Kroatien

Kommt die billige Nachversteuerung?

23.11.2012 Andreas Fritsch, Fotos: M. Muth - Sensationelle Wende in der Diskussion um die Versteuerung von Eigneryachten im Rahmen des EU-Beitritts 2013: 5 % sind im Gespräch

Fotograf: © M. Muth

Zunächst waren es nur vereinzelte Gerüchte, jetzt verdichten sich die Indizien, dass die kroatische Regierung kurz vor einer sehr eignerfreundlichen Sonderlösung für die Folgen des EU-Beitritts im Sommer 2013 stehen könnte. Da mit dem Beitritt die vielen, ohne Mehrwertsteuer gekauften Yachten von Eignern plötzlich steuerpflichtig werden, war dies das dominierende Thema unter Eignern im letzten Jahr.  

Doch nun liegen der YACHT zwei glaubhafte Berichte vor, dass angeblich folgende Lösung in den nächsten Tagen im kroatischen Parlament zur Abstimmung vorgelegt werden: Laut einem Gesetzesentwurf soll ab 1. Januar eine Versteuerung einer Yacht zu einem reduzierten Steuersatz von 5 Prozent möglich sein. Diese Regelung soll zeitlich befristet werden bis unmittelbar vor den EU-Beitritt, da das Gesetz sonst gegen EU-Recht verstoßen würde. Um dies zu ermöglichen, müsste das Schiff für diesen Zeitraum unter kroatische Flagge gestellt werden. Zwar gibt es gegen die Regelung heftige Proteste der Opposition, doch habe die Regierung zumindest rechnerisch derzeit eine ausreichende Mehrheit, um den Entwurf durchzubringen, so es denn nicht zu viele Abweichler in den eigenen Reihen gibt. Entsprechende Informationen gaben einige kroatische Agenturen, die auf dem Gebrauchtbootmarkt tätig sind, jüngst an Eigner weiter, sie liegen der YACHT schriftlich vor.

Die 5 Prozent erscheinen extrem niedrig, zumal die Branche selbst 2011 sogar 10 Prozent Steuer vorgeschlagen hatte. Es wird daher vermutet, dass die 5 Prozent als Verhandlungsmarge "eingepreist" sind, um sich anschließend auf die 10 Prozent zu einigen. Das wäre immerhin noch eine erhebliche Entlastung für Eigner, denn zurzeit liegt der Steuersatz bei 25 Prozent.

Lange Zeit galt es als den Kroaten nicht vermittelbar, warum sie ihre eigenen Schiffe hoch versteuern müssen, während den wohlhabenden Ausländern dies nahezu erspart werden sollte. Abgesehen davon braucht der kroatische Staat dringend Geld und würde die Erlöse aus einer Besteuerung mit 25 Prozent sicherlich schmerzlich missen. Aber andererseits scheint sich auch die Befürchtung durchzusetzen, dass die hohe Steuer zu einer massiven Flucht aus dem Revier führen könnte, wie in Italien jüngst geschehen, wo nach der Einführung einer Luxussteuer der Markt schwer ins Stocken geriet. Deren Folgen könnte ebenso unkalkulierbar sein.

Eignern bleibt dennoch nicht viel mehr übrig, als die Daumen zu drücken für die Abstimmung im Parlament und abzuwarten – zumindest bis zum Januar.

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