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YACHT-Leser fragen, Bobby Schenk antwortet



Frage von Peter Kubitza

Sehr geehrter Herr Kubitza,

wenn Sie sich für eine gebrauchte Stahlyacht entscheiden, dann haben Sie ja vor sich eine Yacht, die längst bewiesen hat, daß sie ausreichend stark gebaut ist. Generell kann gesagt werden, daß die meisten Stahlyachten in dieser Größe, vor allem in Holland, "über den Daumen", also ohne große Berechnungen, dimensioniert worden sind. Wobei man hierbei fast immer auf der sicheren Seite liegen wollte. Wachsam würde ich erst werden, wenn eine Stahlyacht dieser Größe auffällig leicht ist. Wenn sie also leichter als eine gleichlange Kunststoffyacht aus der gleichen Zeit ist. Was nichts anders bedeuten kann, als daß man bei den Wandstärken gespart hat. Letzteres ist allerdings sehr unwahrscheinlich. Denn die bodenständigen Holländer sind immer auf Nummer "sicher" gegangen.

Mißtrauisch würde ich beim Bootskauf werden, wenn die Yacht frisch gestrichen ist. Denn nichts ist leichter, als Rost unter frischer Farbe zu verbergen. Die Bescherung haben dann Sie nach ein paar Monaten.

Ein Teakdeck würde mir auf einer solchen Yacht gar nicht gefallen. Denn: "Wieīs da drin aussieht, geht niemand was an"! Irgendwann kommen die Probleme, vielleicht in einem Jahr, vielleicht in zehn oder zwanzig! Ganz wichtig ist der Zustand der Bilge, das gilt aber generell beim Kauf von gebrauchten Yyachten - siehe dort.

Das Zweitwichtigste ist der Zustand der Schale auf der Innenseite, also hinter den Schränken. Wenn Sie dort die notwendige Konservierung finden, dann kratzen Sie die stichprobenartig weg. Stoßen Sie auf Feuchtigkeit, Finger weg. Das Problem lösen Sie nie mehr. Viele Schäume, die früher zur Isolierung verwendet wurden (z.B.PU-Schaum) waren nicht geschlossenporig. Das heißt, sie eigneten sich zur Isolierung nur dann gut, wenn keine Feuchtigkeit hinreichte. Ansonsten sogen sie sich im Laufe der Jahre voll und wurden zum Zeitzünder für späte Probleme.

Häßlicher Rost, der dem Stahl den schlechten Ruf einbrachte, ist ein harmloses Übel. Mit einem Kilo Stahl kann man das Zehnfache an Rost erzeugen. Noch was Wichtiges: Viel schlimmer als Rost ist Korrosion durch Elektrolyse. Wenn "Ihre" Yacht also mit nagelneuen Zinkanoden ausgestattet ist, würd ich der Sache auch auf den Grund gehen. Lassen Sie sich bestätigen, wie lange die Zinkmäuse üblicherweise halten. Wenn sie nie erneuert werden müssen, heißt das auf einer Stahlyacht nur, daß sie nicht arbeiten.

Wegen der Elektrolyse sollte besonders sorgfältig Welle und Propeller, Auspuffsammler und Ruderanlage auf Anfressungen gecheckt werden.

Man sollte sich auch schriftlich vom Verkäufer bestätigen lassen, wo mit Rostumwandler gearbeitet worden ist. Dies ist ein Hinweis, daß es Stellen am Boot gibt, wo man die Rostprobleme nicht richtig in den Griff bekommen hat und zur Notlösung der Rostumwandlung greifen hat müssen.

Wenn eine Stahlyacht im Hinblick auf Elektrolyse o.k. ist, dann sind alle Unterhaltsarbeiten kosmetische Notwendigkeiten. Wer will schon auf einem Rosteimer rumsitzen? Dieser Pflegeaufwand ist allerdings erheblicher als auf einem GfK-Schiff. Es ist lästig, nicht schwierig, immer mit Pinsel und Farbe rumzurennen. Manche resignieren, und lassenīs rosten, was auch kaum schadet und wieder zu reparieren ist. Manche habenīs gut im Griff. Interessanterweise sind die Rostprobleme an Deck viel viel schwieriger zu beherrschen, als an der Schale oder gar unter der Wasserlinie, wo es eigentlich gar keine Probleme geben dürfte.

In einem haben Sie recht: Wenn es mal kracht, haben Sie mit Stahl die besten Chancen zu überleben und die Reparatur ist am unkompliziertesten - für jemand, der schweißen kann.

Smooth Sailing

Bobby Schenk

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