Adria

Kostenexplosion in Kroatien

Die kroatische Regierung hat im Parlament drastische neue Aufenthaltsgebühren verabschiedet. Eigner einer 12-Meter-Yacht liegen nun bei über 1000 Euro pro Jahr

Andreas Fritsch am 18.09.2017
Istrien
Tourismus Zentrale Istrien

Völlig überraschend haben die kroatischen Behörden einen extremen Kurswechsel für die Aufenthaltsgebühr beschlossen, wie Kroatien-Experte Karl-Heinz Beständig, Autor des Revierführers "888 Häfen und Buchten" der YACHT berichtet:

"Das Tourismus-Ministerium hat einen Entwurf eingebracht, der eine schmerzliche Verteuerung für Eigner und Urlaubscrews bringt. Besonders größere Boote und längere Aufenthalte von mehr als nur einem Urlaubstörn werden höher besteuert. Der Vorschlag ist von der Regierung gebilligt und im kroatischen Gesetzesblatt bereits veröffentlicht worden und damit gültig", so der Kroatien-Experte. Nur selten wurden solche einmal gefassten Beschlüsse noch gekippt, zumal ein Aufschrei der Nautikbranche in Kroatien bislang ausblieb. Offensichtlich sei man angesichts der steigenden Besucherzahlen optimistisch, die Erhöhung umsetzen zu können. 

Und die Zahlen sind alarmierend:  Ein Eigner eines 9 bis 12 Meter langen Bootes mit Jahres-Liegeplatz in Kroatien zahlt nun, statt wie bisher knapp 150 Euro (1100 Kuna), satte 775 Euro (5800 Kuna). Wer eine 12 bis 15 Meter lange Yacht hat, liegt schon bei 1040 Euro (7700 Kuna). Die Preise sind, wie schon zuvor, nach Bootslängen und Aufenthaltsdauer gestaffelt.

Geplante Aufenthaltsgebühr 2018 umgerechnet in Euro, Vorjahrespreis in Klammern 
Bootslänge 5–9 m 9–12 m 12–15 m 15–20 m über 20 m
bis 8 Tage 17 € (20) 53 € (27) 67 € (40) 87 € (53) 127 € (80)
15 Tage 32 € (40) 94 € (47) 127 € (53) 160 € (67) 241 € (107)
30 Tage 53 € (53) 160 € (67) 214 € (80) 267 € (94) 401 € (134)
90 Tage 127 € (80) 388 € (87) 515 € (100) 642 € (114) 963 € (174)
1 Jahr 267 € (134) 775 € (147) 1029 € (176) 1283 € (201) 1939 € (227)

Diese Zahlen wurden im Gesetzesblatt Kroatiens hier offiziell veröffentlicht. Der Entschluss der kroatischen Regierung scheint sehr überraschend vor dem Hintergrund der negativen Erfahrungen, welche die Italiener vor wenigen Jahren mit der Einführung einer Bootssteuer in ähnlicher Höhe gemacht hatten. Laut Angaben des italienischen Marinaverbandes Asso Marinas kostete die kurzfristig eingeführte Steuer die Nautikbranche fast einen Einbruch von einem Drittel, besonders bei den privaten Eignern, und hat sich auch nach Rücknahme der Steuer vor zwei Jahren noch nicht ganz erholt.

Zu diesen Gebühren müssen die Eigner zusätzlich noch das sogenannte Permit für ihre Yacht erwerben, das nach Länge und Motorleistung berechnet wird. Für eine 12-Meter-Yacht kamen bisher dafür rund 50 Euro zusammen.

Mit diesem gewaltigen Gebührensprung ist Kroatien nun das mit Abstand teuerste Revier für private Eigner, kein anderes Land greift Wassersportlern derart rabiat in die Tasche.

Andreas Fritsch am 18.09.2017

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