Revier

Weitere 211 Millionen für Friesland

12.12.2011 Alexander Worms, Fotos: YACHT/A. Fritsch - In der nächsten Phase des „Friese Meeren Projects" ist nun klar, wohin das Geld fließen soll. Viele Erleichterungen für Segler

Schleuse Lemmer
Fotograf: © YACHT/A. Fritsch
Berühmter Zugang nach Friesland: die alte Schleuse in Lemmer

In der ersten Dekade seit 2000 sind bereits 235 Millionen Euro in die Provinz im Norden geflossen. Seinerzeit wurden vornehmlich Infrastrukturprojekte an den Wasserwegen realisiert. Das soll in der zweiten Periode bis 2015 weitergehen. Darüber hinaus zielen die Projektverantwortlichen jedoch auch auf die Attraktivierung der Zugangspunkte zur Provinz und auf die Verschönerung der Städte selbst.

Ziel der Veranstaltung ist es, 30 Prozent neue Jobs im Tourismussektor zu schaffen, den Betrag, den Touristen im Schnitt pro Tag ausgeben, zu erhöhen und dem schnellen Wachstum deutscher Wassersportgebiete, namentlich Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, Paroli zu bieten.

Die Aktivitäten unterteilen sich in folgende Bereiche:

– „Grenzenlos varen" steht für die Verbesserung der Infrastruktur an den Einfallspunkten nach Friesland und die Vereinfachung des Reisens auf dem Wasser. Bereits beschlossene Projekte sind: Vertiefung der Drempel in den Schleusen Makkum und Workum auf 1,90 Meter, eine zweite Kammer für die Schleuse in Stavoren, die Erhöhung der Brücken des Fahrwassers Grou, Jirnsum, Akkrum auf 2,50 Meter. Mittel bereitgestellt wurden für die Entschärfung des Knotenpunktes Brücke Lemmer an der N 359. Beim Reich, also dem Bund, angefragt wurde der Bau eines Aquaduktes der A6 unter dem Skarster Rien zwischen Langweer und dem Tjeukemeer in Verbindung  mit dem Umbau des Autobahnkreuzes Joure. Ebenso diskutiert wird die Abschaffung des Brückengeldes sowie der Pausen von Schleusen- und Brückenwärtern, dies sei nicht gastfreundlich. Zu guter Letzt sollen weitere 135 Kilometer Fahrwasser ausgebaggert werden.

Friesland
Fotograf: © YACHT/A. Fritsch
Bald Vergangenheit: das Zahlen des Brückengeldes mittels Holzschuh

– „Aantrekkingskracht Watersportkernen en Toegangspunten" bedeutet, dass die Besucher über die Einfallshäfen an Watten- und IJsselmeer leichter den Weg in die Provinz finden sollen. Das bezieht sich allerdings nicht auf die oben bereits genannte Infrastruktur der Fahrwasser, sondern auf die Orte selbst. Freie Anlegeplätze im Dorf und in der Natur (plus weitere 500 bis 2015, nach plus 1600 in Phase eins) und attraktivere Erscheinungsbilder der Stadtkerne sind hier das Stichwort. Auch sollen die Mitarbeiter, die in direkten Kontakt mit den Besuchern kommen, lernen, diesen noch mehr das Gefühl zu geben, willkommen zu sein. Schwerpunkte sind an den Küsten Stavoren, Lemmer, Harlingen, das Lauwersmeer, Workum, Echtenerbrug am Tjeukemeer und Makkum. Im Landesinneren sollen die Zentren Heeg, Woudsend, IJlst, Franeker, Earnewald, Balk, Bolsward, Joure, Dokkum und Leeuwaarden von den Maßnahmen profitieren.

Liegeplatz Friesland
Fotograf: © YACHT/A. Fritsch
Werden ausgebaut: freie Liegeplätze in der Natur

– „3 Innovatieve Pilots" sind Projekte, die über die reine Infrastruktur hinausgehen. So soll eine digitale Tiefenkarte der Wasserwege angelegt-, die digitale Navigation vorangetrieben und ein Wassersport-/Tourismuspass eingeführt werden.

Schon länger versucht die Provinz, elektrisches Bootsfahren voranzutreiben. Die Zahl der rein mit Strom angetriebenen Wasserfahrzeuge soll von 200 im Jahr 2010 auf 3000 im Jahr 2015 steigen. Dazu gab es bis August 2011 eine Subvention von 2500 Euro pro Fahrzeug bei Umbau oder Neukauf, sofern dieses in der Provinz verbleibt. Die Zahl der öffentlichen und privaten Aufladepunkte wird auf 1225 erhöht, und es werden drei besonders schöne Fahrrouten angelegt, die ausschließlich elektrisch betriebenen Schiffe vorbehalten sind.

Ist diese Phase des Projektes 2015 abgeschlossen, so werden seit 2000 etwa 450 Millionen Euro in die Stimulierung des Wassertourismus in der Provinz Friesland geflossen sein. Vor diesem Hintergrund erscheint die derzeit heirzulande geführte (Führer-)Scheindiskussion in einem anderen Licht: Der eine beseitigt infrastrukturelle Hindernisse (formelle gibt es nicht) mit hohem Aufwand – eine Führerscheinpflicht auf Binnengewässern für Fahrzeuge unter 15 Metern und langsamer als 20 km/h ist in den Niederlanden unvorstellbar –, der andere kämpft derweil noch mit bürokratischen Hürden.

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