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Ecker-Cup 2007- tausend Meilen von Zadar nach Samos (2)
von Bobby Schenk, Fotos u.a. von Georg Gindl
Deadline
sorgt für stürmische Diskussionen
Kurz vor dem Start zur zweiten
Etappe gab es dann noch Aufregung, als sich herausstellte, dass
eine zugegebenermaßen sehr missverständliche Regel in der Ausschreibung von
ungefähr 20 Prozent der Yachten anders gelesen worden war, als vom Rest des
Feldes - runde 80 Yachten. Es ging um den Begriff der "Deadline".
Der Grundgedanke bei dem 1000-Meilen-Race, das sich übrigens seit 17 Jahren bewährt hatte, sollte es Urlaubs-Fahrtenseglern mit Rennambitionen ermöglichen, eine 1000 Seemeilen lange Strecke innerhalb von 14 Tagen zurückzulegen. Dazu musste es aber einerseits möglich sein, nach der ersten Etappe das Feld wieder rechtzeitig loszuschicken, damit die zwei Wochen auch eingehalten werden können. So sollte eine "Deadline" sicherstellen, dass auch alle Yachten sich rechtzeitig im Etappenziel einfinden würden. Abdererseits wollte man den Zuspäkommenden eine weitere Chance eröffnen, doch noch am weiteren Rennen teilzunehmen. Das sollte im Sinne des fair-sportlichen Zusammensegelns eine Ausnahmeregel gewährleisten, die es den Verspäteten erlaubte, weiter am Rennen teilzunehmen, freilich gerechterweise vom letzten Platz aus.
Doch
der gute Willen alleine, reicht halt nicht immer aus. Einige ausgefuchste Teilnehmer entdeckten, dass bei entsprechender Auslegung dieser Regel und bei
der letztlich sehr komplizierten Verrechnung der Segelzeiten mit
Motorstunden
und Yardstickzahlen, Yachten sich noch
nach vorne schieben konnten, welche absichtlich
die Deadline versäumten. Ganz konkret: Ein
Teilnehmer, welcher die Deadline um einen ganzen Tag ignorierte, wäre somit an
der Spitze des Feldes gelegen.
Die Regattaleitung entschied folgerichtig gegen die Zuspätgekommenen, was dann doch zu einer - subjektiv nachzufühlenden - Missstimmung führte. Die meisten der betroffenen Yachten, nahmen daraufhin - zwar murrend - doch in sportlich anerkennenswerten Weise das Rennen zur zweiten Etappe wieder auf. Darunter auch die österreichische Yacht ABRACADABRA unter Rudi Rieder wieder auf. es wird von ihr noch zu reden sein.
Sturmfahrt durch die Ägäis
Wer
bis dahin den Sinn einer solchen Regatta noch in Frage gestellt hat (warum nimmt
er dann überhaupt teil?), wurde sicher auf der zweiten Etappe durch die Ereignisse
darüber belehrt, dass eine solche Veranstaltung viel mehr mit dem Segeln,
speziell mit dem Fahrtensegeln wie es der Autor versteht, zu tun hat, als diese
Hightech-Regatten, wo ziemlich sinnlos Millionen versenkt, die höchsten
Gerichte angerufen werden und bei denen
"Schiffe" über 25 Knoten Wind nicht mehr eingesetzt werden können -
oder gar zerbrechen, worauf die Mannschaft von den auf Standby-stehenden
Begleitschiffen aufgefischt werden müssen.
Die
Aufgabenstellung für diese zweite Etappe von Kathakolon lautete schlicht: Segle
Deine Yacht bei den angesagten Sturmwinden so über die Ägäis nach Samos, dass
Mannschaft und Schiff dort heil ankommen. Wenn Du willst und dies Dir sinnvoll
erscheint, kannst Du, so wie es jeder Fahrtensegler auch machen würde, die
Maschine benutzen, oder aber auch einen Schutzhafen aufsuchen. Und wenn Du
dabei trotzdem noch schnell bist, dann wirst Du für diese seemännische Leistung
mit einem Pokal oder jedenfalls mit einer Medaille symbolhaft belohnt und
anerkannt.
Und genau so war es: Die ACTIENPOWER mit dem letzten Sieger Hubert Mayer und einer Mannschaft, die unverändert an den letzten vier Ecker-Cups teilgenommen haben, war die erste im Feld der 90 Yachten, die die Segel verkürzten. Und nach ein paar Stunden schon kamen die ersten Meldungen vom Feld, dass einige wegen leichterer Materialschäden zur Reparatur und andere aus Sicherheitsgründen nach Pylos abgedreht hatten. So versteh ich den Begriff Seemannschaft.
Das
Feld wurde angeführt von der kroatischen TANKERKOMERC, die einen gehörigen
Vorsprung nach Samos bringen sollten, um den begehrten Ecker-Cup zu gewinnen.
Aber Mayer folgte ihnen auf den Fersen in den Sturm hinein. Im deutschen
Rundfunk waren Orkanböen angesagt, aber so schlimm ist es dann doch nicht
gekommen. Trotzdem - die Yachten mussten mit Sturm, Wasserhosen und
Hagel
bei gemessenen Windstärken bis 45 Knoten
fertig werden, wobei in den Spitzenböen der Zeiger des Windmessers schon mal bei
56
Knoten anschlug.
Vor allem aber hatten die Yachten schon auf den ersten Meilen mit Gewittern zu rechnen. Vielen gelang es bei Schiffsgeschwindigkeiten von bis zu 14 Konten (Fahrtenyacht!) sich an den Kernen vorbeizumogeln. Andere traf es. Hier ein Bericht von der Spirit, der eben bei mir in der Mailbox eingetrudelt ist:
Vom
Blitz getroffen
"Lieber Bobby,
wir haben im Rahmen des ECKER 1000 Meilen Races einiges erlebt, und ein
besonderes Erlebnis wollen wir Dir nicht vorenthalten: Zweieinhalb Stunden nach dem Start
hatten wir Kontakt mit ganz Oben" oder "Hurra wir leben noch"
Der Start war tadellos und wir waren von der Höhe, die die Tankercomerz vor uns
laufen konnte beeindruckt. Zwei Drittel vom Feld waren bald nicht mehr zu sehen,
nur die gewaltige Gewitterfront im Norden machte uns ein wenig sorgen. Wir
wollten soweit wie möglich nach Süden und mussten dabei immer mehr einreffen.
Die ersten Blitze mit immer kürzeren Abständen und gewaltiger Donner forderten
uns allen Respekt ab. Willi am Ruder, Gerhard neben ihm, Heli und Wolfgang an den
Schoten und ich zum Reffen am Mast. Wir waren gut besegelt und gerüstet für
die Nacht. Dachten wir. Nach dem Einreffen wollte ich unsere Position eintragen.
Da war es dann soweit:
Ein unglaublicher Knall, hinter der Panele und am ganzen Navigationsplatz ein
greller Blitz und schlagartig alles finster. Totale Stille an Bord. Dann der
erste Schrei aus dem Cockpit: "Bei uns hat der Blitz
eingeschlagen!!" ist wer verletzt? Nein. Was funktioniert noch? Was nicht?
Irgendwelche Metallteile fliegen vom Masttop über uns nach hinten ins Wasser.
Maschine an? - funktioniert. Segel rein! Position? Woher nehmen? Kein GPS, keine
Instrumente. Die letzte Eintragung 40 Minuten alt. Kurs Süd. Langsam kriegen wir die
Situation wieder in den Griff. Kontakt aufnehmen mit der Regattaleitung! Funk
tot. Handfunkgerät funktioniert nicht. Mobilnetz nicht verfügbar. Dann doch
Netzempfang. Wir erreichen die Regattaleitung und geben unseren ersten Bericht
ab. Kurs Pylos. Eine Yacht kommt auf uns zu. Leider wissen wir nicht mehr den
Bootsnamen der Yacht, die uns da so unterstützt hat, jedenfalls war es die
Startnummer 91 (Anmerkung: Die 91 war die VIENNA BOATSHOW mit Skipperin
Stephanie Breitenstein). Danke nochmals. Wir bekommen eine Position rübergeschriehen.
Super! Wir wissen, wo wir sind, der Steuerkompass wird hoffentlich richtig
anzeigen. Wir legen Kurs Pylos an. Dann Bestandsaufnahme: Willi und Gerhard
haben leichtes Kribbeln in den Händen, sonst scheint alles klar bei der Crew.
Instrumente im Cockpit alle funktionslos. Ebenso GPS, Radar, Funk, Navtex, alle
Navigationslichter tot. Das Rigg wollen wir lieber nicht belasten. Oben im Top
und unten am Mastfuß haben wir es Blitzen und Rauchen wie beim Schweissen
gesehen. Am Heck ist die Abdeckung der Badeleiter aufgeknallt, die Scheuerleiste
ist komplett vom GFK abgehoben. Später in Pylos stellen wir fest, dass das
Ventil der Gasflasche komplett zerstört ist. Der Blitz ist also wahrscheinlich
unter dem Arsch des Rudergängers wieder ausgefahren. Heli findet in seinen
Sachen das Hand-GPS, das nach einigen Versuchen eine glaubwürdige Position
liefert. Eine Stunde nach dem "Impact" haben wir die Situation wieder
ganz unter Kontrolle. Bei strömendem Regen stampfen wir nach Pylos und gehen im
Stadthafen längsseit hinter der Lady Liberty. Die
Eckercrew mit Milan und Fabio
kommt wenig später und arbeitet noch stundenlang an und unter Deck. Die
Defektliste ist endlos und manches wird erst in Samos wieder in Betrieb gehen.
Der Eckercup hat wirklich für jeden was dabei. Die einen segeln dem Teufel mit
Prosut und Loza ein Ohr ab, die anderen kämpfen mit gerissenen Segeln,
Seekrankheit und Schlafproblemen , die anderen werden vom Blitz getroffen. Ich
bin jetzt das vierte Mal dabei und habe es noch immer nicht bereut. Mit meinem
alten Skipperkumpel Willi, mit Gerhard, Heli und Wolfgang bin ich jetzt auf dem
Weg nach Samos.
Liebe Grüße vom Schiff der "Erleuchteten"
Peter Ettl
Das Positivste an den Berichten, die bei der Regattaleitung ankommen: Keine Personenschäden! Und ein bei einer Patenthals auf einer hochmodernen (und als Favorit gehandelten) Shipman 50 - ganz vorne liegend - herausgerissener Ruderstand oder ein geknickter Carbon-Großbaum (Patenthalse - Bullenstander zu schwach) lassen sich mit Geld wieder in Ordnung bringen.
Rechtzeitig im Ziel: Der Regattaleiter
Die
TANKERKOMMERC zelebriert einen Höllenritt durch den Sturm und liegt bald soweit
vorm Feld, dass das 35 Meter lange Begleitschiff ADORNATE, nur noch eine Chance sieht, bestimmungsgemäß als erste im
Ziel zu sein, wenn sie durch den Kanal von Korinth geht und um 70 Meilen
abkürzt. Hinzu kommrn noch Maschinenprobleme, die von einem auf einen
abgelegenen Ankerplatz mit dem Schlacuboot herausgekommenen Mechaniker,
diagnostiziert werden. Was im Moment bei 35 Knoten Wind nicht tragisch ist, denn
auch die ADORNATE kann unter Vollzeug fast mit 10 Knoten dahinjagen. Trotzdem
enteilen die
Spitzenyachten, sodass Regattaleiter Lazy Legenstein irgendwie per Anhalter,
Auto und Flugzeug durchschlagen muss, um zur Zeitnahme pünktlich in Samos zu
sein. Er schafft es gerade um 45 Minuten "zu früh"!
Das
Ziel sieht dann großartige Sieger: Den Ecker-Cup gewonnen und
damit verteidigt hat die ACTIENPOWER, dessen Skipper Hubert Mayer als Geheimnis
für so ein Wetter verrät: "Halbe Segel
und alles doppelt sichern". Toller Zweiter wurde endlich Klaus Czap mit
einer Sun Odyssey 49.
Anschließend folgten drei Schiffe, die ich nie und nimmer dort vermutet hätte. Denn wer würde denn einer 18 Jahre alten Elan 43, der SEACLOUD mit Skipper und Eigner Martin Zeiler, in diesem Feld eine Chance geben. Oder der NEILOR, einer Stahlyacht vom Typ Motiva 45 unter Dr. Martin Schwerdtfeger. Letztere geht übrigens auch in die Geschichte des nunmehr abgeschlossenen Ecker-Cups ein: Auf diesem doch behäbig wirkenden Schiff befanden sich auch zwei Zahnärzte. Eine Tatsache, die das Schicksal offensichtlich provoziert hatte. Denn der eine musste dem anderen ausgerechnet auf der Sturmregatta einen Zahn ziehen. Und beide(!) hatten keine Zange dabei. Gut, wenn geeignetes Bordwerkzeug vorhanden ist. In diesem Fall reichte eine Rohrzange(!) für den Job.
Und was bei der letzten Beurteilung dieses Großereignis im Fahrtensegeln mir schon auch wichtig erscheint: Alle die erwähnten Yachten, außer der INSHALLAH sind keine Ecker-Yachten, sondern Privatschiffe oder Charteryachten von anderen Firmen. Womit der meist (von der Konkurrenz) und unfreundlich gemeinte Begriff "Firmenregatta" ein bisserl ad absurdum geführt wird.
Der letzte Ecker-Cup: Das Ende einer Epoche
Was
dann zum Schluss die Frage aufwirft, warum eine mittelständische Firma aus dem
tiefsten Binnenland (Ried im Innkreis, Österreich) in der Lage ist, zwei Wochen lang so ein Erlebnis für
immerhin 630 Segler und Seglerinnen zu organisieren, das immerhin 11 mal in den
letzten 17 Jahren - und warum
unsere Segelvereine, in denen es ja angeblich von ehrenamtlichen Helfern nur so
wimmelt, oder von den Verbänden, die ja unserer Beiträge mitkassieren, dazu
nicht in der Lage sind. Obwohl sie sich ja so machtvoller Partner rühmen -
siehe "OESV, Partner von BLUE BALU".
Zurück
zum Ecker-Cup, wie alle Teilnehmer ihn
nennen und der übrigens offiziell gar nicht so heißt, sondern: "1000-Meilen-Race".Wie
sie bei der Sturmfahrt in bewundernswerter Manier bewiesen hat, hätte die
ABRACADABRA bei der Wertung zum BLAUEN BAND gut mitmischen können, wenn
nicht...siehe oben.
So gewann zur Freude aller das Blaue Band die kroatische TANKERKOMERZ mit Skipper Zarko Juraga ("Paganini"), der an allen Ecker-Cups seit 17 Jahren teilgenommen hatte. Wie sagte er schon zu Beginn des Rennens: "Der Ecker-Cup ist Teil meines Lebens!"
Und damit ist auch das letzte Kapitel dieser Erfolgsgeschichte zugeschlagen.