ich würde eine Yacht sofort verlassen, wenn nicht auch Papierkarten vorhanden wären!) werden wegen des großen Platzbedarfs heute nur noch auf CDs geliefert, aber hierfür ist jeder Notebook bestens gerüstet. Wahrscheinlicher ist schon, daß dem Notebook manches nützliche Programm deshalb Schwierigkeiten macht, weil es zu einfach und primitiv ist. Man verzichte keinesfalls auf ein Diskettenlaufwerk, denn nur damit, mangels CD-Brenner an Bord, lassen sich einfache Programme weitergeben oder weitersenden. Letzteres ist auch deshalb so wichtig, weil man - im Hafen - heute fast überall in Internet-Cafes Zugriff auf die leistungsfähigste Datenautobahn (Internet) hat und so Dateien (Software) von Bord und aufs Schiff transportieren kann. Im übrigen gibt es zahlreiche Nautik-Programme im Internet als Shareware zum Runterladen - weltweite Gezeitenberechnung, Astronavigation, Wetterkarten-Empfang etc - , die auf einer Diskette durchaus Platz haben und so auf die Yacht transportiert werden können.

Tauglichkeit im rauhen Seeklima

Das kritischere Problem bei einem Notebook ist seine Bordtauglichkeit im rauhen "Seeklima" und die Stromversorgung.

Vorweg: Ich bin kein Freund von speziell klimageschützten ("wasserfest", "spritzwassergeschützt", "wasserdicht") Computern, wie sie in den Yachtzeitschriften angeboten werden. Warum?

Sie sind wegen der vergleichsweise geringen Stückzahlen gegenüber der Normal-Ausführung sehr teuer, gelegentlich zahlt man das Doppelte und Dreifache gegenüber einem anderen Computer mit gleicher Hardwareleistung. Ich kann also mir für den gleichen Preis beizeiten ein neues Notebook leisten und bin dann technisch auch wieder up-to-date.

Außerdem wird die Klimaempfindlichkeit solcher Erzeugnisse heute hochgeredet. Selbstverständlich verträgt ein Notebook kein Salzwasser, auch nicht spurenweise. Er wird deshalb so eingebaut oder aufbewahrt, daß niemals ein Salzwasserspritzer ihn erwischt und ebenso selbstverständlich wird man sich niemals im nassen Ölzeug an den Computer setzen. Zwingend: Vor Gebrauch müssen Salzwasserspuren von den Fingern mit Süßwasser abgewaschen werden. Dann kann nicht viel passieren, wenn um den Computer Frischluft zirkulieren kann. Der Autor hat handelsübliche Computer jahrelang an Bord seiner Yacht gehabt, und zwar in den Tropen, sowie in den brüllenden Vierzigern, ohne daß auch nur einziges Mal ein Rechner oder ein Computer versagt hätte, was man von manchem speziellen nautischem Zubehör nicht sagen kann. Der Trumpf war hier die hochtechnisierte industrielle Fertigung moderner Computer in gigantischen Stückzahlen. Wer dies nicht wahrhaben möchte, dürfte auch keinen Fotoapparat, keine Uhr, keinen Amateursender, keine Videokamera, keinen Autoradio, keinen CD-Spieler und so fort auf dem Schiff rumschleppen.

Vor einem sei sogar ausdrücklich gewarnt: Computer gehören nicht "geschützt" in Plastik und in einer Schublade verstaut! Denn dort kann die salzwasserhaltige feuchte Luft munter angreifen, ohne daß sie verdrängt wird. Wenn schon in der Plastiktüte "geschützt", muß ihr immer trockenes Silikagel reingegeben werden, das die Feuchtigkeit bis zur Sättigung bindet. Aber diesen Trick (regenerieren auf der heißen Pfanne!) kennt eh jeder Langfahrtsegler.

Umgekehrt: Im Cockpit einen Computer zu benutzen (was übrigens die Seekarte kaum übelnimmt), verbietet sich schon deshalb, weil das Display im gleißenden Tageslicht kaum abzulesen ist.

Stromversorgung

Dies ist ein heikles Kapitel, was beim Computerkauf unbedingt beachtet werden muß:

Am unkompliziertesten wäre ein Notebook, der mit 12 Volt oder weniger betrieben werden kann. Leider haben diese heute Seltenheitswert. Gebräuchlicher sind höhere Spannungen wie 18 Volt. Unsere übliche 12-Volt-Anlage liefert nun ziemlich unkompliziert 12 Volt oder weniger, aber - Gleichstrom kann man nicht transformieren - niemals eine höhere Spannung als 12 Volt. Damit man sich an Bord nicht mit diesem Problem rumschlagen und auch keinen stromfressenden (siehe oben) Inverter benutzen muß, achte man peinlichst darauf, nur einen Notebook zu kaufen, der auch mit einem "Autoanschluß-Kabel" geliefert wird.

Extras für spezielle Anwendungen an Bord

Der Computer als Störer

Wenn der Computer für die Kommunikation per Sendeanlage benutzt werden soll, also zum Versenden von E-Mails über Kurzwelle (Pactor-II) zum Fax-Empfang von Wetterkarten, für sonstige Fernschreib-Anwendungen oder zur Steuerung des Kurzwellensenders, muß schon beim Kauf darauf geachtet werden, daß das Notebook den Radioempfänger nicht stört. Mir ist ein Fall bekannt, wo die Hintergrundbeleuchtung des Notebook-Bildschirms derart auf den Radio durchgeschlagen hat, daß ein Empfang des Sendesignals nicht mehr möglich war. Abhilfe in diesem Fall: Fehlanzeige! Bei manchen Notebooks liefert auch der Zerhacker beim Stromanschluß ans Batterienetz ein sattes Störsignal mit gleichem Effekt. Vorsorge kann hier nur dadurch getroffen werden, daß man beim Verkäufer dieses mit einem empfindlichen Kurzwellenradio testet.

Filmbearbeitung

Wer an Bord eine Videokamera mit sich führt, wird sich manchmal schon gewünscht haben, seine Filmchen noch unterwegs jedenfalls grob vorzuschneiden. Mit einer der immer preiswerteren Digital-Kameras (DV-Format), die gerade unter den anspruchsvolleren Filmern zum Standard werden, ist dies dann möglich, wenn der Notebook eine sogenannte Firewire-Schnittstelle hat (wie zum Beispiel der Vaio von Sony). Dann kann man ein paar Minuten Video, die ja als Datei auf dem "Film" vorliegen, von der Kamera in den Computer überspielen, dort mit der mitgelieferten Software (Adobe Premiere) bearbeiten und wieder auf die Kamera zurückspielen - vorausgesetzt, daß die DV-Kamera auch einen DV-Eingang hat, was bei außerhalb der EU gekauften Kameras der Standard ist, einige "hiesige" DV-Kameras zwischenzeitlich haben.

Drucker

Ganz klar, auch ein Drucker ist an Bord einer größeren Yacht wünschenswert. Nicht nur, daß die Törnberichte an die Segelzeitung, der Brief an die Lieben, ja nur in schriftlicher Form zum Briefkasten im Hafen gebracht werden kann, sondern auch die Wetterkarte ist viel aussagekräftiger in Papierform als auf dem Bildschirm - und macht das Logbuch lebendiger.

Drucker, die mit Akkus laufen, sind selten geworden. Die 300er-Serie von Hewlett Packard war mit den Akkus von der Videokamera immerhin 40 Seiten lang zu betreiben, ebenso begnügte sich der BJ10E von Canon mit einem speziellen Akku. Nachdem aber ein Drucker jeweils nur wenige Minuten läuft, würde ich auch jeden handelsüblichen Tintenstrahldrucker mit Inverter betreiben. (Inzwischen bin ich von Besucher Engelbert Buhren darauf hingewiesen worden, daß es wieder einen geeigneten Drucker, nämlich den Brother MP 21 C gibt.)

Für den Drucker gilt das Gleiche zur mechanischen Empfindlichkeit wie für den Notebook. Regelmäßiger Betrieb ohne jeglichen Salzwasserkontakt ist die beste Pflege. Im übrigen ist es bei den heutigen Tiefstpreisen auch nicht übermäßig tragisch, wenn so ein Tintenstrahler mal austeigt. Der Verlust von ein paar Patentschäkel kann teurer kommen.

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