Griechenland

Griechenland führt Bootssteuer ein

Eigner von Yachten sollen künftig mit einer Revierabgabe belastet werden – je nach Bootsgröße bis zu 100 Euro pro Bootsmeter jährlich

Andreas Fritsch am 04.12.2013
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Segeln in Hellas künftig nur gegen Gebühr?

Seit Jahren schwelt im Land die Diskussion um die Einführung einer Abgabe für Eigner von Yachten, mehrere Anläufe, sie durchzusetzen, scheiterten bislang jeweils an den einflussreichen Interessenverbänden der Charter- und Marina-Branche. Nun gibt es also den nächsten Versuch. Und diesmal scheint das Gesetz schon beschlossen, die Umsetzung ist aber noch nicht ganz verabschiedet.

Kern der neuen Abgabe ist ein nach Bootslängen gestaffeltes System (Angaben pro Jahr):

  • Für Boote bis 7 Meter Länge 200 Euro
  • 8 bis 10 Meter 300 Euro
  • 10 bis 12 Meter 400 Euro
  • größer als 12 Meter: 100 Euro pro Bootsmeter  
  • Charterboote: 50 % Rabatt
  • Eigner mit Jahresliegeplatz erhalten 30 % Rabatt

Nicht ganz klar ist, ob Charteryachten, die natürlich einen Dauer-Liegeplatzvertrag haben, dann 80 Prozent Reduktion beanspruchen können. Um besonders die Belastung für Eigner von Schiffen über zwölf Meter erträglicher zu machen, dürfen diese die Gebühr auch monatsweise bezahlen, sie kostet dann aber 10 Euro pro Meter und  Monat. Dennoch könnte die Regelung – so sie diesmal umgesetzt wird – eher kontraproduktiv sein, wie die Beispiele Italien und Spanien zuletzt gezeigt haben. Dort wurden die Steuern für Schiffe unter zwölf Metern (Italien ) und über zwölf Meter (Spanien) gerade wieder zurückgenommen, da die Auswirkungen auf die Branche katastrophal waren. Viele Boote verließen Italien oder wurden aus dem Verkehr gezogen oder verkauft, der Neuboot-Verkauf ging noch deutlicher zurück als durch die Wirtschaftskrise. Zurzeit versuchen die Marinabetreiber und Charterfirmen die Regelung noch in letzter Minute zu verhindern.

Die wichtigste Frage ist, ob die Gebühr auch für Boote gilt, die nur kurz in griechischen Gewässern unterwegs sind und ob man nach der Zahlung das Revier verlassen und zurückkehren darf, wie dies in Kroatien etwa bislang mit der Vignette praktiziert wurde. Sollte die Steuer, wie beim türkischen Transitlog,  bei Ausreise verfallen und dann bei Wiedereinreise erneut fällig werden, dürfte der so beliebte griechisch-türkische Grenzverkehr stark zurückgehen. Da in der Türkei die Kosten dafür in den letzten Jahren auch deutlich gestiegen sind, dürften sich viele Crews dann zweimal überlegen, ob ihnen das Revier-Hopping mehrere hundert Euro wert ist.

Nicht ganz klar ist auch, wie die Steuer kassiert werden soll. Es ist zwar eine digitale Eintreibung über eine Webseite mit Bezahlfunktion geplant, doch auch die Hafenbehörden sollen das Geld eintreiben dürfen.

Andreas Fritsch am 04.12.2013

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