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BOBBY SCHENK
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Sebastian vor dem Dilemma Ankerkette 

Ein Schüler wird erwachsen - Sebastian Pieters hat mit dem geliehenen Sperrholzschiff seines Lehrers zusammen mit einer Internetbekanntschft, Heike, die Welt umsegelt - siehe das segelnde Klassenzimmer . Offensichtlich hat die darauf folgende "Resozialisierung" reibungslos geklappt: Einstieg ins Berufsleben, ein erfolgreiches Buch und Gründung einer Familie. Doch der Drang nach draussen scheint stärker zu sein als eine gesicherte Existenz mit 28 Jahren. Eine weitere Weltumsegelung mit Frau und Kind steht an, das richtige Schiff ist gefunden und soll ausrüstungsmäßig bestens vorbereitet werden. Dahinter steht die große Segelerfahrung aus einer Weltumsegelung. Manche Fragen zur Ausrüstung lösen sich - für Sebastian - wie von selbst. Nur die Wahl der richtigen Ankerkette nach Stärke, Haltekraft und Material bereiteten Kopfzerbrechen. Nun aber ist die Auswahl getroffen - mit einer überraschenden Lösung:


Da steh ich also, an Deck unserer eventuell Zukünftigen und überlege, ob sie ein taugliches Schiff ist. Ich friere etwas, die Temperaturen sind ein gutes Stück unter Null an diesem Novembermorgen in Holland. Meine Frau und unser Sohn sind zusammen mit dem Eigner und Erbauer unter Deck, wo es dank des Dieselofens wohlig warm ist. Von innen passt sie zu uns, sie ist nicht die größte, aber mit 11m ein ganzes Stück länger als die 8m lange Kiwitt, mit der ich 3 Jahre um die Welt gesegelt bin. Aber… ist sie auch das Schiff mit dem wir segeln wollen? Auf dem wir mit Kindern sicher reisen können?

Ein Relingsnetz muss her, damit der Nachwuchs nicht herausfällt, und Strecktaue zum Anleinen. Ein Beiboot und einen Außenborder brauchen wir auch und eine Windselbssteueranlage fehlt am Heck… Hier und da gibt es ein paar Verbesserungsmöglichkeiten, ein paar winzige Roststellen hat der Stahlrumpf auch, aber nichts, was auch nur annähernd beunruhigend wäre. Allerdings gibt es da etwas, was mir nicht gefällt, das mir schon aufgefallen war, als wir auf das Schiff zugeliefen: Anker, Kette und Ankerrolle. 8mm Ankerkette und einen 16kg Anker hatten wir auf der Kiwitt auch, aber die wog nur 4,5t und das reisefertig überladen. Diese Van der Stadt Seal wiegt 10t leer, reisefertig kommt da sicher noch was dabei. Ohne zu fragen weiß ich, dass der ansonsten sehr auf Sicherheit bedachte Eigner nicht viele geankert hat.

Mittlerweile ist es Frühling geworden und die Matilda ist seit kurz vor Weinachten unsere. Sie hat bis jetzt keine bösen Überraschungen für uns bereitgehalten und so langsam habe ich alle Änderungen und Ergänzungen, die ich für nötig gehalten habe abgeschlossen. Die Windfahne hängt, das Relingsnetz ist angeknüpft, eine Batterieüberwachung eingebaut, alle Leuchtmittel (außer Navigationslaternen) gegen LED getauscht und und und…

Da steh ich wieder, betrachte unser Ankergeschirr und denke darüber nach, welche Kette und welchen Anker wir wohl brauchen. Auf der Kiwitt hatten wir 30m 8mm Kette, die wir aber ab dem Pazifik auf 50m verlängert haben. Aber auch das war des Öfteren zu kurz, so dass ich mir damals schon vorgenommen habe auf meinem nächsten Schiff mehr Kette zu fahren. 80m erschienenen mir damals ein guter Wert. Bei 1 zu 5 kann man dann immer noch in 15m Wassertiefe ankern (rechnet man den knappen Meter von der Wasseroberfläche bis zur Ankerrolle dazu). Wenn es mal richtig hart auf hart kommt, kann man bei 10,5m immerhin noch mit 1 zu 7 ankern. Aufgrund der Erfahrungen während der drei Jahre, während der wir fast ausschließlich geankert haben, weiß ich, dass Ankerplätze mit 10 bis 15 m Wassertiefe keine Seltenheit sind.

Die Länge stand also schnell fest. Jetzt ging es um die Stärke und hier wurde die Sache schon schwieriger. Die Abweichungen in den Empfehlungen sind groß, besonders wenn man Angaben zu Länge mit Angaben zu Gewicht vergleicht. Ich habe sogar eine Tabelle gefunden, die die Windangriffsfläche der Yacht und die zu erwartende Windstärke berücksichtigt. Dabei bin ich dann auf eine erforderliche Bruchlast der Kette von rund 8t gekommen.

8t Bruchlast, das ist eine 13mm Kette. Damit hätte ich ein sehr gutes Gefühl, allerdings bedeutet das bei 80m Länge ein Gewicht von über 300 kg, plus Anker. Das wäre wohl zu viel für unseren Ankerkasten, der sich direkt am Bug befindet und von Hand lässt sich ein so schweres Ankergeschirr auch nicht mehr händeln. Da wäre mindestens noch eine elektrische Winsch erforderlich (aktuell gibt es eine Handwinsch).

 Also was tun? Eine Duplex-Edelstahl-Kette, die ja eine deutlich höhere Bruchlast hat, schied aufgrund des Preises von über 30 €/m (8mm) schlicht und einfach aus. Alternativ könnte ich auch auf eine 10mm Kette mit nur 5t Bruchlast zurückgreifen, wobei das Thema mit dem aufholen von Hand das gleiche wäre. Glücklicherweise hatte ich vor Jahren das Buch Fahrtensegeln von A – Z von Lin und Larry Pardey gelesen. Darin gibt es ein Kapitel, in dem es um hochfeste feuerverzinkte Ankerketten geht.

Also ran an den Computer und die Suchmaschine bemüht. Die Ernüchterung kam allerdings schnell, da hochfeste Ketten zwar in Massen angeboten werden, aber bestenfalls noch galvanisch verzinkt zu bekommen sind. Der Grund dafür ist, dass die Temperaturen beim Feuerverzinken die hohe Vergütung der Kette beeinflusst. Aber wenn in einem amerikanischen Buch aus den 80er Jahren bereits darüber geschrieben wird, dann muss es ja wohl eine Möglichkeit geben.

Mein nächster Versuch bestand darin, direkt über eine Kettenfabrik eine Kette zu bekommen. Bei den ersten wurde ich abgewimmelt mit dem Hinweis, dass sie keine hochfesten Ketten verzinken, weil diese dann ja an Festigkeit verlören. Irgendwann habe ich dann einen Hersteller gefunden, der das nicht ausschloss und auch Circawerte für den Festigkeitsverlust parat hatte. Der Preis für die Kette war auch ok, allerdings ohne Verzinkung, da müsste ich mich selbst drum kümmern?!?

Eine Kette zu verzinken ist aber keine ganz einfache Aufgabe, zum einen ist der Verzinkungsprozess an sich etwas aufwendiger als bei Einzelteilen, da die Kette ja nachher nicht zu einem Klumpen verklebt sein soll, zum anderen hatte ich inzwischen gelernt, dass die Vorbehandlung bei hochfesten Ketten problematisch sein kann und dass bei Fehlern Rissbildung droht. Soweit also alles nicht wirklich zufriedenstellend und ich war mir unsicher, ob ich diesen Weg weiter gehen sollte.

Bei einem Telefonat mit Herrn Thönnessen von Topplicht, bei dem es eigentlich um andere Dinge ging, habe ich dann beiläufig erwähnt, dass ich überlege mir eine hochfeste Kette machen zu lassen. Woraufhin mein Gesprächspartner hellhörig wurde. Auf Nachfrage erklärte er mir, Maggi, einer ihrer Standardlieferanten für Qualitätsketten, eine hochfeste feuerverzinkte Kette im Programm habe, die komplett von ihnen gefertigt und verzinkt werde. Allerdings hatte Topplicht die Kette noch nicht im Programm. Auf Grund meines Interesses versprach Herrn Thönnessen mir jedoch ein Angebot zu erstellen. Da ich der erste Kunde war, dauerte es allerdings ein paar Tage.

Die angebotene Aqua 7 Kette in 8mm (Din 766) hat eine Bruchlast von gut 7,1t. Das ist zwar noch 900kg weniger als die anfangs gewünschten 8 Tonnen, aber es ist ein guter Kompromiss und das bei einem Gewicht 1,4 kg/m, was bei 80m nur rund 112 kg für die gesamte Kette ergibt. Das ist nur knapp 1/3 des Gewichts einer 13mm Kette und das bei 7/8 der Bruchlast. 
Gewicht und Festigkeit waren also das, was ich mir vorgestellt habe. Bleibt die Frage nach dem Preis.
Rechnet man den Preis auf die Bruchlast von 7,1t um, kosten die Startraketen Güteklasse 30 folgendes:
10mm Kette kostet ca. 8,50€/m und hat eine Bruchlast von 5.1t => macht 11,83€/m bei 7,1t.
13mm Kette kostet ca. 14.90€/m und hat eine Bruchlast von 8.1t => macht 13,06€/m bei 7,1t.
Die Aqua 7 Kette kostet 13,90€/m, also kaum mehr als die Standardkette und das bei deutlich niedrigerem Gewicht. Daraus ergibt sich die Möglichkeit die 80m Kette zu fahren und ich muss an meiner Ankerwinde nichts ändern, habe aber trotzdem die erforderliche Bruchlast (natürlich müssen die Belegpunkte an Deck und die Schäkel zwischen Kette und Anker für die höhere Belastung ausgelegt sein!).

Nach so viel Positivem, sollen jetzt aber auch noch ein paar Nachteile erwähnt werden: Die Kette hatte natürlich weniger Eigengewicht, wodurch die dämpfende Eigenschaft und die daraus resultierende Entlastung des Ankers etwas abgeschwächt werden. Dies lässt sich in meinen Augen aber durch die richtige Wahl (und Dimensionierung) des Ruckdämpfers und vor allem durch die Möglichkeit mehr Kette zu stecken ausgleichen.

Eine hochfeste Ankerkette lässt sich, auf Grund der erwähnten Probleme, nicht ohne weiteres neu feuerverzinken, sollte die Verzinkung aufgebraucht sein. Allerdings habe ich auf der Weltumseglung nur vereinzelt Segler getroffen, die tatsächlich mal eine Kette neu feuerverzinkt haben, statt eine neue zu kaufen.

Wir haben die Kette mittlerweile Gekauft und werden sie diesen Sommer auf einem 4-wöchigen Törn nach Skandinavien testen. Und wir fahren mit dem Gefühl los, immer genug stabile Kette im Kasten zu haben. 

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