DIE HOMEPAGE VON
BOBBY SCHENK
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Unterwasseranstrich für optimale Langzeitwirkung
20.3.2002


Das kann sich keine Reederei auf der Welt leisten, wir Fahrtensegler schon! Alle acht oder 12 Monate genehmigen wir uns einen neuen Anstrich des Unterwasserschiffs. Dabei wäre es besonders für Langfahrtsegler wichtig, möglichst lange nicht mehr ins Trockene zu müssen. Für gute Farben gäben wir gerne etwas mehr aus, Hauptsache, sie wirken lang. Aber leider sieht die Praxis oft anders aus. Wenn die Versprechungen des örtlichen Verkäufers über die Wirksamkeit "seines" Antifoulings" nicht zutreffen, sind die Segler schon alle weit weg. Schön für ihn!

Zu keinem anderen Thema des Fahrtensegelns gibt es soviel Vermutungen, auch Mummenschanz. Bernard Moitessier beispielsweise hat propagiert, das Unterwasserschiff mit Lebertran einzureiben, ein anderes "Patentrezept" ist Cayenne-Pfeffer. Schön wäre es, wenn das helfen würde. Oft hört man auch das Gerücht, U-Boote würden über spezielle Unterwasser-Wunderfarben verfügen, die fünf Jahre lang wirksam blieben.

Tatsache ist, dass kaum ein Bereich der Seefahrt so gut erforscht ist. Denn in der Großschifffahrt spielt die Qualität von Unterwasserfarben, die den Bewuchs verhindern oder zumindest hemmen sollen, ein besondere Rolle. Bewächst das Unterwasserschiff eines Tankers, so reduziert sich die Geschwindigkeit schnell um Knoten, was Zeit kostet. Erst recht, kostet es Geld, viel Geld, wenn ein Extra-Aufenthalt für ein großes Containerschiff im Trockendock für einen neuen Anstrich anfällt. Also, logisch, die Großschifffahrt müsste am besten wissen, was gegen Entenmuscheln, Kalkschnecken, Algen und schleimigen Mikroorganismen unter Wasser hilft.

Jotun ist der zweitgrößte Schiffsfarbenhersteller der Welt. Michael Bouza, der auf seinem 10-Meter-Stahl-Segelschiff in einem für seinen agressiven Unterasserwasserbewuchs berüchtigten Revier seit einem Jahrzehnt lebt und dort sowohl für Yachten als auch für Industrieanlagen (Cargo-Schiffe und Bohrinseln) Jotun-Farbanstriche verkauft und beaufsichtigt, zeigt auf, wie der Unterwasseranstrich mehrere Jahre, vielleicht sogar eine ganze Weltumsegelung reichen kann:

Antifouling - Anwendung und Pflege des Unterwasseranstrichs

Von Michael Bauza´ - Echo Marine

Es ist Zweck einer Antifouling-Farbe, biologisches Wachstum an den von Meerwasser umspülten Flächen einer Yacht oder einer Marine-Anlage zu verhindern oder zu minimieren. Faktoren die darauf Einfluss haben sind: Schiffsgeschwindigkeit, Segelrevier, Gesetzeslage vor Ort und die angestrebten Intervalle zwischen den Aufenthalten im Trockenen. Danach muss der passende Anstrich ausgewählt werden. Alle ernsthaften Hersteller von Antifoulings produzieren deshalb eine breitgefächerte Produktpalette und raten daraus zur geeignetsten Farbe.

Die modernen Hochleistungs-Antifoulings basieren im allgemeinen auf Tribultityn (TBT) Copolymer. Sie enthalten auch einen hohen Prozentsatz an Kupfer (außer für Aluminium-Rümpfe) und sind üblicherweise vom Typ "selbstpolierend". In den meisten Ländern ist der Gebrauch von TBT Schiffen über 20 oder 25 Metern vorbehalten. Ein weltweiter Bann dieses Produkts tritt am 1. Januar 2003 in Kraft. Ab diesem Zeitpunkt dürfen diese wirkungsvollen, aber auch gefährlichen, Farben nicht mehr produziert werden.

Nunmehr hat Jotun Paints zusammen mit dem japanischen Chemiekonzern Nippon nach siebenjähriger Entwicklungszeit mit Tests an über 500 Schiffen SeaQuantum entwickelt, eine neue Generation von TBT-freien Farben, wohl das fortschrittlichste zinnfreie Produkt auf dem heutigen Markt.

Alle selbstpolierenden Farben hängen in ihrer Wirksamkeit von der Geschwindigkeit des Schiffes ab. Deshalb beginnen hier die ersten Überlegungen bei der Auswahl der Farben. Eine Fahrtenyacht, die das bestmögliche Antifouling benutzen möchte, darf deshalb nur die weichste Farbe verwenden, die sich auch bei gemächlichen Geschwindigkeiten selbst poliert. Damit werden üblicherweise auch Bohrinseln, U-Boote etc gestrichen. Jotun empfiehlt hier noch SEAMATE HB99 (mit TBT) oder dann eben SeaQuantum.

Aluminium-Yachten würden Korrosionsschäden riskieren, wenn sie keine kupferfreien Farben benutzen würden. Um hier sicher zu gehen, sollte ein kupferfreies Antifouling benutzt werden wie zum Beispiel Jotun Alusea Classic - freilich mit herabgesetzter Wirksamkeit.

Die "Lebensdauer" von selbstpolierenden Antifoulings hängt vor allem von der Schichtdicke des Anstrichs ab, denn das Antifouling wird mit der Zeit dünner und dünner, wobei immer wieder frisches wirksames Antifouling freigelegt wird, bis die Farbe abgetragen ist. Man sollte seinen Händler fragen, wie dick der Anstrich gewählt werden soll, damit die Farbe während des geplanten Zeitraums im Wasser wirksam bleibt. In der Berufsschifffahrt werden so drei bis fünf Jahre erreicht. Dies sollte auch bei Yachten, gute Pflege des Unterwaserschiffs vorausgesetzt, annähernd möglich sein.

Wegen ihrem hohen Anteil an Pigmenten sind blaue und besonders schwarze Antifoulings nicht so wirksam wie unpigmentierte Unterwasserfarben. Rote Antifoulings dagegen benötigen nur sehr wenig Pigmente und sind deshalb fast ebenso effektiv wie nicht pigmentierte Versionen.

Nachfolgend einige nützliche Tipps für die Anbringung und Fehlersuche beim Unterwasseranstrich. Man berücksichtige dabei, dass die Produkte für den professionellen Einsatz vorgesehen sind. Man befolge deshalb zur Sicherheit die Hinweise genau. Weitere Informationen ergeben sich aus den zu den Farben gelieferten Datenblättern.

Vorbereitung der Oberflächen: 

Auftragen des Antifoulings:

  1. Sind Flächen vorhanden, die nicht direkt mit Antifouling gestrichen werden können (Gelcoat, Polyurethan, ausgehärtete Epoxy-Primer), müssen sie mit dem richtigen Primer (z.B.Jotun Vinyguard Silvergrey 88) vorbehandelt werden.
  2. Ideal wäre es, die Farbe "airless" aufzuspritzen. Daraus resultiert eine gleichmäßige, glatte Oberfläche. An Yachten kann auch mit dem Roller oder Pinsel gearbeitet werden.
  3. Der erste Anstrich sollte verdünnt werden (maximal 15 %)
  4. Das Hauptaugenmerk muss darauf gerichtet werden, dass man eine so gleichmäßig und glatte Farbfläche wie möglich erhält. Unebenheiten oder Rauheit der Oberfläche fördern die Haftfähigkeit von Meereslebewesen. Diese wachsen in den Riefen der Oberfläche, weil dort das Antifouling mangels Strömung nicht ausreichend poliert wird. Wenn mit der Rolle keine glatte Oberfläche erzielt wird, ist es besser, mit zwei Personen zu malen. Die erste bringt die Farbe mit der Rolle auf, die zweite folgt schnell mit einem breiten Pinsel und verdünntem Antifouling.
  5. Die folgenden Schichten können unverdünnt aufgebracht werden, wenn nach wie vor eine glatte Oberfläche erreicht wird und die Dicke der einzelnen Schichten die vom Farbhersteller vorgegeben maximale Schichtdicke nicht überschreitet.
  6. Bei selbstpolierenden Antifoulings sind an der Mittschiffslinie, an den Kanten von Kiel und Ruder, sowie 20 Zentimeter von der Wasserlinie abwärts mindestens zwei Extra-Schichten Farbe aufzubringen, weil hier eine höhere Wasserbewegung auftritt.

Weitere Tipps zur Fehlervermeidung:

Pflege des Unterwasseranstrichs:

Auch wenn alle diese Anweisungen befolgt worden sind, kann es bei den heutigen Hochleistungs-Antifoulings eventuell zu einem leichten Bewuchs kommen. Probleme gibt es vor allem bei Yachten, die lange Zeit in tropischen Gewässern unbewegt vor Anker oder im Hafen liegen. Gleiches gilt besonders für brackige Gewässer.

Bei Null Knoten Schiffsgeschwindigkeit ist der Selbstpolier-Effekt nämlich nicht ausreichend, um neue aktive Farbschichten bloßzulegen, die den Bewuchs vollkommen verhindern.

Das Unterwasserschiff sollte regelmäßig inspiziert werden. Wenn hierbei Bewuchs festgestellt wird, soll er mit geeigneten Mitteln abgewischt werden, bevor er fester haften kann. Man kann das Selbstpolieren durch Abbürsten der Farboberfläche (zum Beispiel mit einem harten ScotchBrite für Grills) unterstützen - oder, besser noch, man gehe segeln!

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Page by Bobby Schenk
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