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BOBBY SCHENK
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Kauftipps: Gebrauchte Segelyachten



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Tips zum Kauf einer gebrauchten Segelyacht

Erster und wichtigster Tip:

Second-Hand-Boote sind heute sehr schwer zu verkaufen. Das gilt vor allem für größere Yachten, wo der Preis in die Hunderttausende geht. Dies deshalb, weil Leute, die soviel Geld haben, meist auch genügend Zaster auftreiben können, um ein neues Boot zu erwerben, also auf den Gebrauchtbootmarkt gar nicht angewiesen sind. Durch die Serienfertigung ist in den letzten Jahren der Preis für neue größere Yachten relativ(!) zurückgegangen. Eine 50-Fuß-Serien-Yacht hat schon vor 10 Jahren rund eine halbe Million gekostet, lag also in der gleichen preislichen Größenordnung wie heute auch. Das läßt gebrauchte Segelyachten in dieser Preisklasse nicht sehr günstig erscheinen.

Bei kleineren Yachten ist es dagegen die Masse auf dem Markt, die den Preis drückt. Hinzu kommt, daß nahezu jedes Schiff zu verkaufen ist, weil zahlreiche Eigner von einem "etwas" größeren Schiff träumen und diesen Traum nur deshalb nicht realisieren können, weil ihnen die "alte" Yacht wie ein Klotz am Bein hängt.

Auch das spielt bei der Preisentwicklung eine Rolle: Eine Yacht ist, anders als ein Auto, kein Gebrauchsgegenstand. Ein Teil des Spaßes beim Bootskauf ist somit meist, eigene Ideen, und sei es nur bei der Ausrüstung, einzubringen. Eine Yacht ist halt nun für fast alle von uns ein wunderbares Spielzeug.

Auch das Argument, man bekomme bei einer gebrauchten Yacht das Knowhow des Voreigners sozusagen kostenlos mit ("besser als neu") hatte sehr viel früher mal Geltung, wo viele Werften noch gar nicht so richtig wußten, wie man gute Schiffe baut. In den letzten 10 Jahren haben sie viel dazugelernt, sodaß im allgemeinen die Yachten des letzten Jahrzehnts einigermaßen ausgereift geliefert wurden.

Also, gebrauchte Yachten sind schwer zu verkaufen. Deshalb gilt:

Der Käufer eines Second-Hand-Bootes hat alle Trümpfe in der Hand. Vor allem dann, wenn mit Bargeld bezahlt wird.

Wer das nicht glaubt, braucht nur in den Anzeigenseiten der YACHT nachzuschauen. Das Verhältnis von "Yacht zu verkaufen" und "Yacht gesucht" ist sicher 50 zu eins, wahrscheinlich noch höher.

Voraussetzungen auf der Käuferseite für einen guten Kauf:

Faktoren auf der Verkäuferseite für einen guten Kauf:

 

Der größte Trumpf des Käufers ist das Bargeld in der Hand

Gleichgültig, ob man eine Yacht aus der Portokasse bezahlen kann oder sie mühsam finanzieren muß, irgendwie muß Geld fließen. Woher das Geld nun kommt, vielleicht aus einem Bankkredit, geht den Verkäufer nichts an, interessiert ihn auch nicht. Der ist nur(!) daran interessiert, daß er es in seine Hände bekommt. Deshalb drückt nichts so sehr den Preis wie ein Bündel Geldscheine in der Hand des Kaufinteressenten.

Für jemand, der sich innerlich von seiner früher so geliebten Yacht getrennt hat, ist diese nur mehr eine Last. Er möchte sie so schnell wie möglich loswerden. Wenn der andere mit den braunen Scheinen wedelt, dann hat er sein Ziel unmittelbar, "zum Greifen", nahe. Dafür werden auch Opfer gebracht.

Es ist auch kein Geheimnis, daß viele Bootsbesitzer aus steuerlichen Gründen nicht sosehr an beweiskräftigen Transaktionen über Banken interessiert sind. Dies kann dem Käufer solange gleichgültig sein, solange er davon nichts weiß oder wissen muß. In einem derartigen Fall hat das Bargeld für den Verkäufer zusätzlichen Anreiz, was wiederum auf den Preis drücken wird.

Wer übrigens noch von einer Yacht träumt und meint, er könne sie für die Finanzierung von seiner Bank beleihen lassen, der vertut sich meist gründlich. Banken hassen Yachten als Sicherheit.

 

Faktoren auf der Verkäuferseite für einen guten Kauf:

Motiv des Verkaufes

Echte Notverkäufe

Todesfälle, plötzliche Geldnöte oder familiäre Veränderungen (Kinder, Ultimatum der Ehefrau, oder schon die Scheidung) sind günstige Voraussetzungen für einen erfolgreichen Schiffskauf. Ja, "des einen Unglück..." ist nun mal ein Vorteil in mehrerer Hinsicht. Die Erben haben meist mit der Yacht nichts am Hut, sie wollen sie nur schnell zu Geld machen. Meistens befinden sich die Yachten aus solchen Gelegenheiten noch in dem Zustand, wie sie der Eigner gerne hatte.

Am günstigsten sind Yachten oft auf Zwangsversteigerungen durch einen Gerichtsvollzieher zu erwerben. Denn - siehe oben - der Käuferkreis ist meist so klein, daß man sich nicht gegenseitig überbieten wird. Selten wird bei der ersten Versteigerung der vom Sachverständigen ermittelte Verkehrswert erzielt. Solche Versteigerungen unterscheiden sich erheblich von privaten Versteigerungen, die von Firmen oder Schiffsmaklern veranstaltet werden. Dort erzielt man meist keine günstigen Preise, weil der Schiffsmakler sein Mindestgebot schon so legt, daß er auf seine Kosten kommt.

Leider kommt es nicht allzu oft vor, daß Yachten zwangsversteigert werden, sodaß nur selten die für den Kaufinteressenten ideale Yacht angeboten wird.

Ganz anders verhält es sich bei Notverkäufen als letzten Versuch die eigene desolate Zwangslage zu verbessern. Ist Yachtsleuten nämlich das Geld ausgegangen (zum Beispiel weil die erwarteten Chartereinnahmen ausgeblieben sind) - auf Weltumsegelungen erlebt man das häufig - dann sollte man sich einen derartigen Kauf sehr gut überlegen. Denn meist ist die Yacht aus Geldnot vergammelt, was nur notdürftig kaschiert werden kann. Der Kauf notwendiger Ersatzteile wurde schon seit langem vermieden, am Unterhalt der Yacht wurde gespart. Kurzum, Hände weg von solchen Yachten, es sei denn, der extrem niedrige Preis macht die Nachteile wieder wett!

Verkäufe von Yachten, von denen der Eigner nichts mehr wissen möchte.

"Es fällt mir schwer, mich von meiner Yacht zu trennen, sie ist uns so ans Herz gewachsen!" Solche Sprüche sollte man niemals glauben. Im Klartext heißt dies nämlich: "Wir waren mit der Yacht ganz zufrieden, jetzt aber möchten wir ein neues Spielzeug und dafür muß die alte so schnell wie möglich und für möglichst viel Geld weg!"

Jede Gefühlsduselei ist beim Schiffskauf dem klaren Denken nur im Wege. Kein Mensch verschenkt etwas. Deshalb:

Der Verkäufer möchte nur(!) an mein Geld!

 

Kauf vom Privatmann oder Makler

Dem Makler geht es in erster Linie darum, daß ein Verkauf zustandekommt und erst in zweiter Linie darum, unter welchen Bedingungen, mit welchem Preis, verkauft wird. Üblicherweise beträgt die Maklergebühr einen gewissen Prozentsatz vom Kaufpreis. Sie wird praktisch immer nur dann fällig, wenn ein Kauf zustandekommt, dann also verdient der Makler erst daran. Der Makler ist also vor allem an einer Einigung über den Kaufpreis interessiert, selbst wenn er den Verkäufer vertritt und der beim Preis nachgibt.

Andererseits ist der Makler niemals am Risiko eines Kaufes beteiligt. Er wird, das ist menschlich, das Blaue vom Himmel runterreden, nur damit beide Parteien momentan zufrieden gestellt werden und unterschreiben.

Im Endeffekt kann also auch über einen Makler günstig eingekauft werden, wobei man sich darüber im Klaren sein muß, daß die Maklergebühr immer von den Vertragspartnern mitbezahlt wird, was den Kaufpreis erhöht.

Maklerfirmen und deren Angebote sind auch gut geeignet, einen gewissen Marktüberblick und über das (vom Makler gewünschte) Preisgefüge zu bekommen. Logisch, auch im Internet kann man sich vom Schreibtisch aus weltweit kundig machen. So werden beispielsweise unter ESYS-Bootsmarkt oder unter www.boat.de (Link ohne jede Gewährleistung!) über zweitausend Yachten mit Preisangabe(!) sehr übersichtlich angeführt.

Der Standort der Yacht

Dies kann ein erhebliches Kaufargument sein. Wenn man ein Schiff fürs Mittelmeer sucht und die "Traumyacht" liegt irgendwo in der Ostsee, dann scheitert eben daran möglicherweise der Schiffskauf, weil sich der Transport sowohl finanziell als auch auf die Qualität der Yacht negativ auswirkt. Träumt man andereseits von Palmen in der Südsee, dann ist eine Yacht mit Standort Whangarei (Neuseeland) sehr günstig, weil das ja schon am Tor zur Südsee liegt. Allerdings gilt zu bedenken, daß außereuropäische Yachten möglicherweise wegen dem fehlenden CE-Zeichen nicht mehr unter deutscher Flagge in europäischen Gewässern gesegelt werden können, was sich außerordentlich negativ auf einen Wiederverkaufspreis niederschlagen kann.

 

Zustand der Yacht in tatsächlicher Hinsicht

- Fehlerfreiheit, Alter, Zubehör -

Der generelle Wert einer Yacht

Je größer eine Yacht, umso weniger wird man von einem allgemeingültigen Verkehrswert ausgehen können. Eine Yacht, die vor 10 Jahren eine halbe Million gekostet hat, kann heute für einen Preis von 300000.- DM oder auch nur für 100000.- DM seinen Besitzer wechseln. Es ist dies eine vollkommen andere Situation wie bei einem Auto. Besonders "exotische" Yachten, wie zum Beispiel, private Ausbauten für eine Weltumsegelung, oder gar Selbstbauten haben einen sehr niedrigen Verkaufswert, es sei denn, es findet sich ein (einfältiger) Liebhaber für eine solche Yacht.

Gleiches gilt für eine "Erfinderyacht", wo der Vorbesitzer alle seine epochemachenden Idden, wie zum Beispiel ein Dschunkenrigg o.ä.eingebaut hat.

Den höchsten Wiederverkaufswert erzielen Serienbauten aus anerkannt guten, noch existierenden, Qualitätswerften. Hier kann man sich ganz annähernd an den Preisen für die heutigen Modelle orientieren, nicht annähern.

Vergangenheit einer Yacht

Der Kauf einer Gebrauchtyacht ist in vielfacher Hinsicht einfacher als der einer neuen Yacht. Denn, es ist durchaus zuverlässig, aus der Vergangenheit auf die Qualität und Tauglichkeit einer Second-Hand-Yacht zu schließen. Eine Yacht mit mehreren Atlantiküberquerungen auf dem Buckel hat eben bewiesen, daß sie dazu in der Lage ist. Daß eine Yacht dadurch in ihrer Substanz gelitten hat, ist jedenfalls bei modernen Metall- oder Kunststoff-Yachten nicht anzunehmen.

Gleiches gilt für Charteryachten, die aus Altersgründen ausrangiert, durchaus tüchtige Gebrauchtboote sein können. Ja, ich hätte sogar besonderes Zutrauen zu ihnen, weil es kaum rauhere Betriebsbedingungen für ein Yacht geben kann wie der Charterbetrieb bei einer großen Charterfirma. Mit gutem Grund kann der durchschnittliche Gebrauchtboot-Käufer sagen: Wenn die Yacht Hunderte von sorglosen Charterkunden ausgehalten hat, dann wird sie mir Privatmann noch viele Jahre ein vergleichsweise beschauliches Dasein bieten können. Solche Käufe können sogar besonders günstig sein, weil diese Yachten (bei seriösen Charterfirmen) fortlaufend gewartet wurden und vielleicht nur deshalb außer Dienst gestellt werden, weil sie wegen des Alters für die Urlaubssegler nicht mehr so attraktiv sind. Und im übrigen schon abgeschrieben sind.

Der Zustand einer Yacht

Der Wert einer Yacht hängt in zweiter Linie vom technischen Zustand einer Yacht ab. Um diesen zu taxieren, benötigt man nicht unbedingt einen Sachverständigen. Verfügt man über längere Segelerfahrung oder hat man einen Bekannten bei der Besichtigung dabei, dann kann man sich selber ein ganz gutes Bild von der Yacht machen.

Besichtigung der Yacht

Es ist selbstverständlich, daß die Besichtigung einer Yacht, die man ernsthaft kaufen möchte, in drei Etappen stattfinden muß, und zwar:

 

Phase 1 - Besichtigung am Steg

Die erste Besichtigung wird immer am Steg stattfinden.

Zur Besichtigung mitzubringen ist (Vorschlag):

Der Begleiter kann nicht nur an Ort und Stelle Ratschläge für die Besichtigung geben, sondern dient unter anderem im Falle einer (unbedingt zu vermeidenden Rechtsstreitigkeit) als unbeteiligter Zeuge.

Die Taschenlampe macht von den stationären Beleuchtungsverhältnissen weitgehend unabhängig. Die Bilge beispielsweise wird sicher vom Eigner nicht hell erleuchtet werden und hat doch soviel Aussagekraft.

Mit dem Magneten kann jedes Metall darauf geprüft werden, ob es Chromstahl oder nur verchromtes Eisen ist. Billige Schrauben im Holz lassen sich so leicht enttarnen.

Das "Schweizer Taschenmesser" ersetzt einen Schraubendreher, wenn man hinter eine Abdeckung schauen möchte oder dient zum (heimlichen) Farbeabkratzen.

Die Videokamera (notfalls leihen und auf "Automatic" stellen) dient zur Dokumentation der Besichtigung. Mit Erlaubnis des Eigners können so seine Aussagen über den Zustand des Schiffes aufgezeichnet werden, es kann aber auch eine eindrucksvolle Bestandsaufnahme vom Schiff mit Zubehör gemacht werden. So wird man sich nicht wundern müssen, wenn nach der späteren Übernahme Zubehör-Gegenstände vermißt werden, die nach der Erinnerung eigentlich zum Schiff gehört haben. Zu Hause, beim Überdenken des Ganzen, ist man dann nicht auf seine - lückenhaften -Erinnerungen angewiesen.

Der erste Eindruck

Als erstes würde ich immer die Visitenkarte der Yacht schlechthin, nämlich die Bilge, besichtigen. Selbst, wenn sie unmittelbar zuvor peinlichst gereinigt wurde, bleiben die Spuren ihres ursprünglichen Zustandes.

Wenn Sie hierbei feststellen, daß sie praktisch unbenutzt ist, daß sich darin noch der Staub der Werft befindet, dann kaufen Sie diese Yacht sofort! Freilich wird man diesen Zustand äußerst selten und dann fast nur auf Metallyachten antreffen.

Das Gegenteil ist eine Bilge, in der eine stinkige dunkle Brühe steht - mit großen Fettaugen darauf. Fast immer hört man dazu den Kommentar: In einem Segelschiff ist eben Wasser. In diesem Fall gibt es nur die Flucht vor einem so vergammelten Schiff.

Meistens ist tatsächlich Wasser in der Bilge. Süß- oder Salzwasser? Man nagle den Eigner darauf fest, woher das (Salz-)Wasser kommt. Ist die Ursache "nur" die Lage am Wind, dann kann man davon ausgehen, daß man das Schiff niemals dicht kriegen wird. Denn der Eigner hat dies schon Jahre lang versucht. Greifen Sie in Kleiderschränke und suchen Sie an den Wänden nach Salzkristallen. Werden Sie fündig, dann steht Ihnen mit diesem Schiff eine feuchte Zukunft bevor. Das muß sich ganz erheblich im Preis niederschlagen, ist aber bei einer GFK-Yacht nicht so ungewöhnlich, daß man deshalb auf das Schiff unbedingt verzichten muß.

Findet sich in der Bilge auch Fett oder Öl, dann muß unbedingt die Herkunft festgestellt werden. Ein paar Tropfen aus der Stopbuchse wären verzeihlich.

Schäumt die Brühe in der Bilge beim Umrühren, dann wurde die Bilge kurz vor dem Besuch noch vom Fett oder Öl gereinigt. Hier muß mißtrauisch nachgefragt werden.

Der nächste Blick gilt dem Motorrenraum: Wie leicht ist er zugänglich? Wenn der Eigner es schafft, mit einem Griff den Motor zu präsentieren, kann davon ausgegangen werden, daß dies für ihn eine alltägliche, häufige, Übung ist. Das kann man positiv oder negativ sehen. Der äußere Zustand der Maschine ist nicht so vielsagend, wie die Ölwanne unter der Maschine. Hier gilt gleiches wie für die Bilge. Salzwasser deutet auf eine leckende Stopfbuchse (1 Topfen/10 Sekunden sind normal), aber auch auf einen leckenden Seewasserkreislauf hin. Kommt das Salzwasser aus dem Auspuffsammler, dann ist Ärger für die nächste Zeit vorprogrammiert.

Die Gesamtlaufzeit der Maschine ist aufschlußreich. Liegt sie unter dreitausend Stunden, sollte sie ohne Probleme noch für das doppelte gut sein.

Der Motorenraum selbst darf nicht schwarz, rußig sein. Wenn ja, deutet das auf (häufige) und sehr ärgerliche Auspuffprobleme.

Die Frage nach dem letzten Ölwechsel, Ölfilter-Wechsel und dem verwendeten Öl sollte der Eigner schlagartig beantworten können.

Ist die Maschine warm? Ja, warum? Hat der Eigner vor dem Besuch des Schiffskäufers die Maschine vorsichtshalber laufen lassen, damit die Batterien noch was hergeben und die Maschine williger startet?

Es folgt - am Steg - der Start der Maschine. Jede ordentliche Dieselmaschine springt, eventuell nach Vorglühen - sofort an. Zieht der Anlasser nur träge durch, dann ist die Batterie zum Wegschmeissen, was ein schiefes Licht auf den Vorbesitzer wirft. Gleiches gilt, wenn die Maschine deutlich blau, schwarz oder gar weiß raucht. Die Ursache muß(!) vor dem Kauf abgeklärt werden.

Wenn nach dem Anlassen die Nadel für die Batterieladung schon nach ein paar Minuten gegen Null zurückgeht, dann sind die Batterien verdächtig - entweder wurden sie gerade erst randvoll aufgeladen oder, meistens, wegwerfreif, auch wenn sie nach Angeben des Eigners "erst" vier Jahre alt sind.

Läuft die Maschine unrund, dann verabschiede man sich nunmehr von Bord, um seine Zeit nicht zu vertun. Zumindest die Filter, wahrscheinlich die ganze Yacht ist verschlampt.

Allein auf Grund des äußeren Zustands einer Yacht ihre Qualität nur durch bloßes Hinschauen zu kontrollieren, ist schwierig. Bei einer Metallyacht erst recht. Größte Vorsicht ist geboten, wenn sich eine Metallyacht in blendendem Outfit präsentiert, dann frage man sofort, wann sie zum letzten Mal frisch gestrichen wurde. Unlängst? Dann ist größte Vorsicht geboten. Vor zwei Jahren oder noch früher? Dann scheint alles o.k. Rostspuren in der Nähe eines Teakdecks auf einer Stahlyacht machen ein solches Schiff (für mich) unkäuflich - es sei denn, ich hab soviel Geld (und Nerven), um das Teakdeck komplett zu erneuern.

Ansonsten lasse man sich noch die an Bord befindlichen Ersatzteile für die Maschine zeigen. Findet man dort Aggregate vor, die schon mal eingebaut waren (Starter, Pumpen, Injektors), braucht man auch die Probefahrt nicht mehr abzuwarten, es sei denn, man freut sich auf ein Leben im Maschinenraum. Sind in der Reservelast stattdessen orginalverpackte Dichtungssätze, ist das Betriebshandbuch für die Maschine nicht(!) ölverschmiert oder kann einem der Eigner gar ein technisches Logbuch zur Maschine vorlegen, dann kann man getrost zur Phase 2 der Schiffsbesichtigung schreiten

 

Phase 2 - die Probefahrt

Es versteht sich von selbst, daß man mit dem Eigner einen fairen Preis für die Probefahrt ausgemacht hat, den man dann bezahlen wird, wenn es nicht zu einem Kauf kommt.

Vor dem Ablegen wird der Wasserstand in der Bilge kontrolliert.

Nach dem Ablegen schalte mal ein paar Mal das Getriebe. Spricht es ohne Verzögerung immer an? Gut!

Können zügig die Segel gesetzt werden? Wenn nicht, warum? Sind es die Winschen, die so schwergängig sind, dann werden auf den neuen Eigner Kosten in beträchtlicher Höhe zukommen.

Die Farbe der Segel sagt auch viel über die Ausgaben als neuer Schiffseigentümer aus. Sind die Segel schon grau, aber noch ungeflickt? Das kann man hinnehmen, denn es bedeutet, daß die Segel zwar strapaziert wurden, daß sie aber nicht bsonders UV-empfindlich sind. Mit vielen Flicken dagegen im Tuch wird es nicht mehr lange leben.

Ist der Wind günstig, dann sollte der Ruderdruck begutachtet werden. Ideal: Leichte Luvgierigkeit! Leegierig? Dann hat es der Eigner in all den Jahren nicht geschafft, die Yacht ordentlich zum Segeln zu bringen. Über das Geschwindigkeitspotential der Yacht wird eine Probefahrt am Nachmittag wenig aussagen. Viel mehr Aufschluß gibt ein Blick ins Logbuch her: Was waren die besten Etmale, was läuft die Yacht mit Genua bei Backstagsbrise? All das müßte im Logbuch stehen. Kein Logbuch vorhanden? Bitte nehmen Sie Kurs zum Steg zurück und tschüss!

Für viele Yachten und Skipper kommt der Zeitpunkt der Wahrheit, wenn sie ankern sollen. Darauf muß bestanden werden. Man sieht dann selbst, wie seetüchtig die Yacht ausgerüstet ist! Ausblühungen am Alugehäuse des Ankerspills sind ein schlechtes Zeichen. Ist ein elektrisches Ankerspill vorhanden, betreibe man es ohne mitlaufende Maschine. Wie lange die Batterien das mitmachen, sagt - neben der Ladestromanzeige - viel über ihren Alterszustand aus.

Herrscht bei der Probefahrt guter Wind, dann sollte man nicht zu feige mit der Segelfläche sein. Und wenn die Yacht auf dem Ohr liegt, ist ein Besuch unter Deck aufschlußreich. Der Lärm und das Geächze sagen viel aus.

Auf der Kreuz bietet sich eine gute Gelegenheit, die Wanten auf Schäden zu kontrollieren. Sind sie auf der Leeseite lose, würden sich Knicke gut zeigen. Solche Wanten und Stagen müssen ausgetauscht werden. Mast und Großbaum dürfen minimale Ausblühungen des Aluminiums in der Nähe von Schrauben und Beschlägen zeigen. Große Vorsicht ist aber bei solchen Bildern am Mastfuß geboten. Niemand kann das Aluminium im Mastfuß sehen!

Selbstverständlich hat man während der Probefahrt das Ruderrad kontrolliert. Wandert die Königsspeiche? Wie groß ist das Spiel der Hydraulik? Wie oft muß Hydraulikflüssigkeit nachgegossen werden? Nur die Antwort "Nie" ist befriedigend.

Jetzt ist auch der Moment, wo das Zubehör ausprobiert werden kann. Wichtig ist vor allem das Radar, das nicht zwischen Masten am Steg laufen sollte.

Das andere elektronische Zubehör ist ohnehin Pippifax und nach ein paar Jahren nichts mehr wert. Der Seekartenplotter ist sicher schon veraltert, aktuelle Karten gibts nicht mehr. Generell lasse man sich durch die Fülle von Zubehör nicht blenden. Bei der Inventur prüfe man auch den Zustand Backskisten innen.

Wie alt sind die Rettungsmittel? Prüfstempel auf den Rettungswesten beweisen die Sorgfalt des Verkäufers in wichtigen Fragen. Genauso: Wurde die Rettungsinsel regelmäßg gewartet?

Am Ende der Probefahrt muß die Bilge nochmals kontrolliert werden. Woher kommt das Wasser?

 

Phase 3 - die Yacht hoch und trocken

Hat die neue Geliebte bisher alle Prüfungen bestanden, muß(!) sie am Unterwasserschiff begutachtet werden - und das geht nun mal ordentlich nur an Land. Auch hier werden die Kosten vom "Käufer" getragen, wenn es zu keinem Kauf kommt.

Bei einem Metallschiff wird man nach Beulen und Schweißnähten suchen, die dort nichts verloren haben. Wenn die Schutzanoden gleichmäßig angefressen sind, dann deutet das auf gute Funktion hin. Haben sie keinerlei solcher Spuren, dann sind sie gerade eben erneuert worden. Wegen der Schiffsinspektion? Warum?

Bei einem Kunststoffschiff wird man ebenfalls nach, schwer zu entdeckenden, Reparaturstellen Ausschau halten und nach der Ursache fragen. Mehrere Blasen im Wasserpaß-Bereich ist fast immer die gefürchtete Osmose! An und für sich kein Unglück, denn die läßt sich reparieren. Allerdings mit hohen Kosten, wenn sie weit fortgeschritten ist. In diesem Falle sollte ein Kunststoff-Fachmann (kein "normaler" Schiffssachverständiger) zugezogen werden, der eine Expertise über Ausmaß und Reparaturkosten erstellt.

Daß bei einem Kunststoffschiff die - hoffentlich vorhandenen - Zinkanoden nur ganz wenig angefressen sind, ist normal.

Die Schraube darf kein Risse, Beulen oder Verbiegungen aufweisen. Die Ränder des Propellers dürfen die Finger nicht aufreissen, wenn man darüberstreicht.

Bei trockenem Wetter sollte das Unterwasserschiff nach einem Tag abgetrocknet sein und(!) trocken bleiben! Ansonsten: Woher kommen die feuchten Flecken?

Der "angemessene" Preis einer Yacht

Viel weniger wie bei einem Auto kann man von einem "angemessenem" Preis" einer Yacht sprechen. Das liegt vor allem daran, daß die meisten Yachten nur in kleinen Serien gebaut worden sind, sodaß sie kein besonderes Gewicht auf dem zahlenmäßig unübersichtlichen Yachtmarkt erreicht haben.

Ganz wichtig: Die in den Kleinanzeigen der Segelzeitungen genannten Preise sind die Traumpreise für die Verkäufer. Nur in ganz seltenen Fällen werden diese Preise auch bezahlt. Aber für einen ganz groben Anhalt zur Größenordnung taugen sie.

Wer will kann es auch mit einer Preisliste, ähnlich der bei Autohändlern so beliebten, "Schwacke-Liste" probieren. Zu bestellen ist diese Schwacke-Liste für Yachten (Einzelpreis 171.- DM) bei Schwacke selbst. Aber auch hier gilt: Fehlende Masse vergleichbarer Yachten setzen ein dickes Fragezeichen hinter den Schwacke-Preis.

Doch, etwas allgemeingültiges läßt sich zum Thema Kaufpreis doch sagen. Hat man sich in eine Yacht verliebt, ist sie wohl jeden Preis wert. Das ist so wie bei einer schönen Frau.

Das Happy End, der Kauf

Zum Schluß noch ein ganz wichtiger Ratschlag:

Man rechne beim Vertragsschluß mit allen Eventualitäten

Eine Yacht könnte auch per Handschlag verkauft werden. Doch ist die (nicht erforderliche) Schriftform viel beweiskräftiger bei nachfolgenden Meinungsverschiedenheiten. Deshalb schreibe man lieber zuviel in den Vertrag als zuwenig. Rechtsanwälte leben davon, daß zu wenig Vereinbarungen getroffen wurden. Man halte auch im Vertrag fest, daß mündliche Nebenabreden zur Gültigkeit wiederum der Schriftform bedürfen und daß bei Ungültigkeit einzelner Vertragspunkte der ganze Vertrag im übrigen seine Gültigkeit behalten soll. Viel schlimmer als ein späterer Ärger mit der Yacht oder einem Ausrüstungsgegenstand wäre ein Prozeß zwischen den Vertragsparteien. Hieran verdienen erfahrungsgemäß mit Sicherheit nur Rechtsanwälte.

Wenn sich der Verkäufer zu Nachbesserungen ooder Nachlieferung von Zubehör verpflichtet hat, sollte man den Rückbehalt eines Restkaufpreises vereinbaren. Mit Übergabe der Yacht erlischt nämlich bei den meisten Vorbesitzern das letzte Interesse an ihr. Die Aussicht auf den Kaufrest hält es wach.

Anders als bei Grundstücken wird ein Schiff wie jede normale Sache, also zum Beispiel wie ein Auto, verkauft. Rein theoretisch kann eine Yacht mit einer Hypothek belastet sein, was allerdings selten vorkommt. Man lasse den Verkäufer schriftlich versichern, daß die Yacht frei von Rechten Dritter ist und in seinem uneingeschränktem Eigentum steht. Eine gewisse, keine absolute, Sicherheit gibt hier auch ein Blick in den Auszug des Seeschiffsregisters, wenn die Yacht eingetragen ist.

Das Eigentum an der Yacht geht, so sagt der Gesetzgeber, "durch Einigung und Übergabe" auf den Käufer über. Man erstelle ein Übergabeprotokoll, das von beiden Seiten unterzeichnet wird. Insbesondere sollte hier auch das Zubehör bis zur letzten Schraube verzeichnet sein. Dann fällt am ehesten auf, wenn seit der letzten Probefahrt die Yacht leichter geworden ist. Man bitte den Verkäufer auch allen Papierkram zu übergeben, der sich im Laufe des Lebens der Yacht angesammelt hat. Bei Flugzeugen nennt man das die Lebenslaufakte. Dies wäre auch dem neuen Eigner eine große Hilfe. Wenn der Verkäufer mit dem Verlauf des Verkaufs zufrieden ist, wird er - neben einer Flasche Chmpagner - diese Wünsche erfüllen.

Nach dem Prost ist im Normalfall der Käufer dann Eigentümer der Yacht mit allen Rechten und(!) Pflichten. Hier sei eine Episode erwähnt, die dem bekannten Weltumsegler Ernst-Jürgen Koch nach dem Verkauf seiner Yacht KAIROS passiert ist: Da hatte sich offensichtlich am Liegeplatz ein Schlauch gelöst und die KAIROS Wasser gemacht. Der neue Eigner telefonierte aufgeregt Ernst-Jürgen mitten aus dem Schlaf: "Herr Koch, Ihr Schiff sinkt!" Die schlaftrunkene Antwort lautete: "Was heißt mein Schiff? Es ist Ihr Schiff, das sinkt!"

 

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