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Malaysia, ein Paradies auch für Chartersegler! 

von Philipp Schäufele


Überfüllte Ankerbuchten, Marinas, in denen trotz hunderter Liegeplätze keine Box zu bekommen ist, Abzocke bei Mooringbojen... Welcher Mittelmeersegler träumt nicht davon, einen Strand oder eine kleine Insel für sich alleine zu haben? Aber auch die Karibik ist längst von Charterseglern überlaufen und die Atolle der Südsee sind fern. Es gibt jedoch ein Revier, nur 8 Flugstunden von Deutschland entfernt, in dem dieser Traum wahr werden kann: Das Tioman-Archipel in Malaysia. Wir haben als junge Crew das Abenteuer gewagt, hier zum ersten mal ohne professionellen Skipper eine Yacht zu chartern – es wurde ein fantastischer Törn in einem tropischen Inselparadies.

Philipp Schäufele


Hugo und seine Crew.Im Frühjahr 2010 las ich einen Artikel von Bobby Schenk auf dieser Website über das Segelparadies Malaysia - das Geheimrevier. Das war für mich der Funke, der einen lang gehegten Wunsch zum Brennen brachte: Selber eine Yacht chartern. Am Tag darauf sprach mich meine Freundin Inés an, weil sie einen Artikel über Malaysia gelesen hatte. Ob wir da nicht mal Urlaub machen wollen? Klar, ich hab gestern schon geschätzte 2 kg Informationsmaterial bestellt! Weitere Recherchen überzeugten uns immer mehr, dass Malaysia und speziell das Tioman-Archipel das Traumziel für unseren ersten Yachtcharter war.

Aber ist es überhaupt vernünftig, mit wenig Segelerfahrung eine Yacht zu chartern und das auch noch in solch einem entfernten Land? Ich war vor ein paar Jahren unversehens zum Co-Skipper aufgestiegen, nachdem der Skipper ausgefallen war und so jeder in der "Hierarchie" eine Stufe hochrutschte. Obwohl ich nur einen Sportbootführerschein hatte und dies erst mein zweiter Segeltörn auf dem Meer war, waren wir damals ein perfektes Team.
Die Zusage von meinem Bruder Konrad (der bereits etliche Skippertrainings absolviert hatte) gab mir die endgültige Sicherheit, dieses Abenteuer zu wagen.

Seekarte des Tioman-Archipels. Das Tioman-Archipel ist eine Gruppe von sieben größeren und vielen kleinen Inseln, die nur spärlich besiedelt sind. Die wenigen Touristen konzentrieren sich hauptsächlich auf die Hauptinsel Tioman. Hier gibt es einen kleinen Flughafen, einige Straßen, Geschäfte und Restaurants. Auf den anderen Inseln befinden sich lediglich Fischerdörfer, einige Resorts unterschiedlicher Preisklassen und jede Menge unberührte Natur. Die Infrastruktur ist dementsprechend spärlich, die einzige Marina und Einkaufsmöglichkeiten befinden sich auf Tioman. Wasser nachbunkern kann man noch auf einer einzigen weiteren Insel. Die Resorts haben meist kein Problem, Segler zum Abendessen aufzunehmen, ansonsten ist man aber weitestgehend auf sich alleine gestellt.

Konrad und die Schildkröte.Völlig unproblematisch ist die Sicherheit. Verbrecher werden in Malaysia hart bestraft, gleichzeitig geht es der Bevölkerung dank des Ölreichtumes des Landes (zumindest durchschnittlich) nicht schlecht. Fast nirgends zahlt man den sonst in Südostasien üblichen "Langnasen-Aufschlag", weder auf dem Markt noch in Restaurants. Offene Prostitution oder Drogenverkauf wie z.B. in Thailand gibt es nicht. Der Leiter unserer Charter-Basis hat es – nach meiner Anfrage, wie wir denn Dinghy und Außenborder beim Landgang sichern sollten – ganz deutlich ausgedrückt: "Dies ist nicht die Karibik, zieht es nur am Strand hoch genug, damit es die Flut nicht mitnimmt!" Während unserer ganzen Reise waren wir nur ein einziges mal ein wenig verunsichert, und das auch erst im Nachhinein. Weiteres dazu unten.

Hugo

Marina Tekek, Tioman. Der heutige Samstag – der Tag unserer Schiffsübernahme – würde lang werden. Drei von unserem Team (inklusive mir) waren schon seit einer Woche in Malaysia und seit gestern Abend in Mersing, dem Ort von dem aus die Fähren nach Tioman übersetzen. Drei weitere Crewmitglieder landeten heute Nacht in Singapur und kamen mit dem Taxi nach. Für die 160 km bezahlt man nur ca. 40 Euro für bis zu vier Personen. Bis zu ihrer Ankunft organisierten wir den Proviant, denn auf Tioman gibt es zwar kleinere Läden, aber deren Auswahl ist mehr als dürftig.

Die Einheimischen staunten nicht schlecht, mit wieviel Gepäck wir die Fähre nach Tioman bestiegen. Normalerweise nehmen die Asiaten auf Reisen ihren kompletten Hausstand mit und werden von den Touristen mit ihren ordentlichen Hartschalenkoffern belächelt – hier war es umgekehrt. Die Schiffsübernahme war völlig unkompliziert, Sébastien, der Leiter der Charterbasis, gab uns eine ausführliche Einweisung und einen guten Überblick über das Revier.

Fledermausfische.Unser erstes Ziel war Pulau Tulai, eine kleine Insel vor Tioman, die für ihre Korallenriffe berühmt ist. Nachdem wir die fantastische Unterwasserwelt schnorchelnd erforscht hatten, suchten wir uns einen Liegeplatz in der östlichen Bucht der Insel. Wir machten an einer Mooring fest, Steffen und ich sprangen ins Wasser, um zu prüfen, wie gut sie am Meeresgrund festgemacht war. Als ich sie erreicht hatte und ins Wasser blickte, bot sich mir ein Bild, das ich so schnell nicht vergessen werde: 10 Meter unter mir pflügte ein kleiner Stockanker – einfach aus Baustahl zusammengeschweißt – mit erschreckender Geschwindigkeit über den Meeresboden. Und mit der gleichen Geschwindigkeit trieb folglich unser Boot am anderen Ende der Leine auf die Felsen im Norden der Bucht zu. Ich steckte meinen Kopf aus dem Wasser und schrie so laut ich konnte "Konrad, schmeiß den Motor an und bring das Boot von den Felsen weg! Die Mooring slippt!". Eine gefühlte Ewigkeit später hatte er den Motor gestartet und die Mädls das Boot von der windigen Mooring befreit. Der Wind hatte inzwischen deutlich aufgefrischt. Konrad sah etwas zweifelnd zu Steffen und mir im Wasser herüber, er überlegte wohl, wie und wann er uns wieder an Bord bringen konnte. "Bring das Boot von den Felsen weg, wir können schwimmen!" rief ich. Zur Not wären wir einfach die paar Meter zur Insel geschwommen und hätten uns später aufnehmen lassen. Aber das Gewitter ließ uns noch etwas Zeit und so konnten wir etwas später problemlos an Bord gehen.

 Wir setzten die Segel mit Kurs auf Pulau Labas, einem von unserem Vercharterer empfohlenen Ankerplatz, wo wir eine angenehme Nacht an einer Mooring verbrachten, die unter Tags die Tauchboote nutzen.

Pulau Labas - Ein bisschen Fels mitten im Meer.

Gefährliche Felsen

Unsere Trauminsel, in der Karte nur ein Dangerous Rock. (Foto: Konrad) Die "Dangerous Rocks" – so waren sie in der Seekarte eingezeichnet – sahen ganz und gar nicht bedrohlich aus. Als wir uns ihnen näherten, blitzte uns ein schneeweißer Traumstrand mit einer verlassenen Hütte entgegen. Spontan beschlossen wir, für den restlichen Tag und die Nacht hierzubleiben. Wir nahmen die Segel herunter und machten an einer Mooring fest. Schnell war das Dinghy klar und wir setzen über zu unserem Inselparadies.

Die Hugo-Crew am Lagerfeuer. (Foto: Inés) Leider ist auch im Paradies nicht immer alles perfekt. Steffen schlitze sich den Zeh an einem scharfkantigen Felsen auf, als wir erkunden wollten, wie der höchste Punkt der Insel zu erreichen wäre. Am späten Nachmittag zog ein tropisches Gewitter auf und da wir an der Mooring auf Legerwall lagen, ankerten wir sicherheitshalber um. Nach etwa einer Stunde schien aber schon wieder die Sonne und wir setzten auf die Insel über, um dort einen wunderbaren Abend am Lagerfeuer zu verbringen.

Ankerprobleme

Die böse Ankerbucht. (Foto: Alex)Schon auf dem Weg nach Pulau Rawa hatten wir unsere nächste Traum-Ankerbucht entdeckt. Die Bucht im Nordwesten der Insel Pulau Mensirip schien ideal. Die Insel würde uns vor dem Schwell schützen, der in den letzten Nächten immer aus südöstlichen Richtungen gekommen war. Wir fuhren ein paar Kreise, um die Tiefen zu klären. Meistens waren es um die 10 m. Etwa 50 m vor der Insel gab es eine Riffkannte, dahinter waren es laut unserem Echolot noch 4-5 m, aber auch das wäre noch genug Wasser unter dem Kiel gewesen. Der Anker fiel auf 10 m Wassertiefe. Zunächst schien er zu halten, aber als ich rückwärts Gas gab, um zu testen, ob er hielt, slippte er über den Grund. Zefix. Also wieder hoch mit ihm und einen neuen Versuch starten. Als wir die Ankerkette fast ganz eingeholt hatten, ging plötzlich nichts mehr. Wir konnten die Ankerwinsch quälen so viel wir wollten, auf einmal hielt der Anker bombenfest. Eigentlich hätten wir froh sein können über einen derartig fest sitzenden Anker. Inzwischen waren wir aber viel zu nah an an der Riffkante. An sich noch kein Problem, denn auch Richtung Ufer hatte es, wie oben erwähnt, noch gut 4 m Tiefe. Zu unserem Entsetzen entdeckten wir aber mehrere Korallenblöcke nicht weit von uns entfernt, die gefährlich nahe an die Oberfläche ragten. Aline sprang mit Schnorchelausrüstung ins Wasser um ihre Tiefe zu prüfen. Viel zu wenig für uns!

Beim Setzen des Ankers. (Foto: Aline)Ein weiteres Problem hatten wir: Der Anker klemmte offensichtlich unter einem Stein oder Korallenblock. Normalerweise soll sich ein Anker im Sand oder Schlamm eingraben, dann hält er in jede Richtung. Wenn er aber irgendwo verklemmt ist und der Wind dreht, dann löst er sich unter Umständen plötzlich. Und das ist das Unangenehmste, was einem Segler nachts um 3 Uhr passieren kann. Wir mussten den Anker hochbringen und irgendwo ordentlich setzen. Nach endlosen Versuchen löste er sich endlich. Ich wusste zwar nicht, wie wir das geschafft hatten, aber Hauptsache rauf mit dem Ding und weg aus dieser verfluchten Bucht.

Wir fuhren auf die andere Seite der Insel. Hier waren wir zwar dem Schwell schutzlos ausgeliefert, aber wir lagen so, dass uns der Wind von der Insel weggetrieben hätte, wenn der Anker nicht halten würde. Wir ankerten problemlos auf 20 m Tiefe.

Einsiedlerkrebse mögen gegrilltes Hühnchen! (Foto: Steffen) Inzwischen war es reichlich spät. Trotzdem wollten wir uns unser geplantes Lagerfeuer nicht verderben lassen. Alex und ich fuhren mit dem Dinghy vor, um schon mal Holz zu suchen. Die anderen bereiteten solange das Essen vor. Wenig später holte ich sie ab, während Alex auf unser inzwischen entfachtes Feuer aufpasste. Nachdem wir gegessen hatten brachen wir recht schnell wieder auf – der Wind hatte deutlich zugenommen und machte unseren Aufenhalt hier ziemlich ungemütlich.

Die Fahrt zurück um das südliche Ende der Insel war nicht wirklich angenehm, denn die Wellen kamen genau von vorne. Damit nicht jede von ihnen in unserem Schlauchboot landete, musste ich sie schräg anfahren. Das aber bedeutete, entweder auf die Felsen zu oder weg von der Insel fahren, keine guten Optionen in der Dunkelheit. Teufel oder Belzebub. Nachdem wir das Kap unbeschadet umrundet hatten, sahen wir endlich Hugos Ankerlicht. Schon von hier aus war zu erkennen, dass er – wie üblich – gewaltig in der Dünung schwankte. Noch etwas anderes jagte uns einen kalten Schauer über den Rücken: Die Insel war hier so schmal, dass wir zu unserem Lagerfeuer-Strand hinübersehen können. Eine Gestalt suchte mit einer Taschenlampe unseren Lagerplatz ab. Offensichtlich waren wir die ganze Zeit nicht alleine gewesen...

Regen im Paradies

Inés hat das Gehäuse eines Nautilus gefunden!Das Frischwasser in unseren Tanks war fast aufgebraucht. Deshalb mussten wir so schnell wie möglich Pulau Aur erreichen, die einzige Möglichkeit – neben der Marina in Tekek – in diesem Archipel Süßwasser zu bunkern. Auf dem ganzen Weg herrschte komplette Flaute. 5 Stunden und 30 Seemeilen motoren... Nicht gerade das, was des Seglers Herz erfreut.

Dafür wurden wir bei unserer Ankunft um so mehr belohnt: Zwei grüne Inseln, dazwischen ein Kanal mit türkisblauem Wasser und weißen Sandstränden auf beiden Seiten. Dekoratives Extra auf beiden Inseln waren Felsen, die nach einer Besteigung geradezu zu schreien schienen. Wir nahmen eine Mooring, die allerdings verdammt nah an den Felsen der Insel lag. An ihrer Boje und an ihrem Tau war aber schon ein kleines Korallenriff gewachsen, sie musste sich also schon länger hier problemlos gehalten haben.

Ein Gewitter zieht auf. Eigentlich wären wir sehr gerne länger auf Pulau Aur geblieben. Es hätte hier viel zu erkunden gegeben. Schnorcheln an den vorgelagerten Inseln und eine Besteigung des Felsens der Hauptinsel. Aber weil schlechtes Wetter aufgezogen war, beschlossen wir, heute früh schon weiterzusegeln. Vielleicht wäre ja weiter nördlich besseres Wetter. Und einen Tag mit Wind sollten wir nutzen – in einer Gegend, in der um diese Jahreszeit normalerweise kaum ein Lüftchen weht. Auch wenn die See etwas rauer war und es beständig regnete.

Auf Fotos schauen die Wellen immer so harmlos aus.Das Ablegen bereitete mir allerdings etwas Kopfzerbrechen. Die Mooring, an der wir lagen, war keine 30 m von den Felsen der Küste entfernt. Wind und Welle würden uns genau dort hin treiben, wenn sich eine Leine in der Schraube verfängt oder etwas mit dem Motor schiefläuft. Zeit, das Segel zu setzen und so zu entkommen hätten wir bei der kurzen Entfernung sicher keine mehr.

Aber unser Team war inzwischen eingespielt und alles klappte perfekt. Als wir den Kanal zwischen den Inseln verlassen hatten, drehte der Wind von Süd auf Südwest. Um unser Ziel, Pulau Pemanggil, zu erreichen mussten wir also hart am Wind gegen die Wellen anbolzen. Dementsprechend machten wir kaum 5 Knoten Fahrt, obwohl es mit über 20 Knoten bließ. Aber allen machte es Spaß und so flogen wir ungerefft durch die See. Nur ich wurde leicht seekrank, als ich unter Deck ging, um zu schauen, ob auch alles seefest gesichert war.

Wrack

Kaputte Maschine unter Wasser. Nein, nicht wir, zumindest noch nicht. Am Nachmittag beruhigte sich das Wetter und wir fuhren gemütlich unter Motor in die östliche Bucht von Pulau Pemanggil ein. Hier lag ein Wrack in 3-5 m Tiefe, also ideal um es schnorchelnderweise zu erkunden. Aber wir hatten erstmal andere Sorgen. Denn von heute an ging es mit unserer Yacht Hugo bergab... Um die Lage zu erkunden hatten wir gerade ein paar Runden durch die Bucht gedreht, als der Motoralarm lospfiff. Steffen schaltete den Motor sofort aus und wir ließen den Anker fallen, egal, wo wir gerade waren. Bei 20 m Wassertiefe nicht wirklich optimal, aber er hielt. Danke.

Kaputte Maschine über Wasser.Unsere Maschine hatte sich beschwert, dass ihr zu warm geworden war. Schon bei der Einweisung hatte mich Sébastien darauf vorbereitet, dass wir vielleicht den Impeller tauschen müssen, ein Ersatzteil sei an Bord. Der Impeller dient dazu, Meerwasser durch den Motor zu pumpen, um ihn zu kühlen. Er besteht aus einem Rad mit Gummiflügeln, die durch die Form des Gehäuses zusammengedrückt werden und so das Wasser durch den Motor treiben. Ein selten dämliches Prinzip für ein solch wichtiges Teil. Wenn der Wassereinlass verstopft wird, z.B. weil ein Blatt oder eine Plastiktüte angesaugt wurde, versagt nicht nur die Kühlung des Motors (was ja logisch ist ohne frisches Wasser), nein, auch der Impeller zerstört sich dann selbst. Denn er wird ebenfalls durch das hindurchströmende Wasser gekühlt und geschmiert. Selbst wenn der Fremdkörper ein paar Minuten später abfällt oder man die Verstopfung sonstwie beseitigt – der Impeller ist erstmal kaputt.

Ich öffnete das Gehäuse des Impellers und tatsächlich waren seine Flügel komplett hinüber. Nachdem das kaputte Teil entfernt war, packten wir das Ersatzteil aus. Es war für einen ganz anderen Motor.

Der Fels von Pulau Pemanggil.Was sollten wir tun? Handy-Empfang gab es in dieser Bucht nicht. Funk hört hier keiner mit, außer vielleicht die Fischer, aber die verstehen kein Englisch. Am anderen Ende der Bucht (da, wo das im Titel erwähnte Wrack liegen sollte) lag ein Tauchboot vor Anker. Mit dem Dinghy fuhr ich dorthin, in der Hoffnung, dass sie bald Richtung Tioman aufbrechen würden und in Tekek in der Marina Sébastien Bescheid geben könnten. Der Kapitän meinte zwar, dass sie erst morgen weiterfahren würden, hörte sich aber geduldig mein Problem an. Er entschuldigte sich kurz und kam dann mit einer Auswahl an zwar nicht mehr ganz neuen, aber trotzdem noch brauchbaren Impellern an! Ich schätzte, welcher wohl bei uns passen könnte und nahm ihn dankend entgegen. Eine Bezahlung wurde abgelehnt. Auch sollte ich mir keine Mühe machen, das Teil zurückzubringen, wenn es nicht passt.

Zurück am Boot verglichen wir voller Spannung das geschenkte Ersatzteil mit den Resten unseres Impellers. Mein Augenmaß hatte nicht versagt, dieses Ersatzteil passte! Allerdings ließ es sich nur schwer einbauen, ganz neu war es dann doch nicht mehr. Mit dem Hammer überredeten wir es zur Zusammenarbeit und tatsächlich – schließlich sprudelte wieder Wasser aus dem Auspuff!

Fels

Auf dem Felsen von Pulau Pemanggil.Auf Pulau Pemanggil gab es einen Felsen, von dem aus man einen tollen Blick über das Archipel haben sollte. Wir "parkten" unser Schlauchboot ein paar Meter neben dem Steg des Kampong Buau, an einem schmalen, langen Sandstrand. Im Dorf hofften wir, dass man uns den Einstieg zum Gipfel zeigen würde. Die Männer saßen in einer Bar und schauten fern. Wir versuchten sie anzusprechen, aber keiner sprach Englisch und die Flimmerkiste war sowieso viel interessanter.

Steffen am Seil.Wir fragten weiter und schließlich versprach man, uns auf den Felsen hinauf zu führen. Der Pfad lief durch dichten Dschungel an der Wasserleitung entlang, die das Dorf versorgte. Irgendwann trennten sich Leitung und Weg, ohne Führer wäre die Orientierung hier schon schwieriger geworden. Kurz unter dem Gipfel mussten wir auf nacktem Fels weiterklettern. Für die Hinweise unseres Führers nach dem besten Weg waren wir spätestens hier sehr dankbar. An den steilsten Stellen waren Seile gespannt, an denen man sich heraufziehen konnte.

Oben gab es ein Plateu, auf dem wir uns recht einfach bewegen konnten. Der Blick nach allen Seiten war überwältigend. Nachdem wir eine knappe Stunde umhergewandert waren, begannen wir den Abstieg.

Nachtsegeln

Wir waren verdammt spät dran. Als wir mit dem Dinghy in die Bucht einbogen, in der Hugo lag, baten wir Inés und Alex (sie waren während unseres Ausflugs an Bord geblieben) per Funk schon mal alles zum Ablegen vorzubereiten. Gegen 17 Uhr warf ich den Motor an, mit einem unguten Gefühl, denn der Ersatzimpeller von gestern arbeitete nicht zuverlässig. Aber ohne Motor funktionierte die Ankerwinsch nicht und händisch war der Anker nicht hochzubekommen. Dämliche Konstruktion. Er war schnell oben und wir konnten den Motor ausschalten und die Segel setzen.

Wir segeln in den Sonnenuntergang.Wir würden in die Nacht hineinsegeln. Das war hier eigentlich nicht erlaubt, denn die malaysischen Fischer haben – wenn überhaupt beleuchtet – sicherlich keine Lichterführung, mit der ein europäischer SKS-Skipper irgendwie zurechtkommen würde. Aber es gab keine wirkliche Alternative. Ich hatte unser Ankommen für heute schon bei der Charterbasis angekündigt. Wir mussten zurück nach Tioman, wenn wir nicht riskieren wollten, dass eine Suchaktion gestartet wird. Nachdem wir das nördliche Ende der Insel umrundet hatten, gab es endlich ein Handy-Netz und ich konnte bei der Basis einen "Abschleppdienst" anfordern.

Der Kühlschrank hatte aufgrund der nachlassenden Akkus schon seit Stunden tropische Temperaturen erreicht. Der Autopilot beklagte sich über die zu geringe Batteriespannung, also mussten wir Ruder gehen. Nur die notwendigsten Lichter waren eingeschaltet, gegen 21 Uhr ging auch die Notbeleuchtung aus. Eine halbe Stunde später versagten auch alle anderen Instrumente.

Da tauchte ein – für malaysische Verhältnisse – erstaunlich gut beleuchtetes Schiff am Horizont auf. Es gab Lichtzeichen, wir antworteten. Kurz darauf ging ein stattlicher Katamaran längsseits zu uns. Sébastien begrüßte uns mit dem Worten "It's a pretty nice night for sailing, isn't it?". Ein Seil wurde herübergeworfen und kurze Zeit später wurden wir mit guten 5 Knoten Richtung Tioman abgeschleppt. Kurz vor der Marina ließ sich Sébastien zu uns übersetzen und steuerte das Boot sicher in den Hafen. Unter Motor, den er erstaunlich lange laufen ließ. Um kurz nach Mitternacht fielen wir in unsere Kojen – alles weiter würde sich morgen ergeben.

Zurück auf Tioman

Sturm über Tioman.Während der letzten Tage unseres Törns umrundeten wir Tioman, bevor wir nach zwei Wochen unsere Yacht "Hugo" wieder problemlos abgaben.

Unser Fazit dieses Törns: Ein ideales Segelrevier für abenteuerlustige Crews. Wir haben superfreundliche Menschen kennengelernt, waren in schönen Resorts und auf einsamen Inseln, die sonst nur Blauwasserseglern nach wochenlanger Anreise vorbehalten sind. Zwei Wochen lang keinen Proviant kaufen und nur einmal Wasser nachbunkern zu können war eine Herausforderung, die wir problemlos gemeistert haben. Auch wenn wir im einzigen Resort, in dem es Eis gab, gierig über diese hier seltene Delikatesse hergefallen sind und in einem anderen sämtliche Pommes-Vorräte aufgegessen haben. Ich kann nur jedem Segler das Tioman-Archipel empfehlen, auch wenn ich damit das Geheimnis preisgebe, wo auch ein Chartersegler noch einsame Inseln und verlassene Buchten findet...

Weitere Informationen auf der Website des Autors unter Segeln in Malaysia oder direkt per Email: philipp.schaeufele@gmx.de. Sollte jemand planen, den Fels auf Pulau Pemanggil zu besteigen oder auch nur im Westen der Insel ankern, bitte ich um eine Email! Wir haben noch Schulden bei unserem Bergführer.

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