Karibik

Bilder aus den Hurrikan-Gebieten

Die Aufräumarbeiten in den schwer getroffenen Gebieten der BVIs und auf St. Martin laufen jetzt so richtig an. Augenzeugen berichten

Andreas Fritsch am 21.09.2017
BVI
Astrid Wenzke

Der letzte Hurrikan "Maria"  ist abgezogen, hatte vor allem Dominica schwer getroffen, nun beginnen die Aufräum- und Aufbauarbeiten auf den verwüsteten Inseln in den British Virgin Islands und auf St. Martin, die bis zuletzt fürchteten, vom Hurrikan der Stufe 5 erneut getroffen zu werden. Insgesamt drei Hurrikans haben das Revier in nicht einmal drei Wochen heimgesucht. 

BVI

Bilder der Zerstörung von den BVI

Mittlerweile erreichen die YACHT auch die ersten Berichte von Seglern oder Charterfirmen-Betreibern, die vor Ort waren. Wie die Deutsche Astrid Wenzke, die bis vor Kurzem deutsche Honorarkonsulin der BVIs auf Tortola war und für VPM eine Charterbasis betreute. Die Deutsche ist gerade in Berlin angekommen, um dort Spendengelder und schweres Gerät für den Wiederaufbau zu organisieren. Sie erlebte den Kategorie-5-Sturm "Irma" vor Ort auf Tortola. 

"Ich lebe seit 40 Jahren auf der Insel, habe 9 Hurrikans miterlebt, zwei der Kategorie 4, aber ‚Irma‘ stellt alles in den Schatten. Ich schätze, 80 bis 90 Prozent der Häuser sind zerstört oder stark beschädigt, und ebenso groß dürfte die Zahl der zerstörten Charteryachten sein", berichtet sie. Sie blieb während des Sturms zunächst in ihrem Haus, doch dann evakuierte sie die Familie des Premierministers, mit der sie befreundet sei, aus ihrem Haus. Zusammen flüchteten sie sich in den einzigen fensterlosen Raum, das Badezimmer, und überstanden dort den Sturm. Das Haus wurde schwer beschädigt, das komplette Dach und alle Fenster seien herausgerissen worden. 

Kurz nach dem Sturm sei sie die Südküste der Insel von Nanny Cay bis zum Flughafen im Osten abgefahren, sofern die Straßen dies zuließen. "Vor der Einfahrt von Nanny Cay lag ein riesiger Kat auf dem Dach und blockierte den Zugang. Die Paraquita Bay, in der Sunsail und Moorings einen Großteil ihrer Flotte für den Sturm gesichert haben, bietet ein Bild der Zerstörung. Seit Jahrzehnten war das der beste Platz auf Tortola, um sich vor einem Hurrikan zu verstecken, es gab praktisch nie größere Schäden, aber diesmal ist alles anders." Die Bucht liege voller gesunkener, entmasteter Schiffe und auf dem Kopf liegender Katamarane. Es sei schwer abzuschätzen, wie lange es dauern würde, das Chaos zu beseitigen, und wann die Marinas wieder nutzbar seien. 

 

Aber die Hilfe laufe gut an. Wenige Tage nach dem Sturm kam eine englische Fregatte an, und 300 Soldaten sicherten die Insel, die in den ersten Tagen von Plünderungen heimgesucht wurde. "Die Einheimischen haben sich mit einer bewundernswerten Energie an die Räumung der Trümmer gemacht. Alle packen mit an!" Nach einigen Tagen, die sie im National Emergency Operation Center mithalf, ist sie nun nach Deutschland gereist. "Ich bin hier, um über Kontakte zum Rotary Club Berlin Spenden und schwere Maschinen wie Metall-Crusher und Holz-Zerhäcksler-Maschinen zu besorgen, die werden vor Ort dringend gebraucht, um die Trümmer zu beseitigen."

Auch die UN ist mittlerweile auf Tortola vor Ort und hilft beim Aufbau. "Strom und Telefon geht schon wieder teilweise, es geht langsam voran." Eine große Sorge vor Ort sei, dass der Hauptversicherer vieler Immobilienbesitzer auf der Insel angekündigt habe, er könne die Schäden nicht alle regulieren, es kursieren Zahlen von nur 40 Prozent Ersatz für die entstandenen Zerstörungen. Sollte das so kommen, wäre das für viele Menschen eine Katatstrophe und für nicht wenige der Ruin. 

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Nur noch ein Wrack: der beliebte Partyschoner "Willy Thornton"

Von den Nachbarinseln hat sie nur über Hörensagen gehört: "Den Bitter End Yachtclub hat es fast völlig zerstört, dort waren die Schäden auch in der Umgebung auf Virgin Gorda massiv." Anegada sei nicht so hart getroffen worden wie zunächst befürchtet. Eine gute Übersicht der Folgen des Sturms für die beliebtesten Seglerziele auf den BVIs hat die Webseite Pilotsdiscretion hier zusammengestellt.

Das BVI Tourist Board hat einen Spendenaufruf für die Opfer des Sturms gestartet, wer spenden will, wendet sich am besten direkt an das Büro: bvi@travelmarketing.de

 

Die Lage auf St. Martin 

Wie es auf der Nachbarinsel St. Martin aussieht, erzählt die Deutsche Lucie Barone, Inhaberin des Flottenbetreibers VPM und der deutschen Agentur Barone Yachting. Kurz nach dem Sturm segelte sie mit einem Boot von Guadeloupe herüber: "Unsere Basis in der Anse Marcel sieht verheerend aus. Die Hafeneinfahrt war durch Wracks von Schiffen versperrt, das Hotel und unser Stützpunkt sind stark beschädigt. Die Marigot Bay mit der Marina sieht ähnlich furchtbar aus. Überall liegen Wracks und gesunkene Yachten." Sie schätzt die Zahl der verlorenen Schiffe auf rund 200 allein auf St. Martin. Aber die französische Armee war als Erste wenige Tage nach dem Sturm vor Ort, hat den Plünderungen Einhalt geboten und sorgt nun für Ordnung. Es werde bereits massiv an der Wiederherstellung der Infrastruktur gearbeitet.

"Die Franzosen sind einfach super organisiert, die haben schon viel Gerätschaft vor Ort und helfen, wo sie können." Telefon und Internet funktioniere bereits wieder zeitweilig. "Natürlich sieht das hier momentan nicht nach Urlaubsparadies aus, fast alles Grün ist fort, das Salzwasser im Gepäck des Sturms hat die grünen Hänge braun gefärbt."

Zurzeit kann die Deutsche noch nicht abschätzen, ob ihre Basis zur Saison eröffnen kann. "Wir müssen jetzt erst mal die Wracks im Hafen bergen, wir schaffen schon Luftsäcke für die Taucher dorthin, um die Schiffe zu heben." Noch gebe es kein Wasser, keinen Strom, alle Stege seien zerstört. Die nächsten Wochen würden zeigen, wie schnell der Wiederaufbau möglich ist. Die Kunden von VPM sind davon kaum betroffen; da der größte Teil der Flotte vor dem Sturm nach Guadeloupe evakuiert wurde, konnten die meisten Kunden umgebucht werden. Trotz allem müsse es weitergehen, schließlich lebten auch die Menschen vor Ort vom Tourismus, je schneller der wieder anläuft, um so besser für die Einheimischen.

Andreas Fritsch am 21.09.2017

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