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BOBBY SCHENK
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Ein Superprogramm für Emails per Kurzwelle: Airmail 3.0.855


26.1.2002
Kommunikation von Bord aus ist das Thema für die nächsten 10 Jahre in der Fahrtensegelei schlechthin. Blicken wir nur wenige Jahre zurück, stellen wir fest, dass wir unendlich viel Zeit damit zugebracht, besser "verloren", haben, bei der Suche nach Wegen, wie wir auf hoher See, oder auf abgelegenen Ankerplätzen an nautisch wichtige Informationen rankommen, seien es Wetterberichte, seinen es Mitteilungen für Seeleute oder seien es auch nur Ersatzteilbestellungen. Das Internet scheint die Lösung für alle Kommunikationsprobleme zu sein. Doch, noch ist der Fahrtensegler technisch weit davon entfernt, einen so leistungsfähigen Zugriff ins Netz zu haben, wie wir es von zu Hause gewohnt sind. Zwar ist der Zugang per Satellitentelefon ins Internet längst Wirklichkeit, doch sind die Kosten hierfür so hoch, dass der "Durchschnittssegler" davon keinen Nutzen hat. Denn wer möchte schon für eine Wetterkarte 10 oder 20 Euro ausgeben? Das Problem sind die Telefonkosten von einem Euro pro Minute bei gleichzeitiger Schneckenübertragung der Daten - maximal 9600 Baud. Andere Möglichkeiten zeichnen sich ab:

Emails über Kurzwelle finden den Weg ins Internet

Funkamateure haben hier einen Weg entdeckt, der - in der Bordpraxis - zwar keinen Zugang ins Internet ermöglicht, aber immerhin Emails von Bord auf hoher See nach Hause oder sonst wohin transportiert. Damit ist schon viel gewonnen. Denn immerhin können wir so mit Informationen versorgt werden, die ein anderer an Land aus dem Internet saugt. Genaugenommen ist der Funkweg für die Übermittlung digitaler Daten, die ja einszueins beim Empfänger landen müssen, völlig ungeeignet: Die Älteren unter uns können sich noch an die Zeiten erinnern, wo gelegentlich Sportübertragungen im Rundfunk bei olympischen Spielen aus Übersee per Kurzwelle erfolgten und die Hörer auf Grund krasser Lautstärkeschwankungen auf eine harte Probe gestellt wurden.

Genial war deshalb die Idee, die zu übertragende Datei in kleine "Pakete" zu zerlegen und diese der Reihe nach zum Empfänger zu übertragen - und zwar dergestalt, dass nach dem Paket Eins das Paket Zwei erst dann gesendet wird, wenn sichergestellt ist, dass Paket Eins fehlerfrei, eben einszu eins, beim Empfänger angekommen ist.

Woher der Sender das weiß, dass seine erste Sendung fehlerfrei angekommen ist? Der Empfänger sendet eine "Antwort", die beispielsweise eine Prüfsumme der empfangenen Daten enthält, worauf der Sender wiederum sieht, ob seine Aussendung fehlerfrei angekommen ist. Wenn nicht, schickt er das Paket nochmals los, wenn ja, dann kann es mit dem nächsten Paket weitergehen.

Klingt kompliziert, wäre es auch, wenn der Mensch hier mitkontrollieren müsste. In der Praxis macht es die Maschine, der Mensch merkt wenig davon, höchstens dass die Sendung einmal schnell geht und ein ander Mal sich zieht. Logisch: Schuld sind die Ausbreitungsbedingungen für die Funkwellen, die von einer Reihe von Faktoren abhängen: Entfernung, Tageszeit, Sonnenfleckentätigkeit, Jahreszeit und so fort. Sind sie sehr gut, braucht jedes Paket nur einmal gesendet werden, ansonsten halt ein paar Mal, bis sie jeweils beim Empfänger angekommen sind. 

Okey, so kommen Daten fehlerfrei zum Empfänger. Aber wie wird daraus ein Email an einen beliebigen Empfänger irgendwo auf der Welt? Wir alle kennen den Weg: Der freundliche Empfänger unseres Textes, schickt einfach die Daten über die Telefonleitung ins Internet.

Das Ganze wäre nun in der Praxis viel zu kompliziert, um alles händisch zu machen. Seit vielen Jahren haben deshalb Technik-, Computer- und Funkfreaks ihre Intelligenz in dieses System investiert, um die Anwendung so einfach wie möglich zu machen. Und tatsächlich ist es heute mit den modernen Geräten und der Software dahinter so einfach geworden, ein Email per Funk auf den Weg zu bringen - oder zu empfangen, dass zum Telefonbetrieb in der Handhabung keine großen Unterschiede bestehen.

Folgende Geräte sind notwendig: Ein guter Tranceiver, also ein Sender plus Empfänger, der die zugelassenen Kurzwellenfrequenzen abdeckt, eine Antenne, die Antennentuner automatisch abstimmt, ein Controller, wobei weltweit üblich die SCS-Geräte aus Deutschland der Maßstab sind, ein Computer und die entsprechende Software.

Diese kann nur das Airmail von Jim Corenman sein, weil sie so überragend ist und dem Benutzer praktisch alle Arbeit so abnimmt, dass praktisch alle Jims Programm benutzen. Und dem ist es zu verdanken, dass man sich um die Technik nicht mehr zu kümmern hat. Und kostenlos ist es für uns obendrein.

Airmail, besonders die neue Version 3.0.855, ist auf der Datenseite so aufgebaut wie zahlreiche Mailprogramme, also mit INBOX, OUTBOX PAPIERKORB und so weiter. Das hat den Vorteil, dass es kaum Einarbeitungsschwierigkeiten gibt. Sogar ein Rechtschreibprogramm - auch in Deutsch - erleichtert das Absetzen der Mails.

Auf der "Maschinenseite" lässt es sich so intuitiv bedienen, als würde man sich zu Hause über Telefon einwählen. Überlegt man sich "zu Hause", über welches Modem man geht, so sucht man sich einen vorgegeben Empfänger, beispielsweise eine Amateurfunkstation (es gibt circa 30 Amateurfunkstationen rund um die Welt, die sich kostenlos zur Verfügung stellen) aus. Alle diese Stationen arbeiten auf verschiedenen Frequenzen, die je nach Ausbreitungsbedingungen sich mehr oder weniger bis sehr gut eignen. Welche ist die beste?

Die Antwort gibt die Taste F8, die ein geniales Zusatzprogramm aufklappt, auf dem man mit einem Blick die besten Frequenzen ersehen kann. Man sieht, dass beispielsweise die angeklickte Station ZF1CG jetzt um 18 Uhr besser mit den hohen Frequenzen, also vielleicht im 20-Meter-Band auf 14065,9 KHz angewählt werden sollte. Clever nicht?

Hinter diesem Programm, das für militärische Zwecke entwickelt wurde - natürlich - steckt unvorstellbar viel Forschungsarbeit.

Um jetzt zu senden, bietet uns Airmail einen Knopf zum Anklicken an, der entweder Grün oder gelb ist. Gelb zeigt uns an, dass die Frequenz, oft nicht einmal hörbar, schon durch eine andere Station belegt ist.

 Also suchen wir eine Station oder Frequenz, die uns einen grünen Knopf anbietet. Den klicken wir an.

Auf einer technisch einwandfreien Station (der Preis hierfür liegt bei ein paar tausend Mark) passiert nun folgendes, und zwar vollautomatisch:

ALLES AUTOMATISCH!!!



Wetterberichte sind kein Thema mehr, die einzelnen Amateurfunkstationen liefern zum Beispiel:

OUTLOOK FOR CARIBBEAN AND THE TROPICAL N ATLC FROM 7N TO 22N

BETWEEN 55W AND 65W

.THU NIGHT THROUGH SUN...E OF 80W MODERATE ELY WINDS THROUGH SUN. W

OF 80W LIGHT NLY WINDS THROUGH FRI BECOMING OCCASIONALLY MODERATE

SAT AND SUN. A WEAK COLD FRONT WILL MOVE INTO THE NW CARIBBEAN SAT

NIGHT AND SUN.

 

Damit lassen sich sogar Bilder übermitteln oder auch Wetterfaxe:

Der direkte Zugang ins Internet ist aber nicht möglich. Ein Wert aus der Praxis: Pro Email brauchen wir so zwei bis fünf Minuten - je nach Ausbreitungsbedingungen.

Das AIRMAIL 3.0.855 ist kostenlos. Danke an Jim Corenman, der immerhin seit acht(!) Jahren an diesem Programm gearbeitet hat.

An anderer Stelle ist längst beschrieben, dass der beschriebene Funkbetrieb so nur Funkamateuren zugänglich ist. Und damit eine entsprechende Lizenz erfordert. Ein Tipp am Rande: Wer auf Langfahrt geht, sollte sie erwerben. Allein die Kenntnisse in Elektronik und Elektrik können beim Segeln Gold wert sein.

Aber auch ohne Lizenz gibts die Möglichkeit, Emails per Funk zu versenden. Mehrer Dienste um die Welt (z.B. Radio Kiel und Airmail) bieten diese Dienste gegen mäßige Gebühren an. Der Nachteil gegenüber dem Amateurfunk: Es stehen bei weitem nicht so viele Frequenzen zur Vefügung, so daß es zu Engpässen kommen kann. Im übrigen wird mit dem genialen Airmail auch in diesen Bereichen gearbeitet.

Ein Blick in die Zukunft: Eben wurde Pactor III angekündigt, wiederum in Hanau erfunden. Es wird die Geschwindigkeit des jetzigen Pactor II um das Fünffache übertreffen. Dann liegen wir schon bei den Geschwindigkeiten der ersten Modems am Telefon zu Hause. Und das alles drahtlos - ohne Grenzen.

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