Gebührenerhöhung

Gegenwind für kroatische Regierung

Nach der urplötzlichen drastischen Erhöhung der Aufenthaltsgebühren formiert sich der Widerstand von Hafenbetreibern und Verbänden

Andreas Fritsch am 17.10.2017
Istrien
Tourismus Zentrale Istrien

Lange hat es gedauert, bis die Branche in Kroatien wach geworden ist, doch jetzt wird deutlich gegen die kürzlich still und leise durchgezogene Gebührenerhöhung gewettert. Die Behörden hatten vor wenigen Wochen eine Verordnung veröffentlicht, die die Sätze besonders für Eigner großer Boote, die einen Dauerliegeplatz in Kroatien haben, drastisch erhöht, teilweise um das Siebenfache. Die vollständige Tabelle der Erhöhungen finden Sie hier

Der Präsident des kroatischen Marinaverbandes Sean Lisjak fand in einem Brief an die kroatische Regierung klare Worte: "Wenn sich nichts an der Verordnung ändert, kann man einen drastischen Rückgang des nautischen Tourismus auf der Adria erwarten. Die Kunden, die von der Erhöhung gehört haben, sind wirklich verärgert. Wir bitten die Regierung, die Entscheidung zu überdenken und eine rationale Lösung zu suchen." Der Verband hat um Auskunft gebeten, warum diese drastischen Erhöhungen nötig waren und mit welchen Folgen die Beamten rechnen.

Auch in Deutschland regt sich Protest: Die Kreuzerabteilung des DSV arbeitet an einem Positionspapier und einer Liste von Fragen, die dem für die Erhöhung zuständigen Tourismus-Ministerium übergeben werden soll.  Vor Ort an der Adria wird in kroatischen Seglerkreisen ebenfalls die neue Verordnung heftig kritisiert, etwa im Forum der Wassersport Webseite www.nautica-portal.hr.

Rechtliche Bedenken meldet Revierführer-Autor Karl Heinz Beständig ("888 Häfen und Buchten") an. Aus seiner Erfahrung sei es bislang so, dass kroatische Segler zwar offiziell sich auch für die Aufenthaltsgebühren registrieren müssen, doch es sei üblich, dass sie diese bei den Hafenämtern nicht zahlen und diese sie auch nicht nachfordern. Das sei wohl kaum mit EU-Recht vereinbar sein. Eine Klage in Brüssel könnte die Folge sein. Für kroatische Eigner wäre eine Steuer in dieser Höhe auf jeden Fall ein harter Schlag.

Einziges Mittel zur Lösung für Eigner wäre, dass man die Jahresgebühr nicht mehr zahlt, wie bislang meist üblich, sondern nur noch für die Wochen, die man tatsächlich vor Ort ist. Das bedeutet aber eine Vervielfachung des bürokratischen Aufwands, da jedesmal der Eigner im Hafenamt vorstellig werden und die Einzelgebühren entrichten müsste. 

Nach zunächst reservierter Haltung ruft nun sogar der österreichische Pannendienst Sea Help seine Kunden und betroffene Eigner auf, eine Petition gegen die Gebühr zu unterschreiben, die den kroatischen Behörden vorgelegt werden soll.

Die YACHT hat wiederholt versucht, eine offizielle Stellungnahme des Tourismus-Ministeriums zu dem Vorgang zu bekommen, doch bislang schweigen der Minister und seine Beamten eisern. 

Andreas Fritsch am 17.10.2017

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