Kroatien

Tourismus-Direktor verteidigt Steuererhöhung

Die YACHT traf auf der boot in Düsseldorf den Direktor der Tourismus-Zentrale Kroatiens zum Gespräch. Die Steuer kommt, die Umsetzung hakt allerdings

Andreas Fritsch am 25.01.2018
Istrien
Tourismus Zentrale Istrien

Seit die massive Erhöhung der Aufenthaltsgebühr um bis zu 700 Prozent pro Jahr für Yachteigner beschlossen und verkündet wurde, lief die Branche Sturm – und das zuständige Tourismus-Ministerium hüllte sich in Schweigen. Keine Anfrage wurde beantwortet, nur in einigen kroatischen Medien gab der Minister Gari Capelli ein paar Statements dazu bekannt, die bestätigten, dass die Steuer käme und nicht mehr reduziert würde. Eigner einer Zwölf-Meter-Yacht müssen mit 1200 Euro pro Jahr rechnen. 

Nun sah man sich offensichtlich angesichts der massiven Kritik vom Marinaverband Kroatiens und Wassersport-Verbänden aus ganz Europa genötigt, zumindest auf der Messe in Düsseldorf einige Fragen zu beantworten. Im Gespräch, das Kreuzerabteilung und Vertreter kroatischer Marinas organisiert hatten und zu dem auch die YACHT eingeladen war, kam nicht der Minister selbst, dafür der Direktor der Kroatischen Touristischen Zentrale Kristijan Stanicic.

Dieser bestätigte, dass die Steuer seit dem 1. Januar gelte, überraschte dann aber mit der Ankündigung, dass es 2019 eine erneute Gesetzesänderung geben würde. Der Weg dahin sei kompliziert, da für die Neuregelung drei Gesetze geändert werden müssten, die mehrere Ministerien beträfen. Damit ist die derzeitige Version also nur eine Art Übergangslösung.  

Im Gespräch erwies sich, dass sehr viele Details der konkreten Umsetzung der jetzt gültigen Regelung noch längst nicht geklärt sind. Auf die Frage, ob bereits ausgestellte Nachweise für die Abgabe, die sich Eigner noch rasch vor der neuen Regelung geholt hatten, noch gültig seien, lautete die Antwort zunächst: "Nein". Auf Nachfrage, ob das sein Ernst sei, da sie zum Teil im Dezember noch ausgestellt und abkassiert wurden und es offizielle Papiere der kroatischen Behörden seien, die eine Gültigkeit bis 2019 auswiesen, korrigierte sich Stancic dann. Alle 2017 ausgestellten Nachweise sind gültig.

Des Weiteren vertrat Stancic klar die Linie des Ministers Gari Capelli. Der hat öffentlich als Rechtfertigung für die massive Erhöhung gesagt, viele Eigner seien nur geringfügig betroffen, da sie ja nur wenige Wochen in Kroatien segelten und durch die Möglichkeit, zeitlich befristet die Gebühr zu zahlen, sie die Steuer unterm Strich nicht so teuer käme. Er bestätigte, dass Eigner Gebühren-Nachweise für 8, 15, 30 oder 90 Tage oder eben das ganze Jahr bei den Hafenbehörden erwerben könnten. Wichtig dabei: Wer eins der befristeten Tickets kauft und es nicht ganz ausschöpft, kann sich vor Ort bestätigen lassen, dass er früher abgereist ist und diese Tage dann später aufbrauchen!

Verwirrung gab es zunächst allerdings in der Frage, wie und wo sich Skipper diesen Nachweis schriftlich besorgen  müssen. Kristijan Stancic betonte, dies sei entweder bei den offiziellen Hafenämtern aber auch bei den Marina-Rezeptionen möglich. Auf Nachfrage erklärten einige Marina-Betreiber und auch der Direktor des ACI, dass sie von so einer Regelung nichts wüssten. Zumindest der (größtenteils dem Staat gehörende) ACI erklärte, man würde eine entsprechende Anweisung umsetzen, wenn sie denn käme. Die privaten Marinabetreiber dürften weniger begeistert sein, sich diese bürokratische Aufgabe aufhalsen zu lassen und sich so vielleicht den Zorn der Kunden zuzuziehen, die dann denken könnten, die Gebühr stamme von ihnen. 

Ebenfalls unklar war, ob es ein entsprechendes Formular für diesen Nachweis geben wird und falls ja, wie es aussieht. Offensichtlich hat sich darüber noch niemand im Ministerium Gedanken gemacht. 

Die Kritik von Kreuzerabteilung und YACHT, dass die Gebühr nur von Ausländern bezahlt würde, es dagegen bei kroatischen Eignern weitenteils nicht üblich sei, diese Gebühr zu kassieren, wies Stancic von sich: Die Gebühr gelte schon immer für kroatische Eigner und würde künftig eingetrieben.

Auch das Argument, dass die höhere Gebühr Eigner von Yachten massiv im Gegensatz zu Landurlaubern oder Besitzern von Ferienhäusern benachteiligt, wies der Kroate weit von sich: Die neue Regelung sei nun identisch mit der des Landtourismus. Dass dies offensichtlich nicht stimmt, kommentierte er nicht mehr. 

Die Frage, ob die Tourismus-Zentrale nicht Sorge habe, dass Eigner die kroatischen Marinas verlassen und nach Italien wechseln könnten, wie tausendfach vor einigen Jahren passiert war, als Italien versuchte, eine Bootssteuer einzuführen, verneinte der Kroate. In Italien habe es sich um eine pauschale Bootssteuer gehandelt, in Kroatien gehe es dagegen um eine Anwesenheits-Gebühr, die angemessen sei. Die Kritik, dass die Gebühr besonders hart Eigner-Ehepaare treffe, die bereits im Ruhestand sind und ihr Boot meist allein ausgiebig nutzen, beeindruckte Stancic ebenfalls nicht.

Unterm Strich blieb der Eindruck, das neue Gesetz wird vor Ort im Schnelldurchgang ohne gute Vorbereitung durchgezogen und die zuständigen Beamten haben die Umsetzung noch gar nicht im Detail geregelt. Und das etwa zwei Monate vor Beginn der Segelsaison. 

Andreas Fritsch am 25.01.2018

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