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BOBBY SCHENK
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Vom Traum zur Wirklichkeit (2) 

von Thomas Margraf

Unsere Träumer Ulli und Tom haben den großen Traum der meisten Fahrtensegler, Sie wollen das Segeln mit dem großen Löffel, eine Weltumsegelung erleben. Aber so einfach ist das nicht. Man kann nicht einfach so mir nichts, dir nichts lossegeln. Das merkt man spätestens, wenn der Traum in die Praxis umgesetzt werden soll. Wie sieht es mit den Finanzen aus, mit dem Ausstieg aus dem Beruf, mit der Mannschaft, meist die Partnerin? Bei diesem Ansturm von Problemen scheint die "Hauptaufgabe", nämlich die Suche nach dem richtigen Schiff fast die einfachste Aufgabe zu sein. Ist das so? Kann man nicht hier die ganz großen Fehler machen, denn schließlich soll sich die Yacht ja über Jahre hinweg auf allen Weltmeeren als tüchtig erweisen, und, das wird oft übersehen, dazu noch ein Heim für lange Zeit sein. Wie werden es miterleben mit Tom und Ulli.


Ein großer Traum – ohne Reden wird das nichts!
Da hat nun also einer einen Traum, den Traum von Abenteuer, Reiselust, Lust auf Neues, Fremdes vielleicht sogar Unentdecktes. Da hat er eine Partnerin, wie er schreibt reden sie wenig über den Traum. Was ist das denn? Wie soll das gut gehen? 

Nun konnte man im vorausgegangenen den Eindruck bekommen Ulli und ich würden nicht miteinander reden, jeder hinge in seiner Traumwelt. Nur zufällig träfen sich die Gedanken um ein Stück des Weges gemeinsam zu gehen. Weit gefehlt, natürlich reden wir über Blauwassersegeln, über Weltumsegeln. Die lange Zeit, die unser Traum präsent ist, lässt Gedanken im Gleichtakt schwingen. So kommt es, dass man Zweifel oder Ängste beim Partner spürt, auch ohne viele Worte. Gerade hier liegt die Krux, Zweifel und Ängste sind nur abzubauen, wenn man beginnt, sie zu formulieren, ihnen Namen und Gestalt gibt. Wir sind weit entfernt, Partner zu beraten, oder gar in die Tiefen der Psychologie eintauchen zu wollen. Eines sei jedem/jeder Segler(in) jedoch ans Herz gelegt. Die Verwirklichung eines lange gehegten Traumes, gleichgültig, ob es um die Anschaffung eines Bootes geht, um einen Urlaubstörn mit einer Charteryacht, oder gar um eine Weltumsegelung geht. Neben vielen Bildern, dem Besuch von Vorträgen und Seminaren ist das Aussprechen von Gefühlen der Schlüssel zum Erfolg.

Die immer wieder auftauchenden Ängste drehen sich um die gleichen Themen, wirtschaftliche Existenzängste, Angst vor Unfall, Seenot, Untergang, Angst vor dem Verlust sozialer Kontakte und nicht zuletzt Angst vor der unabänderlichen Zweisamkeit wenn man unterwegs ist.

 

Das Schiff zum Traum - wollen wir nun endlich handeln?

Wir haben sie also gesehen, die Dufour Sortilège, ein Wort das man mit Zauber oder Verzauberung übersetzen kann. Stimmt, sie hat uns verzaubert, ein riesiges Schiff. Wir waren ja unsere neun Meter gewohnt, nun klettern wir in einem 12,5-Meter Schiff herum. Ein Entwurf von Michel Dufour, eines der ersten Serienschiffe mit geteiltem Lateralplan und wahrscheinlich das erste GFK Schiff, welches aus zwei Rumpfhälften der Länge nach zusammengeklebt wurde.

„Die Sortilège ist ein Fahrtenkreuzer, Regattayacht, Charterschiff, Motorsegler und Luxuswohnung zugleich, geschaffen für lange Seetörns mit allen Bequemlichkeiten.“ Schrieb Harald Schwarzlose in der Yacht Nr. 19/1972

In der Tat, ein netter Salon, eine großzügige Nasszelle, eine riesige Pantry, ein fast perfekter Navigationsplatz und ein Achterschiff mit eigener Toilette. Aber man sah dem Schiff, vor allem unter Deck, sein langes Leben an. Irgendwann hatte jemand die in 80er Jahren so beliebten Korkplatten auf alle Holzteile geklebt. Der Pflegezustand war optisch eher mäßig, doch technisch war alles ohne Tadel. Wir fühlten uns im tiefen Cockpit sofort geborgen und waren hin- und hergerissen.

Gedankenschwanger verabschiedeten wir uns und fuhren erst einmal nach Hause. Die folgenden Tage quälten uns, das Internet wurde nach gleichen Schiffen durchforstet. Dabei erfuhren wir, dass von dem besichtigten Typ nur 55 Stück gebaut wurden, dass es eine ähnliche Aluminiumausführung mit Achtercockpit gibt, die A9000. Alle angebotenen Schiffe hatten ihre Heimat weit weg, einzig in den Niederlanden stand eine, geografisch noch erreichbare, zum Verkauf. Die Angebotspreise waren höher, die Ausstattung und der Zustand auf den Bildern war bei jedem Angebot besser. Kosten für Besichtigung und Überführung machten das aber wett.

Wir redeten über den Sinn ein solches Schiff zu kaufen. Wir dachten an unseren Freund Klaus, an seinen Lebenstraum, und wir haderten, hatten wir doch ein Schiff, UNDIN. Würden wir UNDIN verkaufen können? Würden wir die Arbeit auf der Sortilège bewältigen können? Ist es überhaupt ein für uns geeignetes Schiff? Wollen wir unseren Traum wieder aufleben lassen? Können wir uns das überhaupt leisten?

Die Entscheidung – ist das wirklich die letzte Entscheidung.

Wir wägen ab, was spricht für ein Leben an Bord, was dagegen? Wollen und können wir überhaupt eine Blauwasserreise machen? Nicht zuletzt, was kommt, wenn wir einmal nicht mehr an Bord leben können? Entscheidungen, die nicht leicht fallen, Fragen, auf die es keine eindeutige Antwort geben kann. Wir verlassen uns auf unser Gefühl, nicht auf unseren Verstand. Es wird irgendwie funktionieren, wir werden Lösungen finden.

So machen wir den Schiffskauf zu einem Spiel, wir rufen den Makler an und sagen ihm unsere Preisvorstellung. Der Eigner wird kontaktiert in der Zeit bis zur Antwort schreibt jeder seinen Höchstpreis auf einen Zettel. Als der Verkäufer zurück ruft liegt seine Vorstellung über unserer, aus der Traum. Nein, natürlich nicht, in unserem Inneren hatten wir längst, jeder für sich und doch gemeinsam eine Entscheidung gefällt. Wir kaufen die Sortilège und arbeiten konsequent an der Erfüllung unseres Traums!

Ein paar wenige Freunde erfahren vom Kauf, noch weniger erfahren von unserem Traum. Es ist nicht einfach einen Ausstieg aus dem Beruf zu planen.

Der erste Termin wird gesetzt, in fünf Jahren nach Bootskauf geht es los.


Tatenlos und voller Tatendrang – gut Ding will Weile haben

Es ist Spätherbst, die Boote der Förde sind auf dem trockenen, UNDIN und die Sortilège natürlich auch. Die Übergabe findet erst im nächsten Frühjahr statt, viel Zeit, sich um den Verkauf von UNDIN zu kümmern. Die Sortilège soll einen neuen Namen bekommen und die Ausrüstung soll nach unseren Plänen gestaltet werden. Es gestaltet sich erst einmal schwierig. Wir müssen 40 km fahren, um zur Sortilège zu kommen. Das Winterlager ist abgeschlossen und wir bekommen keinen Schlüssel. Klar wir haben bislang ja auch nur angezahlt. Die Betreiber sind im Winter nicht dauernd anwesend. Wir wollen messen, Daten von Geräten aufschreiben uns einen Überblick verschaffen. Das geht nur am Wochenende. Nebenbei wollen wir „mal schnell“ UNDIN lackieren, Bilder machen und zum Kauf anbieten.

Mal schnell, so ein, für Boote, blödsinniger Begriff. Nichts geht mal schnell, alles ist mit unzähligen Imponderabilien behaftet. Der Winter ist bitter kalt und schneereich. Hier an der Küste bricht sofort das Chaos aus, während im Binnenland noch gelächelt wird. So sitzen wir abends vor Katalogen, haben Wünsche und bekommen Wünsche eingetrichtert. Was brauchen wir wirklich? Auf was kommt es an? Was wird uns als unverzichtbar angeboten?

Namenssuche – sind Namen wirklich Schall und Rauch?

Der neue Name wird gesucht, etwas mit Australien soll es werden, aber was? Die Aborigines sehen die Traumzeit als den Beginn der Welt. Traumzeit, ist es nicht das was wir gerade durchleben? Wir suchen uns durch die Geschichten der Traumzeit und finden die Regenbogenschlange als den Beginn allen Lebens. Das ist es doch! Nur „Regenbogenschlange“, wer soll denn so einen Namen im Ernstfall buchstabieren? Im Süden Australiens wird ein Dialekt gesprochen, hier sagen die Ureinwohner zur Regenbogenschlange WANAMBI. Wir lesen uns durch die Geschichten um Wanambi und sind fasziniert. Wanambi kroch aus der Erde und durchquerte das Land, dort wo sie sich bewegte entstanden die Flüsse, dort wo sie sich ausruhte entstanden die Seen und dort wo sie sich entleerte entstanden die Berge. So wird sie heißen, unsere Sortilège. Doch, so lange sie nicht vollständig bezahlt und übergeben ist, dürfen wir den Namen nicht ändern – ist halt so.

Bestandsaufnahme – haben wir uns nicht vertan?

Wirklich lange halten wir es nicht aus, eine neues Schiff, jede Menge Fragen, was brauchen wir, was haben wir. Es werden Termine vereinbart, der Makler kommt zähneknirschend 50 km angereist weil wir noch mal und noch mal auf Wanambi wollen, Wir machen Fotos von Seriennummern, begutachten alles wieder und wieder, fragen dem armen Mann ein Loch in den Bauch. Ist der Schiffsname geklebt oder lackiert? Was ist mit der Kühlbox? Was mit den Instrumenten? Instrumente, da finden wir, was wir schon vorher sahen, ein Sammelsurium verschiedener Modelle in der Konsole am Niedergang. Kühlbox ist Fehlanzeige, es gibt eine Box aber ohne Kompressor. Der Name soll geklebt sein. Der Rumpf ist nach einer fachmännischen Osmosesanierung von Wrede lackiert.

Bei der Vertragsunterzeichnung erfahren wir, der Motorraum hatte ein Jahr nach dem Stapellauf gebrannt. Die Werft hat das Deck erneuert die Ausbauten überholt und alle Schäden beseitigt. Liegt hier der Grund für den Kork? Das ist nun 40 Jahre her, seit dem ist WANAMBI vier mal über den Atlantik gesegelt, es wird kein Grund sein, an der Seetüchtigkeit zu zweifeln. Unter Deck riecht es nicht, ein gutes Zeichen, die Bilge ist trocken, das hatten wir alles zu Beginn abgeklärt. Jetzt ist es kalt, Es gibt Kondenswasser, der Kork ist irgendwie klamm. Normal, das haben wir bei UNDIN auch wenn die Kälte kommt.

Zuhause wird geschaut, welche Logge, welches Echolot arbeitet mit den Gebern. Wir wollen eine Windmessanlage, ein neuer Autopilot soll herbei, Das Funkgerät ist mit einer unbekannten MMSI programmiert, die EPIRB ebenso. Taugt denn eigentlich so ein Wetterfax was, kann man das verwenden? Zwei GPS Antennen aber nur einen Empfänger, wer arbeitet da? Die Elektrik, ich trau mich gar nicht den Deckel auf zu machen. Wir nehmen auf was wir aufnehmen können.

Übergabe – endlich ist es unsere Wanambi

Eigentlich sollte die Übergabe erst im April sein, plötzlich will der Eigner alles vorziehen. Mitte März, gut als wir mit UNDIN noch in der Oosterschelde lagen war Mitte März kein Thema, aber hier… In der Förde schlafen die Marinas noch, die Vereinshäfen sind noch nicht geöffnet, außerdem ist es eisig kalt, letzte Woche lag noch Schnee. Wir versuchen zu klären, wo wir liegen können.

Am Mast sollte noch das Radom angebracht werden – nein der Eigner will das nicht, das kann Probleme beim Maststellen geben. Wenigstens den Geber der Windmessanlage dürfen wir anbringen. Bei 16 Meter Mast wäre das auch alles andere als ein Vergnügen ins Topp zu steigen um einen Geber anzuschrauben und Kabel zu ziehen.

Dann kommt der Tag der Übergabe. Wir wollten beim Transport dabei sein, sehen wo die Gurte angelegt werden. Na ja, als wir angerufen werden liegt Wanambi schon im Wasser. Der Eigner erklärt uns das Schiff recht schnell und oberflächlich. Wir zahlen die Restsumme, übernehmen die Schlüssel und fahren nach Hause. Innere Freude, unser Plan nimmt Gestalt an.

 

Am nächsten Morgen haben wir uns mit einem Freund verabredet, er soll bei der Überführung nach Flensburg dabei sein. Wir haben noch nie ein (wie wir heute wissen 13 Tonnen) so schweres Schiff zu zweit in engen Häfen manövriert. Die Idee war gut, die Schlei hat ordentlich Strömung Ulli und ich wären alleine ordentlich ins Schwitzen gekommen. Das Wetter ist ruhig, sogar sonnig, und wir tuckern die Schlei hinunter und die Förde hinein, in der Förde können wir sogar segeln. Es muss etwas majestätisches haben, ein früher Segler, den wir passieren, grüßt mit erhobenem Daumen. Wir sind begeistert. Schnell ist der Ärger bei der Übergabe vergessen und schnell sind wir unserem Traum ein Stück näher.

Fazit zweiter Teil:

Man nimmt sich immer wieder vor, „Beim nächsten Schiff machen wir das anders, eine Checkliste, genaues Prüfen, Abwägen“, und? Nichts macht man anders, der Bauch entscheidet. Wir sind mittlerweile sicher, zumindest bei gebrauchten Booten kaufen die Schiffe die Eigner, nicht umgekehrt.

Und doch, es gibt rationale Entscheidungsfaktoren, für uns war das:

1. Tiefes sicheres Cockpit.
2. Ausreichend Lebensraum mit der Möglichkeit sich zurückzuziehen.
3. Zumindest eine, besser zwei, absolut seefeste Kojen. Am besten eine Backbord und eine Steuerbord.
4. Große Tankkapazitäten für Diesel und Wasser.
5. Eine Pantry die man auch auf See nutzen kann.
6. Eine Maschine, die am besten tausendfach und überall auf der Welt eingesetzt wird.
7. Eine Navigationsecke, die nicht nur den Namen hat.
8. Tiefe Bilgen.
9. Ein Niedergang und Salon den man auch im Seegang benutzen kann ohne sich Knochen zu brechen.
10. und vieles mehr an Kleinigkeiten.

Was für uns nicht wichtig war, elektronische Ausstattung und „Firlefanz“. Das kauft jeder selbst wie er mag.

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