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"Palstek zu vergessen" - Nein!

von Egmont M. Friedl


Jens Kraglund hat hier auf dieser Webseite recht deutlich - und zwar mit diskutierenswertem Argument  - sich gegen einige alte Seemannsknoten ausgesprochen - hier. Deutschlands "Knotenpapst" Friedl sollte auf dem Blauwasserseminar in Friedrichshafen auf der INTERBOOT dazu Stellung nehmen. Er meinte, es habe ihn aber jetzt schon gejuckt, in die Tasten zu greifen. Hier ist seine fundierte Meinung: 

Danke für die Info zum Beitrag von Jens Kraglund und der Ankündigung, dass ich beim Blauwasserseminar auf der INTERBOOT (siehe hier) näher darauf eingehen werde. Das mache ich gerne, denn in den Aussagen von Herrn Kraglund – und die gleichen Ansichten kommen immer häufiger auf, vor allem auch aus England und seitens der IGKT – steckt schon etwas Wahres, doch sind sie – um das Thema ernsthaft anzugehen – zu sehr vereinfacht und pauschalisiert.

Alles Kunstfasertauwerk kann nicht einfach in einen Topf geschmissen werden und alle traditionellen Knoten sind dafür auch nicht nur schlecht.

Einerseits gibt es Kunstfasertauwerk mit ausgezeichneter, und extrem hoher Knotenfestigkeit und Sicherheit. Dazu zählen alle Leinen mit Kammgarnen im Mantelgeflecht (Liros Dyneema High Trimm. Starschot, um nur zwei Beispiele zu nennen), alle Polyhanf-Leinen, alle quadratgeflochtenen Leinen (Squareline), sogar die Dyneema-Einfachgeflechte mit eingeflochtenen Polypropylengarnen.

Andererseits sollte man nicht ungeachtet lassen, dass auch die tradtionelle Knotenkunde Lösungen für glatte Leinen kennt. Schnüre aus Seide oder aus Naturdarm sind schon vor Jahrhunderten geknotet worden und die traditionelle Knotenkunde würde dazu natürlich auch keinen Palstek oder Schotstek verwenden.

Neu sind diese Erkenntnisse über die Unzulänglichkeiten mancher traditioneller Knoten bei glatten Leinenoberflächen also nicht, sie treten aber wieder in den Vordergrund, ausgelöst, wie Herr Kraglund ganz richtig schreibt, vor allem durch Unfälle in alpinen Anwendungen mit Kunstfasertauwerk vor und seit mehr als 50 Jahren.

Da ich selbst jahrelang als Berufskletterer in Deutschland und den USA gearbeitet habe und jeden Tag mein Leben dem sicheren Einsatz von Knoten anvertraut habe, sowie seit Kindheit segle und klettere, weiß ich nur zu gut , wie viel Segler und Kletterer voneinander lernen können. Ich habe mich bei meinem Buch Knoten und Spleißen (Delius Klasing Verlag) dieser Problematik auch angenommen, vor Palstek und Schotstek in sicherheitsrelevanten Anwendungen gewarnt und für Segler ein erweitertes Repertoire an Knoten zusammengestellt, das moderne Knotenlösungen enthält (ohne jedoch aufzufordern den Palstek gleich ganz zu vergessen, denn das wäre sicherlich falsch – und auch schade).

Der Palstek ist für Segler ein hervorragender Knoten, vor allem wegen seiner Lösbarkeit. Für optimale Sicherheit kann man dem Palstek die so genannte Yosemite-Sicherung zufügen oder bei Personensicherung einen doppelten Achtknoten  - siehe Foto links - machen, wie ihn alle Alpinisten im Amateurbereich als Anschlagknoten verwenden. Anglerschlaufe oder Leitschnurknoten sind oft ungleich schwerer lösbar.

Der modernste Anschlagknoten (im professionellen Bereich seit Jahren Standard) ist der Spierenstichendknoten oder kurz nur Spierenstich genannt. Das ist eine Schlinge aus einem doppelten Überhandknoten, auch Gerüstknoten genannt. Er dient in der SKT und SZT (Seilklettertechnik bzw. Seilzugangstechnik) zur Personensicherung. Hier haben wir höchste Sicherheit und sehr hohe Bruchlast im Kletterseil aber auch an Bord beispielsweise bei einem Fall oder einer Verbindung Ankerleine-Schäkel.

Ein Webeleinstek mit zwei halben Schlägen ist schön und gut, kann sich aber bei manchen Leinen nach großer Belastung unlösbar fest zuziehen. Fallschirmleinen sind absolut nicht vergleichbar mit Festmachern und haben auch gänzlich andere Anforderungen, Thema alles in einen Topf...)

Der Schotstek kann sich bei glatten Leinen aufziehen, der Palstek im Extremfall auch. Beide Knoten bieten bekanntermaßen keine ausreichende Sicherheit für Personensicherung etc.

Der Kreuzknoten ist auch in der traditionellen Knotenkunde niemals zum Verbinden zweier Leinen gedacht, sondern nur zum Abschluss aufliegender Verschnürungen.

Den gezeigten Spierenstich-Verbindungsknoten würde man in sicherheitsrelevanten Anwendungen nur in der doppelten Ausführung empfehlen!

Die als Anglerschlaufe gezeigten Knoten sind zwei unterschiedliche Knoten aus der Gruppe der Leitschnurknoten, aber keine Anglerschlaufe, vgl. Ashley 1017.

Die Problematik mit glattem Kunstfasertauwerk ist damit aber noch gar nicht abgeschlossen. An Bord verwenden wir heute immer öfter Einfachgeflechte aus Dyneema (Foto), die sich so gut wie überhaupt nicht mehr knoten lassen, erstens weil sie so glatt sind, zweitens weil es ihre extrem hohen Bruchlasten zu sehr vermindert. Hier muss gespleißt werden.

Wer sich für wissenschaftlich ermittelte Ergebnisse zur Festigkeit von Knoten interessiert, dem kann ich ebenfalls nur mein Buch ans Herz legen. Dort habe ich entsprechende Angaben aus vielen von mir durchgeführten Messreihen auf den modernsten Prüfmaschinen veröffentlicht.

Umgang mit modernem Tauwerk, das Thema Sicherheit bei Knoten, die enormen Möglichkeiten und den richtigen Umgang mit Hochmodulfaser-Tauwerk für Laschungen, Zurrings, Notreperaturen etc. werde ich auch im Blauwasserseminar im Detail zeigen und ansprechen.

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