Balearen

Rückzieher in Sachen Bojen-Gebühren

Die drohenden Liegegelder für Ankerbojen in den Feldern zum Schutz des Seegrases sind vom Tisch. Dafür werden weitere Buchten gesperrt

Andreas Fritsch am 14.06.2012

Ab zwölf Meter Bootslänge tabu: Ankern in der Seegraswiese

Allmählich entwickelt sich der Schlingerkurs der Balearen-Regierung in Sachen Bojenfelder zur Lachnummer. Nachdem es vor kurzem noch hieß, die Gebühr käme schon in dieser Saison für die Bojenfelder zum Schutz der Seegraswiesen, wurde sie nun wieder zurückgenommen, meldet die Kreuzerabteilung des DSV. Offenbar reagierte man damit auf heftige Kritik aus der Charterbranche. Die hatte sich besonders an einem weiteren brisanten Detail der Regelung gestört, das vorsah, dass Yachten über zwölf Meter Länge künftig nur noch in Wassertiefen ab 35 Meter aufwärts ankern sollten. Das wäre technisch praktisch unmöglich gewesen, kaum eine Yacht hat für derartige Wassertiefen ein ausreichendes Geschirr an Bord.

Das ständige Hü und Hott in Sachen Bojenfelder geht nun schon seit einigen Jahren so und spiegelt das Dilemma des Landes wider: Der dramatisch überschuldete Staat braucht jeden Euro, den er angesichts der Finanzkrise bekommen kann. Droht dabei jedoch durch Belastungen der Tourismus Schaden zu nehmen, laufen die Lobbyverbände der Inseln massiv Sturm. 

Trotz der Rücknahme gilt es für die Segler umzudenken, denn einige Punkte ändern sich doch. Yachten bis zwölf Meter Länge dürfen zwar frei in den Buchten ankern, Schiffe allerdings, die größer sind, dürfen ihr Eisen nicht in Seegrasflächen werfen. Auch die Kette darf dort nicht liegen – die mancherorts übliche Praxis, das Eisen in einen kleinen Spot mit Sandgrund zu werfen und dann 30, 40 Meter Kette durch das Seegras zu legen, ist damit nicht mehr legal. Künftig muss man also länger nach einem hellen Fleck am Grund suchen – von der Seemannschaft her ist das ohnehin sinnvoll, im Sinne der Umwelt ist es sowieso: Die breiten Furchen der Anker im Seegras wachsen nur mit einem Tempo von einem Zentimeter pro Jahr wieder zu und haben nachweislich schon riesige Areale am Grund zerstört. Doch genau diese Seegraswiesen sind enorm wichtig für Artenvielfalt und Fischbestand des Meeres und kommen in größeren Tiefen nicht vor, da dort zuwenig Sonnenlicht hingelangt. Angeblich sollen sogar Schlauchboote die Ankerpraxis kontrollieren, so die Kreuzerabteilung, und bei Verstößen Geldbußen von 500 bis 5000 Euro verhängen dürfen.

Noch wichtiger für Segler ist allerdings, dass das Umweltministerium weitere Ankerverbotszonen ankündigte, darunter auch einige bei Crews recht häufig benutzte Buchten. Auf Mallorca sollen dies Es Caló bei Cabo Farrutx (Ostseite der Bucht von Alcudia), auf Menorca Es Mercadal und Addaya, auf Ibiza die Bucht von Talamanca neben Ibiza-Stadt und Sant Josep und auf Formentera Pujols sein. Es bleibt zu hoffen, dass die Verbote, so sie 2012 schon in Kraft treten sollten, nicht kontrolliert werden, da sie in keinem Revierführer oder Seekartensatz auf einer Charteryacht verzeichnet sein werden.

Insgesamt liegen auf den Balearen neun Bojenfelder zum Schutz der Seegraswiesen aus. Buchungen und Infos über die Lage der Felder und Art der Bojen können auf der Webseite des Posidonia-Projektes über das Internet vorgenommen werden.

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Andreas Fritsch am 14.06.2012

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