DIE HOMEPAGE VON
BOBBY SCHENK
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So etwas lernt man auch nicht in Segelkursen! Dort bekommt man beigebracht, wie man die Segel richtig einstellt, lernt Halsen und Wenden, auch wie man eine Boje aus dem Wasser fischt. Dass man sich aber mal als Rattenfänger betätigen muss, daran denkt man in Anfängerzeiten nie. Aber unter erfahrenen Langfahrtseglern weiß man zu vermeiden, wie eine Ratte an Bord kommt, siehe hier: Trotzdem, es kann jeden von uns treffen. Wie jene amerikanische Yacht, auf der sich im Winterlager so ein niedlicher Nager einnistete. Ergebnis: Totalschaden. So schlimm traf es die Weltumsegler von der Harlekin zwar nicht, weil sie das Problem gleich beim Schopf gepackt haben, und, weil bei ihnen als erfahrene Blauwassersegler eine Rattenfalle zur Grundausrüstung gehört. Aber immerhin...  


Die Ratte

von Ingrid Joemann

Aus dem Logbuch der Harlekin:

Ungebetener Gast an Bord.... 23.09.2006 - Porto Heli :

Was ist denn das? Wer knabbert eine Plastikdose an und zerfetzt Eierkartons? Auch die Bänder meiner Schürze sind durchgebissen und diverse Lebensmitteltüten haben Löcher! Norbert erinnert sich an vorgestern Abend: Als er kurz vor Mitternacht das vom Regen gefüllte Dingi am Davit hochziehen wollte, hatte er das Gefühl, daß ihm was um die Beine huscht! Wir leuchten mit der Taschenlampe, sehen aber nur unsere Schwämme im Wasser schwappen! Müde und auch ein wenig berauscht von Bier und Wein sind wir der Sache nicht näher auf den Grund gegangen und in die Koje gekrochen.......
......in der letzten Nacht raschelt es an verschiedenen Stellen auf dem Schiff, doch sobald wir aufstehen und nachgucken wollen ist es mucksmäuschenstill.............
..............leider sieht es so aus, als hätten wir uns über das Dingi ein "nagendes Haustier " an Bord zugezogen...............sch...............!!!!


Entwarnung..... 24.09.2006 - Porto Heli:

......gleich einige Stunden später, nachdem wir zwei Fallen aufgestellt haben, schnappt eine zu! Nochmal Glück gehabt ?! ?
Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn so ein Viech unbemerkt an Bord kommt, bevor man z.B. für ein Winterlager das Schiff verlässt.... 


Einige Tage später: 

Zum Abschluss der Saison machen wir noch einen kleinen Törn im Argosaronischem Golf und zum Landliegeplatz in Kiladia und stellen fest, dass der Autopilot nicht mehr korrekt steuert. Norbert überprüft die Anlage und meint, dass es am Fluxgate Kompass liegen könnte. Wir vermuten als Ursache die Gefräßigkeit der Ratte, die möglicherweise doch nicht nur den Eierkarton und die Plastikdose angeknabbert hat! Die Saison aber ist zu Ende und die Rückfahrt nach Deutschland steht bevor, sodass uns momentan keine Zeit mehr bleibt der Sache auf den Grund zu gehen!

Zweieinhalb Jahre später im Juli 2009: Das Corpus Delikti.... 

Kiladia
Wieder einmal sind wir an Bord, diesmal ist es jedoch das letzte Mal, denn unsere HARLEKIN hat neue Eigner gefunden. Sie wird demnächst unter Schweizer Flagge und dem Namen "Red Harlekin" die Weltmeere unsicher machen.
Weil man aber ein Schiff wie unseres nicht einfach so übergeben kann, wie ein gebrauchtes Auto, treffen wir uns in Griechenland an Bord und werden eine ausführliche Übergabe machen. Einiges ist außerdem noch in Ordnung zu bringen, z.B. erhält sie endlich eine neue Ankerwinsch, das alte Provisorium kann man niemanden mehr zumuten. Außerdem hat ja auf der letzten Fahrt von Porto Heli nach Kiladia der Steuerkompass der Selbststeueranlage den Geist aufgegeben. Das Gerät war beim Blitzeinschlag in Singapur neu eingebaut und erst knapp zwei Jahre alt, also noch in der Garantiezeit. Vorsichtshalber haben wir ihn ausgebaut, mit nach Deutschland genommen und ihn checken lassen. Ergebnis: alles in Ordnung. Es muss also einen anderen Grund geben! Damals in Porto Heli hatten wir ja schon so eine Ahnung...

Es bleibt uns nichts anderes übrig als mal alle Kabel zu prüfen, was mit erheblichen Aufwand verbunden ist, wie man sich vorstellen kann. Im Kabelkanal unter einer Stufe im Salon findet Norbert das das Corpus Delikti: ein angeknabbertes Kabel! Bis hier ist die Ratte wohl damals gekommen, dann wurde es zu eng und sie kam nicht weiter. Aus diesem Grunde ist sie uns wohl so schnell in die Falle gegangen! Wir hatten wieder einmal Glück im Unglück!

Erzählt man anderen Seglern von unserem Erlebnis, stellen wir fest, daß fast jeder jemanden kennt, der ebenfalls schon mal so einen ungebetenen Gast an Bord hatte und darüber werden die interessantesten Horrorgeschichten erzählt. 

Nachdem nun wieder alles tipptopp an Bord funktioniert, (auch der Steuerkompass) und wir die letzten Seemeilen unter Genacker mit Erwin und Jrmina, den neuen Eignern, gemeinsam segeln, verlassen wir die HARLEKIN und ziehen in unser vollgepacktes Harlekinmobil um die Heimfahrt anzutreten. Man wundert sich übrigens was man so alles noch an Bord findet, z.B. eine Flasche Wein von Lanzarote von 1997, jetzt allerdings nicht mehr zu genießen!
Zum ersten mal nach 40.000 sm verlässt die HARLEKIN , bzw. jetzt ja RED HARLEKIN ihren Ankerplatz um ohne uns nochmals auf "Große Fahrt" zu gehen..........................

Übrigens: Unser Internetlogbuch wird weiterhin fortgeführt unter http://www.to-harlekin.de

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