DIE HOMEPAGE VON
BOBBY SCHENK
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Ende einer Weltumsegelung

von Thomas Margraf

 Infos noch und noch, welche ist die Richtige?

Das kennen wir doch alle, es wird von der Blauwasserreise geträumt, gar von der Weltumseglung. Noch vor einigen Jahren blieb als Informationsquelle nur die andauernde Beschäftigung mit dem Thema und das suchen von Gesprächen mit Langzeitseglern oder gar Weltumseglern. Hier wurden denen, die es schon geschafft haben, Löcher in den Bauch gefragt. Seegebiete, zu vermeidende Ecken der Welt, Wind, Stürme, beste Zeit zum losfahren, navigatorische Besonderheiten, eben alles, was man in Büchern las, aber nun von denen hören will, die es schon erlebt haben.

Heute, so hat es den Anschein, braucht man das alles nicht mehr. Bücher werden durch Blogs ersetzt, Blogs von angehenden Weltumseglern. Gespannt verfolgt man diese, vergleicht die Vorbereitungen der anderen mit den eigenen und fühlt sich auf der sicheren Seite. Wie schrieb es Bobby einmal so richtig? „Ich werde oft gefragt, ob dieser oder jener Ausrüstungsgegenstand für eine Weltumseglung geeignet ist, manchmal sogar, ob ein Schiff für eine Weltumseglung geeignet ist. Am Ende stellt sich heraus, dass derjenige, der die Frage stellt nur eine Bestätigung für seine Entscheidung sucht und nicht auf den Ratschlag hört.“ Wenn der Rat nicht in das Schema passt fragt man einfach so lange, bis die erwartete Antwort bekommt. Das Internet macht es möglich irgendwo auf der Welt jemanden zu finden, der einem bestätigt, dass man richtig denkt und handelt. Ich spreche gerne von Fluch und Segen des Internets, nie war es so einfach an Informationen zu kommen und nie war es so kompliziert nützliche von nutzlosen Informationen zu unterscheiden.

Drei Weltumsegler-Typen sind es!

Ich verfolge verschiedene Weltumsegler im Internet. Da gibt es welche, die ohne jede Segelerfahrung ein Boot kaufen, es nach Gutdünken vorbereiten und losfahren. Andere Planen, bis ins Detail, bauen ihr Boot aus und fahren gefühlt niemals los. Dann die, die Boot, Finanzen, und Zeit kalkulieren und wie nach einem Fahrplan lossegeln. Was wird aus den drei grundverschiedenen Typen?

Ich gebe zu, ich verfolge alle drei, völlig unterschiedlichen Charaktere gerne, manchmal komme ich mir vor wie ein Voyeur. Ich möchte aus den Fehlern anderer lernen oder es ihnen gleich tun, wenn sie keine Fehler machen. Fast immer suche ich den Kontakt per E-Mail und frage die Weltumsegler nach Ihren Eindrücken und Erfahrungen. Oft bekomme ich Antworten, die dann deckungsgleich sind mit den Empfehlungen aus Büchern wie sie von Wilfried Erdmann, den Kochs oder Bobby Schenk geschrieben wurden. Ich muss zugeben, sehr viel Neues ist meist nicht zu erfahren. Das liegt aber auch sehr häufig daran, dass die meisten bisher nur den ersten Ozean (den Atlantik) überquert haben, andere nach dem Panama-Kanal ihren Blog sperren um das Material später als Buch zu verwerten.

Immer wieder stellt man beim Lesen der Blogs fest, dass sich die drei Typen, also die unbekümmerten, die ewig planenden und die Fahrplansegler, jeweils zusammenfinden und oft genug einen ähnliche Werdegang haben. 
Die Fahrplansegler, umrunden die Welt oft gemäß ihrem Plan. Befragt von Bobby im Who-is-Who-im-Weltumsegeln bedauern fast alle zu wenig Zeit für einzelne Etappen gehabt zu haben.

Die, die zu viel planen, zu viel Ihr Schiff ausbauen und nicht loskommen, finden immer einen Grund nicht loszufahren. Da fehlt noch ein Gerät, eine Arbeit hat sich noch als notwendig herausgestellt, es ist alles noch nicht so wie man es sich vorgestellt hat. Das sind die Menschen, die beim Einzug in ein neues Haus, oder eine neue Wohnung schon vorher wissen, wo welches Bild aufgehängt wird. Oft beneidenswert, weil sie klare Vorstellungen haben wie etwas aussehen soll, nur, bei einer Weltumseglung stellt man erst im Laufe der Reise fest, was sich an welcher Stelle am besten bewährt, was man noch braucht und was überflüssig ist. Gerade Bobby hat es oft genug beschrieben, wie viel Geld unnütz aus dem Fenster geworfen wird. Dabei ist er nicht allein, Wilfried Erdmann segelte als Minimalist mehrfach um die Welt und hat erst 2015 eine Maschine in die Kathena Nui einbauen lassen.

Nun kommen die Unbekümmerten, sie fahren los, oft ein altes Schiff das nach Empfehlungen in Internet-Foren ausgerüstet wurde. Manchmal werden noch Seminare besucht, leider aber oft mit der Maßgabe, die Bobby schon formulierte, ich suche nur die Bestätigung alles richtig gemacht zu haben. Ich bewundere oft den Mut, den diese angehenden Weltumsegler haben. Ich leide auch mit ihnen, wenn sie feststellen, dass wenige, wichtige Ratschläge unbeachtet blieben. Da werden die Dinge in der Heimat nicht in Ordnung gebracht, man flüchtet regelrecht vor Problemen und stellt dann nach wenigen Jahren fest, dass einen die „Vergangenheit“ nicht zur Ruhe kommen lässt. Es wird unbeachtet gelassen, dass in anderen Ländern andere Lebensgewohnheiten herrschen - wer kennt nicht den Spruch vom „Deutschen Brot“? Manche können nicht von der heimischen Kost loslassen und wundern sich über die exorbitant hohen Preise für Schweinefleisch in der Karibik. Andere vermissen Familie und Freunde, halten an den europäischen Festen, wie Weihnachten, fest. Gehen im Heimweh fast zu Grunde.

Der Abbruch einer Weltumsegelung ist immer endgültig

Nun, dann bricht man eben ab, was soll’s. Schiff verkaufen, ab nach Hause und alles wird gut. Von wegen, ich habe Abbrecher kennen gelernt, Menschen, die sich nicht klar waren, ob sie nun weiter um die Erde segeln, oder doch lieber zu Hause bleiben wollen. Menschen, denen man ansehen konnte, wie der Abbruch eines Lebensplanes an ihnen nagte. Wissend, dass diese Chance oft nicht wiederkommen wird, suchen sie nach Gründen, warum der Abbruch unausweichlich war. Was folgen wird ist die ewige Frage nach dem "Warum", vor allem nach dem "Warum nicht". Hätten wir nicht doch… Ein abgebrochenes Studium kann man ausgleichen, eine falsche Berufswahl korrigieren, eine abgebrochene Weltumseglung wird man nicht wiederholen, selbst wenn es noch einmal möglich wäre.

Nun soll sich niemand freisprechen eine Fehlentscheidung zu treffen. Es gibt auch Gründe warum es nicht weiter geht, Krankheit, finanzielle Not sind sicher die Gründe wegen denen es nicht anders geht. Eine völlig andere Vorstellung von dem was einen erwartet, wird den Abbrecher vielleicht etwas beruhigen und den Abbruch für sich rechtfertigen. Nur die vielen Blogs, die plötzlich enden, zeigen viele Schicksale. die auch anders hätten verlaufen können.

Mich haben die Freunde, die alles aufgaben, die lossegelten, die Grundregeln nicht beachteten, erschüttert. Ich sah Menschen, die versuchten ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen. Ihre neuen Ziele waren aber wieder nicht bis zur letzten Konsequenz durchdacht. Ich wünsche ihnen viel Glück, was ich dazu tun konnte habe ich versucht zu tun. Ich hoffe es hat geholfen.

Eine vollendete Weltumsegelung füllt ein Menschenleben mit neuem Sinn

Für alle, die, die noch in der Planung stehen kann ich nur den Rat geben die wenigen Grundregeln einzuhalten. Niemals losfahren wenn nicht alles zu Hause in Ordnung ist, war der wichtigste Punkt von Karla, Bobbys Ehefrau. Sich zumindest mental auf eine Blauwasserreise vorbereiten, zu ahnen was einen erwartet, sich klar zu werden dass andere Kulturen, andere Ernährungsgewohnheiten andere Rituale einen hohen Grad an Anpassung erfordern. Die räumliche Enge, das 24/7 zusammen sein (sofern man mit dem Partner lossegelt) wenigstens im Vorfeld auszuprobieren. Sich, gegebenenfalls gemeinsam mit dem Partner, darüber im klaren zu sein, dass eine Weltumseglung ein tolles Erlebnis ist, aber keinesfalls nur Urlaub darstellt. Es wird neue Sorgen und Nöte geben, neue Herausforderungen, denen man sich stellen muss. Vor allem, dass es Probleme geben wird, die man lösen muss, um zu überleben. Auf den Ozeanen kann man nicht rechts ran fahren und die Werft anrufen.

Wenn man die wenigen Punkte beachtet, wird die Blauwasserreise oder sogar die Weltumseglung das größte Erlebnis sein, vor allem wird man Eindrücke gewinnen, die einem niemand mehr nehmen kann.

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