DIE HOMEPAGE VON
BOBBY SCHENK
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Bobby Schenk's 11.Blauwasserseminar - das wars

von Kai W.Neumann

Olympiasieger und Weltmeister im Flying Dutchman sowie mehrfacher Weltmeister in anderen Regattaklassen, Dr. Ecke Diesch, führte die Teilnehmer in Bobby Schenk's Blauwasserseminar ein. Und das mit einem Paukenschlag! Der Zahnarzt vom Bodensee kam in roten Seglerhosen und mit einem Jutesäckchen, was nicht erwähnenswert wäre. Wenn nicht der Inhalt für nahezu alle der 150 Teilnehmer am natürlich längst ausgebuchten Seminar von Bobby Schenk geradezu sensationell gewesen wäre. Fast schüchtern holte Ecke eine schwarze Schachtel raus. Eine Medaille leuchtete dem Auditorium entgegen, die für Geld niemals zu kaufen ist. Die Goldmedaille, die er bei den Olympischen Spielen im Flying Dutchman zusammen mit seinem Bruder Dr.Jörg Diesch gewonnen hatte. Goldmedaillen für Olympioniken im Segeln sind in Deutschland Mangelware, und so waren die Seminarteilnehmer geradezu elektrisiert, als Ecke lässig verkündete: "Die lass ich mal jetzt durch die Reihen gehen!" Man konnte manch gestandene Segler erleben, die mit verträumten Augen und zittrigen Fingern die höchste Sportauszeichnung überhaupt durch die vielen Reihen wandern ließen. Dass Ecke, Präsident des hundert Jahre alten Württemberger Yachtclubs (und damit Nachfolger des legendären Grafen Zeppelin), so nebenbei seine fast endlose Reihe von gewonnenen Weltmeisterschaften in zahlreichen Klassen und den Gewinn des Admirals Cups erwähnte, ging dann im allgemeinen Geraune unter, auch der Hinweis, dass er, der leidenschaftliche Regattasegler, so nebenbei auf einer Swan 72 immerhin um die Welt gesegelt war. Dass auch solche Weltklasse-Cracks Nerven zeigen können, nahmen die Segler dann allerdings doch wahr, als die wertvollste aller Medaillen lange nicht mehr auftauchte und Ecke, leicht beunruhigt, fragen mußte: "Wo isch jetzt mei Blechle?"

Veranstalter Bobby Schenk machte mal als erstes klar, dass einer der Reize unseres Hobbys Fahrtensegeln, insbesondere auf den Weltmeeren, ist, dass es kaum feste und unveränderliche Regeln gibt. Und dass zu demselben Thema durchaus mehrere Ansichten Gültigkeit haben können, je nach gelebter Erfahrung. Nach einem halben Jahrhundert Blauwassersegeln mutete es so auch nicht überheblich an, dass Schenk lakonisch feststellte, er habe sich zu vielen Themen 50 Jahre lang wohl abgewogene Gedanken gemacht, so dass er danach keine Lust mehr habe, seine gefestigte Meinung nochmals durchzudiskutieren.

Universitätsprofessor Dr.Herwig Paretzke, Strahlenphysiker, erzählte dem staunenden Publikum, wie er es geschafft hatte, Lehrstuhl und Weltumsegeln unter einen Hut zu bringen und dabei in einem 15-Meter-Katamaran mit wechselnder Crew um die Welt zu segeln. Insgesamt vierzig Freunde wechselten sich auf den einzelnen Etappen ab. Seine Feststellung, dass mehr als eine Ehefrau an Bord nicht gerade stimmungsfördernd sei, erzeugte im Publikum verständnisvolles Gemurmel, aber auch ein paar Zornesfalten auf den Gesichtern einiger weiblicher Zuhörern. Letztlich aber überwog die große Bewunderung für die Segelleistung des über siebzig Jährigen, der, das erfuhren die Seminaristen so nebenbei, mit seinem Kat JONATHAN auch ums Kap Hoorn geskippert war. Nur unerfahrene Seminarteilnehmer wunderten sich über die Aussage von Prof. Paretzke, dass "Schwimmwesten" lediglich die Leidenszeit eines Überbordgegangenen verlängern würden. Ebenso Widerspruch erfuhr er von Bobby Schenk aus Fürstenfeldbruck, der sich humorvoll über dessen Feststellung mokierte, dass der unglückliche Navigator auf der viel genannten mit Profis besetzten Rennyacht VESTAS, die vierkant auf eine Inselgruppe gecrasht war, einem Autofahrer mit dem berüchtigten Kennzeichen aus den drei Buchstaben FFB gleichzusetzen sei.

Sebastian Pieters, der seine originelle Geschichte von der Weltumsegelung mit einem geliehenen 8-Meter-Sperrholzschiff mit wenig Geld, aber einer hübschen Internetbekanntschaft auf dieser Webseite veröffentlicht hat, konnte nunmehr sein Buch (erschienen im Äquatorverlag) vorlegen und signieren. Im Dialog mit Bobby Schenk erklärte der große Junge Sebastian, inzwischen Familienvater und bestens angestellter Informatiker, dem staunenden Publikum, wie man sozusagen aus dem Stand, nur mal so, eine erfolgreiche Weltumsegelung durchzieht.

Kerstin und Hans von der CINDERELLA gaben ihre Erkenntnisse von einer mehrjährigen Weltumsegelung in einem Katamaran wieder. Hans, Jetpilot und früher Staffelkapitän eines Jagdgeschwaders, erläuterte ein erfolgreiches Crewmanagement auf Langfahrten mit Segelyachten und zahlenmäßig kleinen Besatzungen - ein noch stark vernachlässigtes Thema, dessen Notwendigkeit der VESTAS-Crash überdeutlich aufgezeigt hat.

In einer Fragestunde zum Ende des ersten Seminartages stellte sich Bobby Schenk den Teilnehmern. Es spricht sehr für den erfolgreichen Verlauf der vorangegangenen Vorträge, dass alle Fragen nur Blauwasserthemen berührten, die offensichtlich jeden der immer noch sehr aufmerksamen Teilnehmer interessierten.

Ohne die Leistung der übrigen Referenten auch nur im Geringsten abwerten zu wollen, brachte der erste Tagungspunkt am Sonntag ein absolutes Highlight dieses Seminars in Form der adretten Luca von der MENEVADO. So was hat es noch nicht gegeben: Da segelt ein kleines zerbrechliches Kind mit seinen Eltern, Kerstin und Bernd, auf der Sunbeam 42 MENEVADO jahrelang um die Welt, wobei sich vor allem Aussenstehende Sorgen um die Entwicklung der zarten Luca machen und die Frage aufwerfen, ob das Ganze gut fürs Kind sei, ob nicht etwa der Egoismus segelbegeisterter Eltern hier über das Wohl des Kindes gestellt werde, das sich ja anschließend in Schule und "zivilisierter" Gesellschaft einfügen muss. Kurz: Ob hier ein Kind zum Opfer geworden ist? Eine Frage, die natürlich alle Eltern beschäftigen sollte, die an eine Weltumsegelung mit Kind denken.

Luca beantwortete diese alte Frage auf ihre Art. Da stand das "Opfer" der Weltumsegelung, eine zierliche 17-jährige, umwerfend sicher und selbstbewußt, zum ersten Mal in ihrem Leben einem neugierigen Publikum gegenüber und verzauberte dieses mit dem Charme einer jungen Dame, der nunmehr - seglerisch - kaum jemand aus der Zuhörerschaft das Wasser reichen kann. Nach der durchlaufenen Schule hatte sich Luca um eine Teilnahme am "Klassenzimmer unter Segel" auf der THOR HEYERDAHL, einem Dreimasttoppsegelschoner erfolgreich beworben und segelte zusammen mit ein paar Dutzend anderen "Kindern" so mir nichts, Dir nichts nach Panama, Azoren und zurück nach Deutschland. Das hierzu gezeigte Video ließ manchen ergrauten Segler ein wenig erschauern, wenn gewaltige Wassermassen fortlaufend übers Deck schwappten, und man konnte gut verstehen, dass, wie Luca berichtete, fast ausnahmslos alle seekrank wurden, obgleich natürlich die Arbeit im Rigg in 30 Meter Höhe getan werden musste. Das sei aber bei weitem nicht die einzige Prüfung gewesen, die zu bestehen war. Schlimmer sei es gewesen, bei extremer Lage die Abschluss-Arbeit zu schreiben, wobei man darauf achten musste, dass der Schreibbogen nicht allzu weit beim Krängen wegrutschte. Gelegentlich sei die Prüfung nur dadurch unterbrochen worden, dass Teilnehmer den Prüfungsraum verlassen mussten, um zu ... "speien", wie Luca sich zurückhaltend ausdrückte.

Langanhaltender Beifall belohnte das selbstbewußte "Opfer" einer Weltumsegelung. Unbestritten der Star auf diesem Seminar!

Ein sprachgewaltiger Vortrag von Bert Frisch, ehemaliger Korvettenkaptän, war das, als er berichtete, wie seine Frau Marlene und er die brandgeschädigte Kutteryacht HEIMKEHR in sechsjähriger harter Arbeit zur stolzen Blauwasseryacht wieder herrichteten. Seine Empfehlung, unbedingt ein aktives AIS zu benutzen und auf Schusswaffen jeglicher Art zu verzichten, blieb kopfnickend unwidersprochen. Sein Hauptthema aber war die Kommunikation auf Langfahrtyachten, ein großes Anliegen in der Blauwassersegelei. Wobei sein Apell zum Miteinander nicht nur in technischer, sondern auch menschlicher Hinsicht zu verstehen sei. "Miteinander sprechen" ist einer der Höhepunkte in der Blauwassersegelei.

Guido Dors, Weltumsegler und Geschäftsführer beim Äquator-Verlag, beleuchtete das Thema Blauwassersegeln von einer ganz anderen Warte. Als Weltumsegler auf einer vollbesetzen Yacht (Clipper Round The World Race) konnte er über Notfälle an Bord sogar mit Videoaufnahmen berichten. Und die für jeden Langfahrtsegler aufschlussreichen Erfahrungen an die Seminaristen weitergeben. Mit Sicherheit werden sie sich an diese extrem praxisnahen Tipps erinnern, wenn es mal darauf ankommt. Wovor niemand gefeit ist.

Prof. Dr. med. Peter Tassani-Prell, Chefarzt am Deutschen Herzzentrum, ist der erste Arzt, der die ewige Frage nach der "vorsorglichen Blinddarmoperation" ganz eindeutig, mit zahlreichen Statistiken belegt, beantworten konnte. Aber auch seine sonstigen selbstverständlich höchst fachkundigen und ganz nahe an der Bordpraxis orientierten Tipps könnten lebensrettend sein, wenn es zum Ernstfall auf einer Blauwasseryacht kommt, fernab jeder Zivilisation und damit jeglichen Arztes oder Krankenhauses.

Hans Schubert erläuterte, welche Möglichkeiten der Weltumsegelträumer hat, zu einer "eigenen"
Yacht zu kommen, wenn er, was sicher häufig vorkommt, finanziell nicht in der Lage ist, die Traumyacht mal so eben beim Händler zu bezahlen. Wie sehr der Referent anschließend von auskunftshungrigen Teilnehmern umlagert war, zeigte deutlich, dass Hans mit seinem Thema voll ins Schwarze getroffen hatte. Denn die vorangegangene Umfrage zeigte, dass mehr als die Hälfte der Teilnehmer noch vor der Anschaffung einer Yacht steht. Sie fanden im Weltumsegler Hans einen Gesprächspartner, der, wie kaum ein noch so gewitzter Steuerberater, sachkundig, speziell im brisanten Thema "Mehrwertsteuer" war.  

Im Abschlussreferat gab Bobby Schenk unzählige Tipps aus der erlebten Bordpraxis, die das Leben auf den Weltmeeren bequemer und vor allem sicherer machen.

Schenk wies daraufhin, dass ein derartiges Seminar ohne die großzügige Unterstützung durch die INTERBOOT und deren Leiter, Dirk Kreidenweiß, unmöglich wäre. Die INTERBOOT hat damit bewiesen, dass sie, obgleich im Binnenland gelegen, ein großes Herz für den Wassersport, auch für das Segeln über die Kontinente hinweg,hat. Nahezu alle Teilnehmer am Seminar, weit hergekommen aus Polen, Dänemark und sonstigen Anrainerstaaten, waren das erste Mal hier am Bodensee, was beweist, dass dieser größte See Europas nicht zu Unrecht den Beinamen Schwäbisches "Meer" trägt.

Zum Schluss ein Teilnehmerkommentar von J.K. zum obigen Blauwasserseminar 2015:

"Sehr geehrter Bobby Schenk
Selbst „Trockensegeln“, also einfach mal Zuhören, um was es bei Langfahrten geht, bringen Sie fantastisch über die Bühne. Derart fantastisch, dass die Lust an einer Weltumseglung noch weiter gestiegen ist. Das Blauwasserseminar vom vergangenen Wochenende war rundum kurzweilig, hoch interessant und bereichernd. Die Referenten haben mit viel Sachverstand und Herzblut ihre Erfahrungen präsentiert. Auch der Humor kam nicht zu kurz. Alles in allem ein hervorragender Anlass - natürlich inbesondere Dank Ihnen. Dafür herzlichen Dank." 

 

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