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Karla Schenk ist mit ihrem Mann auf der 10-Meter-Kunstsoffyacht um die Welt gesegelt. Später folgte ein Törn in die Südsee mit der Stahlyacht THALASSAII, gefolgt von einem mehrjährigen Aufenthalt in Polynesien. Die Heimfahrt führte die Schenks nonstop von Tahiti nach Mar del Plata. Hierbei umrundete Karla Schenk als erste deutsche Fahrtenseglerin Kap Hoorn von der offenen See aus, also aus den Brüllenden Vierzigern kommend. Anschließend kehrten die Schenks, wiederum nonstop ins Mittelmeer ( Marbella) zurück. Vor neun Jahren segelte Karla mit ihrem Mann auf dem 46-Fuß-Katamaran THALASSA von Frankreich in die Türkei und anschließend - quer durchs Mittelmeer - auf der Passatroute - nach Polynesien, Neukaledonien, Australien, Neu-Guinea, Indonesien bis nach Malaysien. Karla Schenk hat insgesamt fünfmal den Nord-Atlantik unter Segeln überquert. Bei ihren Reisen hat Karla die Törnplanung durchgeführt, die dann Bobby nur noch abgesegelt hat. Von ihr ist das Buch "die perfekte Törnplanung" erschienen.
Ein paar Tipps für die Törnplanung bei Langfahrtyachten
von Karla Schenk
Die Bodenstation
Die
große Freiheit auf den Weltmeeren kann man nur genießen, wenn der Kopf frei
von Problemen ist.
Dann
gilt: Schon Monate vor dem großen Aufbruch muss eine "Bodenstation" organisiert
sein, man kann die Tür nicht einfach zuklappen.
Wen ein Haus oder eine eigene Wohnung vorhanden ist, braucht man jemand, der sich darum kümmert. Das sollte der nächste Nachbar sein. Die beste Freundin, die weiter entfernt wohnt wird sauer, wenn sie sich um solche Angelegenheiten statt der versprochenen 3 Jahre viel länger sorgen muss und nach 7 Jahren immer noch nicht weiß, wann sie von der zunächst gern übernommenen Verpflichtung befreit ist: "Die Länge trägt die Last!"
Weiter benötigt man eine Postadresse, also wiederum einen Freund oder eine Freundin. Ein Internetzugang sollt vorhanden sein, aber das ist ja heute fast schon Standard. Am besten wäre eine Anwaltskanzlei oder eine Firma, wo also das Büro ständig besetzt ist, sodass regelmäßig die Post kontrolliert wird.
Empfehlenswert ist auch, einen Steuerberater mit seinen Angelegenheiten zu betreuen. Dies hängt natürlich vom finanziellen "Zuschnitt" der ganzen Unternehmung ab. Eines ist klar: Einfach abhauen geht nicht. Die Bürokratie ist unbarmherzig und man sollte sich bewusst sein, dass Rücksendungen an die Behörden mit dem Vermerk "unbekannt verzogen" nicht so einfach hingenommen werden. Die Konsequenzen für den Segler nach seiner Heimkehr - vor allem seitens des Finanzamtes - können einem die Freude an der geglückten Weltumsegelung nachhaltig verderben. Hat der Weltumsegler in spe irgendwelche Einnahmen, zum Beispiel aus Vermietung und Verpachtung oder aus Renten, beziehungsweise Pensionsleistungen, wird die Steuerproblematik mit dem Steuerberater abzuklären sein. Wenn hier nicht vor dem großen Törn die Weichen sachgerecht gestellt werden (unbeschränkte oder beschränkte Steuerpflicht?) kann es später ein böses Erwachen geben.
Welche Versicherungen?
Als wir vor vielen Jahren zu unserer Weltumsegelung gestartet sind, hatten wir keinerlei Versicherungen. Also war weder das Schiff noch unsere Gesundheit versichert. Heute, das ist wohl auch eine Frage des Alters, würden wir unter diesen Umständen nicht mehr losfahren.
Man kann jetzt leicht hinschreiben: Notwendig ist eine weltweite Krankenversicherung, eine persönliche Haftpflichtversicherung, eine Rückholversicherung, sowie eine Vollkasko- und Haftpflicht fürs Schiff.
Hier gilt es abzuwägen, denn nur wenige werden es sich leisten können, eine Vollversicherung gegen alle Eventualitäten abzuschließen. Es gibt hier zwei Hauptproblematiken: Die Krankenversicherung und die Vollkasko fürs Schiff.
Bei der Krankenversicherung wird man große Augen machen, wenn man sich mal erkundigt, was sie fürs außereuropäische Ausland kostet, wenn man die vorhandene Versicherung, zeitlich unbeschränkt, auf den mehrjährigen Auslandsaufenthalt ausdehnen möchte. Und manches Weltumseglerbudget ist daran kläglich über den Haufen geworfen worden.
Auch pensionierte Beamte, die Beihilfeleistungen (die sie sich ja während ihrer jahrzehntelangen Arbeitszeit verdient haben) als sanftes Ruhekissen angesehen haben, werden nachdenken müssen. Denn für medizinische Ausgaben außerhalb des EU-Gebietes wird nichts mehr bezahlt.
Problematisch wird es vor allem für ältere Segler, die einerseits der Wahrscheinlichkeit nach auf eine Krankenversicherung mehr als die jungen angewiesen sind, andererseits diese altersentsprechend teuer ist. Je nach Alter ist im Extremfall überhaupt keine Krankenversicherung mehr zu bekommen. Aus diesem Dilemma gibt es einen Ausweg für jene Segler, die ihre Langfahrt gelegentlich für einen Heimaturlaub unterbrechen, was ja heute, im Gegensatz zu früher eher die Regel als die Ausnahme ist. In diesem Fall kann eine Reisekrankenversicherung helfen. Dann ist man - für wenig Geld - jedenfalls für einen beschränkten Zeitraum nach Reiseantritt krankenversichert.
Andererseits sollte man bedenken, dass in vielen Teilen der Erde die medizinische Versorgung auch nicht schlecht ist und zu Preisen angeboten wird, die in Deutschland schlicht utopisch klingen. In Neuguinea war in unserem Falle mal eine Operation mit Krankenhausaufenthalt notwendig geworden: Die Gesamtrechnung belief sich auf 192.- DM. In Malaysien musste Bobby wegen einer Verletzung des Augenlids und des Auges sich einem kleinen chirurgischen Eingriff im Krankenhaus unterziehen. Die Rechnung lautete auf 10 Euro, Medikamente (Antibiotika) und Fäden ziehen eingeschlossen. Und die Kosten für den Besuch bei der (chinesischen) Zahnärztin in Höhe von 4 Euro waren so lächerlich, dass damit die Krankenkasse selbstverständlich nicht belastet wurde.
Eine preiswerte Rückholversicherung würde ich in jedem Falle abschließen, wenn für Deutschland eine Krankenversicherung vorhanden ist. Aber Achtung: Ein von der Versicherung bezahlter Krankenhaustransport in die Heimat wird nur unter engen Bedingungen durchgeführt, vor allem, wenn vor Ort eine lebensnotwendige ärztliche Versorgung nicht möglich ist. Es wird nicht viele lokale Ärzte geben, die das locker bescheinigen.
Eine Haftpflichtversicherung fürs Schiff ist ein Muss. Einerseits, weil sie in jedem Falle bezahlbar ist, andererseits, weil eine ganze Reihe von Ländern diese für Besucheryachten zwingend vorschreiben.
Anders sieht es mit der Vollkasko-Versicherung fürs Schiff aus. Man wird mit einer Versicherungsprämie in der Größenordnung von drei Prozent vom Schiffswert rechnen müssen, bei einer Yacht im Wert von 100000 Euro, also mit 3000 Euro pro Jahr. Vielen wird das zu teuer sein. Aber auch jenen, die sich das locker leisten könnten werden eine Enttäuschung erleben. Es ist nämlich sehr schwierig geworden, eine Vollkaskoversicherung für "weltweit" zu bekommen. Nahezu alle bekannten Versicherungen lehnen es heute ab, Yachten von Langfahrtseglern zu versichern. Der Grund hierfür ist nicht das hohe Risiko einer Weltumsegelung, sondern liegt bei uns Langfahrtseglern persönlich. Wir haben das jenen "Seglern" zu verdanken, die ihre Yacht unter obskuren Bedingungen auf hoher See (und damit in heute noch unerreichbaren Tiefen) verloren haben. Ich allein kenne persönlich fünf "Segler", die ihre Yacht verloren haben. Alle waren sie allein an Bord, alle waren auf hoher See, und alle waren sie versichert. Ich kenne mindestens einen Segler, der nach angeblicher Kollision mit einem Container die Versicherungssumme zu unrecht kassiert hat - wie er nach Ablauf der Verjährungsfrist auch eingeräumt hat.
Welche Sprachen sollte man lernen?
Es gibt ja nun talentierte Menschen, denen es Spaß macht, sich in Fremdsprachen zu unterhalten und diese auch gern lernen. Für sie ist meine Bemerkung nicht gedacht. eher für jene, die keine Lust haben, ohne Notwendigkeit eine Fremdsprache mühsam zu erlernen:
Nur
englisch ist wichtig. Warum?
Englisch ist so eine Art Standard unter den Yachten. Diejenigen, die sich auf die deutsche Sprache allein beschränken wollen oder müssen, sind da ziemlich ausgegrenzt. Außerdem versteht man Englisch praktisch überall auf der Welt. Wir waren auf keinem Platz, wo wir, nur mit englisch, größere Sprachprobleme gehabt hätten, auch nicht in Französisch Polynesien, wo man französisch (oder tahitianisch) spricht.
Außerdem ist Englisch ein Muss für die Segelliteratur, den Funk, und für Verhandlungen mit Behörden.
Umgang mit Behörden
Jetzt
ein Tipp für die Damen: Sie sollten den Behörden gegenüber als Skipperinnen
auftreten. Sie werden sich mit den Beamten (in der Regel sind das Männer)
leichter tun als der Skipper, der, wie in meinem Fall, offensichtlich allergisch
auf Uniformen reagiert. Schicken sie
ihren Skipper aufs Nachbarschiff, wenn die Einklarierungsbehörden aufs Schiff
kommen. Sie müssen allerdings dann auch als "Kapitän" unterschreiben und haften für alles, was an Bord passiert oder gefunden wird.
Es kann Ihnen auch folgendes passieren. Als wir in Papua-Neuguinea einklariert
haben, hab ich die Verhandlungen geführt - siehe Bild. Der Beamte fragte mich
forschend: "Und sie sind die Skipperin?" Als ich das bejaht hatte,
meinte er bewundernd: "Strong woman!". Dann blickte er in meinen Pass,
sah nach dem Geburtsdatum und murmelte: "Bei uns sind Frauen in dem Alter
schon tot!"
Die Reiseplanung
Das Gelingen eines Törns hängt weitgehend von der Planung ab. Das Nadelöhr bei der Reiseplanung heißt "Hurricansaison". Das heißt, während dieser kritischen Zeit sollte man woanders sein.
Zäumen wir den Gaul von hinten auf! Angenommen, wir wollen von Deutschland aus in die Karibik segeln: Die Hurricanesaison in Westindien endet statistisch(!) Anfang/Mitte Dezember. Wir sollten also erst im Dezember frühestens "drüben" ankommen. das bedeutet, dass wir zum Start im November spätestens auf den Kanaren sein sollen und genügend Zeit einrechnen müssen, um das Schiff auf die Atlantiküberquerung vorzubereiten. Also müssen wir so planen, dass wir bis dahin die Strecke durch den Kanal und über die Biskaya zurückgelegt haben. Angekommen auf den Kanaren haben wir bereits den schwersten Teil der Reise hinter uns gebracht und wir können uns auf einen geruhsamen Törn im Passat über den Atlantik freuen. Übrigens: Wer von Deutschland auf die Kanaren gesegelt ist, kann überall auf der Welt segeln.
Gute
Törnplanung heißt: Zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein!
a)
Dazu gehört auch:
b) Man sollte sich genügend Zeit lassen für die einzelnen Plätze, nur so lernt man ein Land richtig kennen. Am Daysailing erkennt man den Anfänger unter den Langfahrtseglern. Am ärmsten sind die Teilnehmer an den im Moment so populären Rallies. Damit die Kasse der Veranstalter stimmt, werden sie täglich von Ankerplatz zu Ankerplatz gescheucht. Unser Motto lautete immer: Lange Strecken segeln, lange Aufenthalte vor Anker oder im Hafen. Und damit sind wir immer gutgefahren.
e)
Man sollte die
Hurrican-Saison nicht in hurricanegefährdeten Gebieten
verbringen, es gibt dort keinen sicheren Platz; nicht an Land und nicht in einer
Marina. Wenn ein voll ausgewachsener Hurricane genau über ein Yacht zieht, gibt
es keine Überlebenschance. Auch nicht in einem sogenannten "Hurricanhole". Dieses
Wort verspricht eine Sicherheit, die nicht gegeben ist. Im Falle des Falles
befinden sich nämlich dort außer den zerbrechlichen Yachten, Touristenboote, Fischer und
sonstige Berufsschiffe, deren Besatzungen, nachdem sie ihr Schiff verankert
haben, dieses zurücklassen und ihr Heil an Land suchen. Man kann sich das
tödliche Chaos gut vorstellen, wenn da ein Orkan mit 150 Knoten drüberzieht.
Muss
man auf der offenen See einen
Hurrican abwettern, empfehlen die klugen Bücher in welchen Quadranten des
Wirbelsturms man segeln soll. Ich
hege jedoch Zweifel, ob wir unter den Umständen eines sich nähernden
Wirbelsturms noch dazu in der Lage sind. Es geht hier nur ums Überleben
So
bestimmen in erster Linie tropische Wirbelstürme unsere Planung
von Saison zu Saison.
Kriminalität
Plätze
mit einer hohen Kriminalitätsrate lässt man besser links liegen. Das fängt
bereits in der Karibik an, zum Beispiel in Trinidad. Dort ist der Yachttourismus in den letzten Jahren um
30 Prozent zurückgegangen. Es war einst einer der meist besuchten Orte
in der Karibik.
Die ärmsten Hütten sind heute vergittert. Gleich daneben liegt
Venezuela,
das nach Yachting World die meisten bewaffneten Überfälle auf Yachten von ganz
Südamerika
aufzuweisen hat und deshalb zur "No-Go-Aerea" erklärt wurde.
Kolumbien war schon immer berüchtigt. Nur Carthagena ist sicher - aus einem makabren Grund: mächtige Drogenbarone haben sich dort angesiedelt; sie wollen mit der Kleinkriminalität nichts zu tun haben. Ankerplätze dagegen sollten gemieden werden, oder, man macht es wie zahlreiche Amerikanische Yachtsleute. Bevor man ankert, holt man seine Knarre aus der Backskiste und schießt dreimal in die Luft: "Hey Leute, hört, wie gut wir bewaffnet sind!"
In Panama ist, allgemein bekannt, ebenfalls Vorsicht geboten. Ansonsten gehört die Karibik zu den schönsten und besten Segelrevieren auf der Welt.
Tramper und andere Mitsegler
Bereits in Gibraltar und auf den
Kanaren wird man junge Leute
treffen, die gerne über den Atlantik als Crew mitsegeln wollen. Ob
diese geeignet und auch arbeitswillig sind (oder gar böses im Schilde führen -
siehe den Fall Appolonia - , lässt sich fast nie im Voraus sagen, aber eines
ist sicher: Der Skipper einer Yacht trägt die Verantwortung und ist haftbar für
alles, was auf seinem Schiff geschieht und transportiert wird. Er ist
regelmäßig verpflichtet, auch für die Ausreise einer Person, also seine Crew, die er in er in ein fremdes Land
gebracht hat, zu sorgen. Also, sollte man der Versuchung
nicht widerstehen können, eine "gute" Crew mitzunehmen, verlange man
mindestens von ihr soviel Geld im Voraus, dass man ihr, vielleicht auch gegen deren
Willen, das Rückflugticket besorgen kann. "Ich hätte es wissen müssen, und ich habe es auch
gewusst", sagte ein Segler, der eine Crew aus dem Yemen mitgenommen hatte. Er
bekam in allen Häfen, die er anlaufen wollte
die größten Schwierigkeiten mit den Behörden. Und wurde seine Crew lange Zeit
nicht mehr los.
Gäste
an Bord
Romantisch stellt man sich das noch zu Hause vor: Man möchte seinen Freunden zeigen, wie man auf einer Yacht lebt, und lädt sie großzügig zu einem Besuch am anderen Ende der Welt ein. Häufig ist die Enttäuschung, für beide Teile, groß: Nicht umsonst heißt es dann: "Der erste und der letzte Tag sind die schönsten". Woher kommt das?
Der Gast hat oft eine lange mühselige Anreise hinter sich und findet sich dann in der Enge einer kleinen heißen Kajüte auf einem Ankerplatz wieder, eingesperrt wie in einem Gefängnis. Das Ganze in der teuren Südsee. Andererseits ist die Yacht für den Skipper sein Haus, sein Heim und er hat manch schönen Platz frühzeitig verlassen oder gar verpasst, weil er der Verabredung mit den Freunden gefolgt ist. um solche Enttäuschungen zu vermeiden, empfehlen Amerikanische Yachtsleute: Wenn Freunde zu einem Besucht kommen wollen, dürfen sie großzügig bestimmen, wann oder wohin sie kommen wollen. Aber nicht: Wann und(!) wohin!
