Ostsee

Die Bagger-Posse um Darßer Ort

Ganze acht Tage war der Nothafen nach den jährlichen Baggerarbeiten geöffnet, jetzt ist er schon wieder gesperrt. Was ist da los?

Andreas Fritsch am 18.05.2017
Darßer Ort
WWF / B. Meusel

Am 8. Mai vermeldete das Wasser- und Schifffahrtsamt Stralsund, dass die Zufahrt zum Nothafen Darßer Ort nach mehrwöchigen Baggerarbeiten wieder für die Schifffahrt freigegeben wurde – nun, ganze acht (!) Tage später, wird das Fahrwasser erneut wegen Versandung gesperrt. Was ist da passiert? Das wollte die YACHT wissen und rief beim Wasser- und Schifffahrtsamt in Stralsund an.

Die Beamten dort berichten, dass sie seit Jahren schon nicht mehr für die Durchführung der Baggerarbeiten zuständig seien, die obliegt jetzt dem Schweriner Ministerium für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern. Die Experten beim WSA sind allerdings noch immer für die Vermessung des Fahrwassers zuständig.

"Beim Versuch, mit unserem Mess-Boot in die Hafeneinfahrt zu fahren, blieben wir schon stecken", berichtet ein Mitarbeiter. Damit lag die Tiefe schon teilweise wieder deutlich unter 1,7 Meter. Die Ursache ist nicht ganz klar, doch die Experten vermuten, dass die Bagger nur zentral im Fahrwasser Sand entnommen haben. Es sei aber bekannt, dass der Sand von den Rändern sehr schnell nachrutscht, deshalb würde normalerweise vorausschauend an den Rändern etwas "auf Vorrat" gebaggert.

Im zuständigen Schweriner Ministerium zeigen sich die Beamten zerknirscht: "Das Ganze ist eine sehr unerfreuliche Geschichte. Wir wissen noch nicht ganz genau, was das Problem ist", erklärt Jens-Uwe Zingler vom Referat für Seeverkehr und Häfen. Natürlich wolle man das Problem schnellstmöglich beseitigen.  Aber: "Wir müssen jetzt erneut mit dem Nationalparkamt über eine Genehmigung für eine zweite Baggerung verhandeln." Und das kann schwierig werden, denn die Baggerarbeiten waren an Zeitfenster vor der Vogel-Brut gekoppelt, die nun verstrichen sind. Die Naturschutzbehörde ist bekannt dafür, dass sie den Arbeiten seit Jahren sehr kritisch gegenübersteht und Darßer Ort am liebsten der Natur und damit der raschen Versandung überlassen möchte. Damit ist nicht klar, ob der wichtige Schutzhafen an der Küste für die in vier Wochen bevorstehende Feriensaison zur Verfügung steht. 

Update 19.5.: Wie das WSA Stralsund heute mitteilt, wurden auch die Tonnen der Einfahrt eingezogen und das Feuer für die Ansteuerung abgeschaltet. 

Andreas Fritsch am 18.05.2017

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