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BOBBY SCHENK
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Harald ("Harry") Heindl(49) ist seit acht Jahren für die bekannte Charterfirma Eckeryachting tätig. Er ist hierbei unter anderem verantwortlich für den technischen Teil der Eignerabrechnung, den Einkauf von allen Ersatzteilen und Werkstatteinrichtungen, als auch für die Warenwirtschaft. Bei den Regatten (Ecker-Cup) ist er Purser und Anlaufstelle für Reparaturen. Vor allem fällt unter seine Zuständigkeit die Ausrüstung von Neuyachten. Er betreut im Moment weit über 100 Schiffe an  zehn Stützpunkten. Harry hat damit einen Überblick über die Qualitäten von Yachten, wie sie wohl kein Segler, Eigner oder Skipper im ganzen Leben erwerben kann. Und im Gegensatz zu den beliebten Schiffs-Tests in den einschlägigen Magazinen, kann er ungleich mehr aussagen, wie sich Yachten in der Langzeit-Praxis verhalten und bewähren. Er weiß, wovon er spricht! 


Marktübliche Yachten im Langzeittest.

von Harry Heindl

Die optimale Yacht beziehungsweise die optimale Charteryacht gibt es nicht. Jede der Marken hat ihre Vor- und Nachteile. Man kann nicht davon ausgehen, dass teurere Hersteller auch bessere Schiffe bauen, zumindest gilt dies für Schiffe, welche auch sinnvoll im Charterbetrieb eingesetzt werden können.

Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass es keine "schlechten" Yachten mehr gibt. Natürlich haben alle Marken ihre spezifischen Eigenheiten. Aber man kann nicht grundsätzlich sagen, diese Marke sei besser oder jene schlechter.

Fehler, welche bei den meisten Yachten auftreten:

Problemkind Ankerwinde:

Die meisten Yachten haben eine etwas unterdimensionierte Ankerwinde. Zudem konnte man sich lange nicht darauf einigen, ob man die Kettennüsse jetzt nach DIN- oder ISO-Norm als Grundausstattung auf die Yachten baut. Mittlerweile hat sich ISO durchgesetzt, aber... wer weiß? Man muss genau aufpassen, denn bei einer falschen Kette an Bord kommt es zu einer raschen Abnutzung der Kettennuss, beziehungsweise springt die Kette leichter über.

Eine deutsche Werft hatte vor vier bis fünf Jahren einmal ein Problem, dass im Zuge übertriebener Sparmaßnahmen sehr günstige Ankerinden auf den Schiffen eingebaut wurden. Es kam deshalb immer wieder zu Problemen mit den Winden.

Man kann aber das Problem nicht einfach auf die Werft abwälzen, sondern man müsste auch den Erzeuger der Winden in die Pflicht nehmen. Es ist ja nicht so, dass die Hersteller nicht wissen, für welche Yachten die Winden eingesetzt werden. Um aber bei einem so riesigen Abnehmer wie bei dieser Werft landen zu können, werden Winden angeboten, welche immer mehr abgespeckt werden und dann irgendeinmal nicht mehr die (vom Kunden) geforderte Qualität haben. Mittlerweile hat die Werft reagiert und die Ankerwinden wieder gewechselt. Was aber auch gleich ein neues Problem aufwirft. Es wird immer schwieriger, ein ausreichendes Ersatzteillager zu führen. In den letzten Jahren haben drei verschiedene Ankerwinden-Hersteller die Werften beliefert. Man kann sich vorstellen, dass es da nicht einfach ist, immer alle gängigen Ersatzteile von allen Winden vorrätig zu haben.

Die wechselnden Vorlieferanten sind grundsätzlich ein Problem: Um dem Kostendruck gerecht zu werden, wird dort eingekauft, wo es halt im Moment am günstigsten ist. Zumal ja die Yachttypen in immer schnelleren Zeitabständen wechseln. Meiner Meinung nach sollte man sich auf eine bewährte Marke verlassen und wenn möglich zum Beispiel die gleichen Luken auch auf den Folgemodellen einbauen. Natürlich darf und muss es Fortschritt geben, aber oft wird aus nicht verständlichen Gründen, vielleicht auch, weil sich die Konstrukteure selbst "verwirklichen" wollen, gewechselt. Oder eben aus übertriebener Sparsamkeit.

"Serienprobleme":

In meiner Praxis habe ich festgestellt, dass bei allen uns beliefernden Herstellern "Serienprobleme" auftauchen. Bei einigen Franzosen löste sich das Teakdeck, bei anderen musste die Steuersäule verstärkt werden. Eine deutsche Werft hatte bei den Serien 2008/2009 Probleme mit den Badeplattformen. Grundsätzlich kann auf einer Charteryacht einmal alles kaputt gehen, die Teile werden aber bei gut gewarteten Yachten, so wie bei Eckeryachting,  sofort repariert beziehungsweise ausgetauscht

Bobby und ich haben in Düsseldorf auf der Messe gesprochen, dass es irgendwie unverständlich ist, warum die Werften nicht mehr auf Charterfirmen hören und von deren Problemen lernen. Jeder Automobilhersteller testet sein neues Modell auf Herz und Nieren, bevor es auf dem Markt gebracht wird.

Bei den Yachtbauern ist man anscheinend der Meinung, so etwas wäre bei Yachten unnötig. Dabei sind die wesentlich komplexer, technisch aufwendiger und zuletzt auch noch ungleich teurer als Autos. Ich denke, wenn man in den Werften nachrechnen würde, was so manche "Fehlerkorrektur" im Nachhinein kostet, würde sich ein "Erlkönig" schon rechnen. Zumal man den Ruf der Werft eklatant verbessern könnte.

Aber ich räume ein, dass nicht jeder private Eigner die gleichen Ansprüche wie eine Charterfirma hat. Wenn man auf sein "Zeug" schaut dann hält es sicherlich länger als im Charterbetrieb, wo doch manchmal nicht so sorgsam mit dem Material umgegangen wird. "Zu gut" kann aber eigentlich nichts sein! 

Einige Dinge sind mir bei meiner Tätigkeit aufgefallen. Daraus sollten die Konsequenzen gezogen werden:

Saildrive:

So viele Vorteile der Saildrive auch hat, er hat zumindest im Anfangsstadium doch sehr oft Probleme gemacht. Immer wieder kommt es bei neuen Serien zu Problemen. Erschütternd ist aber, wie von den Motorenherstellern damit umgegangen wird. Man hat den Eindruck, dass nicht, wie anderswo üblich, bei einem bekannten Serienproblem alle Betroffenen verständigt werden, sondern dass man abwartet, was so als Reklamation zurück kommt. Wenn das bekannte Problem dann nach der Garantiezeit auftritt, dann hat man eben Pech gehabt!

Schaltpaneele für die Motoren:

Sie sind teilweise sehr exponiert eingebaut und so dem Seewasser und der Witterung direkt ausgesetzt, wobei es immer wieder zu Problemen kommt. Manche Werften bauen die Schaltpaneele in eine Einbauwanne manchmal sogar noch mit Plexiglas Abdeckung geschützt. So sollten es alle machen!

Bei den neuen Schaltpaneelen ( Cockpittisch), welche sich im Moment durchsetzen, ist mir persönlich zu viel Elektronik im Spiel. Früher gab es für die einzelnen Kreise eigene Schalter. Wenn ein Schalter kaputt war, konnte man sich helfen. Jetzt muss man in einem Menü den Schaltkreis anwählen und dann schalten. Sehr schön, sehr technisch, aber wenn die Elektronik des Paneels versagt, steht die ganze Mühle.

Warum werden verzinnte Kabel so selten eingebaut?

Alle im Boot eingesetzten Kabel sollten verzinnt sein. In den ersten Jahren ist das nicht so wichtig, wenn aber die Oberfläche korrodiert, wird die elektrische Leitfähigkeit immer geringer. Das fällt besonders bei großen Verbrauchern wie Ankerwinde und Bugstrahlruder auf.

Aber auch bei allen anderen Verbindungen, ist es auf Dauer besser wenn man hier nicht spart. Das sind ja höchstens an die 20 % mehr an Materialkosten aus, wobei die Kabel in einem Schiff ja bei Weitem nicht den Hauptbestanteil der Kosten ausmachen.

Leerverrohrung und Kabel in Rohren verlegen!

Es würde vieles erleichtern, wenn die Kabel an Bord in Rohren verlegt würden, wie es in jedem Haushalt Gang und Gäbe ist. So wäre ein Austausch wesentlich einfacher. Auch eine Leerverrohrung zu den Punkten, wohin ohnehin Kabel verlegt werden müssen ( zum Beispiel zur Steuersäule für die Instrumente ) würde sicherlich Sinn machen. Das gleiche gilt auch für Schläuche.

Steuerung:

Bei der Steuerung sollte man besonders bei zwei Steuerständen nach ein paar Monaten die Spannung der Steuerkette kontrollieren. Diese dehnt sich etwas und wenn der Endanschlag nicht richtig eingestellt ist kann es zu Beschädigungen kommen.

Ein stinkendes Problem: Toiletten

Wie ja bekannt ist, muss man besonders die Toiletten-Schläuche alle paar Jahre wechseln. Natürlich ist es auf einem Boot eng. Wie die Schläuche aber in der Praxis teilweise verlegt werden, grenzt an Ignoranz. Manchmal sind sie unter Duschen verlegt, welche eingeklebt sind, dann wieder in so engen Kurven, dass man den neuen Schlauch kaum nachziehen kann  - um nur einige Probleme zu nennen. Man sollte mal einen der Konstrukteure die Schläuche wechseln lassen, damit dieser dann auch weiss, wovon gesprochen wird.

Auch bei den Seeventilen darf nicht gespart werden. Weil wir gerade bei den Toiletten sind: Jabsco ist ja weltweit führend, und hier sind sich ausnahmsweise alle Werften einig darin, dass deshalb Jabsco-Toiletten eingebaut werden. Warum aber die "Compact-Toilette"? Die etwas größere "Regular" wird leider viel zu selten, wenn überhaupt, eingebaut. Der Preisunterschied ist wirklich minimal, und eine etwas größere Schüssel, würde den Komfort wesentlich erhöhen.

Batterien/Ladegeräte:

Wir arbeiten nach wie vor mit nassen Bleiakkus, welche sich im Chartereinsatz kosten- / leistungsmäßig noch am besten bewähren. Auch bei den Ladegeräten sollte man darauf achten, dass sie Eingangsspannungen von 120-260 Volt und 50-60 Hertz aufnehmen können. Dies ist besonders im Süden (Mittelmeer) wichtig.

Rigg und Rollanlagen:

Das Rigg ist problemlos, nur ganz selten kommt es zu Brüchen von Wanten oder Stagen. Die Genua-Rollanlagen sind ebenfalls sehr zuverlässig, man sollte aber darauf achten, dass selbst im straff eingerolltem Zustand immer noch zwei bis drei Windungen auf der Refftrommel verbleiben

Windex funktioniert problemlos über Jahre.

Navigationselektronik:

Wir haben ausschließlich Raymarine Navigationsgeräte an Bord. Fachgerecht eingebaut funktionieren sie sehr gut und zuverlässig. 

Dies sind nur einige Erfahrungen, welche ich in den letzten 8 Jahren mit vielen unterschiedlichen Yachten gemacht habe. Insgesamt habe ich in diesem Zeitraum mehr als 200 Yachten betreut und ausgerüstet.



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