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Höchste Blauwassersegler-Auszeichnung für MAHDI
Seven Seas Cruising Association - der exklusivste Blauwasserclub.
Nicht
für viel Geld können Segler sich beim SSCA eine Mitgliedschaft erkaufen. Da
muss man schon andere Voraussetzungen mitbringen, um Vollmitglied beim SSCA zu
werden. Und damit das Recht haben, sich "Commodore" nennen zu dürfen.
Dabei hat dieser reine Fahrtensegler-Club nicht mal ein richtiges Clubhaus,
sondern gerade mal ein Adresse, wo die Mitglieder verwaltet werden und von wo
aus die berühmten Bulletins verschickt werden.
Vor rund einem halben Jahrhundert schlossen sich ein paar Langfahrtsegler in den USA zusammen und gründeten die Organisation. Als Aufnahmebedingung wurde gefordert, dass Mitglieder mindestens ein Jahr lang auf einem Schiff gelebt haben und außerdem von zwei Vollmitgliedern empfohlen werden müssen. Die Leistung des Clubs bestand darin, dass die Erfahrungsberichte der Langfahrtsegler gesammelt, in einem monatlichen, sogenannten Bulletin abgedruckt werden. Diese Bulletins stellen neben den 5000 Mitgliedern den eigentlichen Schatz des Clubs dar, finden sich dort Erfahrungsberichte aus erster Hand praktisch zu allen Fahrtengebieten der Welt und zu allen Bootsthemen. Durch die strengen Aufnahmebedingungen ist gewährleistet, dass hinter den Berichten immer eine Menge professioneller Sachverstand steckt. Denn es leuchtet ein, dass Erfahrungen von Vollzeitseglern ein ganz anderes Sachgewicht haben als diejenigen von Charter-, Urlaubs- oder gar Schreibtischseglern.
Dass
zu den Regeln des Clubs die Clean-Wake-Philosophie gehört (wer unter dem roten
SSCA-Burgee segelt, hinterlässt nur sauberes Wasser - im wörtlichen und im
übertragenen Sinne), sei in diesem Zusammenhang nur am Rande erwähnt. Die
große Bedeutung des SSCA für jedermann, der sich fürs Langzeitsegeln
interessiert oder gar eine Weltumsegelung plant, besteht in den Bulletins, die
jedermann, also auch Nichtmitglieder (noch nicht)) gegen eine geringe Gebühr
beziehen kann. Auch fast alle zurückliegenden Jahrgänge und sogar auf CD. Dass
sich daraus Erfahrungswerte ergeben, die kein anderer Yachtclub der Welt, kein
Segelbuch, auch kein Internet vermitteln kann, versteht sich von selbst.
Näheres findet man im Internet unter: www.ssca.org
Der SSCA verleiht den SEVEN SEAS AWARD
Ein großartiges Clubleben liegt dem SSCA fern. Zu den wenigen Clubereignissen gehört die Verleihung der Seven Seas Award, also einer einfachen Medaille für die anerkennenswerteste Leistung im Blauwassersegeln, wobei hier alles dazuzählt, was eben zum Blauwasser-"Leben" gehört. Unter Insidern gibt es für Langzeitsegler keine höhere Auszeichnung (die übrigens nicht auf Mitglieder des SSCA beschränkt ist) und der SSCA geizt entsprechend mit der Verleihung. Ganze zwölfmal im letzten halben Jahrhundert wurde die Medaille verliehen. Zum ersten Mal an das Ehepaar Irving und Electa Johnson für ihre siebenfache Weltumsegelung auf dem Schoner YANKEE. Das war 1983. 1986 folgenden dann die großen Eric und Susan Hiscock. 1988 wurden Miles und Beryl Smeeton von der TZU HANG bedacht, die ihre gescheiterte Kap-Hoorn-Umrundung (mit dem Verlust eines Mitseglers) so plastisch in dem Buch Once is Enough beschrieben hatten. 1991 wurde die Lebensleistung unter Segeln der deutschen(!) Jürgen und Karin Schultze-Röhl von der 38 Fuß langen Stahlyacht KRIOS gewürdigt. Und dann eben im Jahre 2005 Rod und Becky Nowlin.
Gewöhnlicher Piratenüberfall oder Geiselnahme durch Terroristen?
Da wurden also zwei Yachten, nämlich die erwähnte MAHDI und die im Konvoy segelnde GANDALF Opfer eines Piratenüberfalls. Wobei die Feststellung von Rod Nowlin im Bulletin 5/2005 festzuhalten ist, dass es sich möglicherweise nicht einmal um einen "gewöhnlichen" Piratenüberfall - er selbst fragt, was ein "gewöhnlicher" Piratenüberfall ist - handelt, sondern um einen gezielten Mordversuch oder eine Geiselnahme. Die Besatzung der GANDOLF dankt ausdrücklich, dass Rod Nowlin ihnen das Leben gerettet hat, indem er eines der Piratenboote mit seiner Stahlyacht niederfuhr und außerdem - mindestens - zwei der Piraten erschoss.
Ganz bemerkenswert ist die offizielle Begründung der Verleiher: "In Anerkennung dieser unglaublichen Aktion, bei der unmittelbar zwei Leben gerettet wurden und möglicherweise weitere zahlreiche Leben dadurch bewahrt wurden, weil vor zukünftigen Attacken dieser Art abgeschreckt wurde..."
Kann sein und ist zu hoffen. Sicher ist es nicht, denn Rod Nowlin berichtet, dass er von den Offiziellen nach seiner Berichterstattung zum sofortigen Weitersegeln Richtung Mittelmeer aufgefordert wurde, weil mit Vergeltungsmaßnahmen (Blutrache?) zu rechnen sei.
Keine brauchbaren Notfrequenzen oder Schutz durch Kriegsschiffe!
Was anderes ist für uns Weltumsegler noch von Interesse, nämlich Nowlins persönliche Erkenntnisse aus diesem Vorfall: Er schreibt im Bulletin 5/2005, dass es ziemlich aussichtslos sei, auf fremde Hilfe zu hoffen. Die Notfrequenz 2182KHz ist unbrauchbar, weil sie niemand mehr abhört. Gelingt es aber, zum Beispiel Verbindung mit einem Handelsschiff per UKW aufzunehmen, sei damit meistens nichts erreicht, denn Handelsschiffe sind auch nicht auf solche Attacken vorbereitet.
Was aber viel interessanter ist, ist die Feststellung Nowlins, dass es in diesen Gewässern von Kriegsschiffen nur so wimmelt. Amerikaner, Franzosen, Engländer, auch Deutsche Schiffe tummeln sich dort. Vielleicht auch Italiener. Eine der dort befindlichen Yachten wurde von der US-Coast-Guard kontrolliert und mit angeblichen "Notfrequenzen" versorgt. Die sich alle später als nutzlos herausstellten. Eine davon war gar eine Rundfunkstation.
Während
des Überfalls wurden sämtliche denkbaren Notfrequenzen ohne Erfolg
durchprobiert. Lediglich über Kanal 16 gelang es nach dem Überfall eine
Verbindung zu einem Handelsschiff herzustellen. Dieses gab die Information über
Satellit weiter. 12 Stunden später konnte ein deutsches Kriegsschiff in der
Nähe kontaktiert werden. Es hatte von dem Überfall keine Kenntnis.
Soviel zur Kommunikation in solchen Gewässern unter den Verteidigungspartnern! Der Amerikaner Nowlin meint auch, die internationale Boots-Lobby soll halt auf ihre Regierungen etwas Druck ausüben, damit Boote mit entsprechender Nationalität beschützt werden. Als Deutscher kann ich hierzu nur bemerken: Reichlich naiv, diese Amis...
Zurück zur Realität: Dass diese Geschichte für die Yachtbesatzungen so glimpflich ausgegangen ist, führt Nowlin auch darauf zurück, dass die Boote aus Stahl waren. MAHDI wurde dreimal getroffen, GANDOLF 14 mal.
Die Lehre aus dem Vorfall? Die muss jeder für sich selbst ziehen. Ich habe solche Gewässer zu einem "No-Go-Meer" erklärt - für mich persönlich.
Commodore Bobby Schenk