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Das Aussteiger-Seminar
von
Bobby Schenk
Gedacht
war das Blauwasserseminar vor fünf Jahren als einmalige Veranstaltung, denn
mehr als, optimistisch geschätzt, einhundertfünfzig Segler im
deutschsprachigen Raum waren sicher nicht bereit, sich zwei Tage lang auf die
Schulbank zu setzen. Dachte man. Jetzt haben sich fast 800, meist potentielle
Weltumsegler, sich dieser Prozedur unterzogen - und ein Ende ist nicht
abzusehen.
Martin Muth, Leiter der
Hamburger Bootsausstellung Hanseboot, wies in seiner Eröffnungsrede daraufhin,
dass das Hamburger Blauwasserseminar, nicht nur in
Deutschland, sondern in Europa einmalig sei und es wegen des überwältigenden
Zuspruchs - es war jedes Mal schon Wochen und Monate vorher ausgebucht - selbstverständlich
auch nächstes Jahr fortgesetzt werde. YACHT-Chef Rieker begrüßte die
Teilnehmer ebenso herzlich, auch die größte norddeutsche Tageszeitung, das
Hamburger Abendblatt, zeigte Flagge, siehe
hier!
An dieser Stelle sei, neben den uneigennützigen Referenten, den beiden Veranstaltern, YACHT und Hanseboot, herzlich für deren Unterstützung gedankt. Denn so ganz selbstverständlich ist es nicht, dass ein zweitägiges Seminar mit Zwischenmahlzeit, Eintrittskarte zur Ausstellung und kostenloser aktueller Ausgabe der YACHT für lediglich 100 (70) Euro angeboten werden kann.
Was
heuer überrascht hat: Der Altersschnitt der Zuhörer sinkt sichtlich und
mindestens ein Drittel der Teilnehmer waren Seglerinnen. Das lässt
für die Blauwasserankerplätze hoffen. Denn schließlich macht es mehr Spaß, mit
Menschen zusammen zu sein, die die Zukunft noch vor sich haben. Und
unübersehbar träumten zahlreiche Besucher nicht nur von einer
Atlantiküberquerung, nicht nur von einer ausgedehnten Blauwasserreise, sondern
von einer Zukunft auf dem Wasser - mit Zielen weit hinter dem Horizont.
Die Hauptattraktion dieses Seminars liegt sicher daran, dass fast alle Referenten eine mehrjährige Weltumsegelung hinter sich haben, und deshalb pure Bordpraxis vermitteln können. Dass diese sich von den Gegebenheiten hierzulande dann doch etwas unterscheidet, zeigt die Frage eines Zuhörers auf, der bemängelt hatte, dass bei einem kompletten in Fotos dokumentierten Spaziergang durch eine reine "Blauwasser-Marina" keine Bavarias zu sehen waren. Dabei war eben Sinn dieser Bilder, aufzuzeigen, dass sich die Yachtszene draußen grundlegend von der hiesigen unterscheidet, dass man also kaum die hier bekannten Serienyachten antrifft, auch wenn immer wieder werftseitig versucht wird, diese mit dem Argument "fertig für die Weltumsegelung" oder so ähnlich, an den Mann zu bringen.
Auch
die am meisten gestellte Frage nach den benötigten Geldmitteln wurde dadurch
beantwortet, dass Annette und Sven von der RAROIA berichteten, wie sie mit 300
Mark/Monat auf der RAROIA (für 6000 Mark gekauft), viele Jahre um die Welt
gesegelt waren.
Christian hatte diese Probleme offensichtlich nicht und führte aus, wie Sybille und er ihre SUBEKI ausrüstungsmäßig während der mehrjährigen Weltumsegelung auf Vordermann gebracht hatten. So verdankt der Skipper nach seinen Worten einem Magnetfilter die Tatsache, dass nach dem Einbau keine Probleme mit verdreckten Dieselfiltern aufgetreten sind. Interessant: Was für Christian für "unverzichtbar", zum Beispiel ein PUR-Watermaker gehalten wurde, konnten andere Weltumsegler durchaus entbehren. Was beweist, dass Blauwassersegeln eben eine ganz individuelle Lebenseinstellung ausdrückt.
Ingrid und Norbert von der HARLEKIN hatten die undankbare Aufgabe übernommen, über die anfallenden Reparaturen ("wir reparieren uns um die Welt") in Wort und Bild zu berichten. Für viele Zuhörer wirkte dies desillusionierend bis abschreckend, aber gibt halt die Realität auf unseren Yachten und Blauwasserreisen wieder.
Vorträge
über Medizin an Bord hab ich schon viele gehört, aber keiner hat mich so
gefesselt wie der von Dr.Kerstin Heller von der MENEVADO, selbst Ärztin (und
Weltumseglerin). In knapp einer Stunde gelang es ihr, die Zuhörer für die
"draußen" lauernden Gesundheitsgefahren zu sensibilisieren.
Lebensnahe Tipps über den Umgang mit Behörden gab Karla Schenk. Man solle als Bordfrau den Skipper vor dem nervigen Gang zu den Behörden ruhig "absetzen" und sich selbst als "Skipper" ausgeben. Die Beamten würden sich dadurch von vorneherein umgänglicher benehmen und viel weniger Schwierigkeiten bereiten.
Fernsehstar und Profirouter Dr.Meeno Schrader schließlich bot seine Dienste für eine individuelle Wetterberatung von jedem Teil der Welt aus per Iridium-Handy an. Und der junge Atlantiküberquerer Johannes Erdmann - nicht verwandt mit Wilfried Erdmann - begeisterte den Teilnehmer Robert Keckeis besonders: "Vor allem der junge Erdmann war mit seiner erfrischenden Art genau an der richtigen Position gesetzt. Zum Abschluss nochmal ein Schenkelklopfer:-)."
Weitere Reaktionen von Teilnehmern zeigen, dass dieses Seminar schon was Besonderes ist. So schreibt Dr. Peter Dobida aus Graz: "DANKE für das tolle Seminar! Eure Eindrücke klingen bis heute nach. Es waren viele tolle Anregungen und Tipps dabei."
Das Programm für nächstes Jahr steht noch nicht ganz. Absehbar ist, dass es weitere Attraktionen geben wird. So wird zum Beispiel Manfred von der WHITE WICH (siehe hier) heuriger Transocean-Preisträger) über die Planung von Blauwasserreisen in Sturmgebiete sprechen.
Jürgen Pauleweit hat sich in den letzten fünf Jahren ein wunderschönes Stahlschiff gebaut. Jetzt schwimmt es. Während all dieser Jahre hat er sich nicht abhalten lassen, lückenlos an allen fünf Blauwasserseminaren teilzunehmen. Seine Anmeldung (und für seine Crew Annette) für 2009, dem nunmehr sechsten Bobby Schenk's Blauwasserseminar ist bereits hier eingegangen. Das ist wohl das schönste Kompliment für diese Institution!
