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Ein subjektiver Rückblick auf die BOOT
2008
von Bobby Schenk
Danke Abdul-Rahman Adib!
It's time to say goodby. Projektmanager Abdul-Rahman Adib hatte die "Düsseldorfer BOOT" vor sage und schreibe 38 Jahren erschaffen. Und die BOOT 2008 war für ihn wohl die letzte (offizielle).
Adibs Leistung: Als Lehrling aus dem Libanon überzeugte er die honorige Messegesellschaft einst, sie müsste, mitten im Binnenland, eine Bootsmesse veranstalten. Was damals eigentlich nur Widersprüche, auch energisch von Seiten der YACHT, erntete. "Ja, die Motorbootfahrer aus dem reichen Düsseldorf!". Und vor allem: Wo es doch die ehrwürdige Deutsche Bootsaustellung International in Hamburg gäbe, oben am Tor zur Welt, der großen Yachtwelt.
Die BOOT startete mit einer Handvoll Motorbötchen damals kläglich. Aber was ist daraus geworden? Schlicht die größte Bootsausstellung der Welt mit zeitweilig an die vierhunderttausend Besuchern, während andere (große) deutsche Bootsausstellungen schon zufrieden sind, wenn die Hunderttausend-Besucher-Marke übersprungen wird.
Derzeit liegt die BOOT (immer noch) bei 280 tausend Besuchern - erstaunlich, weil die goldenen (Wirtschafts)-Zeiten definitiv - trotz der Politiker-Hymnen vorbei sind.
Die ewige Suche nach der richtigen Yacht
Gleichgültig
welche von den Bootsausstellungen es ist, ich besuche alle gern. Obwohl ich mich
in letzter Zeit manchmal nach dem Warum frage. Gut, es ist schon eine Ehre, am
YACHT-Stand interessierten Besuchern den einen oder anderen Tip zu geben, wenn
sie sich nach einer geeigneten, möglichst optimalen Yacht umschauen. Zumal es
sich bei den Zuhörern häufig um Neulinge in der Bootsszene handelt, die man
gerne vor unsinnigen Geldausgaben bewahren möchte und die sich allzuleicht von
den glitzernden Nirobeschlägen und den hochglänzenden Schiffsbäuchen und
natürlich von den farbigen Displays in den Navigationsecken blenden lassen.
Andererseits haut es mich einfach um, wenn ich auf die Preisschilder mancher
Yachten blicke und man fragt sich schon, ob es um die Wirtschaft so schlecht
bestellt ist, wenn Mittelständler für ein läppisches Achteinhalbmeter-Schifferl
hunderttausend Euro ausgeben wollen. Aber das war ja immer so: Wenn es um
Spielzeuge geht, bleibt oft der Verstand auf der Strecke. Und eigentlich
ist das auch wieder schön.
Nicht viel Neues seit vielen Jahren - Yacht bleibt Yacht
Nachdem ich ja nun schon seit ein paar Jahrzehnten Stammgast auf Bootsausstellungen bin, kann ich auch die Frage beantworten, was sich in dieser Zeit im Yacht-Bootsbau geändert hat? Kurz gesagt: Nichts! Jedenfalls nichts Wesentliches, wenn man mal von den Preisen für neue Yachten absieht. Gut, Yachten aus Holz - ich sprech hier nur von Hochsee-Fahrten-Yachten, sind verschwunden, Yachten aus Ferro-Zement haben ihren Weg auf Ausstellungen ohnehin nie gefunden und Metallyachten stellen die Ausnahmen dar. Ansonsten Kunststoff allerorten! Auch auf Deck, wo der Teakbelag seltener wird. Die Mehrmaster, also Ketsch, Schooner und Yawl gibt es nicht mehr - bis auf eine Ausnahme im Luxusbereich und da kann der zukünftige Eigner sich auch eine Sloop bestellen. Rollfocks sind Standard geworden, Rollgroß-Segel eher weniger. Die Kiele werden auch bei Fahrtenyachten immer kürzer und die Rümpfe nähern sich mehr der Jollenform, nicht dem Seeverhalten wegen, sondern um der Wohnlichkeit willen. Man sieht es, die Kunden wünschen sich rasante und gleichzeitig gemütliche Schiffe. Also versucht man, den Kunden ein entsprechendes Angebot zu machen. Erst recht sieht man dem Schiffsallerlei an, dass die Konstruktionen in erster Linie dem Kundenfang dienen. Für jede Größe, für jeden Geschmack (Hauptsache es ist Kunststoff und schaut schnell aus) werden die Schiffe gebaut, angeboten und oft gut verkauft. Mit einem 10 oder 20 Jahre alten Second-Hand-Schiff wäre man auch dabei - und das zu einem sehr erschwinglichen Anschaffungspreis!
So ermüdet das Auge schnell und das einzig Aufregende in der Segelschiffhalle sind die Preisschilder. Dreikommaacht Millionen soll eine Oyster 655 kosten! Traumhaft schöne Verarbeitung, zugegeben, weist die Könner aus Ipswitch aus. Und stolz erzählen sie den zukünftigen Kunden mit den großen Augen, dass man so einen Kahn mit einer Hand bedienen könne: Joysticksegeln! Ja, so hab ich mir das immer erträumt! Die Frage, ob denn auch ein Geschirrspüler an Bord ist, wird vom Verkäufer lächelnd bejaht. Der dabei genau weiß, dass sich ein ernsthafter Interessent bei diesem Preis nicht ums Geschirrwaschen kümmern wird.
Interessante "Exoten"
Doch, zwei Schiffe sind mir in diesem Kunststoffbrei von 26 Fuß, 27 Fuß, 28 und so fort, aufgefallen, die ich mir wohl nicht selbst anschaffen würde, die aber durchaus Liebhaber finden können, weil sie Besonderes bieten. Das ist einmal die SOUTHERLY 32, die es mit ihrem Schwingkiel ermöglicht, mit 50 Zentimeter Tiefgang über Sandbänke in Wattgewässern zu rutschen. Sie ist damit ein Schlüssel zu einmaligen Naturerlebnissen in Gewässern, die einer normalen Yacht, und auch manchem Katamaran für immer verschlossen bleiben. Freilich, ich wiederhole mich, bei einem sehr stolzem Preis trotz der sichtbaren Hochqualität in der Verarbeitung.
Ein anderes Schiff hat es mir von der Konzeption her angetan, auch wenn die meisten Messebesucher daran nur mit spöttischem Lästern vorbeigegangen sind. Es handelt sich um den Exoten ODIN 820 NOVA, eine acht Meter lange Kunststoffsegelyacht, die auch als Motorboot eingesetzt werden kann. Wozu denn das? Ich könnt mir ganz gut vorstellen, dass ich so ein Ding auf dem Trailer im Garten stehen hab und mir überleg, ob ich damit im Sommerurlaub nach Kroatien zum segeln oder ins bekannt windarme Spanien zum motoren fahr. Nächstes Jahr dann umgekehrt. Der auf der Ausstellung gezeigte Film überzeugte jedenfalls. Da pflügt dieses Motorboot, obendrauf ein wippender Mast mit 22 Knoten durch recht nennenswerten Seegang. Möglich macht es ein (ziemlich gewaltiger) Außenborder oder ein Z-Drive und vor allem ein Ballast-Wassertank mit 800 Litern Inhalt, der eben aus dem Boot - je nach Lust und/oder Bedarf - einen Runner oder eine gemütliche Segelyacht macht. Das Boot ist für sich gesehen schon Abenteuer. Und bewohnbar ist die Odin 820 prima. Der Innenraum (mit abgetrennter Toilette) verspricht dem Pärchen auf dem Urlaub - mit oder ohne Kind - ein romantisches Höhlenerlebnis. Irgendwie ist dieses Boot ehrlicher, als die meisten hochgelobten Hochseeyachten, die als "wohnliche Racer" angeboten werden.
Für Kinderlächeln
Persönlich
hat es mir Spaß gemacht, der wunderbaren Organisation SUNSHINE4KIDS
(kümmert
sich um Problem- und Schattenkinder) beistehen zu dürfen. Man läuft ja mit
notorisch schlechtem Gewissen rum, wenn es einem gut geht. Und wenn man
zuschauen müßte, wie gewinnorientierte Firmen wie MASTER YACHTING oder die
Düsseldorfer BOOT hier uneigennützig zugreifen. Auf dem Foto v.l.n.r.: Andrea
Barbera (Master Yachting), Abdul-Rahman Adib (BOOT), der Autor und Gaby Schäfer
(Gründerin von SUNSHINE4KIDS).
Doch, es gibt auch noch was anderes als Segeln
Gehört
nicht zum Segeln, erlaub mir aber doch einen Hinweis, weil es für mich zum
Ausstellungserlebnis gehört und weil man die Wassersportler gern
als einseitig
abstempelt: Schon
vieljährige Tradition ist es, dass die Standbesatzung des
weltgrößten Wassersportverlags Delius Klasing (YACHT, BOOTE, SURF) zu jeder
Wassersportmesse ein (sehr) sportliches Kart-Rennen um einen riesigen
Messe-Cup auf der Kart-Rennbahn
veranstaltet. Was viele Teilnehmer so ernst nehmen, dass - nicht ganz fair -
zahlreiche Geheimtrainigseinheiten eingelegt werden. Mit Ausnahme von drei Rennen hieß der
Sieger in den letzten fünf Jahren immer Jochen Kunzemann (DK-Events). Dieses Mal aber hatte er
auf der Rennbahn des
Schuhmacher-Bezwingers und deutschen Kart-Meisters Rensing einen
rabenschwarzen Tag. Runter vom DK-Stand und rauf auf die Bahn - geht halt nicht,
zumal Jochen seinen ersten Nichtraucher-Tag ausgerechnet auf den Renntag gelegt
hatte. Zwei Dreher während der beinharten dreißig Runden ermöglichten seinen schärfsten Konkurrenten,
Georg Christ (DK-Soft), dem Spanier Carlos Sanz und dem Autor davonzuziehen, die sich
dann die Plätze auf dem Treppchen teilten.