Türkei

Umweltschutz wird ausgeweitet

Die 2011 für den Golf von Fethiye eingeführte Pflicht, Fäkalientanks über Absaugstationen zu leeren, soll auf die Küste ausgedehnt werden

Andreas Fritsch am 11.11.2011
TürkeiBluecard

Yacht im Golf von Fethiye

Der Vorstoß deutete sich Mitte dieses Jahres an: Relativ überraschend gaben die türkischen Behörden bekannt, dass für den Golf von Fethiye ab sofort eine Absaug-Pflicht für Fäkalientanks bestünde. Yachten, die sich länger im Golf aufhalten, müssten ihre Tanks in Marinas oder von mobilen Absaug-Serviceschiffen leeren lassen. Das häufig von Crews praktizierte Öffnen der Tanks ein paar Meilen abseits der Küste ist mittlerweile im Golf verboten. Für das (kostenfreie) Absaugen der Tanks bekam die Crew einen schriftlichen Nachweis, der aufgehoben und bei Kontrolle vorgezeigt werden muss.

Nun wird das Modell offenbar mit der Blue-Card oder "Marvi-Card" ausgeweitet, wie die Behörden bekanntgaben. Ab 2012 erhalten Crews für den Törn die checkkartengroße Kunststoffkarte, auf der die Entsorgung der Tanks dokumentiert wird. Entsorgungsstationen und Rufnummern der mobilen Service-Schiffe sind in einem Folder aufgelistet. Überraschend ist, dass das Modell offenbar auf die gesamte Küstenregion des Regierungsbezirks Mugla ausgeweitet werden soll. Der umfasst praktisch das gesamte Segelrevier von Bodrum bis zum Golf von Fethiye.

TürkeiBluecard

Die neue Blue oder Marvi Card

Ursprünglich zielte der Umwelt-Vorstoß mehr auf die großen Gulets, die an der Küste unterwegs sind und sowohl Grauwasser (etwa für Küchen und Badabwässer) als auch Fäkalientanks haben. Da auf solchen Booten oft 20, 30 und mehr Personen an Bord sind und die Skipper diese Tanks ähnlich wie die Yachten häufig dicht vor der Küste entleerten, wurde im Golf von Fethiye zuletzt eine sich verschlechternde Wasserqualität beobachtet. Nun scheinen auch die Yachtcrews in die Pflicht genommen zu werden. Das Gesetz sieht vor, dass "alle bei der Nutzung des Bootes anfallenden Abwässer" gesammelt und entsorgt werden müssen. Da Yachten aber keine Grauwassertanks haben und diese technisch auch nur schwer nachrüstbar sind, werfen die neuen Regeln viele Fragen auf.

Wahrscheinlich erscheint, dass sich das Vorhaben in der Praxis für die Charteryachten nicht so kurzfristig umsetzen lassen wird. Auf den Yachten sind in der Regel viel zu kleine Tanks installiert, um die Fäkalien an Bord länger als zwei, vielleicht drei Tage zu sammeln. Da an vielen Küstenabschnitten das Netz der Absaugstationen aber gar nicht dicht genug für eine regelmäßige, kurzfristige Entsorgung wäre, erscheint es schwer möglich, das Vorhaben in die Praxis umzusetzen.

Man darf also gespannt sein, ob die Vorschrift noch für die Yachten bis zum nächsten Saisonstart überarbeitet wird. Eine mögliche Lösung für das Grauwasser-Problem schlägt YACHT-Türkei-Korrespondent Udo Hinnerkopf auf seiner Webseite vor: Die Crews und Vercharterer könnten sich künftig verpflichten, nur noch biologisch gut abbaubare Shampoos, Duschbäder und Spüli zu nutzen, um die Umwelt zu entlasten.  

Andreas Fritsch am 11.11.2011

Das könnte Sie auch interessieren


Fotostrecken

Neueste Downloads

Yachttests


Reise-Reportagen


Ausrüstung


Gebrauchtboottests


Neue Videos


Aktuelle Artikel bei YACHT online