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Mit der Motoryacht
um die Welt?
von Bobby Schenk
Ein richtiger Segler motort doch nicht!
Welcher
Blauwassersegler hat sich nicht schon mal während langanhaltender Flauten
gewünscht, eine Motoryacht unter seinem Hintern zu haben? Insgeheim natürlich,
denn motoren ist ja immer noch mit "richtigem" Segeln unvereinbar!
Wirklich?
Schauen wir doch mal zum beliebtesten deutschen Auslandssegelrevier, dem Mittelmeer. Wie geht es denn da zu, beispielsweise im Sommer in Frankreich, Italien und an der spanischen Küste. Da wird gleich nach dem Verlassen des Hafens das Großsegel gesetzt, dichtgeholt und der Motor wird am Abend nach dem Einlaufen des Hafens ausgeschaltet. Das ist die Regel, was einst den Mittelmeerpionier Claus Krieger zur Feststellung veranlasst hat: "Es gibt Motorschiffe mit oder ohne Masten"!
Die Zeiten, wo es unter der Würde eines Seglers war, den Motor zu benutzen, den man übrigens verschämt als "Hilfsantrieb" bezeichnete, sind längst vorbei. "Unter drei Knoten" wird die Maschine gestartet, verriet mir vor Kurzem ein Weltumsegler, und das heißt, dass die Maschine - Segelyacht hin oder her - sehr häufig zum Einsatz kommt. In manchen Revieren - siehe oben - eigentlich immer.
So schadet es nicht, wenn man sich gelegentlich die Frage stellt, ob auch für den Langzeitsegler nicht gleich ein Motorboot in Frage kommt. Wobei es sich ganz gut trifft, dass auf dieser Webseite vor allem von älteren Seglern, denen die Arbeit mit Fallen und schwerem Tuch auf die Knochen geht und die trotzdem die Ozeane auf dem Wasser queren wollen, nach geeigneten Motorbooten gestellt wird.
Ja, da hab ich eins zum
Anbeißen, nämlich die KOSMOS. Sie ist ein Passagemaker (ein trefflicher Ausdruck für ein Motorboot)
aus dem Hause Pacific Asian Enterprises. eine Nordhavn 43. Wenn wir nur die
Flitzer am Mittelmeer kennen, dann wundern wir uns zunächst, wie ein Motorboot
von nur 13 Metern Länge in der Lage sein soll, mehrere tausend Meilen
zurückzulegen - ohne nachzutanken wohlgemerkt. das geht selbstverständlich
nicht mit einem Gleiter, auch wenn der 30 Knoten schnell wäre, denn diese
Gin-Paläste, die an der Cote rumliegen haben allemal keine Reichweite von mehr
als ein paar hundert Meilen. Das Geheimnis bei einem Passagemaker liegt in
seiner Langsamkeit. Bleiben wir bei der KOSMOS: Die schwere nur 105 PS starke
mäßig langsam laufende Maschine hat bei 1600 Umdrehungen einen Verbrauch von
1,8 Gallonen, das sind grob: 7 Liter. Und dabei kommt eine Geschwindigkeit raus,
stark von Seegang und Wind abhängig, von 7 Knoten bis runter auf 3 Knoten.
"Das ist ja auch nicht schneller als eine gemütliche Fahrtenyacht", wird jetzt der eine oder andere Segelfan! triumphieren. Richtig, aber die weiteren Vorteile von so einem Motorboot sollten nicht übersehen werden: Es gibt ja schließlich auf der Erde, und wir sprechen hier vom transoceanskippern, weite Gebiete, die bei Seglern wegen der langanhaltenden Windstillen gefürchtet, ja jahreszeitlich gemieden werden - gesucht aber von solchen Motorbooten. Arbeit mit Segeln - Reffen, Wechseln und Trimmen entfällt und - ja, bald hätten wir es vergessen - , die KOSMOS geht, wie mir Eigner und Skipper Eric Grab aus den USA versichert hat, auch direkt gegen den Wind, selbst bei 40 Knoten noch mit 3 Knoten.
Wie sich die KOSMOS in der See im Vergleich mit einer Segelyacht verhält? Eric, von Beruf Softwareingenieur, kann es mir nicht sagen: "Ich war noch nie draußen auf einem Segelschiff!" Und warum dann mit einer Motoryacht um die Welt skippern? Eric und seine Frau Christi (griechische Abstammung, der Schiffsname deutet darauf hin) wollten eine Weltreise machen, aber nicht auf die herkömmliche Art mit Flieger und so, sondern selbst mit einem Schiff und hatten dazu nur zwei Jahre Zeit, also mit einem Segelschiff, das vielmehr an Jahreszeiten und vorherrschende Windrichtungen klugerweise gebunden ist, ohne Krampf kaum zu schaffen. Da kam Ihnen das Angebot mit einem Passagemaker gerade recht. In Kursen bei der Coast Guard bereiteten sie sich auf die große Reise handwerklich vor und das Schiff wurde ihnen in einem intensiven siebentägigen Lehrgang an Bord von qualifizierten Mitarbeitern der Werft genauestens erklärt. Eine Einweisung wie sie sein soll, und wie man sich das eigentlich von jeder Werft für die irren Anschaffungspreise bei Yachten wünscht.
Technik satt auf dem Passagemaker

Denn
Technik gibt es an Bord der KOSMOS reichlich. Dabei schwebt über diesem Thema
ja immer folgende Frage: Was ist, wenn der eine Motor auf hoher See ausfällt?
Das ist eine typische Frage von Seglern, die meist mit ihren mickrigen
Motoren leidgeprüft sind, während ein Autofahrer dies wohl nur selten
hinterfragen würde, weil er es halt mit seinem Toyota, Mercedes, Opel u.s.f.
noch nie erlebt hat. Aber zur Sache: In der KOSMOS tuckert ein überschwerer,
äußerst robuster, marinisierter langsam laufender Landmaschinendiesel, bei
dessen Einbau alles getan wurde, um höchste Zuverlässigkeit zu gewährleisten.
Mit Seewasser, dem Hauptübeltäter für alle Motoren in Segelyachten, kommt er überhaupt nicht in Berührung, das Kühlwasser wird aus
einem geschlossenen (Kiel-)Kreislauf bezogen, ein sauberer Diesel wird über
eine Reihe von umschaltbaren Filtern sichergestellt, mit der Möglichkeit, den
Diesel im geschlossenen Kreislauf stundenlang zur Reinigung durch Filter zu
jagen ("polishing"). Und wer weiter an der
Zuverlässigkeit der Maschine zweifelt, den mag beruhigen, dass immerhin 20000
Stunden Maschinenlaufzeit vergehen müssen, bis eine Überholung fällig wird.
Wieviel sind 20 Tausend Stunden? Immerhin das Vierfache von den 5000 Stunden, die
für eine Erdumrundung zu veranschlagen sind. Nebenbei, das fällt mir bei
diesen Zahlenspielereien auf: Es gibt einige Weltumsegler,
"richtige" Segler also, die nach Beendigung ihrer Reise nicht viel
weniger auf dem Betriebsstundenzähler ihrer Maschine drauf haben.
Trotzdem, was ist, wenn? Auch für diesen extremen
Fall - ein Mastbruch bei einem Segelschiff ist wahrscheinlicher - ist
gesorgt. Die KOSMOS hat eine sogenannte "wing-engine", einen
Vierzylinder Yanmar mit eigener Tank- und Schrauben-Anlage, die den
Schiffsantrieb im genannten Notfall ohne weiteres übernehmen kann, mit
eingeschränkten Performance-Daten.
Bis jetzt haben Eric und Christie noch nicht auf die wing-engine zurückgreifen müssen, wohl aber, und das sehr häufig auf das Bugstrahlruder, das das Einparken in der Marina erleichtert. Eric kann es und bescheiden spielt er runter: "Das Manövrieren im Hafen ist nicht schwer, weil die KOSMOS zwar ein guter Windfang ist, aber wegen des Tiefgangs von zwei Metern mit dem Eisenballast nicht so leicht abgetrieben wird."
Sicherheit über alles: 2 Radargeräte, 2 Wassermacher, 2 Maschinen, 2 Satellitensysteme...

Christie und Eric haben inzwischen schon eine
Menge Erfahrung gesammelt. Vom Startplatz San Diego ging es gleich mal direkt zu
den Marquesas-Inseln (Südpazifik), immerhin satte 2900 Seemeilen, die die KOSMOS
in 21 Tagen schaffte. Also eine Zeit, die jedem Segel-Fahrtenschiff
bestens gestanden wäre, denn zwischen Nordamerika und dem Südpazifik liegen am
Äquator die Zonen der Windstillen, wo auch hartgesottene Segler gerne ihren an
Deck mitgebrachten Diesel verbrennen.
Dabei sind die zukünftigen Weltummotorer auf diesem Törn noch nicht mal an die Grenzen gegangen. Denn die KOSMOS führt 1200 Gallonen Diesel mit, also über viertausend Liter. Mit Hilfe von mehreren mechanischen Tankanzeigen ( sehr sympathisch!) nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren kann Eric den Spritverbrauch auf eine Zehntel Gallone genau überwachen und schützt sich so vor unliebsamen Überraschungen.
Sag, wie hältst Du es mit der Seekrankheit?
Wie ist das Seeverhalten? Christie bekennt
ehrlich: "Die Rollerei strengt schon an. Ohne unsere elektronisch
gesteuerten Trimmklappen wäre sie kaum auszuhalten. Als weitere
Trimmmöglichkeit haben wir, wie die Fischer auf den nordamerikanischen Bänken
sogenannte Paravans (dem Danforth-Anker ähnliche Gleitgewichte die mittels
Bäumen auf beiden Seiten im Wasser mitgezogen werden), aber die benutzen wir
nur an rolligen Ankerplätzen, nicht unterwegs. Eric ist da besonders
empfindlich und muss Seekrankheitstabletten - Stutgeron - nehmen, um es
auszuhalten. Kochen würde mir da sehr schwer fallen, so koche ich die meisten
Mahlzeiten schon vor einem Törn und hebe sie in einem der beiden Kühlschränke
oder in dem Tiefkühler auf."
Für Komfort ist auf der KOSMOS also gesorgt, wenn der Magen mitmacht. Frischwasser liefern zwei Entsalzungsanlagen und den notwendigen Strom erzeugt eine große Batteriebank (800 Ah) nebst Solarzellen ("die sind wunderbar"), sowie ein 8-KW-Generator. Dass die Navigationsausrüstung mit zwei Radargeräten und einem Seekartensystem mit weltweiter Abdeckung von C-Map (selbstverständlich keine Raubkopieen!) überkomplett ist, versteht sich bei dem gesamten Zuschnitt der Reise von selbst.
Und was kostet so eine Weltummotorung?
Bisschen
viel Technik? Eric betont, dass es bis jetzt keine erheblichen Probleme gegeben
hat, dass er sich aber um seine
Maschinen penibel kümmert. Wenn es also
unterwegs keine Segelmanöver
oder auch
Reparaturen gibt, was gibt es da
unterwegs zu tun? "Wir gehen äußerst aufmerksam Ruder, während uns die
Arbeit des Rudergehens der Simrad-Automat abnimmt. Wenn wir dazu aufgelegt sind,
dann schauen wir uns auch gelegentlich DVDs in unserem Schlafzimmer (mit
Queensize-Bett), das sich
mit einem Handgriff in ein Kino verwandeln lässt."
Die
KOSMOS ist jetzt über ein Jahr alt und zeigt trotz der beachtlichen
Meilenleistung noch kaum Gebrauchsspuren. Das mag an der (von außen gesehen)
hervorragenden Bauqualität liegen, die sich bis in den letzten Winkel des
(klinisch sauberen) Maschinenraums fortsetzt. Die Ausrüstung, die Eric ohne
jede Hochseeerfahrung bestellt und geliefert bekommen hat, lässt auf eine Werft
schließen, die es ernst meint mit ihrer Werbung, echte Passagemaker liefern zu
wollen. So fehlt wohltuend der Krampf mit den sechs oder acht Kojen, die gerne
von unseren Segelschiffsproduzenten in die Prospekte reingeschrieben werden. Die
KOSMOS ist ein Schiff für eine Zweierbesatzung auf Langfahrt mit der
Möglichkeit, eine weitere Person als Crew mitzunehmen. Basta!
Welchen Preis zahlt man nun für die Unabhängigkeit auf den Weltmeeren? Die KOSMOS kostete komplett vor einem Jahr 725.000.- Dollar, also heute umgerechnet, an die 550.000 Euro.-. Beim Vergleich, vor allem unter Berücksichtigung der umfangreichen auf Sicherheit ausgelegten Ausrüstung, schauen manche "hochwertigen" Segelyachten gleicher Größe aus Europäischer Fertigung gar nicht gut aus. Man könnte da auf den Gedanken kommen, ...
Aber den sollte man als "richtiger" Segler gleich wieder vertreiben.